Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 12 › Seite 47
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-02-08, Seite 47
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Spendeformel 38 · Agende 1 · Brüderliche Beſtrafung
47
Schwester sündigen, und was thut man? Man geht hin, hält den, den man hat sündigen sehen, für keinen Christen oder verachtet ihn doch in seinem Herzen als einen schlechten Christen — und straft ihn nicht; oder man trägt wohl gar seine Sünde aus, redet von ihm übel hinter seinem Rücken, afterredet und verleumdet ihn — und straft ihn selbst nicht. Ist das die Liebe, die Christen untereinander haben sollen, woran jedermann erkennen kann, daß sie Christi Jünger sind? Ach, nein, denn Gott spricht durch seinen Knecht Moses: „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten strafen, auf daß du nicht seinethalben Schuld tragen müssest.“ 3 Mos. 19, 17. Seinen Nächsten nicht strafen, wenn man ihn sündigen sieht, heißt also nach Gottes Wort, ihn hassen.
(Eingesandt.)
Ueber die Abschaffung der unlutherischen Ausspendungs-Formel beim hl. Abendmahle: Christus spricht ꝛc.
Es hat der lutherische Pastor, Hr. Dr. Sihler, in Verbindung mit dreien seiner Mitarbeiter der luther. Synode von Ohio eine Bittschrift um Abschaffung der angegebenen Formel vorgelegt, welche in Gemäßheit eines Beschlusses dieser Synode in Nro. 21 der luth. Kirchenzeitung aufgenommen und deren Hauptinhalt in Nro. 9 dieses Blattes mitgetheilt worden ist.
So erfreulich es nun einerseits ist, in dieser Bittschrift einen neuen Beweis dafür zu sehen, daß der längst entschlummerte Eifer für das unverfälschte lutherische Bekenntniß nach und nach wieder erwacht, so unerfreulich ist doch andrerseits die Veranlassung zu jener Bittschrift, sowie manches Andere, was damit in Verbindung steht.
Wenn rechtschaffene, aber mit dem hiesigen Zustand der luth. Kirche unbekannte Lutheraner hier oder in Deutschland eine solche Nachricht lesen, so müssen sie erstaunen, daß lutherische Prediger in diesem Lande noch nöthig haben, eine luther. Prediger-Synode mit Darlegung von vier Gründen zu bitten, eine solche unlutherische Ausspendungsformel abzuschaffen. Sie werden es sich ferner nicht erklären können, warum doch diese Synode die öffentliche Bekanntmachung der erhaltenen Bittschrift, nicht aber zugleich die Genugthuung der Bitte selbst beschlossen und veröffentlicht hat, um dadurch ohne Zögern die Bittsteller von ihrer Gewissensnoth, sich selbst aber von dem Verdachte einer solchen Union und kirchlichen Gleichgültigkeit zu befreien.
Noch auffallender aber muß es jedem Lutheraner sein, zu erfahren, daß sich jene Formel nicht etwa nur hier und da eingeschlichen, sondern daß sie sogar durch die Vorschrift der Agende kirchliches Ansehen bekommen hat, und zwar nicht nur in der ältern vom J. 1818, sondern selbst in der neuesten, sogenannten ev. luth. Agende für Pennsylvanien, New-York, Ohio und die benachbarten Staaten, welche im Jahr 1842 erschienen ist (Philadelphia bei J. Böttcher). Darin heißt es in dem 1. Abendmahlsformulare, Seite 173:
„Bei Austheilung des Brodes spricht der Prediger: Jesus spricht: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, solches thut zu meinem Gedächtniß. Der stärke und erhalte euch im wahren Glauben zum ewigen Leben. Bei Darreichung des Kelches spricht er: Jesus spricht: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden; das stärke ꝛc.“
Dabei ist noch diese Bemerkung hinzugefügt: „Auch dient es sehr zur Aufmunterung, zum Trost und zur Unterhaltung der Andacht, wenn der Prediger beim Schluß der Austheilungsworte einen schicklichen Vers, Spruch oder Wunsch hinzufügt.“
Ganz abgesehen von den unkirchlichen und störenden Zusätzen zwischen und nach den Austheilungsworten, so ist es höchst auffallend, daß auf diese Vorschrift in den drei folgenden Formularen zurückgewiesen wird, so daß sich in keinem einzigen die rechte, das heißt, den Einsetzungsworten Christi gemäße und daher in der lutherischen Kirche seit 300 Jahren gebräuchliche Formel: Nehmet hin und esset, das ist der wahre Leib ꝛc., findet.
Wer nun aber diese vier Abendmahlsformulare selbst genauer betrachtet, und sie nach dem Vorbilde der heilsamen Lehre prüft, der wird darin mit immer größerem Erstaunen eine unglaubliche Masse von Sauerteig, falscher, namentlich reformirter Lehre wahrnehmen. Leider ist aber auch die ganze Agende davon durchsäuert; zwar wird sie für eine evangelisch-lutherische ausgegeben, allein sie ist es in der That und Wahrheit ebenso wenig, als so manche andere neue Agende, z. B. die sächsische, preußische und andere, und kann daher ebenso wenig als diese von einem Lutheraner mit gutem Gewissen geduldet werden. Denn eine Agende, welche so oft und so bedeutend in der Anordnung des öffentlichen Gottesdienstes, der einzelnen kirchlichen Handlungen und Gebräuche von allen älteren lutherischen Agenden abweicht; eine Agende, die so viele wesentliche Verfälschungen der reinen lutherischen Lehre in den wichtigsten Artikeln derselben und so viele in den symbolischen Büchern verworfene Irrthümer enthält; eine Agende, welche auch in der Sprache von dem Muster der alten lutherischen Kirchensprache ganz abweicht und ein so gefährliches Gemisch von unbiblischen, unkirchlichen und allerlei anderen an diesem Platze widerlichen Worten und Redensarten enthält; eine Agende, deren verborgene, aber besonders bei den Abendmahlsformularen ganz unverkennbare Absicht es ist, eine falsche Vereinigung zwischen Lutheranern und Reformirten zu stiften; eine Agende, die in jedem Formulare entweder hinsichtlich der Gebräuche, oder der Lehre, oder der Sprache, oder der Unions-Absicht, ja in manchen Formularen in allen diesen Beziehungen von dem Vorbilde der luth. Kirche abweicht — eine solche Agende für eine lutherische erklären, sie mit allgemeiner Zustimmung annehmen und einführen, sie drei Jahre lang gebrauchen und öffentlich anpreisen, und in dieser Zeit nicht den geringsten Widerspruch dagegen erheben, fürwahr, dies setzt, gelind gesagt, eine so starke Verblendung und Selbsttäuschung voraus, und ist ein so unverkennbares Zeichen von dem tiefen Verfall der luth. Kirche, auch in diesem Abendlande, daß es mit Worten nur unvollkommen geschildert und beklagt werden kann.
Hieraus erhellt deutlich, daß der Inhalt jener Bittschrift sich in allzugroßer Bescheidenheit blos auf die Abschaffung der unlutherischen Austheilungsformel beschränkt. Es wird und muß auch gleichzeitig und folgerecht die Abschaffung der Abendmahlsformulare, ja der ganzen unlutherischen Agende selbst und die Abfassung einer neuen und unverfälschten mit allem Ernst und Nachdruck beantragt werden. Gott gebe dazu allen, die dabei betheiligt sind, heiligen Muth, guten Rath und rechte Werke, denen aber, welche die Wohlthat einer der ältern reinen Agenden, vor allem aber der reinen Predigt seines Wortes ungestört genießen, dankbare Herzen, damit sie auch in reinem Glauben durch seine Gnade ihm dienen!
E. G. W. Keyl,
luth. Pastor in Perry Co., Mo.
Zeugnisse aus dem vorigen Jahrhundert von der Hoffnung, welche man sich schon da von America für die luth. Kirche gemacht hat.
Dr. Fresenius sagt in der Vorrede zum 20sten Theile seiner Pastoralsammlungen, v. J. 1756, worin Nachrichten von den Lutherischen Gemeinden in Pennsylvanien enthalten sind, Folgendes:
„Lasset uns für die bessere Pflanzung und Ausbreitung des Weinberges Gottes in America bitten. Laßt uns seinen Bau auf alle mögliche Weise befördern helfen. Lasset uns bedenken, daß vielleicht dieser entlegene Welttheil mit der Zeit, wenn Gott die Europäischen Christen wegen ihrer großen Undankbarkeit mit schweren Strafgerichten heimsuchet, eine Gegend der Zuflucht und Errettung für die wenigen Gläubigen werden könne.“
Diakonus Uhrlandt in Gera spricht sich im J. 1784 in seiner Schrift: „Ueber die Zeichen unserer Zeit,“ nachdem er von der Entziehung der rechten Christuslehre geredet hat, so aus:
„So gegründet diese Furcht ist, die durch Erwägung vieler tausend anderer Umstände, die da sind und die ich kenne, aber unmöglich anführen kann, noch mehr Gewicht bekommt, so darf uns doch für die Kirche JEsu Christi selbst nicht bange sein; die soll und wird bleiben, wenn sie auch, da die Erde groß ist, außer Europa wiederbauen sollte. Und hierzu, wie ich das schon vor acht Jahren in einer Druckschrift
English translation AI translation
sister sinning, and what does one do? One goes and regards the one whom one has seen sinning as no Christian at all, or at least despises him in one's heart as a poor Christian — and does not rebuke him; or else one even carries his sin abroad, speaks ill of him behind his back, slanders and defames him — and still does not rebuke him himself. Is that the love which Christians ought to have for one another, by which everyone can recognize that they are Christ's disciples? Ah, no; for God says through his servant Moses: "Thou shalt not hate thy brother in thine heart: thou shalt in any wise rebuke thy neighbor, and not suffer sin upon him." Leviticus 19:17. Not to rebuke one's neighbor when one sees him sinning means, therefore, according to God's Word, to hate him.
(Submitted.)
On the Abolition of the Unlutheran Formula of Distribution at the Holy Supper: "Christ says," etc.
The Lutheran pastor, Dr. Sihler, together with three of his colleagues, submitted to the Lutheran Synod of Ohio a petition for the abolition of the aforementioned formula, which, in accordance with a resolution of that Synod, was included in No. 21 of the Lutherische Kirchenzeitung, and the main content of which was communicated in No. 9 of this paper.
As gratifying as it is, on the one hand, to see in this petition a new proof that the long-dormant zeal for the unadulterated Lutheran confession is gradually reawakening, so distressing, on the other hand, is the occasion for that petition, as well as much else connected with it.
When upright Lutherans who are unacquainted with the present state of the Lutheran church here — whether here or in Germany — read such a report, they must be astonished that Lutheran preachers in this land should still find it necessary to petition a Lutheran ministerial synod, with the presentation of four reasons, to abolish such an unlutheran formula of distribution. They will further be unable to explain to themselves why this Synod resolved and published only the public announcement of the petition it had received, but not at the same time the granting of the petition itself, so as thereby, without delay, to relieve the petitioners of their distress of conscience, and to free itself from the suspicion of such unionism and church indifference.
But it must seem still more striking to every Lutheran to learn that this formula has not merely crept in here and there, but that it has even received churchly authority through the prescription of the liturgy — and that not only in the older one of 1818, but even in the newest, so-called Evangelical Lutheran Liturgy for Pennsylvania, New York, Ohio, and the neighboring states, which appeared in the
47
year 1842 (Philadelphia, published by J. Böttcher). There it says, in the first Communion formulary, page 173:
"At the distribution of the bread the minister says: Jesus says: Take and eat; this is my body, which is given for you; this do in remembrance of me. May this strengthen and preserve you in true faith unto everlasting life. At the giving of the cup he says: Jesus says: Take and drink ye all of it; this cup is the new testament in my blood, which is shed for you and for many for the remission of sins; may this strengthen," etc.
To this the following remark is also added: "It also serves greatly for the encouragement, comfort, and sustaining of devotion, if the minister adds a fitting verse, saying, or wish at the close of the words of distribution."
Quite apart from the unchurchly and disruptive additions between and after the words of distribution, it is most striking that in the three formularies which follow, reference is made back to this prescription, so that in not a single one is the correct formula found — that is, the one that agrees with Christ's words of institution and has therefore been in use in the Lutheran church for 300 years: Take and eat, this is the true body, etc.
Whoever now examines these four Communion formularies more closely, and tests them by the pattern of wholesome doctrine, will perceive in them, with ever-growing astonishment, an incredible mass of leaven — of false, namely Reformed, doctrine. Unfortunately, however, the entire liturgy is leavened with it; though it is put forth as evangelical-Lutheran, it is in fact and in truth no more so than many another new liturgy — for example, the Saxon, the Prussian, and others — and can therefore no more be tolerated by a Lutheran with a good conscience than these can. For a liturgy which deviates so often and so significantly, in the ordering of public worship and of the individual church rites and customs, from all the older Lutheran liturgies; a liturgy which contains so many essential falsifications of pure Lutheran doctrine in its most important articles, and so many errors condemned in the Symbolical Books; a liturgy which also, in its language, departs entirely from the pattern of the old Lutheran church language and contains so dangerous a mixture of unbiblical, unchurchly, and various other words and turns of phrase offensive in this place; a liturgy whose hidden purpose — though quite unmistakable, especially in the Communion formularies — is to bring about a false union between Lutherans and Reformed; a liturgy which in every formulary deviates from the pattern of the Lutheran church, whether in respect of customs, or of doctrine, or of language, or of unionistic intent — indeed, in some formularies, in all these respects at once — to declare such a liturgy Lutheran, to adopt and introduce it with general consent, to use it for three years and publicly commend it, and in that time to raise not the slightest objection to it — this, to put it mildly, presupposes so strong a blindness and self-deception, and is so unmistakable a sign of the deep decline of the Lutheran church, even here in this western land, that it can only be imperfectly described and lamented in words. From this it is plainly evident that the content of that petition confines itself, with all too great modesty, merely to the abolition of the unlutheran formula of distribution. It will, and must, also be demanded at the same time and consistently, with all earnestness and emphasis, that the Communion formularies — indeed the entire unlutheran liturgy itself — be abolished, and a new and unadulterated one composed. God grant to all who are involved in this holy courage, good counsel, and right works; and to those who undisturbed enjoy the benefit of one of the older, pure liturgies, but above all of the pure preaching of his Word, thankful hearts, that they too may serve him in pure faith through his grace!
E. G. W. Keyl,
Lutheran pastor in Perry Co., Mo.
Testimonies from the Previous Century Concerning the Hope Which Was Already Then Placed in America for the Lutheran Church.
Dr. Fresenius says, in the preface to the twentieth part of his Pastoralsammlungen, of the year 1756, which contains reports of the Lutheran congregations in Pennsylvania, the following:
"Let us pray for the better planting and spreading of the vineyard of God in America. Let us help promote its building in every possible way. Let us consider that perhaps this remote part of the world may, in time, when God visits the European Christians with severe judgments for their great ingratitude, become a region of refuge and deliverance for the few believers."
Deacon Uhrlandt in Gera declares himself, in the year 1784, in his writing "On the Signs of Our Time," after having spoken of the withdrawal of the true doctrine of Christ, as follows:
"As well founded as this fear is — which, through the consideration of many thousand other circumstances that exist, and which I know but cannot possibly cite here, gains even more weight — yet we need not fear for the church of Jesus Christ itself; it shall and will remain, even should it, since the earth is large, build itself up again outside of Europe. And for this, as I already expressed eight years ago in a printed work,