# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 26_S206 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 7 in manchen Gegenden von Miſſouri ſein ſollen, mit ihrem ultra-orthodoxen Weſen in Amerika bezwecken, überlaſſe ich Deinen Leſern zur Ant⸗ wort. Zudem ſagt man auch, daß viele der von ihnen ausgeſandten Prediger faſt ganz ohne Bildung, — mit bloßer Orthodoxie, ohne je das Herz erreicht zu haben, die liebe Sache noch recht verächtlich machen.“ Wir erlauben uns hierauf nur einige wenige Worte zu erwiedern. 1. Herr Kuhl meint offenbar uus Lutheraner von der Miſſouriſynode; wir erklären ihm hier⸗ mit, daß wir von jeher gegen den Beinamen Altlutheraner proteſtirt haben und noch pro⸗ teſtiren. Wir ſind und wollen nur ſein Luthe⸗ raner; will man uns dieſen Namen nicht laſſen, ſo beweiſe man, natürlich aus den Symbolen der lutheriſchen Kirche, daß wir es nicht ſind. Man bedenke doch, daß es immer ſo gegangen iſt: die abgefallene Kirche hat den Namen der rechtgläu⸗ bigen Kirche behalten und die ausgetriebenen Zeugen der Wahrheit mit einem Sectennamen geſtempelt; ſo behielt die abgefallene römiſche Kirche den Namen der katholiſchen und gab den hinaus⸗ gedrängten Zeugen der Wahrheit zur Zeit der Reformation den Namen Lutheraner. Will es nun die abgefallene amerikaniſch-lutheriſche Kirche auch ſo machen, nemlich, nachdem der Name Lutheraner in der Welt zu Ehren gekommen iſt durch den Glauben, den er bezeichnet, dieſen Namen allein für ſich in Anſpruch nehmen und die, welche gegen ſie für die Wahrheit zeugen, durch einen Sectennamen brandmarken? — Wohl⸗ an, man thue, was man nicht laſſen kann; es iſt Gott ein Kleines, auch den Namen Altluthe⸗ raner ſeiner Zeit zu Ehren zu bringen und dem Namen Lutheraner den Charakter des Abfalls ſo aufzudrücken, wie dem Namen Katholiſch. 2. Herr Kuhl nennt unſer Weſen ultra-ortho⸗ dox. Wer ultra⸗orthodor iſt, iſt natürlich nicht orthodor, denn indem er orthodox ſein will, geht er über die Orthodorie hinaus. Wir erſuchen Herrn Kuhl, uns doch gütigſt nachzuweiſen, wo wir die Orthodoxie unſerer Kirche verlaſſen. 3. Herr Kuhl berichtet: „man ſage“, daß viele unſerer Prediger faſt ganz ohne Bildung ſeien. Hierauf erwidern wir erſtlich: daß es durchaus mit den Grundſätzen des Chriſtenthums unverträglich iſt, üble Dinge, die man von ſeinem Nächſten nur gerüchtsweiſe gehört hat und von deren Wirklichkeit man ſelbſt nicht überzeugt iſt, öffentlich weiter zu erzählen; wer das thut, macht zu deutſch böſen Leumund. Zweitens: verſteht man unter Bildung claſſiſche Bildung oder geſellige, d. h. feine Weltbildung, ſo geben wir die Beſchuldigung ohne Anſtand zu. Unſere Conſtitution bekennt es unverhohlen, daß wir zwei⸗ erlei Anſtalten zur Bildung von Predigern haben, und daß in der einen unſere Zöglinge eine mehr praktiſch⸗-theologiſche, in der andern auch elaſ⸗ ſiſche Ausbildung erhalten. Die Anſtalt der erſtgenannten Art haben wir nicht aus Gering⸗ ſchätzung einer literariſchen Bildung, ſondern um des hieſigen Nothſtandes willen errichtet, der ein eiliges In's Feld ſtellen vieler rüſtiger Kämpfer 206 erheiſcht. Ob aber die in ſolcher Anſtalt gebildeten Prediger ohne die nöthige Bildung ſind, das muß vor allem darnach beurtheilt werden, ob ſie die reine chriſtliche Lehre gründlich verſtehen und die⸗ ſelbe zur Beſeligung ihrer Zuhörer ſowohl in der öffentlichen Predigt als in der Privatſeelſorge recht vortragen und anwenden können. — Drittens müſſen wir uns wundern, daß gerade Herr Kuhl es wagen kann, auf unſere mehr praktiſch ausge⸗ bildeten Prediger in Selbſterhebung herabzuſehen, da Herr Kuhl, wie ſchon oben eingerückter Satz deutlich beurkundet, nicht einmal das Deutſche grammatiſch richtig, geſchweige in einem logiſchen, correcten Style ſchreiben kann. Es iſt in der That lächerlich, etwa wegen einiger lateiniſchen und griechiſchen Vocabeln, die man auswendig gelernt hat, als ein Gebildeter auf einen anderen als einen Ungebildeten herabzuſchauen, dem dieſe Vocabeln den Kopf nicht beſchweren. Möchte doch Herr Kuhl einmal ein Examen mit abwarten, welches unſere praktiſch gebildeten Predigtamts⸗ candidaten erſt beſtehen müſſen, ehe ſie zum hei⸗ ligen Amte zugelaſſen werden, wir zweifeln keinen Augenblick, der Kützel über deren Ungebildetheit im Vergleich mit ihm ſelbſt würde ihm bald ver⸗ gehen. Falſche Demuth und rechte Hoffart. —j Der gottloſe Ahas gibt eine große Heiligkeit vor, daß er aus Furcht vor Gott kein Zeichen fordern wolle. (Jeſ. 7, 11. 12.) Alſo ſind die Heuchler, wo es nicht nöthig iſt, die Allergewiſſen⸗ hafteſten; hinwiederum, wo ſie ſollten demüthig ſein, da ſind ſie die Hoffärtigſten. Allein wo Gott' befiehlt, kühn zu ſein, da muß man auch kühn ſein. Denn dem Wort gehorſam ſein, das iſt nicht Gott verſuchen. Das iſt vielmehr Gott verſuchen, wo man etwas ohne das Wort zu haben vornimmt. Gleichwie ein Mönch Gott verſucht, wenn er ins Kloſter geht, um daſelbſt Gott zu dienen, da er doch nicht das Wort Gottes hat, durch welches Gott bezeugte, daß ihm mit einer ſolchen Lebensart gedienet werde. Alſo leugnen heutzutage die Sacramentſchwärmer um der Ehr⸗ furcht willen gegen Gott (wie ſie ſagen), daß der Leib und das Blut Chriſti im Brod und Wein ſei. Allein das heißt nicht keine Scheu und Ehr⸗ erbietung vor Gott haben, wenn man dasjenige glaubt, ja auch dafür das Leben läßt, was Gott redet. (Siehe: Luthers Ausl. des Pr. Jeſ. 7, 11. 12.) * Die Beſchreibung der chriſtlichen Kirche, ſo uns Chriſtus gibet, iſt: ein Haufe, der nicht allein ſein Wort habe, ſondern auch liebe und halte, und um der Liebe willen alles verlaſſe. Joh. 14, 23—27. Luther XII, 1845. * Beſcheinigung. Indem ich hiemit noch nachträglich mehrere milde Gaben beſcheinige, die mir bis zum Juni laufenden Jahres von den lieben Freunden unſerer Miſſion am Fluſſe Cass, Michigan, für dieſelbe eingehändigt worden ſind, und dafür dem treuen Gott ſowie den freundlichen Gebern herzlichen Dank ſage, knüpfe ich daran noch beſonders die freudige Nachricht, daß die Begründer dieſer Miſ⸗ ſion ſie nun unſerer Synode förmlich in die Hände gegeben haben, die betreffenden Gaben alſo ins Künftige an den Caſſier der Synode, Herm Barthel, zu ſenden ſind. Möchte der Eifer für Miſſion unter den lieben Synodalen dadurch doppelt angefeuert werden, zumal ſich unſer Miſ⸗ ſionsfeld und ſomit deſſen Bedürfniſſe durch den Hinzutritt der Station Siboying, davon nächſtens ausführlicher Bericht erfolgen ſoll, bedeutend ver⸗ größert haben: Von deren Gemeinden: 53.00 durch Herrn Paſtor Selle, 84.00 durch Herrn Paſtor Ernſt, 51.00 durch Herrn Paſtor Röbbelen, 95.50 durch Herrn Paſtor Trautmann, 830.25 durch Herrn Paſtor Dr. Sihler, 515.10 und J6.00 durch Herrn Paſtor Röbbelen, 54.75 und §3.00 durch Herrn Paſtor Seidel, 51.00 durch Herrn Paſtor Sauer, 52.00 durch Herrn Paſtor Streckfuß. 50 Cts. durch Herrn Mohr in Monroe. 38 Cis. durch 4 Herrn Meyer in Fort Wayne. Eine Kiſte mit Kleidungsſtücken von den deutſch- und engliſch-lutheriſchen Miſſionsfreunden in Fort Wayne. Eine Kiſte mit Kleidungsſtücken von den Miſſionsfreun⸗ den in Monroe. Au guſt Crämer. —————— — Todesnachricht. So eben erhalten wir die erſchütternde Nach⸗ richt, daß der Ehrwürdige Senior unſerer Synode, Herr Gotthold Heinrich Löber, treuver⸗ dienter Paſtor der lutheriſchen Gemeinde zu Alten⸗ burg, Perry Co., Mo., Dom. XI. p. Trin. den 19ten dieſes Monats in Folge eines Nervenfiebers verſtorben iſt. — — — — — Den Mitgliedern des Fort Wayner Conferenz⸗ Diſtrictes wird in Erinnerung gebracht, daß die nächſte Conferenz während des 12. und 13. Sep⸗ tembers in Fort Wayne gehalten wird, wozu ſich die Betheiligten gefälligſt bis Dienstag-Abend, den 11. September, in Fort Wayne einfinden wollen. Geld empfangen für den Ankauf des Seminars in Fort Wayne. 1. Von der Gemeinde des Paſt. Wyneken in Bal⸗ timoreee ́ — —.— 8 69.87 2. Von der Gemeinde des Paſt. Habel in Pomeroy 62.65 3. Von der Gemeinde des Paſt. Crämer in Fran⸗ kenmu .. —.—— 7.0⁰ 4. Von der Gemeinde des Paſt. Jäbker in Adams County—..—.—..——.— 10⁰0.00 5. Von der Gemeinde des Dr. Sihler in Fort Wayne.H——. 290.95 ö 6. Durch Hrn. Paſt. Husmann: ‚ A. aus der St. Paulus⸗Gemeinde in Marion Townſhip, Allen Co., Ind.... 17.00 b. aus der St. Johannis-Gemeinde in Adams County, Ind..—.— 6.50 C. aus der St. Petri-Gemeinde........ 28.50 852.00 7. Durch Hrn. Paſt. Heid: a. aus der St. Johannis-Gemeinde, Auglaize County, Ohio.—.— ᷓ11.37 b. aus der Gemeinde in Wapakonetta, Aug⸗ laize Co., Ohio...—.—.— 1.50 c. aus der Gemeinde in Clay Townſhip, Aug⸗ laize Co., Ohio— 1.2⁵ S14.12 A. Wolter. Erhalten für die Heiden-Miſſion in Michigan: P4.873 von Gemeindegliedern in St. Louis. P5.372 von den Knaben der Schule in der hieſigen Dreieinigkeitskirche unter ſich geſammelt. 33.00 von Hrn. P. Dulitz in Mil⸗ waukee, für Hrn. Miſſionar Baierlein, zu Miſſionszwecken beſtimmt. Bezahlt. Den 6. Jahrg. Die HH. P. Dulitz und H. Reutter.