Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 26 › Seite 205

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-26, Seite 205

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jugend 5

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und Wein im Abendmahle lehrt, glaubt und be⸗
kennt, gleichwohl aber vor den geweihten Elemen⸗
ten nicht niederkniet und ſie anbetet, weil nemlich,
wie unſer kleiner Katechismus lehrt, Chriſti Leib
und Blut unter Brod und Wein uns Chriſten zu
eſſen und zu trinken (nicht aber ſie herum⸗
zutragen, anzubeten ꝛc.) von Chriſto ſelbſt einge⸗
ſetzt it. Da würde ihm auch über das mitge⸗
theilte Geſpräch höchſt wahrſcheinlich ein anderes
Licht aufgehen. Denn es gehört in der That
nicht viel Unbefangenheit dazu, um herauszu⸗
finden, daß der Altlutheriſche ſeiner ein wenig
habe ſpotten wollen, als der ſich nicht nur für
einen Lutheraner ausgab, ſondern ſich auch zu
einem Kämpfer für ihre theuren Wahrheiten auf⸗
wirft, ohne doch die lutheriſche Lehre zu kennen,
geſchweige, daß er ſich dazu bekennete und ſie von
Herzen gläubete, wie das ein jeder wahrer Alt⸗
lutheraner thut.

Will übrigens der nun ſchon ſo oft gebrand⸗
markte Herr Weyl mit ſeinen ſeandalöſen Ge⸗
ſchichten von Altlutheranern fortfahren, ſo er⸗
warte er von uns keine Erwiderung mehr, als die
ihm nun wiederholt gegebene, daß er nemlich ſo
lange als ein erbärmlicher Verleumder daſteht,
ſo lange er nicht mit zeugenden Thatſachen, mit
Gründen und Beweiſen aus der Schrift und
unſern Symbolen hervortritt, oder wenn er dieß,
wie er gar wohl weiß, nicht kann, ſeine lügneri⸗
ſchen Anſinnungen und ſeine boshafte Verdäch⸗
tigung unſerer guten Sache widerruft, und lieber
bußfertig zu dem theuern Glauben und Bekennt⸗
niß ſeiner Kirche zurückkehrt, ſtatt daß er ſich un⸗
ter ihrem eigenen Namen erdreiſtet, ihr ſchnöder
Feind zu ſein! — A. C.

—.

Mittheilung von Welthändeln.

Die politiſchen Begebenheiten ſind ſeither der
Att geweſen, daß ſie immer wichtigere und ent⸗
ſcheidendere erwarten ließen. Deßhalb haben wir
dieſe Mittheilungen einige Zeit anſtehen laſſen,
um nicht immer Halbes berichten zu müſſen.
Eine entſcheidende Wendung iſt in Deutſchland
wenigſtens eingetreten. Der Frankfurter Reichs⸗
tag hat ſich in Folge der Zurückberufung der
Abgeordneten der größeren deutſchen Staaten
aufgelöſet; der gemäßigte Theil fügte ſich in die
Nothwendigkeit, nur ein kleiner, aus etwa hundert
Gliedern der demokratiſchen Partei beſtehend,
widerſetzte ſich, wanderte nach Stuttgart und
ſpielte dort eine kurze Zeit die lächerliche Rolle
einer ſouveränen, ganz Deutſchland Geſetze vor⸗
ſchreibenden Verſammlung, bis er, durch würtem⸗
berger Militär gewaltſam auseinander getrieben,
in alle vier Winde zerſtoben iſt. Der Reichs⸗
verweſer hat Frankfurt auch verlaſſen, vielleicht
um nie zurückzukehren; denn was ſoll er auch fer⸗
nerhin dort? Der König von Preußen hat nun
eine eigene deutſche Reichsverfaſſung in Vorſchlag
gebracht und beabſichtigt, ſich an die Spitze eines
deutſchen Staatenbundes zu ſtellen, wenn anders
die Eiferſucht Oeſtreichs, das an Baiern und
Würtemberg Bundesgenoſſen hat, es dazu kom⸗
men laſſen wird. Uebrigens iſt er eifrigſt be⸗

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mühet, durch Niederkämpfung der republikaniſchen
Aufſtände hin und her Ruhe und Ordnung her⸗
zuſtellen und ſich dadurch den Dank der kleinern
Fürſten zu verdienen. Nachdem preußiſche Sol⸗
daten ven Aufſtand in Dresden gedämpft hatten,
zog ein anſehnliches preußiſches Heer nach Baden
und ſchlug die Inſurgenten aufs Haupt, mit wel⸗
cher Arbeit es bei Abgang der letzten Nachrichten
bis auf die Eroberung der Feſtung Raſtatt fertig
war. So iſt denn jetzt ein Interregnum (Zwi⸗
ſchenreich) eingetreten; die jüngſt geſchaffene ſo⸗
genannte Centralgewalt hat ihre ruhmloſe Lauf⸗
bahn vollendet, der alte ſeit 1815 beſtehende deut⸗
ſche Bund iſt thatſächlich aufgelöſet. Was wird
nun im Rathe der hohen Wächter über Deutſch⸗
land beſchloſſen ſein? Wer wünſcht nicht ſeinen
Brüdern nach dem Fleiſch Friede, Ordnung und
Wohlfahrt, aber noch viel mehr Rückkehr von den
löcherichten Brunnen zur lebendigen Quelle, die
ſie verlaſſen haben? — In Leipzig iſt ein Verein
bemüht, zeitgemäße Schriften Luthers durch
neuen Abdruck unter das deutſche Volk zu ver⸗
breiten.

In Ungarn iſts noch zu keiner entſcheidenden
Schlacht gekommen und die mehrmaligen Gerüchte
von ungeheuern Siegen der Ungarn über die
Ruſſen haben ſich nicht beſtätigt; doch behaupten
die erſtern immer noch ihre früher errungenen
Vortheile. So lange die Ungarn nicht gänzlich
bezwungen ſind, ſo lange ſtehen allerdings die
Throne noch nicht ſicher. Ein ſiegreiches Vor⸗
dringen derſelben würde dem ganzen Deutſchland,
vielleicht Europa plötzlich ein anderes Anſehen
geben. Unglaublich wäre es nicht, daß die Un⸗
garn der vereinten Macht Rußlands und Oeſt⸗
reichs Trotz böten. Etwas Aehnliches geſchah
ehedem von den Huſſiten. Und wer weiß, ob
nicht die Ungarn von Gott zu einer Geißel wider
das mit vielen Blutſchulden beladene öſtreichiſche
Kaiſerhaus auserſehen ſind?

Rom iſt Anfang Julis nach längerer Beſchie⸗
ßung und nicht ohne Ströme Blutes in die
Hände der Franzoſen gefallen. Die Sieger
ſcheinen aber in nicht geringer Verlegenheit zu
ſein, was ſie mit ihrer Beute machen ſollen.
Der Pabſt iſt noch nicht zurückgekehrt, obwohl
ihm die Franzoſen die Schlüſſel der Stadt ge⸗
ſendet haben. —

„So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend,
und laß dein Herz guter Dinge ſein in deiner
Jugend.“ Pred. Sal. 11, 9.

Hierüber ſchreibt Luther: „Das iſt, gibt dir
Gott Freude, ſo brauche derſelben; ſchicket er dir
Trübſal zu, erſchrick nicht, verzage nicht. Alſo
ſollte man die jungen Leute von Jugend auf un⸗
terweiſen: und welche Jünglinge nicht dieſer Ver⸗
mahnung folgen, da wird kein rechtſchaffener Mann
draus. Denn junge Leute ſind heiß vor dem
Kopfe, und ſind noch vieler Dinge unerfahren,
darum können ſie nicht weichen, oder die große
Bosheit und Undankbarkeit der Welt tragen.
Darum iſt Salomo ein rechter königlicher Schul⸗
meiſter. Er verbeut der Jugend nicht, bei denen

ihren Schülern; denn da werden eitel Hölzer und
Klötzer draus, wie denn auch aller Mönche Mut⸗
ter, Anſelmus, geſagt hat: Ein junger Menſch,
ſo eingeſpannet, und von Leuten abgezogen, ſei
gleich, wie einen feinen jungen Baum, der Frucht
tragen könnte, in einen engen Topf pflanzen.
Denn alſo haben die Mönche ihre Jugend gefan⸗
gen, wie man Vögel in die Bauer ſetzet, daß ſie
die Leute nicht ſehen, noch hören mußten, mit
niemand reden durften. Es iſt aber der Jugend
gefährlich, alſo allein zu ſein, alſo gar von Leuten
abgeſondert zu ſein.

Darum ſoll man junge Leute laſſen hören und
ſehen, und allerlei erfahren; doch daß ſie zu Zucht
und Ehren gehalten werden. Es iſt nicht aus⸗
gerichtet mit ſolchem mönchiſchem Zwange. Es
iſt gut, daß ein junger Menſch viel bei den Leuten
ſei; doch daß er ehrlich zur Redlichkeit und Tugend
gezogen, und von Laſtern abgehalten werde. Jun⸗
gen Leuten iſt ſolcher tyranniſcher mönchiſcher
Zwang ganz ſchädlich, und iſt ihnen Freude und
Ergötzen ſo hoch vonnöthen, wie ihnen Eſſen und
Trinken iſt; denn ſie bleiben auch deſto eher bei
Geſundheit.

So ſoll man an einem Menſchen fürnehmlich
Fleiß haben, daß er Gott fürchte und erkenne
Gottes Wort, höre und lerne, eines ehrbaren Ge⸗
müths werde: wenn er im Herzen gottesfürchtig
und fromm iſt, ſo iſt der Leib bald darnach gezogen.
Darum muß man darauf auch Achtung geben,
daß er nicht mönchiſch gezogen, und zu gar ſchwer⸗
müthig erzogen werde, darnach Art und Natur iſt;
allein, daß man gut Achtung darauf gebe, daß er
nicht in ein wüſtes Weſen und Büberei gerathe.
Denn ſchwelgen, ſpielen, buhlen ſind nicht Her⸗
zens Freude, davon er hier redet, ſondern
bringen oft Traurigkeit.

*

Die Todesſtrafe.

Ludwig XI., König von Frankreich, ſprach ſich
einſt mit großer Entrüſtung in einer Geſellſchaft
darüber aus, daß ein Miſſethäter nun ſchon den
dritten Mord begangen habe. Sein Hofnarr, der
dies hörte, erwiederte hierauf: „Dieſer Menſch
hat nur den erſten Mord ſelbſt begangen, den
zweiten und dritten haſt Du begangen, König!
Denn hätteſt du ihn nicht nach der erſten Mord⸗
that begnadigt, ſo hätte er nicht noch die anderen
begehen können.“ Hier traf das Sprüchwort ein:
Kinder und Narren reden die Wahrheit.

*

Bericht des Predigers Kuhl von den ſogenann⸗
ten Altlutheranern im Weſten.

Im Weyl'ſchen Kirchenboten, No. 16 laufen⸗
den Jahres, erſtattet ein gewiſſer Herr Kuhl, ein
Zögling des Gettysburger Seminars, ſeit vorigem
Herbſt Prediger einer mit der Generalſynode jüngſt
in Verbindung getretenen Gemeinde in Quincy,
Illinois, Bericht über die kirchlichen Zuſtände
des Weſtens. Bei dieſer Gelegenheit kommt der
bezeichnete Berichterſtatter auch auf die hieſigen
ſogenannten Altlutheraner. Von dieſen berichtet

er Folgendes:
Leuten zu ſein, oder fröhlich zu ſein, wie die Mönche

„Was die Altlutheraner, die ziemlich zahlreich

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