Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 12 › Seite 48

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-02-08, Seite 48

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geäußert habe, lassen sich die politischen Umstände immer mehr an, zumal da nun im Westen ein selbstständiger christlicher Freistaat (jetzt noch mags nach den Nachrichten, wie wir sie bekommen, in demselben in Absicht auf Religionsgrundsätze stehen, wie es will) entstanden ist.“

Instruction einer Gemeinde für ihren
Prediger.

Als nach Luthers Tode der Kaiser die Protestanten auf alle Weise bedrängte, ließen sich Melanchthon, Bugenhagen und andere Theologen bewegen, eine Schrift aufzusetzen (das Leipziger Interim genannt), nach welchem um Friedens willen in Chursachsen wenigstens einige päbstliche Ceremonien wieder angenommen werden sollten. Als daher dem Superintendenten von Annaberg, W. Pfentner, in Leipzig aufgelegt wurde, den Kindern bei der Taufe wieder geweihtes Salz einzustreichen, Fahnen und Kerzen um die Kirche zu tragen ꝛc., so erklärte derselbe, er könne für seine Person in solch Narrenwerk nicht einwilligen, und setzte hinzu: „Wenn ich mich gleich verführen ließe, würden es doch meine Pfarrkinder nicht annehmen. Denn sie haben mir ein Schreiben mit einem reitenden Boten nachgeschickt und darin gebeten, ich sollte in keinen gottlosen Artikel willigen, oder nicht wieder zu ihnen kommen. Ich wollte mir daher zu Leipzig lieber den Kopf lassen abschlagen, und solches mit gutem Gewissen leiden, als meine liebe Gemeinde ärgern.“ Wohl dem Prediger, der gewürdiget ist, einer solchen Gemeinde zu dienen! — Der theure Melanchthon erkannte übrigens später sein Unrecht, das er mit seinen falschen Friedensunterhandlungen begangen hatte, und schrieb im J. 1556 hierüber: „Ich bekenne, daß ich in der Sache gefehlt, und mich vergangen habe, und bitte Gott um Vergebung, daß ich von allen listigen und tückischen Anschlägen nicht weit geflohen bin.“ Melanchthon sah nehmlich ein, daß die Feinde nicht Frieden, wie sie vorgaben, sondern, wie immer, Unterdrückung der Wahrheit gesucht hatten.

Seligkeit aus Gnaden.

Aus Gnaden soll ich selig werden;
Herz, glaubst du's, oder glaubst du's nicht?
Was willst du dich so blöd geberden?
Ist's Wahrheit, was die Schrift verspricht? —
So muß auch dieses Wahrheit sein:
Aus Gnaden ist der Himmel dein.

Aus Gnaden! — Hier gilt kein Verdienen,
Die eignen Werke fallen hin;
Gott, der aus Lieb' im Fleisch erschienen,
Bringt uns den seligen Gewinn,
Daß uns sein Tod das Heil gebracht
Und uns aus Gnaden selig macht.

Aus Gnaden! — Merk dies Wort: Aus Gnaden!
So oft dich deine Sünde plagt,
So oft dir will der Satan schaden,
So oft dich dein Gewissen nagt;
Was die Vernunft nicht fassen kann,
Das beut dir Gott aus Gnaden an.

Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden
Und übernahm die Sündenlast;
Was nöthigt' ihn, dein Freund zu werden?
Sag's, wo du was zu rühmen hast!
War's nicht, daß er dein Bestes wollt
Und dir aus Gnaden helfen sollt?

Aus Gnaden! — Dieser Grund wird bleiben,
So lange Gott wahrhaftig heißt;
Was alle Knechte Jesu schreiben,
Was Gott in seinem Wort anpreist,
Worauf all' unser Glaube ruht:
Ist Gnade durch des Lammes Blut.

Aus Gnaden, — doch du sichrer Sünder,
Denk nicht: Wohlan, ich greif auch zu!
Wahr ist's, Gott rufet Adams Kinder
Aus Gnaden zur verheißnen Ruh:
Doch nimmt er nicht aus Gnaden an,
Wer noch auf Gnade sünd'gen kann.

Aus Gnaden! — Wer dies Wort gehöret,
Tret' ab von aller Heuchelei;
Denn wenn der Sünder sich bekehret,
So lernt er erst, was Gnade sei;
Beim Sünd'gen scheint die Gnad' gering,
Dem Glauben ist's ein Wunderding.

Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen
Das Herz des Vaters aufgethan,
Wenn's unter größter Angst und Schmerzen
Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann.
Wo nähm' ich oftmals Stärkung her,
Wenn Gnade nicht mein Anker wär?

Aus Gnaden! — Hierauf will ich sterben;
Ich fühle nichts, doch mir ist wohl;
Ich kenn mein sündliches Verderben,
Doch auch den, der mich heilen soll.
Mein Geist ist froh, die Seele lacht,
Weil mich die Gnade selig macht.

Aus Gnaden! Dies hör Sünd' und Teufel,
Ich schwinge meine Glaubensfahn',
Und geh' getrost trotz allem Zweifel
Durch's rothe Meer nach Canaan.
Ich glaub, was JEsu Wort verspricht,
Ich fühl' es oder fühl' es nicht.
C. L. Scheitt.

Christliche Fassung.

Als A. Tillemann, ein lutherischer Messerschmidt, der als ein Vater der Armen bekannt war, im Winter des Jahres 1541 zu Brüssel um seines lutherischen Glaubens willen verbrannt wurde, fragte er noch auf dem Scheiterhaufen die Umstehenden: „Warum schleppt ihr doch so viel Holz zusammen, meinen elenden Leib zu verbrennen, und lasset doch die Leiber so vieler Armen frieren?“ — Vergl. Matth. 9, 13.

Etwas für Herrn Oertel.

Ehe wir Herrn O—n seinen Skrupel wegen des Landgrafen Philipp von Hessen heben können, bitten wir denselben um gefälligen Aufschluß über das Decret des Pabstes Gregors III. Cap. Quod proposuisti 32. q. 7. Tom. 2. Concil. pag. 441. Cf. Gerh. L. th. Art. de conj. § 203.

Will übrigens Herr O. durch die Art seiner Darstellung seine Leser glauben machen, daß Funk und Krell als Ketzer oder wegen Ketzerei hingerichtet worden seien, so ist dies eine von den Unwahrheiten, womit sein Wahrheitsfreund so reichlich ausgestattet ist; denn ersterer ward nach dem Urtheil einer oberlehnsherrlich königlich polnischen Commission und der letztere nach einem Erkenntniß des Apellationsgerichts zu Prag als Hochverräther enthauptet. Wir wissen nicht, ob wir dergleichen Entstellungen als Folgen der Unwissenheit entschuldigen können, da Herr O. zwar Wolfgang Menzel als seinen Gewährsmann nennt, aber doch naiv gesteht, daß derselbe freilich „in manchen Puncten weniger zuverlässig sei, weil nicht partheilos — gebe aber doch über die lutherischen Verhältnisse in Deutschland ziemlich richtigen Aufschluß.“

Quittungen.

Für das erste Halbjahr des Lutheraners haben bezahlt: C. Alt, J. Beck, H. Drenckhahn, N. Frahs, G. Huch, J. Horn, G. Henfling, Husmann, Heiner, Just, Kämpfe, Kleinschmidt, S. Koch, W. Kautz, Preiß, Roßwage, Dr. Sihler 2 Ex., F. Straub, Windecker.

Für den ganzen Jahrgang haben bezahlt: Brandt, Pastor Bürger, Pastor Ernst 3 Ex., Gruenhagen, Gerding, Pastor Meißner, Th. Schieferdecker, Pastor Wege 6 Ex., Pastor Wyneken 2 Ex., Professor Winkler, Höckendorf 2 Ex.

Für Cincinnati: Wir haben den Lutheraner an die Expeditionen des „Apologeten“ und des „Wahrheitsfreundes“ von Anfang an regelmäßig gesendet.

Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräber's, (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber) ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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the political circumstances are becoming ever more favorable — especially since now, in the West, an independent Christian free state has arisen (whatever, according to the reports we have received, may still be the case in it as regards religious principles)."

Instruction of a Congregation for Its Pastor.

After Luther's death, when the Emperor pressed the Protestants by every means, Melanchthon, Bugenhagen, and other theologians allowed themselves to be moved to draw up a document (called the Leipzig Interim), according to which, for the sake of peace, at least some papal ceremonies were to be readmitted in Electoral Saxony. When, therefore, the superintendent of Annaberg, W. Pfentner, was required at Leipzig to again anoint children with consecrated salt at baptism, to carry banners and candles around the church, etc., he declared that he, for his own person, could not consent to such foolery, and added: "Even if I let myself be led astray, my parishioners would not accept it. For they have sent a mounted messenger after me with a letter, in which they asked that I should not consent to any godless article, or else not come back to them. I would therefore rather have my head cut off at Leipzig, and suffer this with a good conscience, than give offense to my dear congregation."

Happy the preacher who is deemed worthy to serve such a congregation! — The worthy Melanchthon, moreover, later recognized the wrong he had committed with his false peace negotiations, and wrote of this in the year 1556: "I confess that I erred and transgressed in this matter, and I ask God for forgiveness that I did not flee far from all cunning and treacherous designs." For Melanchthon realized that the enemies had sought not peace, as they pretended, but, as always, the suppression of the truth.

Salvation by Grace.

By grace I shall be saved; heart, do you believe it, or do you not? Why will you show yourself so timid? Is it truth, what Scripture promises? — Then this too must be truth: heaven is yours by grace.

By grace! — Here no meriting counts; one's own works fall away; God, who out of love appeared in the flesh, brings us the blessed gain, that his death has brought us salvation and makes us blessed by grace.

By grace! — Mark this word: by grace! As often as your sin torments you, as often as Satan wishes to harm you, as often as your conscience gnaws at you — what reason cannot grasp, that God offers you by grace.

By grace his Son came to earth and took upon himself the burden of sin; what compelled him to become your friend? Say, if you have anything to boast of! Was it not that he willed your good, and would help you by grace?

By grace! — This ground will remain as long as God is called truthful; whatever all the servants of Jesus write, whatever God commends in his Word, on which all our faith rests, is grace through the Lamb's blood.

By grace — yet you, secure sinner, do not think: well then, I too will simply take hold! It is true, God calls the children of Adam by grace to the promised rest; but he does not accept by grace one who can still go on sinning upon grace.

By grace! — Whoever has heard this word, let him depart from all hypocrisy; for when the sinner is converted, only then does he learn what grace is; in the act of sinning, grace seems a small thing; to faith, it is a wondrous thing.

By grace the Father's heart remains open to the timid heart, when, under the greatest anguish and pain, it sees nothing and can hope for nothing more. Where would I so often draw strength from, if grace were not my anchor?

By grace! — On this I will die; I feel nothing, yet I am at peace; I know my sinful corruption, but also him who is to heal me. My spirit is glad, my soul laughs, because grace makes me blessed.

By grace! Hear this, sin and devil: I raise my banner of faith, and go forth confidently, despite every doubt, through the Red Sea toward Canaan. I believe what Jesus' word promises, whether I feel it or not.
C. L. Scheidt.

Christian Composure.

When A. Tillemann, a Lutheran cutler who was known as a father to the poor, was burned at Brussels in the winter of the year 1541 for the sake of his Lutheran faith, he asked those standing by, even at the stake: "Why do you gather together so much wood to burn my wretched body, and yet let the bodies of so many poor people freeze?" — Compare Matthew 9:13.

Something for Mr. Oertel.

Before we can relieve Mr. O—n of his scruple concerning the Landgrave Philip of Hesse, we ask him kindly to provide clarification concerning the decree of Pope Gregory III, chapter Quod proposuisti, 32, d. 7, Tom. 2, Concil., p. 441. Cf. Gerhard, Loci Theologici, Article on Marriage, §208.

If, moreover, Mr. O., by the manner of his presentation, wishes to make his readers believe that Funck and Krell were executed as heretics or on account of heresy, this is one of the untruths with which his Wahrheitsfreund is so abundantly furnished; for the former was beheaded as a traitor upon the judgment of a superior royal Polish commission, and the latter upon a verdict of the Court of Appeals at Prague, likewise as a traitor. We do not know whether we can excuse such distortions as the result of ignorance, since Mr. O. does indeed name Wolfgang Menzel as his authority, yet naively admits that the latter is, to be sure, "less reliable on some points, because not impartial — but gives, nevertheless, fairly accurate information about Lutheran conditions in Germany."

Receipts.

For the first half-year of the Lutheraner the following have paid: C. Alt, J. Beck, H. Drenckhahn, N. Frahs, G. Huch, J. Horn, G. Henfling, Husmann, Heiner, Just, Kämpfe, Kleinschmidt, S. Koch, W. Kautz, Preiss, Rosswage, Dr. Sihler (2 copies), F. Straub, Windecker.

For the entire volume the following have paid: Brandt, Pastor Bürger, Pastor Ernst (3 copies), Gruenhagen, Gerding, Pastor Meissner, Th. Schieferdecker, Pastor Wege (6 copies), Pastor Wyneken (2 copies), Professor Winkler, Höckendorf (2 copies).

For Cincinnati: We have sent the Lutheraner regularly from the beginning to the offices of the "Apologete" and the "Wahrheitsfreund."

The "Lutheraner" may always be obtained at the residence of the distributor, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), further at Mr. Quast's (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and from the editor.

Printed by Weber and Olshausen.