# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 11 30_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Sie ha'n die Kron erworben, Recht wie die frommen Gottes Kind, Für sein Wort sind gestorben, Sein' Märtyrer sind sie worden. Der alte Feind sie fangen ließ, Erschreckt sie lang mit Dräuen; Das Wort Gott's man sie leugnen hieß, Mit List auch wollt sie täuben. Von Löwen der Sophisten viel, Mit ihrer Kunst verloren, Versammelt er zu diesem Spiel; Der Geist sie macht zu Thoren, Sie konnten nichts gewinnen. Sie sungen süß, sie sungen sau'r, Versuchten manche Listen, Die Knaben stunden wie ein' Mau'r, Verachten die Sophisten; Den alten Feind das sehr verdroß, Daß er war überwunden Von solchen Jungen, er so groß, Er ward voll Zorn von Stunden, Gedacht sie zu verbrennen. Sie raubten ihn'n das Klosterkleid, Die Weih sie ihn'n auch nahmen; Die Knaben waren deß bereit, Sie sprachen fröhlich: Amen! Sie dankten ihrem Vater, Gott, Das sie los sollten werden Des Teufels Larvenspiel und Spott, Darin durch falsch Geberden Die Welt er gar betreuget. Da schickt's Gott durch sein Gnad also, Daß sie recht Priester worden, Sich selbst ihm mußten opfern dar Und gehn in Christen Orden, Der Welt ganz abgestorben sein, Die Heuchelei ablegen, Zum Himmel kommen frei und rein, Die Möncherei ausfegen, Und Menschentand hie lassen. Man schrieb ihn'n für ein Brieflein klein, Das hieß man sie selbst lesen; Die Stück sie zeichn'ten alle drein, Was ihr Glaub war gewesen; Der höchste Irrthum dieser war: „Man muß allein Gott glauben, „Der Mensch leugt und treugt immerdar, „Dem soll man nichts vertrauen;“ Deß mußten sie verbrennen. Zwei große Feu'r sie zünd'ten an, Die Knaben sie herbrachten; Es nahm groß Wunder jedermann, Daß sie solch Pein verachten, Mit Freuden sie sich geben drein, Mit Gottes Lob und Singen; Der Muth war den Sophisten klein, Für diesen neuen Dingen, Daß sich Gott ließ so merken. Der Schimpf sie nun gereuet hat, Sie wolltens gern schön machen, Sie durften nicht rühmen sich der That, Sie bergen fast die Sachen: Die Schand im Herzen beißet sie. Und klagens ihren Genossen, Doch kann der Geist nicht schweigen hie, Des Abels Blut vergossen, Es muß den Cain melden. Die Aschen will nicht lassen ab, Sie stäubt in allen Landen; Hier hilft kein Bach, Loch, Grub noch Grab, Sie macht den Feind zu Schanden: Die er im Leben durch den Mord Zu schweigen hat gedrungen, Die muß er todt an allem Ort Mit aller Stimm und Zungen Gar fröhlich lassen singen. Noch lassen sie ihr Lügen nicht, Den großen Mord zu schmücken; Sie geben für ein falsch Gedicht — Ihr Gewissen thut sie drücken —, Die Heiligen Gott's auch nach dem Tod Von ihn'n gelästert werden; Sie sagen, in der letzten Noth Die Knaben noch auf Erden Sich sollen haben umkehret. Die laß man lügen immerhin, Sie habens keinen Frommen; Wir sollen danken Gott darin, Sein Wort ist wieder kommen: Der Sommer ist hart vor der Thür, Der Winter ist vergangen, Dle zarten Blümlein gehn herfür; Der das hat angefangen, Der wird es wohl vollenden. Amen. Religionsmengerei. Wer seine Lehre, Glauben und Bekenntniß für wahr, recht und gewiß hält, der kann mit andern, so falsche Lehre führen oder derselben zugethan sind, nicht in Einem Stalle stehen, noch immerdar gute Worte dem Teufel und seinen Schuppen geben. Ein Lehrer, der zu den Irrthümern stille schweigt, und will gleich— wohl ein rechter Lehrer sein, der ist ärger denn ein öffentlicher Schwärmer, und thut mit seiner Heuchelei größern Schaden, denn ein Ketzer, und ist ihm nicht zu vertrauen. Er ist ein Wolf und Fuchs, ein Miethling und ein Bauch— diener ꝛc. und darf Lehre, Wort, Glauben, Sacrament, Kirchen und Schulen verachten und übergeben; er liegt entweder mit den Feinden heimlich unter Einer Decke, oder ist ein Zweifler und Windfahrer, und will sehen, wo es hinaus wolle, ob Christus oder der Teu⸗ fel obsiegen werde; oder ist ganz und gar bei sich selbst ungewiß, und nicht würdig, daß er ein Schüler, will geschweigen ein Lehrer heißen soll, und will niemand erzürnen, noch Christo sein Wort reden, noch dem Teufel und der Welt wehe thun. (Luthers Werke. XVII. 1477.) Mit der lutherischen Kirche ist es Matthäi am letzten. Da die evangelisch-lutherische Kirche, als das Schifflein Christi auf dem stürmischen Meere, oft in großen Gefahren von innen und außen gewesen ist, so haben auch die Feinde derselben schon oft mit Freuden ihren nahen gewissen Untergang voraus verkündigt. Merk- würdig ist es, wie im Jahre 1626, also wäh— rend des 30jährigen Krieges, da ein großes Ungewitter über der lutherischen Kirche stand, ein katholischer Prior zu Langenheim, Simon Schreiner, in seiner Apologie, den bedenklichen Zustand der lutherischen Kirche bezeichnet hat. Er sagt nehmlich: Es sei mit dem lutherischen Glauben Matthäi am letzten. Das sind für⸗ wahr Caiphas⸗Gedanken, die da weissagen und es selbst nicht verstehen! Was sollte man mehr wünschen, was kann man Größeres, Seligeres für die lutherische Kirche von Gott erbitten, als daß es zu allen Zeiten und an allen Orten mit derselben Matthäi am letzten, ja am aller— letzten wäre! — Was steht nehmlich Matthäi am letzten? — Es sind die Trostworte IEsu: „Siehe! ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ B. Erprobte Weise, Schwärmer wieder zurechte zu bringen. Im Sommer des Jahres 1692, als der Prediger N. Lange sich eben in Berlin aufhielt, fand sich in dieser Stadt ein Mensch ein, welcher mit einem langen Rock und einem langen Stabe aufgezogen kam und sich für den zweiten Pro⸗ pheten Elias ausgab. Dieser hielt sich des Tages über auf dem dasigen Nicolaikirchhofe unter der Linde vor der Thür einer Pfarrwoh— nung auf. Er überlief die Prediger, schalt sie Babelsbauer und Heuchler, die nicht durchbre— chen, und den Fuchs nicht beißen wollten u. s. w. Diesen wunderlichen Menschen nahm Lange eines Morgens mit sich auf die Stube, schloß die Thür hinter sich zu, und redete den vermein⸗ ten zweiten Elias mit ernsten Worten an: wie es ganz wider Gottes Ordnung sei, sein Brod in solchem Eigensinne und Müßiggange zu essen. Er würde ihn nicht eher von der Stube lassen, bis er ihm verspräche, mit unten auf den Hof zu gehen und Holz zu sägen, was denn endlich auch geschah. Sie fingen also um 8 Uhr an und arbeiteten bis 11 Uhr. Dem vermeinten Elias kam zwar diese Arbeit wun⸗ derlich vor, und er sagte ost stöhnend: Der Prophet Elias muß Holz sägen! O tempora! O mores! (O Zeiten! o Sitten!) Lange aber erwiederte: Fort, fort, mein Freund, hier ist nicht Zeit zu stöhnen! Nur frisch gearbeitet! Der erste Elias ist kein Müßiggänger und Faullenzer gewesen, warum wollte es denn der zweite sein? Nachdem sie nun bis 11 Uhr ge⸗ arbeitet hatten, sagte Lange: Nun, mein Freund, haben wir mit einander gearbeitet, nun gönnt uns Gott auch, daß wir einen Bissen Brod mit einander essen. Er nahm ihn darauf mit sich zu Tische, und sprach viel über unordentliches Leben und über den Betrug des Fleisches. Nach geendigter Mahlzeit ließ er den Mann mit dem langen Rocke von sich, mit der Be⸗ merkung, wenn dieser sich morgen nach seiner Gewohnheit unter der Linde vor der Kirche wieder einfinden würde, er ihn, geliebte es Gott, wieder zu sich rufen wollte, um die ge— segnete Arbeit fortzusetzen. Allein unserem Elias hatte das nicht gefallen, sondern er hatte sich noch an demselben Tag aus dem Staube gemacht. Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive⸗Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber. Gedruckt bei Weber und Olsbausen.