# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 06 28_S88 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 88 so sollen sie doch uns eine helle Leuchte bleiben in dieser letzten, finstern und greulichen Zeit. Was sollen wir nun aber endlich davon sagen, wie Hr. N. nach Hrn. Saxer die Kirche vor und nach der Reformation beschreibt? Darüber vor den Ohren eines Protestanten ein Wort zu verlieren, scheint durchaus überflüssig. Die Beschreibung ist so abscheulich, daß es uns ekelt, sie zu wiederholen. Den Dank dafür hole sich Hr. N. bei Sr. Heiligkeit, dem Pabst zu Rom, denn fürwahr! wenn ein Protestant sich dadurch nicht wenigstens einen Cardinalshut verdient, so wissen wir nicht, wie ein Protestant zu solcher Ehre gelangen könne. Wie es Hr. N. über sich gewinnen konnte, seinen Gewährsmann, Herrn Saxer, einen ehrlichen Lutheraner zu nennen, und den Lesern das Kauderwälsch seiner kirchengeschichtlichen Entwickelungen als Beleg seines ehrlichen Lutherthums aufzutischen, das begreifen wir nicht. So viel ist uns klar, daß in dem Kopfe des Hrn. Saxer und aller, die seine Auffassung billigen, durchaus grobe, fleischliche, papistische Begriffe von der wahren Gestalt der Kirche spuken, daß sie sich darunter einen wohlorganisirten Kirchenstaat vorstellen; daher die unerhörte Behauptung, „daß es zur Zeit der Reformation (der Neugestaltung der Kirche) mit der Kirche zu Ende gegangen sei!“ S. 9. Glaubt man doch, wenn man dergleichen in Hrn. N.'s Buch liest, den Cincinnatier „Wahrheitsfreund“ in den Händen zu haben. Pfui Schande, daß Hr. Nollau noch wagt, uns Lutheranern eine bedenkliche Hinneigung zu Rom vorzuwerfen, während er selbst an der protestantischen Kirche gegen die Römische zum Verräther wird, und den Römisch-katholischen die Waffen gegen uns in die Hände gibt; indem er bekennt, daß mit der Reformation die wahre Gestalt der Kirche untergegangen sei und daß die Römische „vor den andern kirchlichen Parteien den Charakter der Kirche fortwährend behaupte!“ S. 10. Pfui Schande, daß ein Protestant den Segen der Reformation so schmähen und lästern, und so blind sein kann, nicht zu wissen, daß die öffentliche Predigt des reinen Wortes, sei es auch auf dem Scheiterhaufen oder in der dunklen Inquisitionskammer, der Kirche die wahre Gestalt gibt und sie, dieses Kreuzreich, zu einer Stadt macht auf einem hohen Berge; zu einem Leuchtthum, der den irrenden Schiffen den rechten Hafen zeigt! Pfui Schande, daß ein Protestant um die äußerlich anständige Gestalt, in welcher die Römische Kirche vor der Welt ihre Erscheinung machen kann, noch so buhlen und nach der irdischen Macht, Pracht, Herrlichkeit und militärischen Ordnung der Pabstkirche scheel sehen kann! Hr. N. sieht offenbar nicht einmal so viel ein, daß der durch äußere Mittel erzwungene falsche Zusammenhalt des Pabstreiches, oder, wie er es nennt, dessen äußerlicher Organismus die totalste Mißgestaltung der christlichen Kirche ist. Dergleichen Vorstellungen von der wahren Gestalt der Kirche, wie sie in Hrn. N.'s Herzen leben und von ihm in seinen Lesern erweckt werden sollen, geben den Schlüssel dazu, warum so *) Hr. N. wird uns vielleicht Hrn. Oertel als einen aus einem Altlutheraner zum Pabstthum Bekehrten nennen zu können meinen; aber dann irrt er sich. Hr. Oertel war ebensowenig in die wahre Lehre der lutherischen Kirche eingedrungen, wie wir vormaligen Stephanisten alle. Nicht allzustrenges Festhalten an der lutherischen Lehre hat uns zu Stephanisten gemacht, sondern völliges, obwohl unbewußtes Abgehen davon. Es hilft daher Hrn. N. und seinen methodistischen Glaubensbrüdern gar nichts, wenn sie, um das alte Lutherthum zu bekämpfen, immer von nichts zu reden wissen, als von unserer Abirrung im Stephanismus. viele Neugläubige jetzt zur Römischen Secte übertreten, während man nichts dergleichen von sogenannten Altlutheranern hört.*) Der Geist der falschen Union führt nothwendig dahin. In der sogenannten evangelischen Kirche sucht man die Leute aus offenbarer Eifersucht gegen den großen organischen stattlichen Körper des Pabstthums auch so zusammenzubringen, indem man nehmlich nicht darnach fragt, ob die Leute auch Einen Glauben im Herzen tragen und daher Eine Lehre bekennen, sondern sich daran genügen läßt, wenn sich die Leute nur gefallen lassen, zu der neuen breiten und weiten Kirche zu gehören, in welcher Raum genug ist für Leute verschiedenen Glaubens. Was ist die gepriesene und beneidete Einheit der Römischen Kirche anders? Sie besteht im Grunde in nichts weiter, als daß sich der Bischof unter den Pabst, der Priester unter den Bischof, und der Laie unter den Priester duckt, und daß alle aus vollem Halse schreien: Wir gehören zur katholischen Kirche und glauben, was sie zu glauben gebietet! — während kaum auf zwei Kanzeln dieselbe Lehre gehört wird. In nächster Nummer gedenken wir zu zeigen, was für eine Lehre und Vorstellung von der Kirche, insonderheit von der lutherischen, Hr. N. uns fälschlich unterschiebt, wie er aber dabei offenbart hat, daß er, wie wir hoffen, nicht fähig war, unsere klar dargelegte Lehre in ihrem Zusammenhange aufzufassen, indem wir außerdem fürchten müßten, daß derselbe unsere Lehre wider besser Wissen und Gewissen entstellte. (Fortsetzung folgt.) Der Glaube ein Wunder. Der Glaube ist ein recht Mirakel, der macht in einem Menschen, der sonst eine arme schwache Creatur ist, einen solchen großen Muth, daß er dadurch also stolz wird, daß er sagen kann: So alle Teufel auf mich fielen, ja, alle Könige, Kaiser, Himmel und Erden wider mich wären, dennoch glaube ich und weiß, daß ich werde erhalten werden. Luther über 2 Mos. 14. Nicht die Menge die Kirche. Als unter der Regierung des Kaisers Constantius fast alle Lehrer der Kirche von der arianischen Ketzerei angesteckt waren, rief der Kaiser, der auch arianisch gesinnt war, dem römischen Bischof Liberius zu: „Der wievielste Theil des Erdkreises bist du, der du es allein mit dem gottlosen Menschen (dem Athanasius) hältst und den Frieden der ganzen Welt störest?“ Hierauf erwiederte der Bischof: „Daß ich allein stehe, das benimmt dem Worte des Glaubens nichts. Denn auch einstmals fanden sich nur drei, die sich dem (königlichen) Befehle widersetzten.“ (Daniel K. 3.) Auch Laien müssen der Lehre gewiß sein. Ein jeglicher muß sich selbst vorsehen, daß er der rechtschaffenen Lehre gewiß und sicher sei, und stelle es nicht auf anderer Leute Erörtern und Schließen: wo nicht, soll dich der heil. Geist bald eine Schlappen lassen sehen. Sollst du selig werden, so mußt du des Worts der Gnaden so gewiß für dich selbst sein, daß, wenn alle Menschen anders sprächen, ja, alle Engel nein sagten, du dennoch könnest allein stehen und sagen: Noch weiß ich, daß dies Wort recht ist. — Wie Christus sagt, Joh. 10, 3.5.: „Meine Schafe hören meine Stimme, und kennen mich; der Fremden Stimme kennen und hören sie nicht.“ Das Schaf muß der Stimme gewiß sein, Augen und Ohren zuthun, und nichts hören wollen, wie große, viele, weise, fromme Leute es sein (die anders lehren). Thut es doch selbige nicht, lässet die Sicherheit fahren, und will erst hören, was endlich geschlossen wird, so ist es schon verführt (abgeführt) von dem Hirten. (Luther über Apostelg. K. 15. 16.) Eine gute Antwort. Ein Protestant und ein Katholik saßen im Wirthshause bei einander, tranken Branntwein und plauderten über Religion. Der Protestant behauptete, seine Religion sei die wahre und bessere; der Katholik dagegen wollte für die Seinige den Vorzug haben. Während sie so plauderten, stritten und zankten, leerten sie ein Glas Branntwein nach dem andern, bis sie gänzlich betrunken waren. In diesem Zustande wendete sich der Protestant an den inzwischen eingetretenen frommen Pfarrer Neff mit den Worten: „Nicht wahr, Herr Pfarrer, unsere Religion ist die beste?“ Neff antwortete: „Ihr lieben Leute habt wohl Unrecht, so in Zank zu gerathen, denn ihr scheint Eine und dieselbe Religion zu haben: Ihr seid beide Branntweinsäufer.“ Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber. Gedruckt bei Weber und Olshausen.