Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 3 › Seite 19

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-29, Seite 19

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bann 17 · Loge · Loge 6

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kommen, ich verdanke ihnen weder das Wort,
noch die heiligen Sacramente, noch den Glauben,
wodurch allein dieſe ſelige Veränderung hervor⸗
gebracht iſt.

P. Wem verdankſt du es denn?

C. Wunderliche Frage! Wem ſonſt, als mei⸗
nem theuren Heilande, und ſeiner heiligen chriſt⸗
lichen Kirche. Der hat mich, wie er durch den
Propheten Heſeklel Cap. 16. ſagt, als einen ar⸗
men in ſeinem Blute liegenden und zertretenen
Wurm aufgenommen, und zu einem Gliede ſei⸗
nes reichen Hauſes gemacht, mir Leben und Se⸗
ligkeit geſchenkt, und mich-inwendig und aas⸗
wendig mit großer Herrlichkeit geziert und
geſchmückt. ö ů

P. Du erwähnſt eben das 16. Capitel des
Propheten Heſekiel! Wie oft haben wir's mit⸗
einander geleſen, da Gott nach ſeiner großen
Barmherzigkeit uns zuerſt die Augen oͤffnete, und
uns von der Finſterniß zum Licht, und der Ge⸗
walt des Satans zu Ihm, dem lebendigen Gott
bekehrte! Wie muß dir nun zu Muthe ſein, mein
Carl, wenn du die ſchweren Klagen und die bit⸗
teren Vorwürfe lieſeſt, die der HErr über und ge⸗
gen ſein Volk in demſelben Capitel erhebt, daß
es die Reichthümer und die Herrlichkeit, die er
ihm, als ſeiner lieben Braut, geſchenkt, zu ſeinen
Buhlen getragen!

C. Du thuſt meinem Herzen wehe! Wohl
weiß ich, daß ich's vielfältig verſehe, aber du
richteſt zu ſcharf! Mit Willen und Wiſſen weiche
ich nicht von Ihm.

P. Du thuſt nichts anders durch deine Ver⸗
bindung mit den geheimen Geſellſchaften, als das,
worüber der HErr klagt, und weswegen Er Sein
Volk mit harten Strafen bedroht. Er hat dich
aus deinem Jammer und Elend erlöſet, und durch
ſeine Gnadenmittel allein in ſeiner heiligen Kirche
dir geiſtliches Leben, Seligkeit und Herrlichkeit
geſchenkt, warum gibſt du denn nicht dem den
Ruhm und die Ehre, der allein die Schande und
den Tod von dir genommen, und Leben und Herr⸗
lichkeit dir mitgetheilt, ja mit Seinem Herzblut
erworben hat? Warum wendeſt du ihn denen
zu, welchen du doch nach deinem eignen Geſtänd⸗
niß nichts verdankſt, und die nun durch deinen
Undank und deine ſchändliche Ungerechtigkeit ſich
mit dem Ruhm und Glanz ſchmücken und brüſten,
der Ihm allein gebührt? Das heißt ja freilich
nichts anders, als den herrlichen Brautſchmuck
des liebenden Bräutigams an die Buhlen hän⸗
gen, und iſt ein viel ſchändlicher Ding, als was
du eben ſo bitter an dem jungen H. . . getadelt
haſt.

C. Du kannſt noch lange ſo wegſprechen,
wenn dir's gefällt, aber verlange nicht, daß ich
etwas davon verſtehen ſoll! Sprich friſch heraus,
welcher neuen Verbrechen beſchuldigſt du mich?

P. Schlimm genug, daß uns Chriſten ſolche
einfache Dinge wie böhmiſche Dörfer geworden!
Halſt du nicht eben noch in einer langen Sal⸗
baderei viel Rühmens gemacht von eurer gewal⸗
tigen Liebe und Wohlthätigkeit? Malt und
ſingt, ſchreibt und poſaunt ihr nicht von euren
gewaltigen Liebeswerken, und ſperrt damit dem

19——

Volk Maul und Naſen auf? Haſt du nicht ſelbſt
geſagt, daß in euren Geſellſchaften erſt das eigent⸗
liche chriſtliche Liebesleben aufgegangen, wovon
die Pfaffen und der gemeine Chriſtenhaufen nur
ſchwatzten und hörten? Haſt du nicht eben die
Läſterung ausgeſtoßen, daß erſt dieſe Geſellſchaf⸗
ten dich recht in Stand geſetzt hätten, deinem
Taufbund recht nachzukommen? Und doch mußt
du zu gleicher Zeit geſtehen, daß dieſe Geſell⸗
ſchaften dir weder Predigt noch Taufe gegeben,
wodurch du allein die Kraft und das Leben ge⸗
kriegt, um Liebe üben zu können, ſondern allein
Chriſtus der HErr in ſeiner heiligen Kirche!
Heißt das nun nicht, dem HErrn Chriſto die
Krone ſeiner Herrlichkeit vom Haupte reißen, und
ſein Haus plündern, um den Buhlen und ſein
Haus damit groß zu machen? Gibt es einen
ſchändlicheren Tempelraub, als den die heutigen
Chriſten mit ihren tauſenderlei Geſellſchaften be⸗
gehen? Chriſtus macht euch tüchtig und zu al⸗
lem guten Werk geſchickt, daß ihr durch ſeine
Güte euch unter den heiligen Engeln vor ſeinem
herrlichen Angeſicht ſehen laſſen könnt, und er⸗
wartet nun von euch, daß ihr das Alles zu ſeiner
Ehre anwendet. Ihr aber geht mit dieſen von
Ihm geſchenkien Kräften hin, und errichtet, Gott
weiß was für Geſellſchaften, und macht ſie groß
und herrlich vor der Welt, und der HErr muß
arm, verlaſſen und verachtet daſtehen, und ſein
Haus öde und ein Spott der Leute ſein. Warum
verbraucht ihr nicht euer Leben zum Ruhm des
HErrn und ſeiner Kirche? Warum übt ihr eure
Liebeswerke nicht in der Kirche und von
der Kirche aus, als ihre Söhne und
Töchter? dann würde der Ruhm dahin
fallen, wovon er allein ausgegangen,
und wohin er gehört. Siehe, hieß es ſonſt
bei aller Verachtung und dem bitterſten Haß der
Heiden und der Welt, ſiehe da die Chriſten!
das ſind die Leute! die zeigen in der That und
Wahrheit durch ihre Liebe, daß ein anderer Geiſt
in ihnen iſt, und ſie Gottes Kinder ſind, der
nach ihrem Bekenntniß Alles in ihnen wirkt.
Jetzt heißt's: Siehe da die Sonderbaren Brüder,
oder die Rothen Männer, und andre Geſellſchafts⸗
leute! Das ſind die Leute! da kann man Liebe
ſehen! und Chriſtus wird ein Spott der Welt,
und ſeine Kirche, in und an welcher Er ſeine
Herrlichkeit offenbaren will, ein Hirngeſpinnſt
alter Weiber und alberner Schwachköpfe. Sie
kann nichts mehr thun! Will ein Mann ein rech⸗
ter Tugendheld werden, will er vom Saufen
laſſen, oder ein verbeſſener Sträfling werden,
oder ſeine Liederlichkeit aufgeben, oder Liebe und
Wohlthätigkeit üben, ſo kann ihm die Kirche nicht
dazu verhelfen, da muß er ſich einer Geſellſchaft
anſchließen, dann iſt und kann er Alles, der
Kirche bedarf man ſchier nicht mehr, die Geſell⸗
ſchaften, die richten es aus, und der Teufel lacht
dazu! Denn das iſt ſein einziges Ziel und ſeine
ſataniſche Freude, Chriſtum und ſein Haus zu
ſchänden; gelingt ihm dieſes, ſo iſt's ihm einerlei,
wo in der Welt der Ruhm hinfällt, wenn er nur
unſerm König und HErrn genommen wird. Ihm
gehören alle Kräfte und Ihm allein gebührt aller

Ruhm, ihr aber nehmt zwar beides aus ſeiner
Hand, hängt's aber an Fremde, um die damit
groß zu machen! O des unendlichen Jammers,
und der Blindheit und Herzenshärtigkeit, die ihn
nicht ſieht und fühlt!

C. Jetzt verſtehe ich dich erſt; und ich muß
geſtehen, in dem Lichte habe ich freilich das heu⸗
tige Geſellſchaftsweſen nie angeſehen. Aber was
ſoll man thun? iſt nicht die Kirche ſo gänzlich
verfallen, daß ſie ſchier nichts mehr ausrichten
kann? Wo wird denn noch die alte Zucht geübt?
wo kann ſie nur geübt werden? und wo iſt die
Liebe? da könnte manches Glied der Kirche in
Hunger und Kummer verderben, ehe ihm von der
Gemeinde geholfen würde. Wer kümmert ſich
denn noch um den Armen und Dürftigen? Wo
geſchieht denn noch heutiges Tages etwas zur
Ehre Gottes, und zum Wohl der Menſchheit,
außer von den Geſellſchaften?

P. Und doch müſſen dieſelben Geſellſchaften
zu einem jeglichen wahrhaft guten Werk die
Kräfte aus der Kirche nehmen; denn das bleibt
feſt ſtehen: Ohne mich könnt ihr nichts thun!
Joh. 15, 5. Siehſt du denn nicht den ſchreck⸗
lichen Widerſpruch, der ſich durch das ganze
Treiben und Leben der Geſellſchaftschriſten hin⸗
durchzieht?

C. Aber du mußt doch auch geſtehen, daß die
Geſellſchaften erſt durch den Verfall der Kirche
hervorgerufen und ſchier nothwendig geworden
ſind! —

P. Durch den Hochmuth menſchlicher
Weisheit ſind ſie hervorgerufen, die in ihrer Auf⸗
geblaſenheit ſich immer einbildet, laufen zu können,
ehe ſie nothdürftig gehen gelernt, und die doch noch
nie etwas Rechtes zu Wege gebracht hat in gött⸗
lichen Dingen, und nichts zu Wege bringen kann,
weil ſie ihren eingebildeten guten Meinungen
folgt, und nicht dem Worte Gottes! Und was
namentlich eure geheimen Geſellſchaften anbetrifft,
ſo hat das Chriſtenthum mit ihrer Richtung ge⸗
rade ſo viel zu thun, als die Sonne mit dem
Glimmer faulen Holzes!

C. Du magſt ſagen, was du willſt; die Kirche
hatte nun einmal ihres herrlichen Berufs, die
Mutter und die Pflegerin auch der leiblich Armen
zu ſein, vergeſſen, und ſo mußten die Geſellſchaf⸗
ten an ihre Stelle treten, wenn wirklich der Noth
und dem Jammer ſollte abgeholfen werden; und
du thuſt wahrlich den Stiftern unſerer Geſellſchaf⸗
ten, wie ihnen ſelbſt Unrecht, wenn du ihnen die
crriſtliche Liebe abſprichſt, denn nur das herzliche
Erbarmen mit der großen Noth der Armuth, und
das Verlangen, ihr abzuhelfen, hat ſie hervorge⸗
rufen. Und du mußt doch zugeſtehen, daß unend⸗
lich viel Kummer gehoben, und manche Thräne
getrocknet, ja unſäglich viel Troſt und Hülfe durch
unſere Geſellſchaften in die Hütten der Armuth
gebracht wird, wo die Kirche kalt und thatlos
vorübergeht, wie im Evangelio der Prieſter und
Levit.

P. Das Letzte iſt nicht wahr. Die Kirche, d. h.
die wahren Gläubigen gehen nicht bei der Armuth
und dem Jammer der Menſchheit vorüber, aber
durch den Haufen der Ungläubigen, der ſich in

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