# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 01_S3 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) . Gelt angreifen; er mußte die Sünde und den Irrthum der Hohen und Niedrigen, der geiſtlichen und weltlichen Obrigkeit aufdecken und ſtrafen mit unerſchrockenem Herzen; er durfte nicht, wie ein Melanchthon, wankelmüthig und verzagt ſein; er durfte nicht den Zorn aller Gewaltigen auf Erden und aller hölliſchen Pforten ſcheuen, ja nicht vor dem Tode und den ſchrecklichſten Martern eines Märtyrers ſich fürchten. Und dieſen Helden⸗ glauben finden wir bei Luthern in unvergleich⸗ lichem Maße. Er war jeden Augenblick mit Freuden bereit, ſein Leben um des Evangeliums willen zu laſſen, nur fürchtete er immer, Gott achte einen ſolchen ſchändlichen Sünder, wie er ſich nannte, dieſer hohen Ehre nicht würdig. Der Pabſt zu Rom, vor dem Kaiſer hatten zittern müſſen, war natürlich auch des Reformators grimmiger Feind, citirte ihn nach Rom, that ihn in den Bann, verfluchte ihn als einen Ketzer und bedrohte ihn, wenn er nicht widerriefe, mit dem ſogenannten apoſtoliſchen und kaiſerlichen Schwert: Luther blieb unverzagt, ja verbrannte des Pabſtes Bannbulle und ſämmtliches Kirchenrecht auf offe⸗ ner Straße vor Wittenberg unter großem Auflauf ſtaunender Zeugen. Der Kaiſer rief ihn nach Worms, vor ihm und des Reiches Ständen zu ſiehen und ſich zu verantworten; da zitterten alle — nur Luther nicht. Alle Freunde flehten, er ſolle fliehen, denn er wiſſe, wie es Huß in Coſtnitz er⸗ gangen; aber Luther erklärte: „Wenn ſeine Feinde gleich ein Feuer machten, das zwiſchen Witten⸗ berg und Worms bis in den Himmel reichte, ſo wolle er, da ihn der Kaiſer gerufen, doch hindurch und im Namen des HErrn erſcheinen, und dem Behemot in ſein Maul, in ſeine großen Zähne treten, Chriſtum bekennen und denſelben walten laſſen. Und wenn ſo viele Teufel in Worms ſeien, als Ziegel auf den Dächern, ſo wolle er doch hin⸗ ein. Und wenn er tauſend Köpfe hätte, ſo wolle er ſich lieber alle abhauen laſſen, als widerrufen und Chriſtum verleugnen.“ Kurz zuvor hatte er an Spalatin geſchrieben: „Wenn ich gerufen werde, ſo will ich mich, ſo viel an mir iſt, gerne auch krank hinführen laſſen, wenn ich geſund nicht kommen könnte. Der lebet und regieret noch, der die drei Knaben in des babyloniſchen Königs Ofen erhalten hat; will er aber nicht erhalten, ſo iſt es ein geringes um meinen Kopf, wenn es gegen Chriſtum gehalten wird. Hier habt ihr meinen Rath und Meinung. Erwartet alles von mir, nur nicht Fliehen und Widerrufen. Fliehen will ich nicht, widerrufen noch viel weniger. So wahr mir mein HErr IEſus Kraft gibt.“ So bewies ſich aber Luther nicht etwa nur in Stun⸗ den, in welchen ſein Eifer gerade einmal auf⸗ flammte, ſondern ſtets in allen noch ſo gefahrvollen Lagen ſeines ganzen Lebens. Gar oft ſah ſich Luther von allen den Seinen verlaſſen, er ſah alle an dem guten Ausgange der Sache kleinmüthig verzagen, ſah, wie alle wankten: er — ſtand feſt, wie ein Fels, ja war in den Stunden der höchſten Gefahr gerade recht fröhlich; während der Kaiſer mit den Fürſten rathſchlagte, wie die „Luthe⸗ riſchen“ mit Liſt oder Gewalt auszurotten ſeien, ſchezte unterdeß zu Hauſ' Luther mit ſeinen 3 zagenden Freunden. Wir hören nicht, daß Lu⸗ ther, nachdem er zur vollen Erkenntniß gekommen war, auch nur einmal ſeiner Lehre ungewiß, nur einmal über den Ausgang ſeines Werkes zweifel⸗ haft oder nur einmal wegen der Menge, oder Macht, oder blutigen Rathſchläge ſeiner Feinde zaghaft geworden wäre. Wenn es ſchien, als ſei er und ſeine Sache ganz verloren, da ſang er freudig Siegeslieder und ſpottete mit Elias⸗Eifer ſeiner ſiegestrunkenen Feinde als elender Waſſer⸗ blaſen, und wenn es Pabſt, Kaiſer, Könige und Fürſten waren. So kindlich demüthig ſeine Sprache war, wenn er mit Gott oder Freunden des Evangeliums redete, ſo ſchrecklich wie Wetter Gottes war ſeine Sprache gegen die verſtockten Feinde der Wahrheit. Wie will man es ſich nun erklären, daß Luther einen ſolchen beiſpielloſen, wahrhaft eiſernen, durch nichts zu erſchütternden Heldenglauben hatte, wenn man nicht annimmt, daß ihn Gott ſo außerordentlich ausrüſtete, damit er das Werk, zu welchem er auserwählt war, hin⸗ aus führen konnte? (Schluß folgt.) (Eingeſandt vom Miſſionar P. Crämer.) Frankenmuth, Cass Niver, Mich., im Auguſt 1848. Da ihr lieben Leſer des „Lutheraner“ unſerer Miſſion immer ſo fleißig mit euren Liebesgaben gedenkt, ſo kann ich nicht umhin, euch hin und wieder von dem Stand und dem geſegneten Ge⸗ deihen derſelben zu benachrichtigen. Dabei habe ich die gute Zuverſicht, euch mit der einfachen Er⸗ zählung deſſen, was der HERR mit Seinem Wort und Gnade hier wirket, eine herzliche Freude zu machen, weil's ja Chriſtenleute nicht helfen können, ſich über die Ausbreitung des Reiches Gottes unter den Heiden mit ihrem Heiland zu freuen. Und dann gedenk ich auch, euch immer mehr in unſer ſeliges Liebesgeſchäft hereinzuziehen, indem ich euch zu treuem Mitbeten und freundlicher Hilf⸗ leiſtung reize. Der HERR, der barmherzige Gott, gebe Seinen Segen, daß auch die folgenden Zeilen dieſem doppelten Zweck entſprechen. Am liebſten mag ich euch von unſerer kleinen hoffnungsvollen Pflanzſchule erzählen, von den Indianerkindern, die uns in Schul, und Unterricht übergeben ſind, und deren wir nun bereits 19 ge⸗ tauft haben. Sind ſie mir doch, als ich jüngſt nach einmonatlicher Abweſenheit von der Synode zurückkam, mit ſo freudiger Haſt, und ſolch jubeln⸗ dem Geſchrei entgegengeeilt, daß ich ſie mit neuer friſcher Liebe ans Herz ſchließen mußte, — und was noch mehr iſt, hat doch der HERR IEſus die Kinder, die zu Ihm gebracht wurden, ſo lieb, und ſagt ausdrücklich: Laſſet die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ſolcher. iſt das Himmelreich. — Wahrlich, wer jemals Ge⸗ legenheit gehabt hat, dergleichen kleine Wildlinge in ihren Wäldern zu beobachten, wie ſie mit Schmutz bedeckt um die Hütten der Alten herum⸗ kriechen, mit durchdringendem Lärm die Luft er⸗ füllen und beim Anblick eines Weißen wie ſcheue Rehe in das Dickicht flüchten, und fände hier ihrer 20, die ſauber gewaſchen und gekämmt, ihre Blöße hinreichend bedeckt, des Morgens mit fröh⸗ lichen geſunden Angeſichtern zum Frühſtück kom⸗ men und trotz jugendlicher Eßluſt doch nicht eher zu Tiſche ſitzen, als bis der Morgenſegen und das Tiſchgebet geſprochen iſt — wer ſie dann mit ihren Leſe⸗ und Schiefertafeln zuerſt in unſre deutſche Schule eilen ſähe und hörte, wie ſie mit lauter Kehle in die deutſchen Morgenlieder und das Gebet mit einfallen, wie ſie dann deutſch Buch⸗ ſtabiren, Leſen, Schreiben, Zählen lernen, hernach aber in den Religions- und engliſchen Unterricht kommen, da ſie den kleinen lutheriſchen Katechis⸗ mus in ihrer Mutterſprache aufbeten, und zwei⸗ und dreiſylbige engliſche Worte mit ziemlicher Geläufigkeit buchſtabiren — wer ſie bei ihrer ein⸗ fachen Mittagstafel ſo freudeſtrahlend ſitzen ſähe, und beobachtete ſie Nachmittags in den Frei⸗ ſtunden, wenn die Knaben mit Bogen und Pfeil auf die Vogeljagd gehen, oder in die Wälder eilen, Beeren zu ſuchen, oder während die Mädchen mit Nähen und Stricken beſchäftigt ſind, hin und wie⸗ der ſpielend angehalten werden, im Garten und auf dem Felde zu arbeiten; — wer des Abends ihr treuherziges „gute Nacht“ mit anhörie, wenn ſie beim Bettegehen einem jeden, auch Fremden, die etwa anweſend ſind, die Hand reichen; — wer einen Sonntag hier erlebte und ſähe, wie die meiſten von freien Stücken zuerſt unſern deutſchen Gottesdienſten beiwohnen und gar andächtig das Vaterunſer und den Glauben mit uns beten; — dann aber alle insgeſammt bei ihren eigenen Gottesdienſten Lieder in Indianiſcher Sprache ſingen, laut und anſtändig mitbeten und die Lectionen aus dem 1. Buch Moſes und aus den Evangelien aufmerkſam anhören — wer dies alles mit wohlwollenden Augen anſähe, der müßte ſich wohl mit uns von Herzen darüber freuen und würde Gott danken, daß ER uns gewürdigt hat, Werkzeuge Seiner Barmherzigkeit an dieſen armen Kindern zu ſein. Aber eben deßwegen muß ſich gewiß auch eine jede redliche Chriſtenſeele über die Tücke des Satans entrüſten, der es ſchon mehrfach verſucht hat, durch lügenhafte Gerüchte aus dem Mund methodiſtiſcher Indianer uns das Zutrauen dieſer Kinder zu ſtehlen. So wurde uns jüngſt ein Mädchen, das ſchon auf dem Wege zu uns war, durch die ſchändliche Verleumdung abwendig gemacht, daß ſich in unſerer Schulſtube ein arms⸗ dicker Prügel befinde, mit welchem wir die Kinder todtſchlügen (0. Dann iſt neben all' dem Erfreu⸗ lichen doch auch gar Manches, das uns drückt und eurer Fürbitte empfohlen ſein will. Ich nenne nur die eine große Noth, daß die Kinder von ihren unverſtändigen Eltern ſo oft heimgeholt werden. Zwar verſprechen dieſe in der Regel, ſie nach 10 — 14 Tagen wieder zu ſchicken, aber nicht ſelten behalten ſie ſie dann doch 2 — 3 Monate lang zu Hauſe, da wir dann bei ihrer endlichen Wiederkehr oft ganz von vorne wieder mit ihnen anfangen müſſen. — Auch bei den alten Indianern gewinnen wir trotz der Bosheit unſerer Feinde immer mehr Ein⸗ gang. Der beſte und erfreul ichſte Beweis davon in neuerer Zeit iſt der, da der Häuptling am Pinefluß ſelber begehrt hat, wir möchten in ſeinem