Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 3 › Seite 23

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-29, Seite 23

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Lutheriſche Miſſionsnachrieht. II.

Frankenmut, Bridgeport P. O. Saginaw,
Co. Mich. den 6. Sept. 1850.

Es war am Morgen des 27. Juni l. JI., als
wir mit friſchem Wind aus der Mündung des
kleinen Sibiwaing-Fluſſes in den unruhigen
Huronſee ausliefen, um hinüber zu fahren nach
dem 8 Meilen entfernten Indianerdorfe She—
bahyongk, das dir, lieber Leſer, aus früheren Be⸗
richten noch in freundlichem Andenken ſein wird.
Unſer kleines Schifflein wimmelte diesmal von
einer bunten Ladung. Nicht nur trug es die

ſämmtlichen Glieder unſerer hieſigen Priratcen—

ferenz, die eben, aus 4 Paſtoren und 3 Miſſi—
onaren beſtehend, in Sihiwaing verſammelt war,
auch 2 neue Ankömmlinge aus Deutſchland und
ein deutſcherWanderer befanden ſich darauf, dann

die beiden Frauen der Miſſionare Auch und

Maier ſamutt der ganzen Miſſionsfamilie, d. i.
den feſtlich geſchmückten Knaben der Sibiwainger
Indianerſchule; ſelbſt einige deutſche Landleute,
die um Sibiwaing angeſiedelt ſind, hatten ſich
in ihren beſten Sonntagsröcken eingefunden, und
den Schluß machte der alte Indianerdoctor von
Frankenmut, der dir gleichfalls noch erinnerlich
ſein ird. Wenn Du uns ſo mit freudeſtrah⸗
lenden Geſichtern hätteſt über die Wellen hinflie—
gen ſehen, Du hätteſt gleich darauf geleſen, daß
der Tag für uns ein froher Tag ſein müſſe. Und
warum hätten wir uns nicht freuen und fröhlich
ſein ſollen? War doch endlich mit der Hülfe
Gottes das kleine Indianerkirchlein zu Shebah—
hoͤngk fertig geworden. Und heute ſollte es ein—
geweiht und zugleich darinnen Herr Miſſionar
Maier bei ſeiner jungen Gemeinde aus den

Heiden als ihr berufener Prediger eingeführt

werden. Doch wie wurde unſere Freude erſt er—
hht, als wir nach kurzer Fahrt der kleinen Bucht
nahten, in welche ſich der Shebahyongk ergießt,
und wir zwiſchen den grünen Bäumen das ſau⸗
bere Blockkirchlein herausſchimmern ſahen, das
auf ſeiner öſtlichen Giebelſpitze ein maſſives
Kreuz trug, ein ſtilles und dennoch beredtes Frie—
denszeichen, das leuchtend über die dunkeln Wäl—
der hinſtrahlte, die ſo lange von der dichten Fin—
ſterniß des Heidenthums bedeckt geweſen waren.
Wir hätten gern dem Fluß eine weniger ſeichte
Mündung gewünſcht, um nur ſchnell hineilen
und alles in der Nähe betrachten zu können.
Endlich nach nanchem hartem Ruderſtoß langten
wir am Ziele an und nun gings im vollen Lauf
zur Kirche, um ſie von innen zu beſchauen. Neue
Freude überraſchte uns, als wir die Wände mit

Igrünen Reiſern, mit Blätter- und Blumenkrän⸗

zen von Indianerhänden lieblich geſchmückt ſ ahen,
wie ſie das hier an Pfingſten wahrgenommen hat⸗
ten; als uns der reinlich bedeckte Altar und ein

ſtattlicher Leſepult, der die Stelle der Kanzel ver⸗

trat, ſo freundlich anſchauten. Doch noch ein
ſchönerer Schmuck ſollte nun bald die lichten Räu—
me füllen, da die aus den Heiden geſammelte
kleine Chriſtenſchaar in feſtlichen Kleidern herzu—
kam, und Männer und Frauen, Knaben und
Mädchen mit frohen und dennoch ehrerbietigen
Geſichtern an ihre betreffenden Sitze traten. Der

Gottesdienſt wurde, wie die Noth lehrte, in deut—
ſcher und indianiſcher Sprache gehalten. P. Gräb—
ner, dem die Einführung übertragen war, pre—
digte zuerſt in deutſcher Sprache über 2. Cor.
5. 17—21, und handelte dem Tert gemäß vom
Amt, das die Verſöhnung predigt, deſſen göttli⸗
che Stiftung, deſſen Tröſtlichkeit und Nothwen—
digkeit er in lebendiger Rede darlegte. Dann
folgte die Einführungs-Ceremonie, an welche ſich
das heil. Abendmahl anſchloß. Zuletzt legte
Miſſ. Auch, der die kleine Gemeinde geſammelt
hat, derſelben mittelſt eines Dolmetſchers in In—
dianiſcher Sprache die Bedeutung deſſen, was
vor ihren Augen geſchehen, in einfältiger Weiſe
dar und ermahnte ſie gar ernſt und eindringlich
an die heiligen Pflichten, die ihnen als einerEhri⸗
ſtengemeinde ihrem Lehrer und Seelſorger gegen⸗
über oblägen. Freude, Rührung und Dank war
auf manchem der rothen Geſichter recht deutlich
und wohlthuend zu leſen. Nachmittag verſam—
melte ſich die ganze Schaar noch einmal, um nun
auch eine Kirchweihpredigt zu hören, die ihnen
Or. Miſſ. Baierlein durch den Dollmetſcher in
ihrer Sprache hielt. Dabei wurden lutheriſche
Lieder in indianiſcher Zunge aus vollen Kehlen
angeſtimmt, daß die Wände wiederhallten von
dem ſüßen Ton. Nach beendigtem Gottesdienſte
wünſchten die Indianer, daß auch der Schreiber

dieſes, als ihr alter Freund, eine Anſprache an⸗

ſie thun möchte. Das geſchah denn und wurde
dieſe feſtliche Gelegenheit benützt, ihnen eines
Theils die ſelige Gemeinſchaft der Heiligen recht
vor Augen zu ſtelleu, andern Theils ſie ihres
hohen Berufes zu errinnern, daß ſie als Erſt—
lingsgemeinde, und als von dem freundlichen
Gott mit dem lautern Evangelio und den un—
verfälſchten Sacramenten begnadet, nun auch
ein rechtes Licht ſein ſollten unter den nahen
Heiden in denen ihres Stammes, deren ſich der
methodiſtiſche Schwarmgeiſt in ſo trauriger Weiſe
bemächtigt hat. Es war ergreifend, die in lau—
tem feierlichem Ton geſprochene Antwort des
wackern Häuptlings zu hören, darinnen er nicht
nur eine herzliche Freude äußerte, mit uns fern—
her gekommenen weißen Chriſten und unſern Brü—
dern im alten Vaterland in Glaubensgemein—
ſchaft zu ſtehen, ſondern auch gar manches ein—
ſichtige und treffende Wort ſprach über die Auf⸗
gabe, die ihnen vom HERR der Kirche gewor—
den ſei. Was Wunder, daß wir auf unſerer
fröhlichen Rückfaͤhrt unſern dankerfüllten Herzen
in Wort und Lied Luft machten, und den Vater
unſers HEnR? Jeſu Chriſti prießen, der um
Seines lieben Sohnes willen an uns Unwürdi—-—
gen ſo große Dinge gethan hat. Doch noch eine
Freude war uns auf den andern Morgen aufbe—
halten, da wir uns eben anſchickten, unſere be—
ſchwerliche aber uns reichlich verſüßte Heimreiſe
von Sibiwaing anzutreten. Es ſtellte ſich näm—
lich auch noch der Sibiwainger Häuptling, der
uns ſcheints abſichtlich aus dem Wege gegangen
war, zu einer Unterredung ein. Daß wir die
Gelegenheit abermals ergriffen, ihm ſeine bisher
bewieſene große Untreue, ſein herzliches Elend,
die ſchreckliche Gefahr, die ihm drohte, gleich dem
alten Pämaſikeh als alter unbekehrter Sünder

zur Hölle zu fahren, dagegen die nahe, ihm ſchon
oft angebotene Hülfe recht lebendig vor die Seele
zu führen, kannſt du dir wohl denken. Nun der
HEgRR verſchafte unſern Worten doch einigen
Eingang in das ſteinharte Herz dieſes ergrauten
Zauberers und Böſewichtes. Er war ſichtlich
betroffen und verſprach, daß es nun endlich an⸗
ders mit ihm und ſeiner armen, von ihm geknech⸗
teten Bande werden ſolle. Und er hat, wie wir
hören, bisher wenigſtens in ſo weit Wort gehal⸗
ten, daß er ſeitdem mit den dortigen Miſſionaren
in guter Freundſchaft lebt, ſeine Kinder regel⸗
mäßig zur Schule ſchickt, und, es nicht länger
mehr hindert, daß ſich ein Familienvater aus
ſeiner Bande zum Katechumeuen-Unterricht ein⸗
findet. Möchte derſelbe ein Erſtling werden von
den andern allen, die bisher das Wort in ſo un⸗
mittelbarer Nähe gehabt und es, zum Theil aus
Furcht vor dem Häuptling, ſo lange verſchmäht
haben. Auch daheim hatte ich noch eine gute
Nachwirkung von dieſem ſchönen Feſte zu ver—
ſpüren. Der alte Indianerdoktor iſt ſeitdem
maͤnchmal ganz nachdenklich, kömmt fleißiger in
die Gottesdienſte und horcht aufmerkſamer zu.
Jüngſt hat er ernſtlich erklärt, daß er ſich taufen
laſſen wolle, ſobald er das Nöthige gefaßt und
behalten haben werde, was freilich bei ihm ſehr
langſam hergehe. Wir ſagten ihm, ob er denn
gar keine Zeit mehr finde, ſich unter der Woche
zum beſondern Unterrichte einzuſtellen, wie er
doch bereits angefangen hatte. Er entſchuldigte
ſich aber mit der nahen Welſchkornernte, verſprach
des Sonntags deſto beſſer aufzumerken nnd hoffte,
in einigen Wochen zur Taufe vorbereitet zu ſein.

Gott gebe, daß dies nicht wieder Ausflüchte ſind,

die ihm der Teufel, dem er ſo lage gedient hat,
an die Hand gab, um ihn gar in ſeiner Knecht—
ſchaft zu behalten.

Auch in Point au gres hat ſich's endlich in
ganz erfreulicher Weiſe zum Beſſeren gewendet.
Die kleine Bande hat bei Miſſionar Maier's
letztem Beſuch erklärt, daß ſie ſich unterrichten
und taufen laſſen wolle, wenn ſie einen eignen
Miſſionar bekäme. Dazu fehlt uns nun freilich
für den Augenblick alles in allem. Für's erſte

ein Miſſionar; denn obwohl ſich Herr Strieter,‚

ein Schwager Auch's, zum Miſſionsdienſte dar⸗
geboten hat und eben bei mir iſt, um ſich für Fort

Wayne vorzubereiten, ſo gehen doch noch Jahre

über ſeiner nöthigen Ausbildung hin.
mangelt uns aber auch das Geld, das erforderlich
iſt, dort eine Station zn gründen. Denn bei
der weiten Entfernung und abgeſchiedenen Lage
des Ortes wäre eine ſolche nicht wenig koſtſpielig,

Dann

und doch verſpräche ſir obendrein für's Erſte we⸗

nigZukunft, da außer den bisher unzugänglichen
Sable-Indianern ſonſt keine in der Nähe ſind.

Da befinden wir uns denn in ziemlicher Verle—

genheit.

Doch da die Bande mit der in Sheba⸗

hyongk befreundet iſt, ſo hegen wir die frohe
Hoffnung, ſie werde ſich bewegen laſſen, dorthin
oder doch in die Rähe zu ziehen, da man ihr

dann freilich Land ankaufen müßte.
ſchön wäre es, wenn auf dieſe Weiſe die dortige
Gemeinde verſtärkt, unſere Wirkſamkeit concen⸗
trirt und ſo von einem feſten Haltpunkte aus

Aber wie

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