Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 4 › Seite 25

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-10-13, Seite 25

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Serausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio, und anderen Staaten.
ö Walther.

gewöhnlich die orthodoxe nennt, ſagt

ſtismus ſtand und welchen verderblichen Einfluß

„Gottes Mort

R

und Luthers TLehr'

edigirt von C. F. W.

2 — ..... —.—
—Offenb. Joh., Car. 14, v. 6 7.)—
— ———— —

vergehet nun und nimmermehr.“

Jahrg. 7.

St. Louis, Mo., den 15. Oetober, 1850.

No. A.

Bedingungen: Der Tutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcrip⸗
nonspreis ven Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber. welche tenſelben vorauszubezahlen und
das Poſtzeld zu iragen haben. —In St. Leuis wird jere einzelne Nr. für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittbeilungen für das Blatt entbalten, ſint au ren Redakteur, alle an⸗
deren aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtelungen. Gelder ꝛe. enthalten, unter der Addreſſe
Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

(Eingeſandt von P. Keyl.)
Die alten bewährten Maßregeln der
luth. Kirche zur reichlichen Ubung des
Wortes Gottes.
(Fortſetzung.)

Von der kirchlichen Gegenpartei aber, die man
Kliefoth: „Ihr war die rechte Handhabung des
kirchlichen Lehrweſens abhanden gekommen, aber
ſeine Ordnung hat ſie nicht angetaſtet. Sie
hatte ohngeachtet ihrer Ungeſchicklichkeit die Lehre
feſtgehalten und die Uberlieferung der Lehre nicht
verſäumt. Wenn man nun hierin den Ortho⸗
doxen einen Vorzug vor den Pietiſten zugeſtehen
muß, ſo darf man aber auch nicht überſehen, daß
zwiſchen der Orthodoxie zu Luthers Zeit und je—
ner zu Speners Zeit ein ähnlicher Unterſchied
ſattfand, wie zwiſchen dem kräftigen Mannes⸗
alter und dem matten Greiſenalter. x

Wir wollen nun noch ſehen, in welchem Ver⸗
hältniß der Rationalismus zum Pie⸗

er auf Predigt und Katechismusübung äußerte.
Der Rationalismus — wenn man den Aus⸗
druck für jene ganze Summe von Erſcheinungen
gelten laſſen will, in welchen jener Bruch mit
dem hiſtoriſchen Chriſten-und Kirchenthume ſicht
vollzogen hat — führte die von der Spenerſchen
Richtung gemachten Anfänge weiter. So viel
Gewicht die Spenerſche Richtung auf die chriſt—

liche Empfindung gelegt hatte, ſo viel legte der

Rationalismus auf das menſchliche Denken,
Meinen und Wähnen. Während jene die Hi—
ſtorie zur Seite geſchoben hatte, ſo gieng dieſe
einen Schritt weiter und erklärte ſich ungeſcheut
gegen das hiſtoriſche Chriſtenthum und obgleich
beide Richtungen ihrem Weſen nach weit von
einander verſchieden ſind, ſo treffen ſie doch in
ihrem Gegenſatz gegen die alte heilſame Form
und Norm der lutheriſchen Kirche zuſammen, wie
dies ſchon aus der Bekämpfung der Privat⸗
beichte, aus den Abkürzungen des Gottesdienſtes
und vielen ähnlichen Dingen erhellet, die ihren
Anfang in der pietiſtiſchen, ihre Vollendung in
der rationaliſtiſchen Richtung gefunden haben;
wir werden aber auch bei dem vorliegenden Ge—
genſtande Gelegenheit genug finden, die Beſtäti⸗
gung jener Behauptungen wahrzunehnien. Wenn
z. B. Spener ſich herausgenommen hatte, nach
eigenm Gutdünken die heilige Schrift in vier
„Quart“ zu theilen und mit Ausnahme von ei⸗
nem Ouart die drei andern als unpraktiſch zu
bezeichnen; wenn er nach ſeinen Anſichten es er—
baulicher gefunden hatte, lieber Epiſteln als
Evangelien, lieber Lehre als Hiſtorie, lieber
Neues als Altes Teſtament, lieber eigenwähle—
riſch chriſtlich als beſtimmt kirchlich zu predigen,
lag es da, als noch mehrerlei Wind der Lehre zu
wehen anfing, nicht ganz nahe, nun noch das
letzte Quart der h. Schrift den drei erſten, die
Epiſteln den Evangelien, das Neue dem Alten
Teſtament, die Lehre der Hiſtorien, das Chriſten—

—

thum dem Kirchenthum nachzuwerfen?

Wie von einer in der ganzen Denkweiſe ſo
abweichenden Richtung aus, dem alten kirchlichen
Lehrweſen und ſeinen Ordnungen nur die durch⸗
gängigſte Umgeſtaltung bevorſtehen konnte, das
wird in dem Kliefoth'ſchen Aufſatze meiſterhaft
mit folgenden Worten beſchrieben: „Das alte
Lehrweſen war in der Vorausſetzung geordnet,
daß es ſeinen Inhalt in dem von der h. Schrift
dargereichten Worte Gottes habe; ſo war ihr Ziel
Schriftverſtändniß und Schriftleben und ihr Weg
Schriftmittheilungz die Schrift hatte ſie vorgeleſen,
die Schrift hatte ſie predigend erklärt, die Schrift
hatte ſie im Katechismus zur Summe zuſammen⸗
gefaßt und in der Katechismuspredigt zum Lehr⸗
zuſammenhang auseinander gelegt haben wollen.
Wenn der Quell der Religion nicht in der Hi—
ſtorie, ſondern in der Vernunft war; konnte
mans da nicht viel näher und bequemer haben?
und war da nicht jener von der Kirche vorge—
ſchriebene Weg ein langer und langweiliger Weg?
Ferner, die alte Kirche hatte in ihrer Anſicht von
der hiſtoriſchen Baſis alles chriſtlichen Glaubens
und Lebens der geſammten mündlichen Verkün⸗
digung und dem geſammten Lernen der Gemeind
hiſtoriſch feſte Grundlagen dadurch gegeben, daß
ſie jener ganzen Thätigkeit beſtimmte Terte,
die Bibelabſchnitte, die Katechismusſtücke der
zehn Gebote, des kirchlichen Bekenntniſſes u. ſ.
w. untergelegt hatte. Aber, was dieſe Unterla⸗
gen darboͤten, waren das nicht eben jene in derl
allgemeinen und ewigen Vernunftreligion gar

nicht vorfindlichen noch nöthigen Lehren, deren

—

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