Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 1 › Seite 8

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-01, Seite 8

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Kirchliche Nachricht.

Herr Candidat Johann Georg Sauer, in
Deutſchland zum Dienſte der Kirche in Amerika
ausgebildet, iſt von der ev.⸗luth. St. Johannis⸗
Gemeinde in Jackſon Co., Ind., zu deren Seelſor⸗
ger ordentlich berufen und auf ſein Begehren von
der Synode von Miſſouri durch den Paſtor Carl
Fricke von Bartholomew Co., Ind., unter Aſſiſtenz
des Paſtor Schürmann von Franklin Co., Ind.,
inmitten ſeiner Gemeinde am letzten ten Sonntag
nach Trin., den 20ſten Aug. d. J., öffentlich und
feierlich zu ſeinem heiligen Amte ordinirt worden.

Die hochmüthige Vernunft zu Verſtande zu
bringen, iſt ein eben ſo ſchweres Geſchäft, als das
Herz des Menſchen zu ergründen, welches Gott
bekanntlich ſich als ein regale (Vorrecht) zu⸗
ſpricht. — Dr. Rudelbach.

Mittheilung voan Welthändeln.

Die letzten aus Europa eingetroffenen Nach—
richten reichen bis zum Aten Auguſt, ſie enthalten
wenig Neues und noch weniger Erfreuliches. In
Irland iſt's wirklich zu Thätlichkeiten gekommen,
doch ſcheint die engliſche Regierung glücklich zu
ſein in Unterdrückung des Aufruhrs. Die Irlän⸗
der ſind ein lebendiger Spiegel von der Unart un⸗
ſeres natürlichen Herzens. Wir alle ſind, ſagt
Dr. Luther in der Hauspoſtille 23. p. Tr., keiner
ausgenommen, alſo geſinnt, daß wir gern klagen,
wenn wir fühlen, was uns wehthut; uns dünket,
auch uns geſchehe Unrecht. Und iſt wahr, gegen
den Menſchen zu rechnen, geſchieht uns zuweilen
Unrecht, daß wirs um ſie nicht verdient haben,
daß ſie ſo untreulich mit uns handeln. Da gehen
wir denn hin, können nichts als auf unſer Recht
und auf unſerer Widerſacher Unrecht ſehen,
ſchreien dann und klagen; aber wir fehlen in ſol⸗
chem Fall. Denn obwohl dir dein Nächſter Un⸗
recht thut, ſo ſolſt du doch deine Rechnung nicht
darauf machen, ſondern denken: Wie, wenn ich
mich vor unſerm HErrn Gott ſo hoch verſündiget,
daß ich längſt verdient hätte, daß er mir nicht
allein mein Recht, ſondern auch Leibz und Leben
ſollte genommen haben?

Die Lombarden, nachdem ſie eine Niederlage
von den Oeſtreichern erlitten haben, haben von
Frankreich Hülfe verlangt, die ihnen wahrſcheinlich
auch wird gewährt werden. Daraus, fürchtet
man, möchte ſich ein allgemeiner europäiſcher
Krieg entſpinnen. Der Pabſt, der Regierung
müde, ſoll die Abſicht haben, ſeine Staaten und
Italien zu verlaſſen und ſeinen Sitz in Avignon
zu nehmen. (Avignon war bekanntlich im Mittel⸗
alter einmal von 1309 — 1378 die Reſidenz der
Päbſte, während welcher Zeit der franzöſiſche Ein⸗
fluß auf das Pabſtthum überwiegend war.)

In Deutſchland wird der Zuſtand täglich kri⸗
tiſcher und unbefriedigender in Bezug auf ein feſtes
Geſammtregiment für alle deutſche Stämme. Der
deutſche Reichsverweſer iſt vielen kein willkomme—
ner Gaſt; Preußen, Hannover und Heſſen ſchei⸗
nen ſtarke Neigung zu haben, ſeine Oberhoheit
nicht anzuerkeunen; dagegen ſchreien die Repu⸗
blikaner, das Volk ſei abermals betrogen, und
habe, ſtatt aller Fürſten los zu werden, noch einen
mehr bekommen. In Berlin herrſchte Ende Juli
große Aufregung und Ausbrüche von Unruhen
wurden ſtündlich erwartet. Auch ſoll die Cholera
dort ausgebrochen ſein. Mit Dänemark ſollte
der Krieg von Neuem anfangen. In Folge aller
dieſer unſichern Zuſtände ſoll das Eigenthum ſo
im Werthe geſunken ſein, daß man es nicht für
die Hälfte los werden kann.

Ein Prediger in Baiern, der wohl bekanute

Decan Brandt, hat im Jahre 1846, als er eben
von einer ſchweren Krankheit genas, einen merk⸗

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würdigen Traum gehabt, der, in den Zeitungen
veröffentlicht, in ganz Deutſchland große Senſa⸗
tion gemacht hat. Ihm träumte, 1847 möchte
er kein Apfelbaum, 1848 kein großer Herr, 1849
kein Soldat, 1850 kein Todtengräber ſein. Im
Jahr 1847 war ein ſolcher Ueberfluß von Obſt,
daß die Obſtbäume unter ihrer Laſt faſt erlagen;
was 1848 geſchehen, iſt bekannt; wird nun auch
das Jahr 1849 und 1850 den Traum wahr
machen?

Die Leſer von Zeitungen ſind jetzt gewohnt,
jedes Mal Staunen erregende Nachrichten zu
leſen, und legen das Blatt unzufrieden weg, wenn
ihre Neugierde nicht in vollem Maaße befriedigt
wird. Dieß mag wohl jetzt der Fall ſein, wo
vielleicht auf eine kurze Zeit mit einigen Aus⸗
nahmen ein Stillſtand in den politiſchen Bewe⸗
gungen eingetreten iſt. Doch möchten wir die
lieben Leſer vor dieſer Neugierde warnen und ſie
bitten, ihr Herz genau zu prüfen, ob etwa die
bloße Neugierde darin die Oberhand hat. Das
Wichtigſte, das ſich bis zu Abgang des letzten
Dampfſchiffs, dem 19. Auguſt, ereignet hatte, iſt
folgendes: Die Oeſtreicher, ihre Siege benutzend,
haben die ganze Lombardei wieder erobert, ſind
in Mailand eingezogen und drohen ſelbſt in die
päbſtlichen Staaten vorzudringen. England und
Frankreich will den Frieden vermitteln und ver⸗
bietet den Siegern, weiter vorzudringen. Dieß,
fürchtet man, möchte zu einem allgemeinen Krieg
führen. Die Zwiſtigkeiten zwiſchen Dänemark
und Deutſchland ſind noch nicht gehoben, viel⸗
mehr rüſtet man ſich auf beiden Seiten zu ernſt⸗
licher Fortſetzung des Krieges; 5000 Sachſen zu
Fuß, 8 Escadrons Reiterei und eine Batterie von
Zwölfpfündern, desgleichen 4500 Badner waren
auf dem Wege nach Holſtein. Die deutſchen
Häfen ſollen von nun an noch ſtrenger blockirt
werden. Die Abneigung Preußens gegen die
Centralgewalt tritt immer offner hervor; die vom
Reichsverweſer verlangte Huldigung des preußi⸗
ſchen Militärs iſt wirklich verweigert worden, ſo
auch in Hannover. Damit iſt freilich die Einheit
Deutſchland's ſchon wieder aufgehoben. Der
Frankfurter Reichstag hat Aufhebung aller Vor⸗
rechte des Adels mit Ausnahme des Titels und
die Abſchaffung der Todesſtrafe beſchloſſen. In
Irland iſt die Revolution gänzlich unterdrückt,
die Partheiführer ſind faſt alle arretirt. Ruß⸗
land ſammelt ſeine Streitkräfte an den Grenzen,
nicht weiter als zwei deutſche Meilen von der
preußiſchen Grenze; bei Warſchau iſt ein Lager
von 40,000 Mann errichtet, ein anderes in der
Nähe Galliziens. Die Moldau und Wallachei
iſt mit Bewilligung des Sultans von den Ruſſen
beſetzt und die alte Ordnung der Dinge wieder
hergeſtellt. In Ungarn ſollen Tauſende von Ju⸗
den ſich haben taufen laſſen, um den Verfolgun⸗
gen zu entgehen, und mehr als tauſend aus Peſth
ſollen nach Amerika auszuwandern entſchloſſen
ſein; viele von ihnen ſollen unermeßlichen Reich—
thum beſitzen. Die Cholera iſt im ruſſiſchen Lager
in Polen ausgebrochen. In Berlin fährt ſie
fort, ſich auszubreiten, jedoch bis jetzt langſam.

Hülfe von Deutſchland aus für unſere Kirche
hier betreffend.

Ein lieber Amtsbruder hatte ſich jüngſt an
einen Freund im alten Vaterlande mit der drin⸗
genden Bitte um Herüberſendung von Arbeitern
auf dem hieſigen Erntefelde gewendet. Die hier⸗
auf erhaltene Antwort iſt niederſchlagend für die
Gegenwart und nächſte Zukunft. Der Freund
ſchreibt unter Anderem: „An Succurs von uns
könnt Ihr jetzt wenig denken; unſere eigene Noth
nimmt alle unſere Gedanken ſo hin, daß ſich

ſchwerlich in der nächſten Zeit denken läßt, da
Jemand ſich entſchlöſſe, zu Euch zu gehen. Jeder
wird jetzt auf ſeinem Poſten bleiben, wo ihn der
HErr zunächſt hingeſtellt hat; erſt wenn wir wei⸗
ter kommen, wenn wir überſchauen können, wie
viel Kräfte hier entbehrt werden können, werdet
Ihr — und zwar dann gewiß auf großen Zufluh,

denken können . . . aus einer brennenden Wo⸗V

nung geht Niemand, den der HErr hineingeſeßt
hat, bald weg, um einem Andern zu helfen, ehe
er weiß, wie es in der ſeinen wird.“ — Möge
dieſe Nachricht für Prediger und Gemeinden zu
einer kräftigen Ermunterung dienen, ſo viel als
immer möglich dazu beizutragen, daß unſere Pre⸗
digerſeminarien zu Fort Wayne und Altenburh,
letzteres mit ſeiner Gymnaſial-Vorſchule, mehr
und mehr erſtarken, dem immer ſchmerzlicher fühl⸗
barwerdenden Mangel an Arbeitern im Wein⸗
berge des HErrn abhelfen zu können. Wen Gott
mit zeitlichen Gütern oder fähigen Kindern geſeg⸗
net hat, der hat hier die beſte Gelegenheit, mit
dem ihm anvertrauten Pfunde zu ewigem Segen
zu wuchern.

Conferenz.
Die Prediger des Fairfield-Diſtricts der ev.⸗
lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio u. a.
Staaten verſammeln ſich zu Abhaltung einer drei⸗
tägigen Conferenz den 7. Oetober Abends bei
A. Ernſt.

Erinnerung. — Es iſt vergeſſen worden, in
letzter Nummer anzugeben, daß die „Mittheilung
von Welthändeln“ von Paſtor Brohm eingeſandt
war. Wir erwähnen dies nachträglich, um
nicht Verdacht zu erregen, als wollten wir uns
mit freinden Federn ſchmücken.

Neue Adreſſe.

Rev'd Alb. Brandt,
Sugar Creek P. O., Hancock Co., Ind.

Anzeige. ö
Den Predigern des St. Louis⸗Conferenz⸗
diſtricts der deutſch evangeliſch-lutheriſchen Sy⸗
node von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten dient
hiermit zur Nachricht, daß unſre diesjährige Con⸗
ferenz von dem 13ten bis 16ten des kommenden
Monats October in Neumelle, St. Charles Co.,
Mo., (13 Meilen vom Miſſouri und 45 Meilen
von St. Louis) gehalten werden ſoll.
G. H. Löber.

Anzeige.

Die im vorigen Jahrgange des Lutheraner
enthaltenen „Geſpräche zwiſchen zwei Lu⸗
theranern über den Methodismus“ ſind
beſonders — in Pamphletform — abgedruckt und
in Ganzen und Einzelnen zu 5 Cts. für 2 Stück
zu haben bei F. W. Barthel.

— Erhalten
für die Heidenmiſſion am Fluſſe Cass in
Michigan: ö
51.00 von Herrn C. Eckhardt. 51.00 von Herrn Peter⸗
eim.

Bezahlt.

Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Die HH. J. Drege, E. Zi⸗

ſcher, Hübner, Spörl, Wildermuth.

Den 4. Jahrg. Die 99. Samuel Bechler, W. Briegel,

C. Bauer, I. Bürger (6 CEx.), P. Hattſtädt (3 Ex.), Ernſt

Hitzemann, Heck (v. No. 10 an), C. Kaſtens, Kettenring,
J. Liſt, Gottfr. Rewald, J. Senft, Joh. Winkler.

Den 5. Jahrg. Die HH. Aichele, Chr. Blum, H. Bäß-

ler, L. Dannettel, P. Fürbringer, Golmar, Grüninger,
Heinr. Holle, Heim, Mar. Köſter, P. Lochner, Möhlen⸗
kamp, H. D. Meyer, Jakob Müller, Peter Theiſen, Um⸗
menhäuſer, H. D. Weber.

Gedruckt bei Arthur Olshauſen,
derausgeber des Anzeiger des Weſtens.

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