Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 3 › Seite 24
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-29, Seite 24
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 2 · Tod 3 · Tradition 3 · Unzucht
Luther von der Vernunft.
Auf Erden iſt unter allen Fährlichkeiten kein
fährlicher Ding, denn eine hochreiche, ſinnige Ver⸗
nunft, ſonderlich ſo ſie fällt in die geiſtlichen
Dinge, die die Seele und Gott antreffen. Denn
es iſt möglicher, daß man einen Eſel leſen lehre,
denn ihnen ihre Vernunft blenden und zum Rech⸗
ten führen, ſo ſie doch verblendet muß ſein und zu
nicht werden.
Tägliches Teſtament eines Chriſten.
(Eingeſandt von Paſtor Löber aus Hartmanns Handbuch
für Seelſorge.)
Im Namen der heiligen, hochgelobten, unzer⸗
trennlichen Dreieinigkeit, Gottes des Vaters,
Gottes des Sohnes und Gottes des Heiligen
Geiſtes, des einigen, ewigen, wahren Gottes,
Amen. Allmächtiger, barmherziger Gott, himm⸗
liſcher Vater, weil gewiß iſt, daß ich ſterben muß,
ungewiß aber, wann es geſchehen ſolle, und der
Tod mich alle Augenblicke kann übereilen und
hinnehmen: ſo iſt nothwendig, daß, weil ich noch
reden und mich bedenken kann, ich für Dir mein
Teſtament und meinen letzten unveränderlichen
Willen aufſetze. Danke Dir derowegen erſtlich
von Grund meines Herzens, vaß Du mich zu
Deinem Ebenbild erſchaffen, zu einem vernünfti⸗
gen Menſchen gemacht, in der chriſtlichen Kirchen
geboren, zu der heiligen Taufe kommen, und zu
der ſeligmachenden Erkenntniß Deines Sohnes
JEſu Chriſti haſt gelangen laſſen. In derſelbi⸗
gen Erkenntniß bekenne ich Dir, daß ich zwar in
Sünden geboren, in Sünden gelebt und alſo
nicht allein den zeitlichen, ſondern auch den ewi⸗
gen Tod verdienet habe. Ich tröſte mich aber
mit einem ſtarken Glauben des blutigen Leidens
und ſchmerzlichen Sterbens Deines Sohnes IEſu
Chriſti, der für uns verdammliche Menſchen ſel⸗
ber ein Menſch iſt worden, damit er für uns bü⸗
ßen, bezahlen und genug thun könne, wie ich
durch Kraft des Heiligen Geiſtes ſolches aus den
Predigten des göttlichen Worts gelernt habe.
In ſolchem Glauben und Vertrauen bin ich ge⸗
wiß, daß Du mich nimmermehr verlaſſen und
verſtoßen könneſt oder wolleſt, ſondern daß Du
mich zu rechter Zeit ſanft und ſelig einſchlafen,
in dem Grabe ruhen, und am jüngſten Tage zum
ewigen Leben werdeſt hervorkommen laſſen. Die⸗
ſes iſt mein kurzes Glaubensbekenntniß, bei dem
ich durch Deine Gnade verbleiben will, ſo lang
ich eine lebendige Seele in mir haben werde.
Sollte ich auch etwa (das Du doch, o treuer Gott,
gnädiglich verhüten wolleſt) aus Schwachheit
oder andern Zufällen anders reden, ſo bitte ich
demüthiglich, Du wolleſt es für ungeredet und
ungehandelt achten. Ach mein Gott, verſag mir
dieſes nicht. Zum andern, ſo befehle ich Dir
meinen Leib und meine Seele (die doch ſowohl
mein als Dein ſind) und flehe Deine grundloſe
Barmherzigkeit an, daß Du ſie, ſo lange ich noch
in dieſer Pilgerſchaft zu wallen habe, gnädiglich
behüten und alſo regieren wolleſt, daß ſie Dir zu
Deinen Ehren und meinem Nächſten nach Dei⸗
nem Wort zu ſeinem Beſten dienen mögen.
Kommt aber das letzte Stündlein herzu, ſo laß
die Seel einen ruhigen Abſchied von dem Leib
nehmen und zu Dir, der Du ſie gegeben haſt,
wieder einkehren, den Leib aber in dem Grab
raſten, bis zu Deiner gewünſchten Aufforderung,
daß er alsdann mit der Seele wieder vereiniget
und ich zu einem ewigen Himmelsbürger aufge⸗
nommen werde. Zum dritten gebe ich der Welt
und alle dem, was darin iſt, bei Zeiten ihren Ab⸗
ſchied und eine gute Nacht mit inniglichem Seuf⸗
zen, daß Du mich nichts darinnen wolleſt anfech⸗
ten oder von dieſem meinen letzten Willen abwen⸗
dig und irre machen laſſen. Zum vierten übergebe
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ich Deinen treuen, väterlichen Händen all meine
Hinterbleibende, Verwandte und Freunde, denen
Du alles Gute reichlich vergelten wolleſt, wie auch
alle meine öffentliche und heimliche Feinde, denen
ich alles Böſes, ſo ſie wider mich gedacht und ge—
than, williglich vergebe und darneben bitte, daß
Du ſie durch Deinen Heiligen Geiſt bekehren,
beide, Freunde und Feinde, in chriſtlichen Tugen⸗
den leben und einmal vernünftig und ſelig von
hinnen wolleſt abſcheiden laſſen. Letztlich befehle
ich Dir Deine liebe Kirche, die ſo heftig bedränget
wird, in Deine ſtarke und unüberwindliche Be⸗
ſchirmung; alle chriſtliche Obrigkeiten in Deine
unerforſchliche, väterliche Regierung; alle Trau⸗
rige, Nothleidende, verlaſſene Wittwen und Wai⸗
ſen und andere dergleichen hülfloſe Perſonen in
Deine unendliche Erbarmung. Ergebe alſo Dir
mich ganz und gar jetzo und ewiglich zu Deinem
Eigenthum. Hier bin ich, mein HErr und mein
Gott, und erwarte Deines gnädigen väterlichen
und ſeligen Willens. Amen. Im Namen der
heiligen hochgelobten, unzertrennlichen Dreieinig⸗
keit Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes und
Gottes des Heiligen Geiſtes, des einigen, ewigen
wahren Gottes. Amen. —
„Unſer täglich Brod gib uns heute.“ Luc. 11, 3.
Zu den Zeiten des dreißigjährigen Kriegs, in
welchen vorzüglich in der unglücklichen Pfalz alle
Dörfer und Fluren verbrannt und verheert wur⸗
den, erreichte die Hungersnoth in Mannheim und
der umliegenden Gegend einen ſo hohen Grad, daß
man in dieſer Stadt, ſo oft ein Leichnam begraben
wurde, eine Wache an das Grab ſtellen mußte,
damit der todte Körper nicht von den Hungernden
ausgegraben und verzehrt würde. Der reformirte
Pfarrer Andreä zu Weinheim an der Bergſtraße
verließ damals ſeinen Wohnort, und begab ſich
nach Worms, woſelbſt er beim Eintritt in dieſe
Stadt folgende gräßliche Scene erblickte: an einem
todten auf der Straße liegenden Pferde ſaß ein
Weib, welches die von dem Hintertheile des Pfer⸗
des geſchnittenen Stücke Fleiſch roh und gierig
verſchluckte; auf der Mitte des Pferdes ſaßen
einige Naben, die von dem Aaſe ſich ſättigten,
und an dem Kopfe desſelben nagten einige Hunde,
um ihren Hunger zu ſtillen. Das Malter Korn
galt damals 18 Reichsthaler, eine in jenen Zei⸗
ten unerſchwingliche Summe.
Scheintod.
Vor etwa 70 Jahren ſtarb die Tochter des da⸗
maligen Rittergutsbeſitzers zu Dörflas, eines
Hauptmanns v. Völlenbach, an den Kinder⸗
blattern, in einem Alter von 63 Jahren. Sie lag
drei volle Tage auf dem Brette, und wurde dann
in das zu dem Ritterſitz gehörige Erbbegräbniß
zu Chiſpendorf begraben. Einige Jahre darauf
ſtirbt der nachherige Beſitzer dieſes Dorfes, und
als man die vermauerte Gruft zu ſeiner Beer⸗
digung öffnet, was ſeit der Zeit nicht geſchehen
war, findet man den Sarg jenes Kindes umge⸗
worfen und an das Luftloch geſchoben, das Ge⸗
rippe des Kindes aber nicht weit davon in einen
Winkel zuſammengeneigt. Wahrſcheinlich, da der
Deckel des Sarges noch am Orte, wo der Sarg
beigeſetzt war, lag, hat das unglückliche Mädchen
den umgekehrten Sarg an das Luftloch geſchoben,
um darauf zu treten, und eher durch dieſes Loch
mit ihrem Flehen um Rettung gehört zu werden.
Iſt es erlaubt, die Todten zu betrauern?
Du wendeſt ein: Chriſtus ſpricht ja zur
Wittwe: Weine nicht! Alſo verbietet er das
Trauern. Ich antworte: Chriſtus tröſtet mit
dieſen Worten die Trauernde, und verbietet dem
Weibe die Trauer, nicht weil der Sohn geſtorben
war, ſondern weil er wieder lebendig werden ſollte.
Nach Chriſti Beiſpiel ſelbſt iſt uns erlaubt, auch
mit Thränen unſern Todten zum Grabe zu
folgen, denn Er ſelbſt beweinte Lazarus' Tod und
trauerte mit der Wittwe. Wer nicht von der
Noth Anderer, vor Allem der Seinigen, gerührt
und bewegt wird, der verdient den Namen eines
Menſchen nicht. Doch dadurch müſſen wir uns
von den andern Trauernden unterſcheiden, daß
wir unſern Schmerz mäßigen, wie Paulus an die
Theſſalonicher forvert, daß wir nicht traurig ſein
ſollen wie die andern, die keine Hoffnung haben.
Er verbietet nicht die Trauer bei dem Tode der⸗
jenigen, welche uns theuer ſind; denn obwohl
wir hoffen, daß ſie es nach dieſem Leben gut
haben, ſo muß uns doch das Bittere, was in der
Trennung der Seele von dem Leibe liegt, bewe⸗
gen, aber weil wir jene Hoffnung haben, darum
ſoll der Schmerz in uns gemäßigter ſein, als in
den andern. Und das iſt die wahre Stärke, nicht,
daß der Menſch von Trauerfällen nicht bewegt
werde, ſondern ſich ſelbſt ſteure, daß er nicht nach
der Verderbtheit ſeiner Natur vom Schmerz über⸗
wältigt unrecht thue. Phil. Melanchthon.
Die zwei Hände des Glaubens.
Brentius ſchreibt:
Der Glaube hat, daß ich zur Erklärung der
Sache ſo ſage, zwei Hände: die eine, welche er
nach oben ausſtreckt und womit er Chriſtum
ſammt allen ſeinen Wohlthaten ergreift, und
inſofern ſagen wir, daß wir durch den Glauben
gerechtfertigt werden; die andere, welche er nach
unten ausſtreckt, um Werke der Liebe und anderer
Tugenden zu vollbringen, und inſofern bezeugen
wir wohl unſeres Glaubens Wahrheit, aber da⸗
durch werden wir nicht gerechtfertigt. (Apol.
Conf. Wirtemb. p. 319.)
Ausſpruch Hamans vom Pabſtthum.
Das Pabſtthum beſteht in Despotismus, In⸗
fallibilität, Unterdrückung des göttlichen Worts
und der heiligen Schrift, Werkheiligkeit, und einer
ganzen Pandorabüchſe, und muß nicht extra,
ſondern intra muros Iliacos geſucht werden.
(Briefw. S. 159.)
Briefkaſten.
Die Herausgabe der „Biene“ hat vor einigen Monaien
temporär aufgehört, und iſt, ſo viel hier bekannt, noch
nicht wieder erfolgt. — Der Druck des Ztien Synodal⸗
berichts der Synode von Miſſouri ꝛc. iſt noch nicht beendigt.
— Spruchbücher ſind hier noch nicht angekommen. —
Sowohl einzelne Nummern als auch vollſtändige Ex. von
Jahrg. 5. können, wenn verlangt, noch abgelaſſen werden.
Erhalten
für die Miſſion in Michigan:
P3.80 von der Gemeinde Altenburg, Perry Co., Mo.
82.70 von Gemeindegliedern in St. Louis. 52.00 von
Hrn. David A—s.
Bezahlt.
Den 4. Jahrg. Hr. Georg Steinemann.
Den 5. Jahrg. Die HH. P. Baumgart, H. Bardonner,
P. Cronenweit, Andr. Dreſcher, Carl Frenzel, P'. Gerhard,
Ernſt Hitzmann, P. Hattſtädt (2 Ex.), P. Hordorf, Hilpert,
P. Lange, Launhardt, Roth, Georg Steinemann, Joh.
Seibel, Friedr. Straub, Conrad Stünkel, Volkmann.
Die 2. Hälſte des 5. Jahrg. Die HH. Kaufmann jun.,
Joh. Fr. Rösner, Jakob Seibel.
Die 1. Hälfte des 6. Jahrg. Die HH. Kaufmann jun.,
Joh. Fr. Rösner.
Den 6. Jahrg. Die HH. P. Biltz, Joh. Bundenthal,
P. Cronenwett, P. Döpken, Georg Eubert, Heinr. Zrewert,
Jakob Fruth, Georg Frei, Adam Geiger, P. Joh. gr.
Iſenſee, P. Lange, Launhardt, Möhlenkamp, Phil. Rein⸗
hardt, Goltlob Schmidt, Fr. Schöttelndreyer, Chr. Spreen,
Wilh. Schmidt, Schuppan.
Gedruckt bei Arthur Olshaufen,
pDerausgeber des Anzeiger des Weſtens.
English translation
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