Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 3 › Seite 21

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-29, Seite 21

17 18 19 20 21 22 23 24

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

—21—

ſelbſt die des ſeligen Doctor Luthers; — weil
Luther auch manche alte Lieder aus der katholi⸗
ſchen Kirche verändert habe. Allein die Herren
Doctores und Profeſſores ſollten je wiſſen, daß
Lnther nur das Römiſch-Papiſtiſche, nicht aber
das echt Catholiſche, das iſt, allgemeine Chriſt—
liſche wegwarf. Die Frage iſt, ob Luthers Lie—
der falſch oder richtig ſind. Nun hat die Kirche
300 Jahre ſchon dieſelben anerkannt und unver⸗
ändert beibehalten, wie DoctorLuther es auch aus⸗—
drücklich begehrte, und erſt in neuerer Zeit wurde
man ſo frech, dieſelben zu verböſern. Daß aber
das genannte Lutherlied; „Chriſt unſer Herr zum
Jordan kam“, ſo jämmerlich verfälſcht wurde,
ſcheint deswegen geſchehen zu ſein,, dieweil Lu—
ther in dieſem Liede ausdrücklich ſagt: daß wir
durch die Taufe wiedergeboren, und von Sünden
abgewaſchen werden; und in einem dieſer Verſe
in großemErnſt ſingen heißt: „Zu meiden Ketzer⸗
haufe“, nämlich: Wiedertäufer, Calviniſten und
Cryptocalviniſten (d. i. verkappte Sacramenti⸗
ter) u. a., welche die Taufe für nichts weiter
gelten laſſen wollen, als für ein hohles, leeres
Zeichen und eine Ceremonie, welche nicht „von
Tod und Teufel erlöſe“, wie der Catechismus
ſagt. — Es ſcheint, man habe den Neu-Maß⸗
regel-Lutheranern zu gefallen dieſes Lied ſo ver⸗
fälſcht, welche wie bekannt, ihren geiſtlichenDampf—
maſchinen, der Bußbank ꝛc., die Wiedergeburt
zuſchreiben, und nicht der h. Taufe. Ich muß
geſteben, ehe mir das Geſangbuch zu Geſicht kam,
dachte ich mir in derThat bedeutend mehr davon,
wiewobl ich nicht leugne, daß ich mit ſtarkem
Mißtrauen gegen daſſelbe angefüllt war, nament⸗
lich, da ich erfuhr, daß S. S. Schmuker, der
bekannte Verfälſcher der lutheriſchen Lehre und
Hauptmann der Neu-Maßregler, auch als Com—
mitee-Mitglied ernannt worden war. Und noch
hätte ich kein Wort dagegen erwähnt, wenn nicht
der antilutheriſche Baltimore-Weylſche Kirchen—
bote faſt in jeder Nummer ſeines Blattes ſo große
Lobeserhebungen über das genannte Geſangbuch
machte. Ja, ſelbſt der Philadelphier Demokrat
weiß es nicht genug zu rühmen; dort ſtehts ja
mit großen Buchſtaben gedruckt: „Dieſes von
den beſten Theologen Amerikas anerkannte Luthe—
riſche Geſangbuch.“ Ja wohl, damit für ſeine
TaſcheGeld zu verdienen! Kein Wunder, daß Rew-
Norker Buchhändler ihm nacheifern wollen, da—
durch daß d lcorn dem „Gemeinſchaftlichen Ge—
ſangbuche“ einen „zweiten vermehrten Anhang“
beigedruct baben. und zwar ohne den früheren
Preis des gemeinſchaftlichen Geſangbuchs zu er—
höhen (freilich müßte man ſich, um letzt genann—
tes Buch gut leſen zu können, ſogleich eine Ver—
größerungs-Brille kaufen). Zwar kann es ei⸗
nem bei dem vorhandenen Wetteifer der Buch—
drucker und Buchhändler nicht befremden, wenn
ſich der Philadelphia Demokrat alle mögliche
Mühe giebt, ſein Geſangbuch „it kirchlicher
Genehmigung“ abzuſetzen — denn bei Zeitungs⸗
ſchreibern, die den Mantel gerne nach dem Win—
de richten, iſts ja Handwerksgebrauch dergleichen
Maßregeln zu ergreifen — aber ſonderbar iſts
immer und faſt unbegreiflich, daß Pfarrer und
Synoden dazu ſtill ſchweigen, ja ſelbſt durch

Recommendation und Einführung eines ſolchen
abermal verfälſchten neuen Geſangbuches die
armen Leute um ihr Geld bringen können. Oder
thuns die Pfarrer aus Unwiſſenheit? Sind ſie
ſo ſtockblind? Das kann ich faſt nicht glauben.

Lieber Andreas! ich meine, du ſollteſt als ein
beſſerer Kritiker, denn ich, ſobald wie möglich et—
was Ausführlicheres durch den Lutheraner dar⸗
über an den Tag geben; dem viele deiner
Baieriſchen Landsleute haben ſich bereits ſchon
ſolche Geſangbücher gekauft, andere haben das—
ſelbe im Sinn. — Doch fahre ſäuberlich, — daß
du nicht beim Ausjäten des Uukrauts den guten
Waizen mit ausraufeſt. Komm nicht gleich ſo
ſtark heraus mit deinem Laltlutherifchen Ver⸗
dammungsurtheil, wie Du's voriges Jahr mit
dem gemeinſchaftlichen „Geſangbuche“ gemacht
haſt, worinnen ſich ja doch noch etliche Lieder
finden, die man zur Noth gebrauchen kann; man
muß das Kindlein nicht mit dem Bade zugleich
hinauswerfen.
weil Du ein „Altbaier“ biſt, deine Sprache iſt
ſtark, man kann Dich wohl verſtehen, namentlich
wir Buſchleute; Du haſt auch ganzrecht;
Deine Briefe ſind köſtlich; maͤncher Pfarrer hätte
es nicht ſo gut machen können, als Du's gemacht
haſt. Nun, gehab Dich wohl, fahre fort im
Forſchen nach Wahrheit; die Ernte iſt bald vor⸗
über und die Abende werden ſchon wieder länger;
laß Dich bald wieder hören, vielleicht erlebeſt Du
bald eine große Freude; denm die Pennſylvaniſche
Synode hat beſchloſſen, ihre Liturgie auf's Neue
aufzulegen und etwaige nothwenrige Verbeſſe⸗
rungen vorzunehmen; dazu ſoll auch die „Ohio⸗
Synode“ um ihr Gutachten befragt werden, und
vielleicht wird dieſeviturgie von ihrem reformirten
und rationaliſtiſchen Sauerteig gereinigt, man
wird vielleicht die „Löheſche Agende“ zum Muſter
nehmen, was wohl gut wäre; wir wollen in Liebe
das Beſte hoffen; wenn es aber nur bei ſolchem
Flicken nicht geht, wie Luther ſagt: „Es ſind
der Schuſter viele geweſen und haben beides,

Draäht und Stich, verleren“.—
* *

*
.

Lutheriſche M iſſionsnachrichten. I.

Veth anien, 15. Auguſt 1850.
„Lobſinget dem HErrn, denn Er hat ſich herrlich
bewieſen, ſolches ſei kund in allen Landen.“ Jeſ.
11, 5.

Du haſt geliebter Leſer, aus Nr. 23 des „Lu—
therauers vor. Jahrg. den ſeligen Knecht des
HErrn, Bartholomäus Ziegenbalg, er—
ſten evang. luth. Miſſionar in Oſtindien, gewiß
zu deiner Freude kennen gelernt. Dieſer geprüfte
und bewährte Knecht iſt nun bereits über 130
Jahre zu ſeines HErrn Freude eingegaugen⸗ und
es wird an ihm erfüllt ſein, was Dan. 12, 3.
geſchrieben ſteht, daß die Lehrer leuchten werden,
wie der Himmels Glanz, und die, ſo viele zur
Gerechtigkeit weiſen, wie die Sterne immer und
ewiglich. — Aber obgleich er längſt abgetreten
iſt vom Schauplatz der Erde und ihrer Angſt und
Mühe und Noth entrückt:
der Erde verblieben und ſeine Thränenſaat hat

Zwar entſchuldige ich Dich gern,

ſo iſt doch ſein Werk

bis heut noch nicht aufgehört ihre goldenen
Früchte zu tragen. Denn, wie Sprüchw. 10,7.
geſchrieben ſteht, das Gedächtniß der Gerechten
bleibt im Segen: ſo iſt auch dieſes Gerechten Ge—

dächtniß im Segen geblieben bei Vielen, ſo wohl
im Lande ſeiner Wirkſamkeit, als auch im Hei—
mathslande. Noch ſteht in Trankebar die Jeru—
ſalemskirche, die Ziegenbalg erbaut, und noch
wird in ihr derſelben Gemeinde, deren Väter er
aus dem Heidenthum geſammelt, das Wort des
Lebens verkündigt, und die heil. Sacramente
geſpendet. Noch ſteht auch ſein Wohnhaus nebſt
den Schulgebäuden, worin er eine zahlreiche Ju—
gend in der Gottſeligkeit unterwies, die die Ver⸗
heißung hat dieſes und des zukünftigen Lebens;
und auch hier wird ſein Werk fortgeſetzt. Und
nicht nur ſo ſchlechthin fortgeſetzt, ſondern auch
in demſelben Sinn und Geiſte, in demſelben rech⸗
ten einigen Glauben wird Gottes ewige unver—
änderliche Wahrheit Jung und Alt, Chriſten,
Heiden und Muhammedanern verkündigt. Dar—
um hat ſich Gott auch aufgemacht, von neuem
ſich zu ſeinem Werke zu bekennen und ſeinem heil.
Worte den verheißenen Segen in reichem Maße
folgen zu laſſen.

Von dieſen großen Thaten unſers Gottes,
möchte ich Dir, mein lieber Leſer, gern einiges
mittheilen, mit dem herzlichen Wunſche, daß ſie
auch dein Herz ſo erheben, ſtärken und erfreuen

möchten, als ſie das Meinige in meiner Einſam-
keit, und über meine Einſamkeit hinaus erhoben,
geſtärkt und erfreut haben. ö

Im 84. Pſahn ſteht geſchrieben, daß die Leh⸗
rer mit viel Segen geſchmückt werden, daß ſie
einen Sieg nach dem andern erhalten, ſo daß
man ſehen muß, der rechte Gott ſei zu Zion. Dieſe
Worte finden abermals ihre Erfüllung auch un⸗
ter unſern Brüderu, die in das Erbe des ſeligen
Ziegenbalg getreten ſind. Denn während unter
dem Einfluße des todten und tödtenden Ratio—
nalismus die früher ſo weit ausgedehnt geweſene
Miſſionsthütigkeit gänzlich auf Trankebar be—
ſchränkt worden war, und auch dort nur küm⸗
mirlich ſich erhielt: iſt in den letzten Jahren mit
einem neuen Geiſte von oben auch neues Leben,
in die faſt erſtorbene Miſſion gekommen, ſo daß
ſie rufen mußte: „der Raum iſt mir zu enge,
rücke hin, daß ich bei dir wohnen möge“ (Jeſ.
49, 20.). Nicht mehr eine Gemeinde nämlich
zählen wir dort, ſondern 43 faſt täglich ſich meh⸗
rendewchriſtl. Gemeinden ſind auf 5 Stativnen
geſammelt. — Doch ich laſſe lieber den jetzt in
Oſtindien weilenden Direttor der cvang. luth.
Miſſion zu Leipzig weiter erzählen. Derſelbe
ſagt in ſeinem kurz vor ſeiner Abreiſe nach In—
dien zu Nürnberg gehaltenen Miſſions⸗Vortrag:
„Unſer bei weitem hoffnungsreichſtes Miſſions⸗
feld iſt das für jeden Miſſionsfrennd ſo hehr und
lieblich klingende Trankebar in Oſtindien, jenes
von den Thränen unſrer Väter befruchtete Ar—
beitsfeld. Dort tragen auf 5 verſchiedenen Po-
ſten des Tages Laſt und Hitze 8 unſer tüchtig⸗
ſten Miſſionare. Ihnen zur Seite ſtehen 50—
60 Kirchen- und Schuldiener aller Art aus den
Eingebornen, und arbeiten mit ihnen an 13 Ge⸗

meinden, mit etwa 2500 Seelen, an über 30.

English translation

Not yet translated.