Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 7 › Seite 28
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-11-30, Seite 28
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Union 3 · Lutheriſche Kirche 11 · Gemeindegeſang
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Sie ha'n die Kron erworben,
Recht wie die frommen Gottes Kind,
Für sein Wort sind gestorben,
Sein' Märtyrer sind sie worden.
Der alte Feind sie fangen ließ,
Erschreckt sie lang mit Dräuen;
Das Wort Gott's man sie leugnen hieß,
Mit List auch wollt sie täuben.
Von Löwen der Sophisten viel,
Mit ihrer Kunst verloren,
Versammelt er zu diesem Spiel;
Der Geist sie macht zu Thoren,
Sie konnten nichts gewinnen.
Sie sungen süß, sie sungen sau'r,
Versuchten manche Listen,
Die Knaben stunden wie ein' Mau'r,
Verachten die Sophisten;
Den alten Feind das sehr verdroß,
Daß er war überwunden
Von solchen Jungen, er so groß,
Er ward voll Zorn von Stunden,
Gedacht sie zu verbrennen.
Sie raubten ihn'n das Klosterkleid,
Die Weih sie ihn'n auch nahmen;
Die Knaben waren deß bereit,
Sie sprachen fröhlich: Amen!
Sie dankten ihrem Vater, Gott,
Das sie los sollten werden
Des Teufels Larvenspiel und Spott,
Darin durch falsch Geberden
Die Welt er gar betreuget.
Da schickt's Gott durch sein Gnad also,
Daß sie recht Priester worden,
Sich selbst ihm mußten opfern dar
Und gehn in Christen Orden,
Der Welt ganz abgestorben sein,
Die Heuchelei ablegen,
Zum Himmel kommen frei und rein,
Die Möncherei ausfegen,
Und Menschentand hie lassen.
Man schrieb ihn'n für ein Brieflein klein,
Das hieß man sie selbst lesen;
Die Stück sie zeichn'ten alle drein,
Was ihr Glaub war gewesen;
Der höchste Irrthum dieser war:
„Man muß allein Gott glauben,
„Der Mensch leugt und treugt immerdar,
„Dem soll man nichts vertrauen;“
Deß mußten sie verbrennen.
Zwei große Feu'r sie zünd'ten an,
Die Knaben sie herbrachten;
Es nahm groß Wunder jedermann,
Daß sie solch Pein verachten,
Mit Freuden sie sich geben drein,
Mit Gottes Lob und Singen;
Der Muth war den Sophisten klein,
Für diesen neuen Dingen,
Daß sich Gott ließ so merken.
Der Schimpf sie nun gereuet hat,
Sie wolltens gern schön machen,
Sie durften nicht rühmen sich der That,
Sie bergen fast die Sachen:
Die Schand im Herzen beißet sie.
Und klagens ihren Genossen,
Doch kann der Geist nicht schweigen hie,
Des Abels Blut vergossen,
Es muß den Cain melden.
Die Aschen will nicht lassen ab,
Sie stäubt in allen Landen;
Hier hilft kein Bach, Loch, Grub noch Grab,
Sie macht den Feind zu Schanden:
Die er im Leben durch den Mord
Zu schweigen hat gedrungen,
Die muß er todt an allem Ort
Mit aller Stimm und Zungen
Gar fröhlich lassen singen.
Noch lassen sie ihr Lügen nicht,
Den großen Mord zu schmücken;
Sie geben für ein falsch Gedicht —
Ihr Gewissen thut sie drücken —,
Die Heiligen Gott's auch nach dem Tod
Von ihn'n gelästert werden;
Sie sagen, in der letzten Noth
Die Knaben noch auf Erden
Sich sollen haben umkehret.
Die laß man lügen immerhin,
Sie habens keinen Frommen;
Wir sollen danken Gott darin,
Sein Wort ist wieder kommen:
Der Sommer ist hart vor der Thür,
Der Winter ist vergangen,
Dle zarten Blümlein gehn herfür;
Der das hat angefangen,
Der wird es wohl vollenden.
Amen.
Religionsmengerei.
Wer seine Lehre, Glauben und Bekenntniß
für wahr, recht und gewiß hält, der kann mit
andern, so falsche Lehre führen oder derselben
zugethan sind, nicht in Einem Stalle stehen,
noch immerdar gute Worte dem Teufel und
seinen Schuppen geben. Ein Lehrer, der zu
den Irrthümern stille schweigt, und will gleich—
wohl ein rechter Lehrer sein, der ist ärger denn
ein öffentlicher Schwärmer, und thut mit seiner
Heuchelei größern Schaden, denn ein Ketzer,
und ist ihm nicht zu vertrauen. Er ist ein
Wolf und Fuchs, ein Miethling und ein Bauch—
diener ꝛc. und darf Lehre, Wort, Glauben,
Sacrament, Kirchen und Schulen verachten
und übergeben; er liegt entweder mit den
Feinden heimlich unter Einer Decke, oder ist
ein Zweifler und Windfahrer, und will sehen,
wo es hinaus wolle, ob Christus oder der Teu⸗
fel obsiegen werde; oder ist ganz und gar bei
sich selbst ungewiß, und nicht würdig, daß er
ein Schüler, will geschweigen ein Lehrer heißen
soll, und will niemand erzürnen, noch Christo
sein Wort reden, noch dem Teufel und der Welt
wehe thun. (Luthers Werke. XVII. 1477.)
Mit der lutherischen Kirche ist es Matthäi
am letzten.
Da die evangelisch-lutherische Kirche, als
das Schifflein Christi auf dem stürmischen
Meere, oft in großen Gefahren von innen und
außen gewesen ist, so haben auch die Feinde
derselben schon oft mit Freuden ihren nahen
gewissen Untergang voraus verkündigt. Merk-
würdig ist es, wie im Jahre 1626, also wäh—
rend des 30jährigen Krieges, da ein großes
Ungewitter über der lutherischen Kirche stand,
ein katholischer Prior zu Langenheim, Simon
Schreiner, in seiner Apologie, den bedenklichen
Zustand der lutherischen Kirche bezeichnet hat.
Er sagt nehmlich: Es sei mit dem lutherischen
Glauben Matthäi am letzten. Das sind für⸗
wahr Caiphas⸗Gedanken, die da weissagen und
es selbst nicht verstehen! Was sollte man mehr
wünschen, was kann man Größeres, Seligeres
für die lutherische Kirche von Gott erbitten,
als daß es zu allen Zeiten und an allen Orten
mit derselben Matthäi am letzten, ja am aller—
letzten wäre! — Was steht nehmlich Matthäi
am letzten? — Es sind die Trostworte IEsu:
„Siehe! ich bin bei euch alle Tage, bis an der
Welt Ende.“ B.
Erprobte Weise, Schwärmer wieder
zurechte zu bringen.
Im Sommer des Jahres 1692, als der
Prediger N. Lange sich eben in Berlin aufhielt,
fand sich in dieser Stadt ein Mensch ein, welcher
mit einem langen Rock und einem langen Stabe
aufgezogen kam und sich für den zweiten Pro⸗
pheten Elias ausgab. Dieser hielt sich des
Tages über auf dem dasigen Nicolaikirchhofe
unter der Linde vor der Thür einer Pfarrwoh—
nung auf. Er überlief die Prediger, schalt sie
Babelsbauer und Heuchler, die nicht durchbre—
chen, und den Fuchs nicht beißen wollten u. s. w.
Diesen wunderlichen Menschen nahm Lange
eines Morgens mit sich auf die Stube, schloß
die Thür hinter sich zu, und redete den vermein⸗
ten zweiten Elias mit ernsten Worten an: wie
es ganz wider Gottes Ordnung sei, sein Brod
in solchem Eigensinne und Müßiggange zu
essen. Er würde ihn nicht eher von der Stube
lassen, bis er ihm verspräche, mit unten auf
den Hof zu gehen und Holz zu sägen, was
denn endlich auch geschah. Sie fingen also
um 8 Uhr an und arbeiteten bis 11 Uhr. Dem
vermeinten Elias kam zwar diese Arbeit wun⸗
derlich vor, und er sagte ost stöhnend: Der
Prophet Elias muß Holz sägen! O tempora!
O mores! (O Zeiten! o Sitten!) Lange aber
erwiederte: Fort, fort, mein Freund, hier ist
nicht Zeit zu stöhnen! Nur frisch gearbeitet!
Der erste Elias ist kein Müßiggänger und
Faullenzer gewesen, warum wollte es denn der
zweite sein? Nachdem sie nun bis 11 Uhr ge⸗
arbeitet hatten, sagte Lange: Nun, mein Freund,
haben wir mit einander gearbeitet, nun gönnt
uns Gott auch, daß wir einen Bissen Brod mit
einander essen. Er nahm ihn darauf mit sich
zu Tische, und sprach viel über unordentliches
Leben und über den Betrug des Fleisches.
Nach geendigter Mahlzeit ließ er den Mann
mit dem langen Rocke von sich, mit der Be⸗
merkung, wenn dieser sich morgen nach seiner
Gewohnheit unter der Linde vor der Kirche
wieder einfinden würde, er ihn, geliebte es
Gott, wieder zu sich rufen wollte, um die ge—
segnete Arbeit fortzusetzen. Allein unserem
Elias hatte das nicht gefallen, sondern er hatte
sich noch an demselben Tag aus dem Staube
gemacht.
Der „Lutheraner“ ist stets zu haben
in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers
(südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber),
ferner bei Hrn. Quast (Olive⸗Straße, zwischen der
zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und
bei dem Herausgeber.
Gedruckt bei Weber und Olsbausen.
English translation AI translation
They have won the crown,
Truly as God's own pious children,
For his Word have they died,
His martyrs have they become.
The old enemy had them seized,
Long terrified them with threats;
God's Word they were told to deny,
With cunning too he sought to stun them.
Many sophists from Louvain,
Lost in their own learning,
He gathered for this game;
The Spirit made them fools,
They could gain nothing.
They sang sweetly, they sang sourly,
Tried many a cunning trick,
The boys stood firm like a wall,
Despising the sophists;
This greatly vexed the old enemy,
That he, so great, was overcome
By such young lads,
He grew furious at once,
And resolved to burn them.
They stripped from them the monk's habit,
Took from them also their ordination;
The boys were ready for this,
They said joyfully: Amen!
They thanked their Father, God,
That they should now be free
Of the devil's masquerade and mockery,
Wherein, through false pretenses,
He so thoroughly deceives the world.
Then God so ordained it, through his grace,
That they became true priests,
Had to offer themselves up to him
And enter into the order of Christ,
To be wholly dead to the world,
To lay aside hypocrisy,
To come to heaven free and pure,
To sweep away monkery,
And leave behind here all human trumpery.
They wrote out for them a little document,
Which they were told to read themselves;
They marked in it every article
Of what their faith had been;
The greatest error among these was:
"One must trust in God alone,
Man ever lies and deceives,
In him one should trust nothing" —
For this they had to be burned.
Two great fires they kindled,
And brought the boys thither;
It struck everyone with great wonder,
That they scorned such pain,
With joy they gave themselves up to it,
With praise of God and singing;
The sophists' courage grew small
At these strange new happenings,
That God let himself be so perceived.
The disgrace now they regret,
They would gladly make it look better,
They dare not boast of the deed,
They almost hide the matter away:
Shame gnaws at their hearts,
And they lament it to their companions,
Yet the Spirit cannot keep silent here,
Abel's blood, once shed,
Must still accuse Cain.
[illegible]
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The ashes will not cease,
They scatter dust in every land;
No stream, no hole, no pit, no grave can help here,
They put the enemy to shame:
Those whom he in life, through murder,
Forced into silence,
He must, now dead, in every place
Let sing most joyfully
With every voice and tongue.
Still they do not cease their lying,
To dress up the great murder;
They put forth a false tale —
Their conscience presses upon them —
God's saints even after death
Are slandered by them;
They say that, in their final agony,
The boys, while still on earth,
Had turned back and recanted.
Let them go on lying still,
It profits them nothing;
We should rather thank God for this,
His Word has come again:
Summer stands hard at the door,
Winter has passed away,
The tender little flowers spring forth;
He who has begun this work
Will surely bring it to completion.
Amen.
MIXING OF RELIGIONS.
Whoever holds his doctrine, faith, and confession to be true, right, and certain cannot stand in the same stall with others who hold or are devoted to false doctrine, nor forever speak fair words to the devil and [illegible]. A teacher who remains silent regarding errors, and nevertheless wishes to be considered a true teacher, is worse than an open fanatic, and does greater harm with his hypocrisy than a heretic, and is not to be trusted. He is a wolf and a fox, a hireling and a belly-servant, etc., and is ready to despise and abandon doctrine, the Word, faith, sacrament, churches, and schools; he either lies secretly under one blanket with the enemies, or is a doubter and a weathervane, wanting to see which way things will turn, whether Christ or the devil will prevail; or else he is altogether uncertain even within himself, and unworthy to be called even a pupil, let alone a teacher, and wishes to anger no one, neither to speak Christ's word nor to trouble the devil and the world. (Luther's Works, XVII, 1477.)
WITH THE LUTHERAN CHURCH IT IS "MATTHEW, AT THE LAST."
Since the Evangelical Lutheran Church, as the little ship of Christ upon the stormy sea, has often been in great dangers from within and without, its enemies too have often gladly foretold its sure and imminent downfall. It is remarkable how, in the year 1626, that is, during the Thirty Years' War, when a great storm hung over the Lutheran Church, a Catholic prior at Langenheim, Simon Schreiner, in his Apology, described the precarious state of the Lutheran Church. He said, namely, that with the Lutheran faith it was "Matthew, at the last." These are truly thoughts like Caiaphas's — prophesying and not understanding it themselves! For what more could one wish, what greater or more blessed thing could one ask of God for the Lutheran Church, than that at all times and in all places it should be with her "Matthew, at the last" — indeed, at the very last! For what, indeed, stands at the last of Matthew? It is the words of comfort of Jesus: "Behold, I am with you always, even unto the end of the world." — B.
A TRIED AND TESTED WAY TO BRING FANATICS BACK TO THEIR SENSES.
In the summer of the year 1692, when the preacher N. Lange happened to be staying in Berlin, there appeared in that city a man who came dressed in a long robe and carrying a long staff, and who claimed to be the second prophet Elijah. This man spent his days at the local St. Nicholas churchyard, under the linden tree in front of the door of a parsonage. He would accost the preachers, scolding them as builders of Babel and hypocrites who would not break through and would not bite the fox, and so forth. One morning Lange took this strange man with him into his room, shut the door behind them, and addressed the supposed second Elijah with serious words: how entirely contrary to God's order it was for him to eat his bread in such self-willed idleness. He would not let him leave the room until he promised to go down into the courtyard with him and saw wood, which at last he did. So they began at eight o'clock and worked until eleven. This work indeed seemed strange to the supposed Elijah, and he often said with a groan: The prophet Elijah must saw wood! O tempora! O mores! (O the times! O the manners!) But Lange replied: Away, away, my friend, this is no time to groan! Just keep working! The first Elijah was no idler and sluggard — why then should the second one be? After they had worked until eleven o'clock, Lange said: Now, my friend, we have worked together; now let God grant us also that we eat a bite of bread together. He then took him with him to the table, and spoke at length about disorderly living and about the deceitfulness of the flesh. After the meal was finished, he let the man in the long robe go, with the remark that if he should present himself again tomorrow, as was his custom, under the linden tree before the church, he would, God willing, call him to himself again to continue the blessed work. But our Elijah did not like this, and instead made himself scarce that very same day.
The "Lutheraner" can always be obtained at the residence of the distributor, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), further at Mr. Quast's (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and at the publisher's.
Printed by Weber and Olshausen.