Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 8 › Seite 31

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-12-08, Seite 31

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chriſtentum. .— 3 · Vernunft 7 · Kirchengemeinſchaften 3

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die Sachen des Glaubens nach der Elle der Vernunft abgemessen werden, der handelt ebenso unvernünftig, wie derjenige, der die Rechte der Nase, der Ohren und Augen vertheidigen und daher behaupten wollte, man müsse auch den Mondschein riechen, mit den Ohren sehen und mit den Augen hören können.)

„Wenn sich die Vernunft auf den ihr angewiesenen Kreis einschränkt, da steht sie der Schrift nicht entgegen; wenn sie aber ihren Kreis verlassen und überschreiten und von den höchsten Geheimnissen des Glaubens nach der Vorschrift ihrer Grundsätze urtheilen will, dann widerstreitet sie zufälligerweise derSchrift da, wo sie uns über die Geheimnisse des Glaubens unterrichtet. Wie ein großes Licht öfters das offenbart, was bei geringem Lichte verborgen blieb, so offenbart das im Worte uns angezündete Licht der Gnade, was bei dem Lichte der Natur verborgen ist. Wie nun daher derjenige den Dienst und die Wohlthat eines geringeren Lichtes mißbraucht, der, was man bei hellerem Lichte erblickt, darum leugnen wollte, weil er es bei geringerem Lichte nicht erblicke: so mißbraucht auch derjenige die Wohlthat und den Dienst der Vernunft und des natürlichen Lichtes, welcher die Geheimnisse des Glaubens, die uns im Lichte der Gnade geoffenbart sind, darum leugnet und bestreitet, weil sie mit der Vernunft und dem Lichte der Natur nicht zusammenstimmen sollen. — Die Artikel des Glaubens sind an und für sich nicht wider die Vernunft, sondern über die Vernunft. Zufällig aber geschieht es, daß sie auch wider die Vernunft sind; wenn sich nehmlich die Vernunft über dieselben ein Urtheil nach ihren Grundsätzen anmaßt, nicht dem Lichte des Wortes folgt, sondern dieselben leugnet und bestreitet. Die Artikel des Glaubens sind ferner nicht wider, sondern nur über die Vernunft, insofern dieselbe vor dem Sündenfall noch nicht verderbt war“ (wie sie nehmlich als Gottes Werk in den Menschen einst niedergelegt wurde, ohne die jetzt mit der Sünde in sie eingedrungene Finsterniß); „aber nach dem Fall sind jene Artikel nicht nur über, sondern auch wider die verderbte Vernunft, indem sie sich in diesem Zustande nicht enthalten kann, daß sie nicht über dieselben nach ihren Grundsätzen urtheilen wollte.

Mit der Vernunft, die sich auf die ihr gesteckten Grenzen beschränkt, streitet kein Lehrsatz der heil. Schrift, aber mit der Vernunft, die aus ihren Schranken herausgeht, streiten alle Geheimnisse des Glaubens. So findet z. B. an sich zwischen dem Schuhmacherhandwerk und der Malerkunst kein Widerspruch statt, wenn aber, wie das Sprichwort sagt, der Schuhmacher nicht bei seinen Leisten bleiben will und über alle Lehrsätze der Malerkunst sich ein Urtheil anmaßt, so geschieht es zufälligerweise, daß er verkehrt urtheilt und der Malerkunst widerspricht.

Daß die Aussprüche der Bibel an und für sich nicht streiten mit der Vernunft, die in ihren Grenzen bleibt, daraus ist nun keineswegs der Schluß zu machen, daß jenen Aussprüchen nach der Richtschnur und dem Urtheil der Vernunft Gewalt anzuthun sei, sondern vielmehr im Gegentheil, daß über die Artikel des Glaubens nach dem eigentlichenGrunde desselben, nehmlich nach der heil. Schrift, geurtheilt werden müsse, und daß die verschiedenen Grundsätze (Principien) der verschiedenen Theile des Wissens nicht vermischt werden dürfen.“ (Siehe Exegesis s. uber. explic. art. de S. S. § 474 et 75. Jenae 1625.)

Was thun also diejenigen, welche jetzt über die Geheimnisse der Offenbarung ihre verderbte verfinsterte Vernunft zur Richterin setzen? Sie wollen die Sonne nach ihren Uhren, aber nicht die Uhren nach der Sonne stellen. Das nennt man Aufklärung!

„Die Noth der deutschen Lutheraner in Nordamerica.“

So eben ist die unter obigem Titel vor einigen Monaten in Pittsburg erschienene Flugschrift endlich auch uns zugekommen. Dieselbe ist zwar schon in mehreren deutsch-americanischen religiösen Blättern angezeigt und in einigen schon fast Wort für Wort abgedruckt worden, wir können jedoch nicht umhin, noch nachträglich auch das Unsrige zu thun, um die Aufmerksamkeit unserer Leser auf dieses zwar kleine (37 Octavseiten enthaltende), aber überaus gehaltvolle, wichtige und interessante Büchlein zu lenken.

Wir haben in demselben zuerst mit dem theuren Herrn Verfasser Bekanntschaft gemacht. Derselbe ist Fr. Wyneken, bisheriger lutherischer Prediger in Fort Wayne in Indiana, der aber nun, wie wir aus der „christlichen Zeitschrift“ ersehen, zum Pastor der deutsch-lutherischen Kirche in Baltimore, welcher bisher Herr Pastor Häsbert diente, erwählt worden ist.

Herr Wyneken schreibt, daß er vor ungefähr sechs Jahren durch ein deutsches Missionsblatt auf die Noth der deutschen Lutheraner in America aufmerksam gemacht und dadurch in seinem Gewissen gedrungen worden sei, seine Kräfte der hiesigen luth. Kirche zu weihen. Er that dies, und machte sich dann nach mehrjährigen Missionsreisen in diesem Lande wieder auf, unsere Glaubensgenossen in Deutschland zu besuchen und denselben die Hülfsbedürftigkeit der luth. Kirche in America, die er nun aus eigner Erfahrung kennen gelernt hatte, ans Herz zu legen. Dies geschah von ihm zuerst mündlich und hierauf auch durch die Herausgabe des obigen Schriftchens. Dasselbe war also zuerst allein darauf berechnet, unseren Brüdern im alten Vaterlande ein lebendiges Bild von der hülflosen Lage der hiesigen lutherischen Gemeinden und besonders der hier zerstreut lebenden Lutheraner zu entwerfen, dadurch in Deutschland die Theilnahme an unserer Noth zu erregen, und zu bewirken, daß man uns von dort aus zu Hülfe kommen möge.

Da es jedoch für die hiesigen deutschen Lutheraner nicht weniger nöthig ist, ihre eignen Uebelstände und die ihnen hier drohenden Gefahren lebendig zu erkennen, und da diese Einsicht der erste nöthige Schritt ist zur Abhülfe, so hat die Redaction der luth. Kirchenzeitung in Pittsburg eine neue Auflage durch ihre Druckerei besorgt, wofür sich gewiß alle um die Noth unserer Kirche Bekümmerte ihr zu dem herzlichsten Danke verbunden fühlen werden. (Das Büchlein ist in dieser Druckerei zu haben, das Dutzend zu $1,50.)

Den Inhalt der vorliegenden Schrift gibt Herr W. selbst auszüglich auf der vierten Seite mit folgenden Worten an:

„Laßt mich schildern 1) wie die Lutheraner in America großentheils die Wohlthaten der Kirche ganz entbehren;

2) welche gefährliche Feinde die luth. Kirche in Nordamerica an den vielen Secten und an der römischen Kirche hat, und

3) an welchen Mängeln sie dabei in ihrem Innern leidet; dann ausführen

4) wie gefahrdrohend diese kirchlichen Zustände für die Zukunft sind; und endlich die Frage beantworten

5) was soll bei dieser Noth geschehen, und wie kann geholfen werden?“

Besonders machen wir unsere Leser auf die Ausführung des zweiten und dritten Abschnittes aufmerksam. Wir erinnern uns nicht, je eine so treffende Abschilderung der Methodisten in ihrem schwärmerischen und unschriftmäßigen Treiben und Wesen gelesen zu haben. Wer sie durch eine kurze, auf die Erfahrungen eines redlichen Augenzeugen gegründete Beschreibung kennen lernen will, der wird dieses Büchlein gewiß nicht unbefriedigt aus der Hand legen. Freilich ist es aber nur eine Speise für den, der Wahrheit liebt und sucht. Mit tiefem Bedauern haben wir erfahren müssen, daß bei den Methodisten selbst diese Schrift den bezweckten Erfolg nicht gehabt hat. Trotz dem, daß Herr W. mit christlicher Liebe und Bescheidenheit die ganze Sache behandelt, sich aller Persönlichkeiten und Bitterkeiten enthält und nur von Lehren und Thatsachen redet, ist ihm doch sogleich von den Methodisten in ihrem Blatte, dem „Apologeten,“ wir können nicht anders sagen, so lieblos, so stolz, so hämisch geantwortet worden, daß es jedes christliche Herz tief kränken muß. Die Hauptwaffe, die man gegen Herrn W. gebraucht hat, ist diese, daß man ihn, in dessen Schrift sich sichtlich Liebe zur Wahrheit und zu den Erlösten Christi ausspricht, als einen Unbekehrten gebrandmarkt hat, der aller christlichen Erfahrung entbehre und einem lebendigen Christenthum feind sei. Die Methodisten haben sich dadurch nur selbst gerichtet und es selbst besiegelt, daß Herr W. die vollkommenste Wahrheit geschrieben habe; sie haben gehandelt, wie es einer Secte würdig ist, die keiner Bestrafung mehr Gehör gibt (Tit. 3, 10. 11.) und die nur diejenigen liebt und für Christen hält, die zu ihr gehören oder sie doch loben. Wir müssen gestehen, daß wir uns früher zu den Methodisten doch noch eines Bessern versehen hatten.

Wir können nicht unterlassen, nur noch Eine Stelle aus unserem Büchlein hier einzurücken, die insonderheit uns hier in und um St. Louis angeht. Herr Wyneken macht nehmlich im dritten Capitel auf den Riß aufmerksam, „der seit einigen Jahren die ganze hiesige luth. Kirche

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the things of faith also be measured by the yardstick of reason, acts just as unreasonably as one who would defend the rights of the nose, the ears, and the eyes, and would therefore maintain that one must also be able to smell the moonlight, see with the ears, and hear with the eyes.)

"When reason confines itself to the sphere assigned to it, it does not stand opposed to Scripture; but when it wishes to leave and overstep its sphere, and to judge the highest mysteries of the faith according to the dictates of its own principles, then it comes into conflict, accidentally, with Scripture at the very point where Scripture instructs us concerning the mysteries of the faith. Just as a great light often reveals what remained hidden in a dim light, so the light of grace kindled for us in the Word reveals what is hidden by the light of nature. Now, just as one abuses the service and benefit of a lesser light who wishes to deny, because he cannot see it by a lesser light, what one sees by a brighter light, so too does he abuse the benefit and service of reason and the natural light who denies and contests the mysteries of the faith — which are revealed to us in the light of grace — merely because they are not supposed to agree with reason and the light of nature. — The articles of faith are, in and of themselves, not against reason, but above reason. It happens only accidentally that they are also against reason — namely, when reason presumes to pass judgment on them according to its own principles, does not follow the light of the Word, but instead denies and contests them. The articles of faith, furthermore, are not against, but only above, reason, insofar as reason was not yet corrupted before the Fall into sin" (that is, as it was once laid down in man as God's work, without the darkness that has now penetrated into it along with sin); "but after the Fall, those articles are not only above but also against corrupted reason, since in this state it cannot restrain itself from wishing to pass judgment on them according to its own principles. With the reason that confines itself within the limits set for it, no doctrine of Holy Scripture is in conflict, but with the reason that oversteps its bounds, all the mysteries of the faith are in conflict. Thus, for example, there is in itself no contradiction between the shoemaker's trade and the art of painting; but if, as the proverb says, the shoemaker will not stick to his last and presumes to pass judgment on all the principles of the art of painting, then it happens accidentally that he judges wrongly and contradicts the art of painting.

That the sayings of the Bible do not, in and of themselves, conflict with reason that remains within its limits, is by no means to be concluded to mean that violence is to be done to those sayings according to the rule and judgment of reason,

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but rather, on the contrary, that the articles of faith must be judged according to their proper foundation, namely according to Holy Scripture, and that the different principles of the different branches of knowledge must not be mixed together." (See Exegesis, sive uberior explicatio articulorum de Sacra Scriptura, §§ 474 and 75. Jena, 1625.) What, then, are those doing who now set up their corrupted, darkened reason as judge over the mysteries of revelation? They wish to set the sun by their clocks, rather than set their clocks by the sun. That is what is called Enlightenment!

——

"The Distress of the German Lutherans
in North America."

——

The pamphlet bearing the above title, which appeared some months ago in Pittsburg, has now finally reached us as well. It has, to be sure, already been announced in several German-American religious papers, and in some of them has already been reprinted almost word for word; nevertheless, we cannot refrain from belatedly doing our part as well, in order to direct our readers' attention to this small (containing 37 octavo pages), but exceedingly substantial, important, and interesting little book.

In it we first made the acquaintance of the dear author himself. He is Fr. Wyneken, hitherto a Lutheran preacher in Fort Wayne, Indiana, who, however, as we learn from the "Christian Journal," has now been elected pastor of the German Lutheran church in Baltimore, which Pastor Häsbert had hitherto served.

Mr. Wyneken writes that about six years ago he was made aware, through a German missionary paper, of the distress of the German Lutherans in America, and was thereby compelled in his conscience to devote his energies to the Lutheran Church here. He did so, and then, after several years of missionary journeys in this country, set out again to visit our fellow believers in Germany, and to impress upon their hearts the need for help of the Lutheran Church in America, which he had now come to know from his own experience. He did this first orally, and thereafter also through the publication of the above-mentioned little book. It was therefore at first intended solely to sketch for our brethren in the old fatherland a living picture of the helpless condition of the Lutheran congregations here, and especially of the Lutherans living scattered here, thereby to arouse sympathy for our distress in Germany, and to bring it about that help might come to us from there.

Since, however, it is no less necessary for the German Lutherans here to recognize vividly their own shortcomings and the dangers threatening them here, and since this insight is the first necessary step toward remedy, the editors of the Lutheran Kirchenzeitung in Pittsburg have arranged for a new edition through their printing house, for which all who are concerned about the distress of our Church will certainly feel bound to give it their heartiest thanks. (The little book may be had at this printing house, a dozen for $1.50.)

Mr. W. himself gives a summary of the contents of the present work on the fourth page, in the following words:

"Let me describe, 1) how the Lutherans in America for the most part are entirely deprived of the benefits of the Church;

2) what dangerous enemies the Lutheran Church has in North America in the many sects and in the Roman Church, and

3) from what defects it suffers in this regard in its inner life; then set forth

4) how threatening these ecclesiastical conditions are for the future; and finally answer the question

5) what should be done in this distress, and how can help be given?"

We call our readers' attention especially to the treatment of the second and third sections. We do not recall ever having read so apt a portrayal of the Methodists in their enthusiastic and unscriptural conduct and character. Whoever wishes to become acquainted with them through a brief description grounded in the experience of an honest eyewitness will certainly not lay this little book aside unsatisfied. To be sure, however, it is food only for one who loves and seeks the truth. We have had to learn, with deep regret, that among the Methodists themselves this writing has not had the intended effect. Despite the fact that Mr. W. treats the whole matter with Christian love and modesty, refrains from all personal remarks and bitterness, and speaks only of doctrines and facts, he has nevertheless been answered at once by the Methodists in their paper, the "Apologist," we cannot put it otherwise, so unlovingly, so proudly, so spitefully, that it must deeply grieve every Christian heart. The chief weapon that has been used against Mr. W. is this: that he, in whose writing a love for the truth and for those redeemed by Christ is plainly expressed, has been branded as an unconverted man who lacks all Christian experience and is hostile to living Christianity. The Methodists have thereby only judged themselves and themselves sealed the fact that Mr. W. has written the most perfect truth; they have acted as befits a sect that no longer gives ear to any correction (Tit. 3:10-11) and that loves and considers Christians only those who belong to it or at least praise it. We must confess that we had formerly expected better of the Methodists.

We cannot refrain from inserting here just one more passage from our little book, one that concerns us in particular here in and around St. Louis. For in the third chapter, Mr. Wyneken calls attention to the rift "which for some years has divided and split the whole Lutheran Church here