Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 3 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-29, Seite 22
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Schulen, mit mehr als 1000 Kindern, an einem
Seminar zur Heranbildung eingeborner Lehrer
und Prediger mit etwa 70 Zöglingen (aus wel⸗
chem bereits 3 wohl ausgebildete und fromme
Männer durch die heil. Ordination für das Pre⸗
digtamt ausgeſondert ſind). Die Arbeit an den
Heiden aber, die vornehmlich durch die eben ſo
geſchickte als geſegnete Hand unſers wackern
Mylius geht, ſchreitet ſo friſch und fröhlich da⸗
her, daß allein in den letzten 9 Monaten 258
Hindus die heil. Taufe empfangen haben, und
noch immer folgt eine Ernte auf die andere, und
ein Erntejubel der Schnitter auf den andern.
Darum ſo freuen wir uns auch, als zur Zeit
der Ernte. Ihr aber, l. Brüder, freuet euch
mit uns, und vergeſſet auf einen Augenblick, daß
die heimathliche Kirche einer weinenden Rahel
gleicht. Wenn ihr aber das nicht könnt, ſo neh—
met wenigſtens den Troſt daraus, daß es dem
SErrn der Kirche ein Kleines iſt, ſeine Kirche zu
bauen wo Er will. — Unſere Verbindungen er⸗
ſtrecken ſich weit über die luth. Kirchen Deutſch⸗
lands hinaus nach Rußland, Polen, Ungarn,
Schweden, Norwegen, Dänemark, Frankreich,
Nordamerika, ja ſeit Kurzem auch nach Holland
und England hinein. Und wenn auch in den
meiſten lutheriſchen Kirchen erſt ein geringes
Häuflein für uns betet, redet und giebt, wir
freuen uns, wenn auch nur Ein Herz dafür glüht,
Eine Hand ſich öffnet, Ein Fuß ſich regt, Ein
Mund ſich aufthut. Das iſt aber nicht alles.
Oſtindiſch-brittiſche Chriſten ſchenkten uns vor
einigen Jahren die Station Mayaveram mit
allem Zubehör an liegenden Gründen und Ge⸗
bäuden. Bald darauf übergab uns der verſtor⸗
bene König von Däuemark die geſammte halliſch—
däniſche Miſſion in dem trankebar'ſchen Gebiete,
mit allem Zubehör an liegenden Gründen, Ge—
bäuden und Zinſengenuß, der für die oſtindiſche
Miſſion beſtimmten Vermächtniſſe. Im Laufe
aber dieſes Jahres legten die nordamerikaniſchen
Miſſionare in Südindien, weil es ihnen an Kräf⸗
ten gebricht, ihre, wie ſie ſelbſt ſagen, blühende
Miſſion zu Puducottah mit 5 — 6 Gemeindlein,
ſammt allem Zubehör an liegenden Gründen
und Baulichkeiten in die Hände unſrer tranke—
bar'ſchen Miſſionare. Und die von unſern Vä⸗
tern geſammelte Gemeinde zu Vepery (Madras)
mit 5—600 Seelen, bat auf das Dringendſte um
Wiederaufnahme in die trankebar'ſche Mutter-
kirche.“
Das iſt ein kurzer Überblick unſrer oſtindiſchen
Miſſion, des geſegneten Erbes, vom ſeligen Zie⸗
genbalk. Aber in dem ich hier dieſes ſchreibe,
wird es dort ſchon wieder anders ausſehen, wer⸗
den neue Schaaren und vielleicht neue Gemein⸗
den hinzugekommen ſein. Denn die Stimme ler⸗
nender Heiden, die für die heil. Taufe vorbereitet
werden, iſt in mehr als einem Jahre nie ganz
verſtummt, und zwar waren es nicht einige We⸗
nige, ſondern wenn oft 10, 20 ja bis 50 an ei⸗
nem Sonntage getauft wurden, ſo blieben immer
noch für die nächſte Zeit ſo viel oder noch mehr
übrig. Von weither kommen ſie Familien⸗
weiſe und bitten um Unterricht und Aufnahme
in die chriſtlichejKirche. Und die neu getauften
brennen vor Eifer, zunächſt ihre Freunde und
Stammgenoſſen auch zu der Seligkeit, die in
Chriſto Jeſu iſt, herzuführen. So hat ein Mann
50 ſeiner Stammgenoſſen herzugbracht, ein an⸗
drer 18 u. ſ. w.
Und nun, mein l. Leſer, hüpft dir nicht dein
Herz vor Freuden über dieſe große Thaten Got⸗
tes, die Er an ſeiner Kirche und an den armen
Heiden thut? Dringt es dich nicht Gott dafür
zu loben und ihm zu geloben auch, deines Theils
zuerſt dich ſelbſt ganz dem HErrn zu ergeben,
und dann auch was Gott an Erdengütern dir
anvertraut hat, gern ihm zur Ausbreitung ſei⸗
nes Reiches zu leihen? Gewiß, Er giebt dir's
tauſendfältig wieder in dieſem und in jenem
Leben.
Wohl könnte Er ſein Werk ausrichten ohne
dein und aller Menſchen Gold und Geld, aber
es iſt eben ſein heil. Wille, ſein gnädiges Herab—
laſſen, daß ſeine Kinder an den großen Werken
ſeines Reiches ſich betheiligen ſollen, um des
Gnadenlohnes willen, den Er dafür verheißen,
und um der Seligkeit willen, die bei ſolchem
Thun hier ſchon unſer Herz erfüllt und erfreut,
einſt aber unausſprechlich mehr und ohne Ende
erfüllen und erfreuen wird. O, daß doch Keiner
aus ſündlicher Mammonsliebe, oder aus unnützer
und (Matth. 6, 25 — 34) verbotener Sorge für
die Zukunft, die Ausübung dieſes ſeines Kindes⸗
rechtes unterlaſſen, und des verheißenen Gnaden⸗
lohnes und der überſchwenglichen zeitlichen und
ewigen Freude ſich berauben möchte!
„Und die Lehrer werden mit viel Segen ge—
ſchmückt, ſie erhalten einen Sieg nach dem an—
dern, daß man ſehen muß, der rechte Gott ſei zu
Zion,“ ſo iſt es, Preis ſei Gott, auf unſerer
Miſſion in Oſtindien. Von unſerer noch ſo
jungen Miſſion hier zu Lande können wir ſo er—
freuliches freilich noch nicht berichten. Wir
gehen noch „im Jammerthal und machen hie und
da Brunnen.“ Beiſuns währt noch die Thrä—
nenſaat, die ja auch in Oſtindien ibre Zeit hatte,
weil es ohne ſie nirgends eine Freudenernte giebt.
Aber doch läßt es auch uns der treue Gott an
Sonnenblicken ſeiner Gnade nicht fehlen. Na—
mentlich macht uns das indianiſche Gemeindlein
zu Shiboyang, wegen ſeines entſchiedenen und
lernbegierigen Sinnes, Freude und Hoffnung.
Auch hier zu Bethanien iſt der liebe Gott noch
nicht müde geworden in ſeiner erbarmenden Hir⸗
tentreue. Denn trotz des Sturmes, den ausge—
ſuchte Händlerbosheit über uns brachte, trotz dem,
daß wir uns gerade in dieſer Noth von dem Dol⸗
metſcher verlaſſen ſahen, und trotz des immerdar
ſich fortſpinnenden Lügengewebes der Methodi-—
ſten, iſt dennoch das Gemeindlein nicht nur er⸗
halten, ſondern auch, durch die Taufe dreier
Frauen und eines Knaben, vermehrt worden.
Und ich muß von dem jetzt über 20 Seelen zäh⸗
lenden Gemeindlein zur Ehre Gottes bekennen,
daß es fleißig ſich zur Anhörung des göttlichen
Wortes verſammelt, nicht nur des Sonntags zwei
Mal, ſondern auch des Mittwochs und Freitags.
Gott wolle ſie ferner in Gnaden bewahren, ſie
ſtärken, kräftigen, gründen in ſeiner Wahrheit,
und bis ans Ende bei ſich im rechten einigen.
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Glauben erhalten. Zudem hat es dem treuen
Gott gefallen, uns auch hier eine neue Thür zu
öffnen, indem ſich eine ganze Bande erklärt hat,
ſich auf dem Wege des Lebens unterrichten zu
laſſen, wenn wir ſofort ihr einen Lehrer hingeben
wollen. Das iſt, wenn man unſre Umſtände
hier kennet und erwägt, über Bitten und Ver⸗
ſtehen. Allein es hat auch dieſe ſüße Liebe Got⸗
tes einen bittern menſchlichen Beigeſchmack.
Denn es fehlt uns wohl nicht am Wollen, aber
das Vollbringen gebricht uns. Langen doch un—
ſere Mittel nicht einmal hin, die beſtehenden 4
Stationen Frankenmuth, Sibiwäing, Shibo⸗
gang und Bethanien zu unterſtützen; und wo
ſollen wir einen Boten hernehmen, der dieſen ar⸗
men Heiden die Friedensbotſchaft bringt? Du
ſiehſt, l. Leſer, daß es auch hier wieder heißt:
„Mit unſerer Macht iſt nichts gethan.“ Und
doch muß dieſen hungernden Heiden das Wort
des Lebens geſpendet werden, wenn ſie nicht ver—
ſchmachten und verderben ſollen. Doch müſſen
wir durch dieſe offene Thür eingehen, wenn nicht
der naheWolf eindringen und alles zerſtreuen und
zerſtören ſoll, und wenn wir nicht ſtatt der Freude
und des Segens, Betrübniß und ſchwere Verant⸗
wortung dazu uns auf Herz und Gewiſſen laden
wollen. — Darum laßt uns auf ſein, l. Leſer,
und uns in einem Geiſt und Glauben vor
dem Throne der Gnade unſers Gottes niederwer⸗
fen, Ihn zu preiſen für all das Große, das Er
in ſeiner Kirche, und für ſeine Kirche, und durch
ſeine Kirche gethan hat; Ihn aber auch anzu—
flehen, daß Er ferner ſein Gnadenantlitz uns
leuchten laſſen wolle, daß Er ferner das Werk
unſrer Hände fördern wolle, und daß Er auch
für die neu geöffnete Thür uns Mittel und Wege
und einen treuen und dienſtwilligen Boten ſchen—
ken wolle. — Laßt uns beten in herzlicher De—
muth, denn wir ſind der keines werth; laß uns
beten im rechten Glauben, denn dem Zweifler iſt
keine Verheißung gegeben, und laß uns beten
mit rechter Zuverſicht, denn unſer HErr, der
nicht lügt, hat verheißen (Matth. 18, 19). „Wo
zwei unter euch eins werden auf Erden warum
es iſt, das ſie bitten wollen, das ſoll ihnen wie—
derfahren von meinem Vater im Himmel.“ —
Siehe, noch ſind wir mit den armen Heiden auf
dem Wege, noch können wir ſie bitten und ver⸗—
mahnen: „Laſſet euch verſöhnen mit Gott!“
Aber bald wird unſer Weg zu Ende, bald unſer
Tag abgelaufen, bald die Nacht vorhanden ſein,
in welcher niemand mehr wirken kann. Wenn
dann ſie und wir vor dem Richterſtuhle Chriſti
werden offenbar werden, um zu empfangen unſ⸗
rer Werke Lohn; dann wird, wer verdammt wird,
wohl um ſeiner Sünde willen verdammt werden,
aber Wehe dann einem Jeden, der nicht gethan
hat, was er thun konnte, um den Gottloſen, zu⸗
mal den unwiſſenden Heiden, von dem Irrthum
ſeines Weges zu bekehren. — Gott ſei uns gnä⸗
dig und laſſe dieſes Wehe fern von uns ſein, es
uns nicht verſchulden. Amen.
Baierlein.
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