Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 17 › Seite 65
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-04-19, Seite 65
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 2 · Leutheriſce airhe · Ordination · Predigtamt. 45⁵5⁷
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 1.
St. Louis, Mo., den 19. April 1845.
No. 17.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft.
(Eingesandt von Pastor Th. Brohm.)
Von ordentlicher Berufung zum Predigtamt.
(Schluß.)
Die hiesigen Verhältnisse machen es nöthig, etwas über den sogenannten temporären Beruf zu sagen. Es ist in diesem Lande, soviel uns bekannt, mit seltener Ausnahme der Gebrauch unter den Lutheranern, den Prediger nur auf eine gewisse Anzahl von Jahren zu berufen und nach Ablauf dieser Zeit ihn von Neuem zu wählen oder einen andern an seine Stelle zu setzen, unangesehen, ob gerechte Klage wider ihn ist oder nicht. Die ersten Spuren eines solchen temporären Berufs in der lutherischen Kirche finden sich unseres Wissens zuerst während des sogenannten Interims 1547—52., wo mehrere süd-deutsche Reichsstädte wegen der precären Lage, in die sie von Kaiser Karl V. versetzt waren, ihre Prediger nur auf gewisse Jahre beriefen; und obgleich dieser Nothstand durch den Passauer Vertrag 1552 aufhörte, behielten sie doch diese Weise bei, ohne Zweifel aus keinem andern Grund, als um den Lehrstand stets in einer demüthigenden Abhängigkeit von der weltlichen Obrigkeit zu erhalten. Später ist dieser temporäre Beruf in der lutherischen Kirche Deutschlands verschwunden, und wir treffen ihn erst wieder hier in America an. Wir können einen solchen temporären Beruf in keiner Weise billigen, halten ihn vielmehr für ganz verwerflich und einer lutherischen Gemeinde unwürdig und zwar aus folgenden Gründen:
1. Streitet er schnurstracks wider die Lehre von der Göttlichkeit eines ordentlichen Berufs. Oben haben wir bewiesen, wie die christliche Gemeinde nicht die Herrin ist, sondern nur die Dienerin und das Werkzeug, durch welches Gott beruft. Ist nun ein Beruf rechtmäßig und also göttlich, so steht es in keines Menschen, noch keiner Gemeinde Macht, im Voraus zu bestimmen, wie lange der Beruf soll gültig sein; sondern eine Gemeinde ist schuldig, den Prediger, den ihr Gott gegeben hat, und der sein Amt treu verwaltet, so lange stehen zu lassen, als Gott ihn selbst stehen läßt, d. h. so lange, bis ihn Gott durch einen andern göttlichen Beruf zu einer andern Gemeinde sendet, oder bis er ihn aus der streitenden in die triumphirende Kirche durch einen seligen Tod versetzt. So wenig der Prediger ohne schwere Verletzung der Hirtentreue aus bloßer Willkür, aus Veränderungslust, Bequemlichkeit, Geiz, Ehrsucht oder aus andern fleischlichen Rücksichten seine Gemeinde, über welche ihn der heilige Geist zum Bischof gesetzt hat, Apostelgesch. 20, 28., verlassen darf; eben so wenig darf die Gemeinde ihren rechtmäßig berufenen Prediger willkürlich entlassen, sie würdigt anders die ordentliche Berufung zu einem weltlichen Miethgeschäft herab. Ueber diesen Unfug klagt schon Mart. Chemnitius: Auch in unsrer Kirche, spricht er, verstehen viele diese Sache nicht recht; denn wie einer, wenn er einen Knecht miethet, die Macht hat, ihn fortzuschicken, wenn er will, also meinen einige, sie hätten die Macht, die Prediger auch fortzuschicken, wenn sie gleich keine gerechte Ursache haben. 2. Streitet der temporäre Beruf wider die Liebe, die eine Gemeinde ihrem Prediger schuldig ist. Der Apostel spricht Gal. 6, 6.: Der unterrichtet wird mit dem Worte, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Wo ist aber diese so ernstlich eingebundene Liebe gegen einen treuen Seelsorger (wir reden natürlich nicht den Miethlingen und Bauchdienern das Wort), wenn man den, der von Jugend auf mit vielen Kosten und Fleiß sich zum Predigtamt vorbereitet hat, und sich in seinem Amte gemeiniglich hat keine Schätze sammeln können, nach zwei, fünf oder mehr Jahren wieder entläßt und mit Weib und Kind ins Elend schickt? Wenn das die Welt thut, so wundert man sich nicht, sie hat es von ihrem Vater, dem Teufel, nicht anders gelernt; aber wenn es eine Gemeinde thut, die sich lutherisch nennt, so weiß man nicht, ob man über den Muthwillen zürnen oder über die Verblendung sie bemitleiden soll. 3. Streitet der temporäre Beruf wider den Gehorsam der Zuhörer gegen ihren Lehrer und Seelsorger. Hebr. 13, 17. heißt es: Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen, und Luc. 10, 16.: Wer euch höret, der höret mich. Wenn also ein rechtschaffener Diener Christi das Wort Gottes in Lauterkeit und Kraft verkündigt und ohne Ansehen der Person Trost- und Strafamt nach Richtschnur der heil. Schrift handhabt, so ist die Gemeinde bei Ungnade der göttlichen Majestät ihm Gehorsam schuldig. Das will aber gemeiniglich der große Haufe nicht leiden, der Prediger soll fein sanft predigen, und den Gottlosen Polster unter die Arme legen. Hat nun der Prediger, der Gottes Gericht mehr fürchtet als Menschentage begehret, besonders die einflußreichen und angesehenen Glieder durch seine Schärfe beleidigt, so mache er sich nur gefaßt, bei der nächsten Wahl durchzufallen; aber er darf nicht sagen: ihr Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geist, ihr verwerfet Gottes Wort dadurch, daß ihr mich fortschicket; sie werden sich das Maul wischen und sprechen: haben wir nicht das Recht dazu? Bist du nicht mit uns eins geworden, auf so und so lange zu dienen? Wir sind freie Männer, wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen. Wahrlich, eine schöne Freiheit, die der Teufel erfunden hat! So muß der temporäre Beruf den heimlichen Feinden der Wahrheit zum Schanddeckel ihrer Bosheit dienen! Ist der Prediger ein Ketzer und Irrlehrer, oder führt er einen offenbar sträflichen Wandel, so soll ihn die Gemeinde nicht dulden und nach gerechter, unparteiischer Untersuchung seines Amtes entsetzen; ist er aber unschuldig und treu in seinem Amte, so ist die Gemeinde ihm alle Ehre, Liebe und Gehorsam schuldig, und soll ihn halten nicht für einen Menschenknecht, sondern für Christi Diener und als einen Engel Gottes aufnehmen, ja, als Christum JEsum, Gal.4,14. Unseres Erachtens soll und darf also keine rechtgläubige Gemeinde ohne schwere Sünde einen solchen temporären Miethlingsberuf ausstellen, und kein Prediger darf sich einen solchen gefallen lassen, er macht sich sonst fremder Sünden theilhaftig. — Es ist noch übrig, von der Ordination zu sprechen.
Die Ordination, wenn wir eigentlich von ihr reden und sie von der Vocation oder Berufung unterscheiden, ist die öffentliche und feierliche Bestätigung der Berufung; durch dieselbe wird das Predigtamt einer tüchtigen Person, die von der Kirche dazu berufen ist, aufgetragen, zu diesem Amte wird sie durch Gebet und Handauflegung geweihet, ihrer rechtmäßigen Berufung gewiß gemacht und ihrer Amtspflicht öffentlich im Angesicht der ganzen Kirche feierlich und ernstlich erinnert. Das sind die Worte des anerkannt rechtgläubigen Joh. Gerhard in seinen Loc. theol. de min. eccl. Sect. XII. §139 et seqq. Derselbe fährt fort, zu beweisen, daß die Ordination zwar nicht ausdrücklich von Christo geboten und eingesetzt sei, davon keine Spur in der heil. Schrift zu finden, ferner daß sie kein Sacrament im eigentlichen
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English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall pass away neither now nor ever more."
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 1.
St. Louis, Mo., April 19, 1845.
No. 177.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar and twenty-five cents for out-of-town subscribers, who must pay half of this in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis each single number is sold for 6¼ cents.
(Submitted by Pastor Th. Brohm.)
On the Orderly Call to the Preaching Office.
(Conclusion.)
The circumstances here make it necessary to say something about the so-called temporary call. It is, in this country, so far as we know, with rare exception, the custom among Lutherans to call the preacher for only a certain number of years and, after this time has elapsed, either to elect him anew or to put another in his place, regardless of whether there is just complaint against him or not. The first traces of such a temporary call in the Lutheran Church are found, to our knowledge, first during the so-called Interim of 1547–52, when several South German imperial cities, on account of the precarious position into which Emperor Charles V had placed them, called their preachers for only a certain number of years; and although this state of emergency ended with the Peace of Passau in 1552, they nevertheless retained this practice, doubtless for no other reason than to keep the preaching office ever in humiliating dependence on the secular authority. Later this temporary call disappeared from the Lutheran Church in Germany, and we meet with it again only here in America. We can in no way approve of such a temporary call; we consider it, rather, wholly reprehensible and unworthy of a Lutheran congregation, and that for the following reasons: 1. It conflicts flatly with the doctrine of the divine character of his orderly call. Above we have shown how the Christian congregation is not the mistress but only the servant and the instrument through which God calls. Now if a call is lawful and thus divine, it lies in the power of no man, nor of any congregation, to determine in advance how long the call shall remain valid; rather, a congregation is obligated to let the preacher whom God has given it, and who administers his office faithfully, stand for as long as God Himself lets him stand — that is, until God sends him, through another divine call, to another congregation, or until He removes him, through a blessed death, from the church militant into the church triumphant. Just as little as the preacher may, without grievous violation of pastoral fidelity, out of mere willfulness, love of change, comfort, greed, ambition, or other carnal considerations, abandon his congregation, over which the Holy Spirit has set him as bishop (Acts 20:28); just as little may the congregation arbitrarily dismiss its lawfully called preacher — otherwise it degrades the orderly call into a worldly hiring transaction. Martin Chemnitz already complains of this abuse: "Even in our church," he says, "many do not rightly understand this matter; for just as one who hires a servant has the power to send him away when he wishes, so some suppose that they have the power to send preachers away as well, even though they have no just cause." 2. The temporary call conflicts with the love that a congregation owes its preacher. The apostle says, Galatians 6:6: "Let him that is taught in the word share all good things with him that teaches him. Be not deceived, God is not mocked." But where is this love, so earnestly enjoined, toward a faithful pastor — we are, of course, not speaking here on behalf of hirelings and belly-servers — when a man who from his youth has prepared himself for the preaching office at great cost and effort, and who in his office has generally been unable to lay up any treasure, is dismissed again after two, five, or more years and sent with wife and child into misery? If the world does this, one is not surprised — it has learned nothing else from its father, the devil; but when a congregation that calls itself Lutheran does it, one does not know whether to be angry at the willfulness or to pity the blindness. 3. The temporary call conflicts with the obedience the hearers owe their teacher and pastor. Hebrews 13:17 says, "Obey them that have the rule over you, and submit yourselves," and Luke 10:16, "He that heareth you heareth me." If, then, an upright servant of Christ proclaims the Word of God in purity and power, and, without respect of persons, administers the office of comfort and rebuke according to the rule of Holy Scripture, the congregation owes him obedience on pain of the displeasure of the divine Majesty. But this the great crowd generally will not endure — the preacher is supposed to preach nicely and gently, and to slip pillows under the arms of the ungodly. Now if the preacher, who fears God's judgment more than he covets the favor of men, has offended, by his severity, especially the influential and respected members, let him simply prepare himself to fail at the next election; but he must not say, "You who are uncircumcised in heart and ears, you always resist the Holy Spirit; you reject God's Word in sending me away" — they will merely wipe their mouths and say, "Do we not have the right to do so? Did you not agree with us to serve for such and such a time? We are free men; we will not let our freedom be taken from us." Truly, a fine freedom, one invented by the devil! Thus the temporary call must serve as a shameful cloak for the malice of the secret enemies of the truth! If the preacher is a heretic and false teacher, or leads an openly scandalous life, the congregation should not tolerate him, and, after a just and impartial investigation, should remove him from his office; but if he is innocent and faithful in his office, the congregation owes him all honor, love, and obedience, and should regard him not as a hired servant of men but as Christ's minister, and receive him as an angel of God — indeed, as Christ Jesus Himself (Galatians 4:14). In our judgment, then, no orthodox congregation may or should, without grievous sin, offer such a temporary hireling's call, and no preacher should allow such a thing to be imposed on him, lest he make himself a partaker of others' sins. — It remains to speak of ordination.
Ordination, when we speak of it properly and distinguish it from vocation or calling, is the public and solemn confirmation of the call; through it the preaching office is conferred upon a qualified person who has been called to it by the church; for this office he is consecrated by prayer and the laying on of hands, made certain of his lawful call, and solemnly and earnestly reminded, publicly before the whole church, of the duties of his office. These are the words of the acknowledged orthodox Johann Gerhard, in his Loci theologici, De ministerio ecclesiastico, Section XII, §139 et seqq. He goes on to demonstrate that ordination, to be sure, was not expressly commanded and instituted by Christ — no trace of it is to be found in Holy Scripture — and further, that it is no sacrament in the proper sense.
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