# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 12 08_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 31 die Sachen des Glaubens nach der Elle der Vernunft abgemessen werden, der handelt ebenso unvernünftig, wie derjenige, der die Rechte der Nase, der Ohren und Augen vertheidigen und daher behaupten wollte, man müsse auch den Mondschein riechen, mit den Ohren sehen und mit den Augen hören können.) „Wenn sich die Vernunft auf den ihr angewiesenen Kreis einschränkt, da steht sie der Schrift nicht entgegen; wenn sie aber ihren Kreis verlassen und überschreiten und von den höchsten Geheimnissen des Glaubens nach der Vorschrift ihrer Grundsätze urtheilen will, dann widerstreitet sie zufälligerweise derSchrift da, wo sie uns über die Geheimnisse des Glaubens unterrichtet. Wie ein großes Licht öfters das offenbart, was bei geringem Lichte verborgen blieb, so offenbart das im Worte uns angezündete Licht der Gnade, was bei dem Lichte der Natur verborgen ist. Wie nun daher derjenige den Dienst und die Wohlthat eines geringeren Lichtes mißbraucht, der, was man bei hellerem Lichte erblickt, darum leugnen wollte, weil er es bei geringerem Lichte nicht erblicke: so mißbraucht auch derjenige die Wohlthat und den Dienst der Vernunft und des natürlichen Lichtes, welcher die Geheimnisse des Glaubens, die uns im Lichte der Gnade geoffenbart sind, darum leugnet und bestreitet, weil sie mit der Vernunft und dem Lichte der Natur nicht zusammenstimmen sollen. — Die Artikel des Glaubens sind an und für sich nicht wider die Vernunft, sondern über die Vernunft. Zufällig aber geschieht es, daß sie auch wider die Vernunft sind; wenn sich nehmlich die Vernunft über dieselben ein Urtheil nach ihren Grundsätzen anmaßt, nicht dem Lichte des Wortes folgt, sondern dieselben leugnet und bestreitet. Die Artikel des Glaubens sind ferner nicht wider, sondern nur über die Vernunft, insofern dieselbe vor dem Sündenfall noch nicht verderbt war“ (wie sie nehmlich als Gottes Werk in den Menschen einst niedergelegt wurde, ohne die jetzt mit der Sünde in sie eingedrungene Finsterniß); „aber nach dem Fall sind jene Artikel nicht nur über, sondern auch wider die verderbte Vernunft, indem sie sich in diesem Zustande nicht enthalten kann, daß sie nicht über dieselben nach ihren Grundsätzen urtheilen wollte. Mit der Vernunft, die sich auf die ihr gesteckten Grenzen beschränkt, streitet kein Lehrsatz der heil. Schrift, aber mit der Vernunft, die aus ihren Schranken herausgeht, streiten alle Geheimnisse des Glaubens. So findet z. B. an sich zwischen dem Schuhmacherhandwerk und der Malerkunst kein Widerspruch statt, wenn aber, wie das Sprichwort sagt, der Schuhmacher nicht bei seinen Leisten bleiben will und über alle Lehrsätze der Malerkunst sich ein Urtheil anmaßt, so geschieht es zufälligerweise, daß er verkehrt urtheilt und der Malerkunst widerspricht. Daß die Aussprüche der Bibel an und für sich nicht streiten mit der Vernunft, die in ihren Grenzen bleibt, daraus ist nun keineswegs der Schluß zu machen, daß jenen Aussprüchen nach der Richtschnur und dem Urtheil der Vernunft Gewalt anzuthun sei, sondern vielmehr im Gegentheil, daß über die Artikel des Glaubens nach dem eigentlichenGrunde desselben, nehmlich nach der heil. Schrift, geurtheilt werden müsse, und daß die verschiedenen Grundsätze (Principien) der verschiedenen Theile des Wissens nicht vermischt werden dürfen.“ (Siehe Exegesis s. uber. explic. art. de S. S. § 474 et 75. Jenae 1625.) Was thun also diejenigen, welche jetzt über die Geheimnisse der Offenbarung ihre verderbte verfinsterte Vernunft zur Richterin setzen? Sie wollen die Sonne nach ihren Uhren, aber nicht die Uhren nach der Sonne stellen. Das nennt man Aufklärung! „Die Noth der deutschen Lutheraner in Nordamerica.“ So eben ist die unter obigem Titel vor einigen Monaten in Pittsburg erschienene Flugschrift endlich auch uns zugekommen. Dieselbe ist zwar schon in mehreren deutsch-americanischen religiösen Blättern angezeigt und in einigen schon fast Wort für Wort abgedruckt worden, wir können jedoch nicht umhin, noch nachträglich auch das Unsrige zu thun, um die Aufmerksamkeit unserer Leser auf dieses zwar kleine (37 Octavseiten enthaltende), aber überaus gehaltvolle, wichtige und interessante Büchlein zu lenken. Wir haben in demselben zuerst mit dem theuren Herrn Verfasser Bekanntschaft gemacht. Derselbe ist Fr. Wyneken, bisheriger lutherischer Prediger in Fort Wayne in Indiana, der aber nun, wie wir aus der „christlichen Zeitschrift“ ersehen, zum Pastor der deutsch-lutherischen Kirche in Baltimore, welcher bisher Herr Pastor Häsbert diente, erwählt worden ist. Herr Wyneken schreibt, daß er vor ungefähr sechs Jahren durch ein deutsches Missionsblatt auf die Noth der deutschen Lutheraner in America aufmerksam gemacht und dadurch in seinem Gewissen gedrungen worden sei, seine Kräfte der hiesigen luth. Kirche zu weihen. Er that dies, und machte sich dann nach mehrjährigen Missionsreisen in diesem Lande wieder auf, unsere Glaubensgenossen in Deutschland zu besuchen und denselben die Hülfsbedürftigkeit der luth. Kirche in America, die er nun aus eigner Erfahrung kennen gelernt hatte, ans Herz zu legen. Dies geschah von ihm zuerst mündlich und hierauf auch durch die Herausgabe des obigen Schriftchens. Dasselbe war also zuerst allein darauf berechnet, unseren Brüdern im alten Vaterlande ein lebendiges Bild von der hülflosen Lage der hiesigen lutherischen Gemeinden und besonders der hier zerstreut lebenden Lutheraner zu entwerfen, dadurch in Deutschland die Theilnahme an unserer Noth zu erregen, und zu bewirken, daß man uns von dort aus zu Hülfe kommen möge. Da es jedoch für die hiesigen deutschen Lutheraner nicht weniger nöthig ist, ihre eignen Uebelstände und die ihnen hier drohenden Gefahren lebendig zu erkennen, und da diese Einsicht der erste nöthige Schritt ist zur Abhülfe, so hat die Redaction der luth. Kirchenzeitung in Pittsburg eine neue Auflage durch ihre Druckerei besorgt, wofür sich gewiß alle um die Noth unserer Kirche Bekümmerte ihr zu dem herzlichsten Danke verbunden fühlen werden. (Das Büchlein ist in dieser Druckerei zu haben, das Dutzend zu $1,50.) Den Inhalt der vorliegenden Schrift gibt Herr W. selbst auszüglich auf der vierten Seite mit folgenden Worten an: „Laßt mich schildern 1) wie die Lutheraner in America großentheils die Wohlthaten der Kirche ganz entbehren; 2) welche gefährliche Feinde die luth. Kirche in Nordamerica an den vielen Secten und an der römischen Kirche hat, und 3) an welchen Mängeln sie dabei in ihrem Innern leidet; dann ausführen 4) wie gefahrdrohend diese kirchlichen Zustände für die Zukunft sind; und endlich die Frage beantworten 5) was soll bei dieser Noth geschehen, und wie kann geholfen werden?“ Besonders machen wir unsere Leser auf die Ausführung des zweiten und dritten Abschnittes aufmerksam. Wir erinnern uns nicht, je eine so treffende Abschilderung der Methodisten in ihrem schwärmerischen und unschriftmäßigen Treiben und Wesen gelesen zu haben. Wer sie durch eine kurze, auf die Erfahrungen eines redlichen Augenzeugen gegründete Beschreibung kennen lernen will, der wird dieses Büchlein gewiß nicht unbefriedigt aus der Hand legen. Freilich ist es aber nur eine Speise für den, der Wahrheit liebt und sucht. Mit tiefem Bedauern haben wir erfahren müssen, daß bei den Methodisten selbst diese Schrift den bezweckten Erfolg nicht gehabt hat. Trotz dem, daß Herr W. mit christlicher Liebe und Bescheidenheit die ganze Sache behandelt, sich aller Persönlichkeiten und Bitterkeiten enthält und nur von Lehren und Thatsachen redet, ist ihm doch sogleich von den Methodisten in ihrem Blatte, dem „Apologeten,“ wir können nicht anders sagen, so lieblos, so stolz, so hämisch geantwortet worden, daß es jedes christliche Herz tief kränken muß. Die Hauptwaffe, die man gegen Herrn W. gebraucht hat, ist diese, daß man ihn, in dessen Schrift sich sichtlich Liebe zur Wahrheit und zu den Erlösten Christi ausspricht, als einen Unbekehrten gebrandmarkt hat, der aller christlichen Erfahrung entbehre und einem lebendigen Christenthum feind sei. Die Methodisten haben sich dadurch nur selbst gerichtet und es selbst besiegelt, daß Herr W. die vollkommenste Wahrheit geschrieben habe; sie haben gehandelt, wie es einer Secte würdig ist, die keiner Bestrafung mehr Gehör gibt (Tit. 3, 10. 11.) und die nur diejenigen liebt und für Christen hält, die zu ihr gehören oder sie doch loben. Wir müssen gestehen, daß wir uns früher zu den Methodisten doch noch eines Bessern versehen hatten. Wir können nicht unterlassen, nur noch Eine Stelle aus unserem Büchlein hier einzurücken, die insonderheit uns hier in und um St. Louis angeht. Herr Wyneken macht nehmlich im dritten Capitel auf den Riß aufmerksam, „der seit einigen Jahren die ganze hiesige luth. Kirche