Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 1 › Seite 3
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-01, Seite 3
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 4 · Miſſion 29
. Gelt angreifen; er mußte die Sünde und den
Irrthum der Hohen und Niedrigen, der geiſtlichen
und weltlichen Obrigkeit aufdecken und ſtrafen
mit unerſchrockenem Herzen; er durfte nicht, wie
ein Melanchthon, wankelmüthig und verzagt ſein;
er durfte nicht den Zorn aller Gewaltigen auf
Erden und aller hölliſchen Pforten ſcheuen, ja nicht
vor dem Tode und den ſchrecklichſten Martern eines
Märtyrers ſich fürchten. Und dieſen Helden⸗
glauben finden wir bei Luthern in unvergleich⸗
lichem Maße. Er war jeden Augenblick mit
Freuden bereit, ſein Leben um des Evangeliums
willen zu laſſen, nur fürchtete er immer, Gott achte
einen ſolchen ſchändlichen Sünder, wie er ſich
nannte, dieſer hohen Ehre nicht würdig. Der
Pabſt zu Rom, vor dem Kaiſer hatten zittern
müſſen, war natürlich auch des Reformators
grimmiger Feind, citirte ihn nach Rom, that ihn
in den Bann, verfluchte ihn als einen Ketzer und
bedrohte ihn, wenn er nicht widerriefe, mit dem
ſogenannten apoſtoliſchen und kaiſerlichen Schwert:
Luther blieb unverzagt, ja verbrannte des Pabſtes
Bannbulle und ſämmtliches Kirchenrecht auf offe⸗
ner Straße vor Wittenberg unter großem Auflauf
ſtaunender Zeugen. Der Kaiſer rief ihn nach
Worms, vor ihm und des Reiches Ständen zu
ſiehen und ſich zu verantworten; da zitterten alle
— nur Luther nicht. Alle Freunde flehten, er ſolle
fliehen, denn er wiſſe, wie es Huß in Coſtnitz er⸗
gangen; aber Luther erklärte: „Wenn ſeine Feinde
gleich ein Feuer machten, das zwiſchen Witten⸗
berg und Worms bis in den Himmel reichte, ſo
wolle er, da ihn der Kaiſer gerufen, doch hindurch
und im Namen des HErrn erſcheinen, und dem
Behemot in ſein Maul, in ſeine großen Zähne
treten, Chriſtum bekennen und denſelben walten
laſſen. Und wenn ſo viele Teufel in Worms ſeien,
als Ziegel auf den Dächern, ſo wolle er doch hin⸗
ein. Und wenn er tauſend Köpfe hätte, ſo wolle
er ſich lieber alle abhauen laſſen, als widerrufen
und Chriſtum verleugnen.“ Kurz zuvor hatte
er an Spalatin geſchrieben: „Wenn ich gerufen
werde, ſo will ich mich, ſo viel an mir iſt, gerne
auch krank hinführen laſſen, wenn ich geſund nicht
kommen könnte. Der lebet und regieret noch, der
die drei Knaben in des babyloniſchen Königs Ofen
erhalten hat; will er aber nicht erhalten, ſo iſt es
ein geringes um meinen Kopf, wenn es gegen
Chriſtum gehalten wird. Hier habt ihr meinen
Rath und Meinung. Erwartet alles von mir,
nur nicht Fliehen und Widerrufen. Fliehen will
ich nicht, widerrufen noch viel weniger. So
wahr mir mein HErr IEſus Kraft gibt.“ So
bewies ſich aber Luther nicht etwa nur in Stun⸗
den, in welchen ſein Eifer gerade einmal auf⸗
flammte, ſondern ſtets in allen noch ſo gefahrvollen
Lagen ſeines ganzen Lebens. Gar oft ſah ſich
Luther von allen den Seinen verlaſſen, er ſah alle
an dem guten Ausgange der Sache kleinmüthig
verzagen, ſah, wie alle wankten: er — ſtand feſt,
wie ein Fels, ja war in den Stunden der höchſten
Gefahr gerade recht fröhlich; während der Kaiſer
mit den Fürſten rathſchlagte, wie die „Luthe⸗
riſchen“ mit Liſt oder Gewalt auszurotten ſeien,
ſchezte unterdeß zu Hauſ' Luther mit ſeinen
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zagenden Freunden. Wir hören nicht, daß Lu⸗
ther, nachdem er zur vollen Erkenntniß gekommen
war, auch nur einmal ſeiner Lehre ungewiß, nur
einmal über den Ausgang ſeines Werkes zweifel⸗
haft oder nur einmal wegen der Menge, oder
Macht, oder blutigen Rathſchläge ſeiner Feinde
zaghaft geworden wäre. Wenn es ſchien, als
ſei er und ſeine Sache ganz verloren, da ſang er
freudig Siegeslieder und ſpottete mit Elias⸗Eifer
ſeiner ſiegestrunkenen Feinde als elender Waſſer⸗
blaſen, und wenn es Pabſt, Kaiſer, Könige und
Fürſten waren. So kindlich demüthig ſeine
Sprache war, wenn er mit Gott oder Freunden
des Evangeliums redete, ſo ſchrecklich wie Wetter
Gottes war ſeine Sprache gegen die verſtockten
Feinde der Wahrheit. Wie will man es ſich nun
erklären, daß Luther einen ſolchen beiſpielloſen,
wahrhaft eiſernen, durch nichts zu erſchütternden
Heldenglauben hatte, wenn man nicht annimmt,
daß ihn Gott ſo außerordentlich ausrüſtete, damit
er das Werk, zu welchem er auserwählt war, hin⸗
aus führen konnte?
(Schluß folgt.)
(Eingeſandt vom Miſſionar P. Crämer.)
Frankenmuth, Cass Niver, Mich.,
im Auguſt 1848.
Da ihr lieben Leſer des „Lutheraner“ unſerer
Miſſion immer ſo fleißig mit euren Liebesgaben
gedenkt, ſo kann ich nicht umhin, euch hin und
wieder von dem Stand und dem geſegneten Ge⸗
deihen derſelben zu benachrichtigen. Dabei habe
ich die gute Zuverſicht, euch mit der einfachen Er⸗
zählung deſſen, was der HERR mit Seinem Wort
und Gnade hier wirket, eine herzliche Freude zu
machen, weil's ja Chriſtenleute nicht helfen können,
ſich über die Ausbreitung des Reiches Gottes unter
den Heiden mit ihrem Heiland zu freuen. Und
dann gedenk ich auch, euch immer mehr in unſer
ſeliges Liebesgeſchäft hereinzuziehen, indem ich
euch zu treuem Mitbeten und freundlicher Hilf⸗
leiſtung reize. Der HERR, der barmherzige
Gott, gebe Seinen Segen, daß auch die folgenden
Zeilen dieſem doppelten Zweck entſprechen.
Am liebſten mag ich euch von unſerer kleinen
hoffnungsvollen Pflanzſchule erzählen, von den
Indianerkindern, die uns in Schul, und Unterricht
übergeben ſind, und deren wir nun bereits 19 ge⸗
tauft haben. Sind ſie mir doch, als ich jüngſt
nach einmonatlicher Abweſenheit von der Synode
zurückkam, mit ſo freudiger Haſt, und ſolch jubeln⸗
dem Geſchrei entgegengeeilt, daß ich ſie mit neuer
friſcher Liebe ans Herz ſchließen mußte, — und
was noch mehr iſt, hat doch der HERR IEſus
die Kinder, die zu Ihm gebracht wurden, ſo lieb,
und ſagt ausdrücklich: Laſſet die Kindlein zu mir
kommen und wehret ihnen nicht, denn ſolcher. iſt
das Himmelreich. — Wahrlich, wer jemals Ge⸗
legenheit gehabt hat, dergleichen kleine Wildlinge
in ihren Wäldern zu beobachten, wie ſie mit
Schmutz bedeckt um die Hütten der Alten herum⸗
kriechen, mit durchdringendem Lärm die Luft er⸗
füllen und beim Anblick eines Weißen wie ſcheue
Rehe in das Dickicht flüchten, und fände hier
ihrer 20, die ſauber gewaſchen und gekämmt, ihre
Blöße hinreichend bedeckt, des Morgens mit fröh⸗
lichen geſunden Angeſichtern zum Frühſtück kom⸗
men und trotz jugendlicher Eßluſt doch nicht eher
zu Tiſche ſitzen, als bis der Morgenſegen und das
Tiſchgebet geſprochen iſt — wer ſie dann mit ihren
Leſe⸗ und Schiefertafeln zuerſt in unſre deutſche
Schule eilen ſähe und hörte, wie ſie mit lauter
Kehle in die deutſchen Morgenlieder und das
Gebet mit einfallen, wie ſie dann deutſch Buch⸗
ſtabiren, Leſen, Schreiben, Zählen lernen, hernach
aber in den Religions- und engliſchen Unterricht
kommen, da ſie den kleinen lutheriſchen Katechis⸗
mus in ihrer Mutterſprache aufbeten, und zwei⸗
und dreiſylbige engliſche Worte mit ziemlicher
Geläufigkeit buchſtabiren — wer ſie bei ihrer ein⸗
fachen Mittagstafel ſo freudeſtrahlend ſitzen ſähe,
und beobachtete ſie Nachmittags in den Frei⸗
ſtunden, wenn die Knaben mit Bogen und Pfeil
auf die Vogeljagd gehen, oder in die Wälder eilen,
Beeren zu ſuchen, oder während die Mädchen mit
Nähen und Stricken beſchäftigt ſind, hin und wie⸗
der ſpielend angehalten werden, im Garten und
auf dem Felde zu arbeiten; — wer des Abends ihr
treuherziges „gute Nacht“ mit anhörie, wenn ſie
beim Bettegehen einem jeden, auch Fremden, die
etwa anweſend ſind, die Hand reichen; — wer
einen Sonntag hier erlebte und ſähe, wie die
meiſten von freien Stücken zuerſt unſern deutſchen
Gottesdienſten beiwohnen und gar andächtig das
Vaterunſer und den Glauben mit uns beten; —
dann aber alle insgeſammt bei ihren eigenen
Gottesdienſten Lieder in Indianiſcher Sprache
ſingen, laut und anſtändig mitbeten und die
Lectionen aus dem 1. Buch Moſes und aus den
Evangelien aufmerkſam anhören — wer dies alles
mit wohlwollenden Augen anſähe, der müßte ſich
wohl mit uns von Herzen darüber freuen und
würde Gott danken, daß ER uns gewürdigt hat,
Werkzeuge Seiner Barmherzigkeit an dieſen armen
Kindern zu ſein. Aber eben deßwegen muß ſich
gewiß auch eine jede redliche Chriſtenſeele über die
Tücke des Satans entrüſten, der es ſchon mehrfach
verſucht hat, durch lügenhafte Gerüchte aus dem
Mund methodiſtiſcher Indianer uns das Zutrauen
dieſer Kinder zu ſtehlen. So wurde uns jüngſt
ein Mädchen, das ſchon auf dem Wege zu uns
war, durch die ſchändliche Verleumdung abwendig
gemacht, daß ſich in unſerer Schulſtube ein arms⸗
dicker Prügel befinde, mit welchem wir die Kinder
todtſchlügen (0. Dann iſt neben all' dem Erfreu⸗
lichen doch auch gar Manches, das uns drückt und
eurer Fürbitte empfohlen ſein will. Ich nenne
nur die eine große Noth, daß die Kinder von ihren
unverſtändigen Eltern ſo oft heimgeholt werden.
Zwar verſprechen dieſe in der Regel, ſie nach
10 — 14 Tagen wieder zu ſchicken, aber nicht
ſelten behalten ſie ſie dann doch 2 — 3 Monate
lang zu Hauſe, da wir dann bei ihrer endlichen
Wiederkehr oft ganz von vorne wieder mit ihnen
anfangen müſſen. —
Auch bei den alten Indianern gewinnen wir
trotz der Bosheit unſerer Feinde immer mehr Ein⸗
gang. Der beſte und erfreul ichſte Beweis davon
in neuerer Zeit iſt der, da der Häuptling am
Pinefluß ſelber begehrt hat, wir möchten in ſeinem
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