Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 26 › Seite 204

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-26, Seite 204

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 1

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384. 445 und vergleiche ſie mit einem ganz alten
Geſangbuch, dann wirſt Du Dich wundern, und
es wird Dir nicht einfallen, zu ſagen, daß nicht
viel Unterſchied ſei. Die Leute, die ſo ſagen,
wiſſen nicht, was des Geiſtes Gottes iſt, darum
reden ſie ſo ungeſchickt in den Tag hinein. Wäre
es nicht um Zeit und Mühe, ſo wollte ich Dir
in jedem angeführten Lied zeigen, was alles
durch die Veränderung an denſelben verloren ge⸗
gangen iſt. Nur eins will ich Dir hier mitthei⸗
len, was nemlich unſer Herr Pfarrer von dem
Lied Nro. 276 ſagte. Er ſagte alſo: „Im alten
unveränderten Lied, da ſähe einen bei jedem Vers
das erſte Wort ſo hell und groß an und das ſeien
die goldnen Knöpfe am Rock, aus dem puren
Gold des theuren Gottes Wortes herausgenom⸗
men. Da ſtünden ſie nach einander herunter:
Befiehl — Dem HErrn — Dein' —
Weg' — Und — Hoff' — Auf — Ihn —
Er — Wird's — Wohl — Mach End.
Dieſer Spruch, ſagt er, ſei der Grundgedanke des
ganzen Liedes, und damit es Jedem gleich in die
Augen falle, habe der hochbegnadigte Sänger
Gottes, Paul Gerhardt, jeden Vers mit einem
Wörtlein dieſes Spruches geſchmückt. Aber nun
ſchlag man einmal das Lied im jetzigen Geſang⸗
buch auf, — faſt alle weggeſchnitten haben die
neumodiſchen Schneider die ſchönen goldnen
Knöpfe und dafür hölzerne, mit ein wenig Firle⸗
fanz überſponnene oder gar nur alte, abgenutzte
Haften hineingeflickt, als ob's ein Wiedertäufer⸗
kittel wäre.“ Und über die alten Lieder ins⸗
gemein, im Vergleiche zu den veränderten, hat er
letzthin ſo geſagt: „Die alten ſind aus dem Her⸗
zen gefloſſen, die neuen aus dem Kopfe, und was
von Herzen kommt, geht zu Herzen; darum
machen einem die alten auch warm um's Herz,
aber bei den neuen kann man dann und wann
ein wenig fröſteln. Im Herzen ſitzt das Leben,
darum lebt und webt Alles in den alten Liedern,
wo's dann freilich ohne manchen Seitenſprung
nicht abgeht und auch ein Tritt nicht iſt wie der
andere; im Kopfe dagegen ſitzt der Verſtand, der
hat in der einen Hand einen Maßſtab und in der
andern ein großes Meſſer und macht ein Geſicht
wie ein Rechenmeiſter, und legt ſeinen Maßſtab
an, und was darüber hinausgeht, das ſchneidet
er unbarmherzig mit ſeinem Meſſer weg, und wo
ihm etwas zu kurz dünkt, da flickt er dran, und
wenn man's dann bei'm Licht beſieht, ſo hat der
Herr Verſtand auf der einen Seite das Leben
abgeſchnitten mit ſeinem kalten Meſſer, und auf
der andern Seite hat er ein Flickwerk gemacht,
und hat, mit Reſpect zu melden, in ſeiner Weis⸗
heit alles verdorben.“ Das, meine ich, hat er
ganz wohl getroffen.

Das zweite und letzte aber, was ich noch ſagen
wollte, iſt dieſes, daß in dieſem Geſangbuch nicht
ein Lied von Luther zu finden iſt und ſoll doch
ein lutheriſches Geſangbuch heißen! Ja, nicht

nmal das: „Ein feſte Burg iſt unſer Gott ꝛc.“/

20⁴

Leute, nur nicht für einen gläubigen und treuen
Lutheraner. Wenn Du mir aber zuletzt vorhältſt,
daß doch ja das Nro. 445 von Luther ſei, ſo
antworte ich Dir ganz einfach: es ſteht wohl
Luthers Name oben drüber, aber das Lied ſelbſt,
ſo wie's da iſt, hat Luther nicht gemacht; ſo ein
Flickwerk hat Luther nicht zuſammen gedichtet.
Halt einmal Luthers Lied, das eben ſo anfängt,
mit dieſem zuſammen, ſo wirſt Du bald ſagen,
daß es Sünde iſt, dieſem Liede den Namen Luther
an die Stirne zu ſetzen. Ich muß aber auch ge⸗
ſtehen, daß mir's in dieſem Geſangbuch das erſte⸗
mal vorgekommen iſt, daß ſo ein neumodiſcher
Schneider ſich an Luthers Lieder gewagt hat.
Du weißt, Jakob, in unſerm bairiſchen Geſang⸗
buch waren viele Lieder von Luther, aber die ſind
doch alle unverändert geblieben. ‚

Ich wünſchte nur noch zum Schluß, daß ich
nicht alles umſonſt an Dich geſchrieben haben
möchte. Was es aber bei Dir gewirkt, wirſt Du
mir nun hoffentlich bald in einem Briefe an⸗
zeigen, und wenn Dir der barmherzige Gott die
Augen geöffnet hat, ſo ſoll mich meine Mühe
nicht gereuen. Sei mit den Deinen gegrüßt.

Dein
Andreas.

Der Weyl'ſche Kirchenbote.

In Nummer 10 des obengenannten Blattes
hatte ein redſeliger Herr Thuisko wieder einmal,
wie er es ſelber nennt, geplaudert, und dabei mit
ſeiner geſchwätzigen Zunge ſich freilich nicht klei⸗
ner Sünden wider das achte Gebot ſchuldig ge⸗
macht. Doch da er die Sache ſo gar ungeſchickt
angefangen und ſeine Unwiſſenheit und Schmäh⸗
ſucht wider uns Altlutheraner gar zu offen an
den Tag gelegt hatte, glaubten wir ſein Geſchwätz
nicht weiter berückſichtigen zu dürfen, um den
eitlen Herrn, der ganze Seiten einer Kirchen⸗
zeitung (2) mit ſeinem Geplauder anfüllt, nicht
am Ende noch eitler zu machen.

Allein dem Herrn Weyl war's noch nicht
genug, daß Thuisko in wirklicher, wie es jedoch
ſcheinen ſollte, vorgegebener Ignoranz nicht nur
die Frage aufgeworfen hatte: „Was wollen die
gelehrten Herren (die Altlutheraner) mit ihrer
Altilutherthümelei?“ ſondern ſie zuvor ſchon dahin
beantwortet hatte, daß ſie ſich unterfingen, den
Wittenberger Mönch, den Dr. Martinus Luthe⸗
rus, mitten entzwei zu ſpalten (verſtehe — wenn's
anders zu verſtehen iſt, daß ſie den Neu⸗, d. h.
Falſchlutheriſchen, den halben Luther entreißen
und die eine Hälfte Luthers und des Luther⸗
thums an ſich ziehen wollten, als ob nicht eben
wir abgeſagte Feinde der jämmerlichen Halbheiten
unſerer Zeit wären, und als ob ſie auch nur das
halbe, geſchweige das ganze, welches allein das
wahre Lutherthum iſt, beſäßen). In Nummer

einem Seitenhieb auf die ſteiforthodore lutheriſche

12 des K.⸗B. iſt daher die Antwort auf jene
Frage durch einen Herrn K. noch weiter in Summa ö

des lutheriſchen Zions in die Welt hineingerufen
hatte. Da er nun aber auf jene ſchlagende Be⸗
antwortung der Frage: „Führt das alte Luther⸗
thum nach Rom?“, die vor Jahren ſchon im Lu⸗
theraner gegeben worden iſt, wohlweis lich mit
keiner Silbe ſich hat verlauten laſſen, da er ferner
unſere Synodalverfaſſung mit ihrem rückhalts⸗
loſen Bekenntniß zu unſern ſämmtlichen Sym⸗
bolen vor ſich liegen hat und weiß, daß es uns
mit dieſem Bekenntniß ein heiliger Ernſt iſt, wie
er auch in dem Streit über ſeinen verfälſchten
Hübner zur Genüge merken konnte und ſelber mit

Abendmahlslehre bemerkt hat: ſo fragſt du
billig, lieber Leſer, nach den Gründen und Be⸗
weiſen, die man für eine ſo ſchwere Anſchuldi⸗
gung aufgebracht hat. Nun, ſie beſtehen darin,
raß Herr K., ein ehemaliger Katholik, ein G⸗
ſpräch mit einem ungenannten altlutheriſchen
Prediger erzählt, daraus er, und zwar nicht ein⸗
mal nach den von ihm angeführten Worten, ſon⸗
dern durch den Ton der Stimme, durch gewiſſe
Geberden, Lächeln, Kopfnicken ꝛc., zu dem liebe⸗
vollen Schluß gekommen iſt, daß nicht nur jener
Paſtor ein heimlicher Papiſte ſein müſſe, ſondern
daß ſich überhaupt dieſe verkappte Schlange (des
heimlichen Jeſuitismus und Romanismus) unter
den Altlutheranern eingeſchlichen habe, und alle
mit ihren zauberiſchen Reizen zu umgarnen drohe,

weshalb es denn an der Zeit ſei, Lärm zu ſchla⸗

gen, und die Aufmerkſamkeit derer zu erregen,
denen das Wohl der Kirche noch am Herzen liege.
— In der That wieder ein ſchlagender Beweis,
daß es Herrn Weyl und Conſorten nur um Ver⸗
dächtigung der Altlutheraner, nicht um ehrlichen
Kampf und bündige Beweiſe zu thun iſt. Möch⸗
ten doch dieſe Leute endlich erkennen, daß ſie durch
ſolche Praktiken nur ihre eigene Sache ſchlecht
machen, nur ihre Ohnmacht und Blöße aufdecken,
wie ſie das freilich ſchon damit gethan haben, daß
ſie, und nicht, wie Thuisko irrthümlich meint,

wir uns ſelbſt, uns den Namen Altlutheraner =

gegeben haben, darinnen ja die Anerkennung
liegt, daß wir nicht nach Rom — denn die alten
Lutheraner ſind bekanntlich von dem abtrünnigen
Rom aus gegangen, — ſondern daß wir zurück
wollen zu der guten alten lutheriſchen Lehre, zu
dem alten, bewährten, lutheriſchen Bibelchriſten⸗
thum. Möchten ſie doch auf Grund der Schrift
und unſerer ſchrifigemäßen Bekenntniſſe wider
uns zu Felde ziehen, wenn ſie ſich ja berufen
glauben, die Kirche vor der Gefahr zu ſchützen,
die ihr von unſerer Seite, wie ſie behaupten, dro⸗
hen ſoll. Aber da müßten ſie freilich unſere Be⸗
kenntnißſchriften erſt ſtudiren, und weil ſie doch
Lutheraner ſein wollen, auch ehrlich mit ihnen
übereinſtimmen, oder wenn ſie das nicht können,
wenigſtens aufbören, ſich lutheriſch zu nennen
und uns treue Lutheraner zu einer Secte zu ſtem⸗
peln. Da würde denn auch Herr K. erfahren,
was er eingeſtandener Maßen nicht gewußt hat,

elches ich doch ſchon in reformirten Geſang⸗ dahin geſtellt, daß die Altlutheraner nichts gerin⸗ dab die lutheriſche Kirche wirklich auf Grund der x
ern in Deutſchland geſehen habe. Was geres wollten, als die Leute nach Rom führen, Schrift, der ſie und nur ſie allein ſich unbe⸗
ſt Du dazu? Da kann man freilich wiederum wie das Herr Weyl ſchöon früher mit großem dingt unterwirft, die wahre, weſentliche Gegen⸗
anders ſagen, als es iſt ein Buch für allerlei Scharfſinn herausgefunden und als ein Wächter wart des Leibes und Blutes Chriſti unter Brod

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