Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 26 › Seite 206
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-26, Seite 206
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Demut
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in manchen Gegenden von Miſſouri ſein ſollen,
mit ihrem ultra-orthodoxen Weſen in Amerika
bezwecken, überlaſſe ich Deinen Leſern zur Ant⸗
wort. Zudem ſagt man auch, daß viele der
von ihnen ausgeſandten Prediger faſt ganz ohne
Bildung, — mit bloßer Orthodoxie, ohne je das
Herz erreicht zu haben, die liebe Sache noch recht
verächtlich machen.“
Wir erlauben uns hierauf nur einige wenige
Worte zu erwiedern.
1. Herr Kuhl meint offenbar uus Lutheraner
von der Miſſouriſynode; wir erklären ihm hier⸗
mit, daß wir von jeher gegen den Beinamen
Altlutheraner proteſtirt haben und noch pro⸗
teſtiren. Wir ſind und wollen nur ſein Luthe⸗
raner; will man uns dieſen Namen nicht laſſen,
ſo beweiſe man, natürlich aus den Symbolen der
lutheriſchen Kirche, daß wir es nicht ſind. Man
bedenke doch, daß es immer ſo gegangen iſt: die
abgefallene Kirche hat den Namen der rechtgläu⸗
bigen Kirche behalten und die ausgetriebenen
Zeugen der Wahrheit mit einem Sectennamen
geſtempelt; ſo behielt die abgefallene römiſche Kirche
den Namen der katholiſchen und gab den hinaus⸗
gedrängten Zeugen der Wahrheit zur Zeit der
Reformation den Namen Lutheraner. Will es
nun die abgefallene amerikaniſch-lutheriſche Kirche
auch ſo machen, nemlich, nachdem der Name
Lutheraner in der Welt zu Ehren gekommen iſt
durch den Glauben, den er bezeichnet, dieſen
Namen allein für ſich in Anſpruch nehmen und
die, welche gegen ſie für die Wahrheit zeugen,
durch einen Sectennamen brandmarken? — Wohl⸗
an, man thue, was man nicht laſſen kann; es
iſt Gott ein Kleines, auch den Namen Altluthe⸗
raner ſeiner Zeit zu Ehren zu bringen und dem
Namen Lutheraner den Charakter des Abfalls ſo
aufzudrücken, wie dem Namen Katholiſch.
2. Herr Kuhl nennt unſer Weſen ultra-ortho⸗
dox. Wer ultra⸗orthodor iſt, iſt natürlich nicht
orthodor, denn indem er orthodox ſein will, geht
er über die Orthodorie hinaus. Wir erſuchen
Herrn Kuhl, uns doch gütigſt nachzuweiſen, wo
wir die Orthodoxie unſerer Kirche verlaſſen.
3. Herr Kuhl berichtet: „man ſage“, daß
viele unſerer Prediger faſt ganz ohne Bildung
ſeien. Hierauf erwidern wir erſtlich: daß es
durchaus mit den Grundſätzen des Chriſtenthums
unverträglich iſt, üble Dinge, die man von ſeinem
Nächſten nur gerüchtsweiſe gehört hat und von
deren Wirklichkeit man ſelbſt nicht überzeugt iſt,
öffentlich weiter zu erzählen; wer das thut, macht
zu deutſch böſen Leumund. Zweitens: verſteht
man unter Bildung claſſiſche Bildung oder
geſellige, d. h. feine Weltbildung, ſo geben
wir die Beſchuldigung ohne Anſtand zu. Unſere
Conſtitution bekennt es unverhohlen, daß wir zwei⸗
erlei Anſtalten zur Bildung von Predigern haben,
und daß in der einen unſere Zöglinge eine mehr
praktiſch⸗-theologiſche, in der andern auch elaſ⸗
ſiſche Ausbildung erhalten. Die Anſtalt der
erſtgenannten Art haben wir nicht aus Gering⸗
ſchätzung einer literariſchen Bildung, ſondern um
des hieſigen Nothſtandes willen errichtet, der ein
eiliges In's Feld ſtellen vieler rüſtiger Kämpfer
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erheiſcht. Ob aber die in ſolcher Anſtalt gebildeten
Prediger ohne die nöthige Bildung ſind, das muß
vor allem darnach beurtheilt werden, ob ſie die
reine chriſtliche Lehre gründlich verſtehen und die⸗
ſelbe zur Beſeligung ihrer Zuhörer ſowohl in der
öffentlichen Predigt als in der Privatſeelſorge
recht vortragen und anwenden können. — Drittens
müſſen wir uns wundern, daß gerade Herr Kuhl
es wagen kann, auf unſere mehr praktiſch ausge⸗
bildeten Prediger in Selbſterhebung herabzuſehen,
da Herr Kuhl, wie ſchon oben eingerückter Satz
deutlich beurkundet, nicht einmal das Deutſche
grammatiſch richtig, geſchweige in einem logiſchen,
correcten Style ſchreiben kann. Es iſt in der That
lächerlich, etwa wegen einiger lateiniſchen und
griechiſchen Vocabeln, die man auswendig gelernt
hat, als ein Gebildeter auf einen anderen als
einen Ungebildeten herabzuſchauen, dem dieſe
Vocabeln den Kopf nicht beſchweren. Möchte
doch Herr Kuhl einmal ein Examen mit abwarten,
welches unſere praktiſch gebildeten Predigtamts⸗
candidaten erſt beſtehen müſſen, ehe ſie zum hei⸗
ligen Amte zugelaſſen werden, wir zweifeln keinen
Augenblick, der Kützel über deren Ungebildetheit
im Vergleich mit ihm ſelbſt würde ihm bald ver⸗
gehen.
Falſche Demuth und rechte Hoffart.
—j
Der gottloſe Ahas gibt eine große Heiligkeit
vor, daß er aus Furcht vor Gott kein Zeichen
fordern wolle. (Jeſ. 7, 11. 12.) Alſo ſind die
Heuchler, wo es nicht nöthig iſt, die Allergewiſſen⸗
hafteſten; hinwiederum, wo ſie ſollten demüthig
ſein, da ſind ſie die Hoffärtigſten. Allein wo
Gott' befiehlt, kühn zu ſein, da muß man auch
kühn ſein. Denn dem Wort gehorſam ſein, das
iſt nicht Gott verſuchen. Das iſt vielmehr Gott
verſuchen, wo man etwas ohne das Wort zu haben
vornimmt. Gleichwie ein Mönch Gott verſucht,
wenn er ins Kloſter geht, um daſelbſt Gott zu
dienen, da er doch nicht das Wort Gottes hat,
durch welches Gott bezeugte, daß ihm mit einer
ſolchen Lebensart gedienet werde. Alſo leugnen
heutzutage die Sacramentſchwärmer um der Ehr⸗
furcht willen gegen Gott (wie ſie ſagen), daß der
Leib und das Blut Chriſti im Brod und Wein
ſei. Allein das heißt nicht keine Scheu und Ehr⸗
erbietung vor Gott haben, wenn man dasjenige
glaubt, ja auch dafür das Leben läßt, was Gott
redet. (Siehe: Luthers Ausl. des Pr. Jeſ. 7,
11. 12.)
*
Die Beſchreibung der chriſtlichen Kirche, ſo uns
Chriſtus gibet, iſt: ein Haufe, der nicht allein ſein
Wort habe, ſondern auch liebe und halte, und um
der Liebe willen alles verlaſſe. Joh. 14, 23—27.
Luther XII, 1845.
*
Beſcheinigung.
Indem ich hiemit noch nachträglich mehrere
milde Gaben beſcheinige, die mir bis zum Juni
laufenden Jahres von den lieben Freunden unſerer
Miſſion am Fluſſe Cass, Michigan, für dieſelbe
eingehändigt worden ſind, und dafür dem treuen
Gott ſowie den freundlichen Gebern herzlichen
Dank ſage, knüpfe ich daran noch beſonders die
freudige Nachricht, daß die Begründer dieſer Miſ⸗
ſion ſie nun unſerer Synode förmlich in die Hände
gegeben haben, die betreffenden Gaben alſo ins
Künftige an den Caſſier der Synode, Herm
Barthel, zu ſenden ſind. Möchte der Eifer für
Miſſion unter den lieben Synodalen dadurch
doppelt angefeuert werden, zumal ſich unſer Miſ⸗
ſionsfeld und ſomit deſſen Bedürfniſſe durch den
Hinzutritt der Station Siboying, davon nächſtens
ausführlicher Bericht erfolgen ſoll, bedeutend ver⸗
größert haben:
Von deren Gemeinden:
53.00 durch Herrn Paſtor Selle, 84.00 durch Herrn
Paſtor Ernſt, 51.00 durch Herrn Paſtor Röbbelen,
95.50 durch Herrn Paſtor Trautmann, 830.25 durch
Herrn Paſtor Dr. Sihler, 515.10 und J6.00 durch
Herrn Paſtor Röbbelen, 54.75 und §3.00 durch Herrn
Paſtor Seidel, 51.00 durch Herrn Paſtor Sauer,
52.00 durch Herrn Paſtor Streckfuß.
50 Cts. durch Herrn Mohr in Monroe. 38 Cis. durch 4
Herrn Meyer in Fort Wayne.
Eine Kiſte mit Kleidungsſtücken von den deutſch- und
engliſch-lutheriſchen Miſſionsfreunden in Fort Wayne.
Eine Kiſte mit Kleidungsſtücken von den Miſſionsfreun⸗
den in Monroe. Au guſt Crämer.
—————— —
Todesnachricht.
So eben erhalten wir die erſchütternde Nach⸗
richt, daß der Ehrwürdige Senior unſerer Synode,
Herr Gotthold Heinrich Löber, treuver⸗
dienter Paſtor der lutheriſchen Gemeinde zu Alten⸗
burg, Perry Co., Mo., Dom. XI. p. Trin. den
19ten dieſes Monats in Folge eines Nervenfiebers
verſtorben iſt.
— — — — —
Den Mitgliedern des Fort Wayner Conferenz⸗
Diſtrictes wird in Erinnerung gebracht, daß die
nächſte Conferenz während des 12. und 13. Sep⸗
tembers in Fort Wayne gehalten wird, wozu ſich
die Betheiligten gefälligſt bis Dienstag-Abend,
den 11. September, in Fort Wayne einfinden
wollen.
Geld empfangen
für den Ankauf des Seminars in Fort Wayne.
1. Von der Gemeinde des Paſt. Wyneken in Bal⸗
timoreee ́ — —.—
8 69.87
2. Von der Gemeinde des Paſt. Habel in Pomeroy 62.65
3. Von der Gemeinde des Paſt. Crämer in Fran⸗
kenmu .. —.—— 7.0⁰
4. Von der Gemeinde des Paſt. Jäbker in Adams
County—..—.—..——.— 10⁰0.00
5. Von der Gemeinde des Dr. Sihler in Fort
Wayne.H——. 290.95 ö
6. Durch Hrn. Paſt. Husmann: ‚
A. aus der St. Paulus⸗Gemeinde in Marion
Townſhip, Allen Co., Ind.... 17.00
b. aus der St. Johannis-Gemeinde in Adams
County, Ind..—.— 6.50
C. aus der St. Petri-Gemeinde........ 28.50
852.00
7. Durch Hrn. Paſt. Heid:
a. aus der St. Johannis-Gemeinde, Auglaize
County, Ohio.—.— ᷓ11.37
b. aus der Gemeinde in Wapakonetta, Aug⸗
laize Co., Ohio...—.—.— 1.50
c. aus der Gemeinde in Clay Townſhip, Aug⸗
laize Co., Ohio— 1.2⁵
S14.12
A. Wolter.
Erhalten
für die Heiden-Miſſion in Michigan:
P4.873 von Gemeindegliedern in St. Louis. P5.372 von
den Knaben der Schule in der hieſigen Dreieinigkeitskirche
unter ſich geſammelt. 33.00 von Hrn. P. Dulitz in Mil⸗
waukee, für Hrn. Miſſionar Baierlein, zu Miſſionszwecken
beſtimmt.
Bezahlt.
Den 6. Jahrg. Die HH. P. Dulitz und H. Reutter.
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