Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 5 › Seite 20

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-11-02, Seite 20

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Dreieinigkeit 7 · Geheimniſſe 5 · Vernunft 10 · Widerſprüche 4 · Widerſprüche 13 · Luther 1 · Gemeindegeſang

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der ihn zu Felde, überwinden ihn glorreich und rufen dann aus: Sehet, da liegen die armen Schelme, die Christen, im Staube! Sehet, so muß man streiten und siegen für Licht, Freiheit und Völkerglück und keine Gefahr scheuen selbst seines Lebens. Dieß erinnert lebendig an jenen spanischen Glücksritter.

Wir fragen aber nun, wer hat jemals behauptet, daß es drei Götter gibt, aber auch nur einen? In welcher Bibel steht das geschrieben? In welcher kirchlichen Bekenntnißschrift haben das die Ungläubigen jemals gelesen? Welcher christliche Theolog hat je so etwas gelehrt? — Diese Lehre ist nirgends zu finden, als in den confusen Köpfen der Spötter. — So klug sind wir Christen, Gott sei Dank! alle, daß wir recht wohl wissen, daß man von einem und demselben Dinge nicht zugleich Ja und Nein, schwarz und weiß sagen könne, ohne sich den Vorwurf zuzuziehen, daß man sich selbst widerlegt habe. Schon Luther sagt: „Wir sind Gott Lob nicht sogar Enten, Klötze oder Steine, wie uns die unsinnigen Narren achten, daß wir nicht sollten wissen, daß Ein Gott und viel Götter nicht können zugleich mit Wahrheit geglaubt werden.“ (XX. 2506.) Das zu glauben, fordert aber auch das heilige göttliche Wort nirgends. Darin wird uns nicht Vater, Sohn und heiliger Geist als eine Gesellschaft dreier unendlicher Wesen dargestellt; sondern die Bibel lehrt uns, Gott sei in verschiedener Absicht eins und drei, eins in Absicht auf das göttliche Wesen, drei in Absicht auf die persönlichen Verhältnisse. Wenn nun schon in Einer Sache in gewisser (anderer) Hinsicht mehr als eins angetroffen wird, so kann sie doch ein einfaches Ding sein, so wie in einer Seele Verstand, Wille und Begierden wahrzunehmen sind. Aber, werden hier vielleicht manche sagen, ihr Christen behauptet ja nach der Schrift, daß der Sohn und heiliger Geist nicht bloße Kräfte und Eigenschaften, sondern daß in dem Wesen Gottes drei verschiedene Personen seien, die das göttliche Wesen gemeinschaftlich haben! Wer mag das fassen? Wir antworten: Das kann freilich kein erschaffenes Wesen fassen, aber ist das wider die Gesetze der Vernunft, was über die Grenzen derselben hinausgeht? Ist darum ein solches Geheimniß zu verwerfen? und ist um eines solchen in der Bibel enthaltenen Geheimnisses willen die Bibel selbst zu verwerfen? Der Mensch kann wahrlich nicht mehr auf Vernunft Anspruch machen, welcher leugnet, daß dieselbe Grenzen habe und daß es ein Feld gebe, in welchem ihre Fassungskraft aufhört. Gibt es nicht unzählige Geheimnisse schon in der sichtbaren Natur, die jedermann glaubt und wider welche niemand mit Gründen der Vernunft streiten mag, weil er ihr Dasein durch die Sinne wahrnimmt; wie können wir uns nun daran stoßen, daß die Lehre, die von den inneren Verhältnissen des Wesens Gottes handelt, Geheimnisse enthält, die uns unbegreiflich erscheinen? Würden wir nicht der Einfalt eines Kindes lachen, das allerlei an einer künstlichen Maschinerie tadelte, da es ja das innere Getriebe derselben und die oft unbedingte Nothwendigkeit einer einzigen Schraube oder Klappe nicht kennt, noch begreifen kann? Ist aber unser Verstand gegen Gottes Verstand nicht im Verhältniß unendlich geringer als der Verstand eines Kindes im Vergleich mit dem eines geschickten Mechanikers? — Ein Spötter kann vortreffliche Kenntnisse in andern Wissenschaften besitzen und vielleicht mit den Lehren der Mathematik, Physik und Astronomie nicht vertraut sein; würde ein solcher wohl ein Buch über die letztern Theile des menschlichen Wissens darum verwerfen, weil ihm bei Durchblätterung desselben so vieles noch unbegreiflich vorkäme? Gewiß nicht, er würde sich fürchten, in diesem Falle von den betreffenden Gelehrten als ein anmaßender Nichtswisser verlacht zu werden. Und doch wollten wir das Buch Gottes darum verwerfen, weil es Lehren enthält, die für unsern kurzsichtigen Verstand Geheimnisse sind! Müßten wir nicht gerade dann den höchsten Verdacht gegen ein Buch schöpfen, das sich als eine Offenbarung Gottes ankündigte, wenn darin nichts Unbegreifliches enthalten wäre, sondern nur das, was unsere Vernunft ohne das Offenbarungslicht wissen könnte? Ein nicht wunderbarer Gott, ein begreiflicher Gott ist kein Gott. Sein Licht ist für uns Finsterniß, sein Tag für uns Nacht, denn es fehlt uns das Auge, in diese Sonne aller Geister zu schauen. Was nach Art der Geschöpfe ist, ist nicht schöpferisch; da fängt erst das Göttliche an, wo das Unbegreifliche beginnt. Wie Gott nicht wohnt in Tempeln, von Menschenhänden gemacht, so auch nicht in den Gedanken der Menschen; es ist gleich, ob ein Götzenbild vom Schreiner aus Holz oder vom Goldschmied aus Metall, oder von einem Philosophen aus seinen hohlen Begriffen geschnitzt oder gegossen ist.

Ein Großes meinen freilich unsere Spötter gethan zu haben, wenn sie darlegten, wie unbegreiflich doch die Lehren der Schrift seien. Aber hier Schwierigkeiten häufen, ist eine gar schlechte Kunst; Talent hierzu kann auch ein Strohkopf haben. Wir Christen fühlen es in unserm Herzen ebensowohl, daß Gottes Weisheit unserer natürlichen Vernunft Thorheit zu sein scheine. Weil wir aber wissen, daß wir Menschen sind, so glauben wir demüthig Gottes Offenbarungen, auch wenn sie alle unsere Fassungskraft unendlich übersteigen. Weil wir wissen, daß die Bibel Gottes ewiges, durch Wunder und Weissagungen unwidersprechlich bestätigtes Wort sei, darum glauben wir einem einzigen Spruche derselben mehr, als ganzen Fudern von Büchern, in denen Millionen Bedenken aufgehäuft sind. Die Welt lache oder zürne (es gilt uns gleich), so steht uns doch ein Wort Christi, der Apostel und Propheten höher, als alle Weisheit der Weisesten dieser Welt, so sie jener göttlichen Stimme widerspricht, ja, sie ist uns dann, schmücke sie sich auch noch so herrlich, nichts als Thorheit und Narrheit.

(Fortsetzung folgt.)

Einige Thesen Luthers wider den Mißbrauch des Ablasses.

Unsere Leser haben gewiß schon öfter von jenen 95 Sätzen gehört, welche der selige Luther im Jahre 1517 am 31. October au die Thüre der Schloßkirche zu Wittenberg in Sachsen anschlug, und daß dieselben durch Gottes Regierung der erste Grundstein zu dem großen Werke der Reformation gewesen seien; aber vielleicht nicht wenige haben keine Gelegenheit gehabt, diese Sätze selbst zu lesen. Es ist wichtig, daraus ersehen zu können, nicht nur welchen Grad evangelischer Erkenntniß Luther damals erreicht hatte, sondern auch um was es sich denn eigentlich gleich zu Anfang in jener Zeit gehandelt habe. Es folgen daher hiermit einige der wichtigsten unter jenen Sätzen.

Der erste lautet folgendermaßen: „Da unser Meister und HErr, JEsus Christus, spricht: Thut Buße ꝛc., will er, daß das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße soll sein.“

Der 27ste und 28ste: „Die predigen Menschentand, die da fürgeben, daß, sobald der Groschen in den Kasten geworfen klingt, von Stund an die Seele aus dem Fegfeuer fahre. Das ist gewiß, alsbald der Groschen im Kasten klingt, daß Gewinn und Geiz kommen, zunehmen und größer werden; die Hülfe aber oder die Fürbitte der Kirche steht allein in Gottes Willen und Wohlgefallen.“

Der 32ste: „Die werden sammt ihren Meistern zum Teufel fahren, die vermeinen, durch Ablaßbriefe ihrer Seligkeit gewiß zu sein.“

Der 34ste: „Die Ablaßgnade sieht allein auf die Pein der Genugthuung, welche von Menschen aufgesetzt ist worden.“

Der 37ste: „Ein jeder wahrhaftiger Christ, er sei lebendig oder todt, ist theilhaftig aller Güter Christi und der Kirche, aus Gottes Geschenk, auch ohne Ablaßbriefe.“

Der 45ste: „Man soll die Christen lehren, daß der, so seinen Nächsten siehet darben und deß ungeachtet Ablaß löset, der löset nicht des Pabstes Ablaß, sondern ladet auf sich Gottes Ungnade.“

Der 52ste: „Durch Ablaßbriefe vertrauen selig zu werden, ist nichtig und erlogen Ding, obgleich der Ablaßvogt, ja, der Pabst selbst seine Seele dafür zu Pfande setzen wollte.“

Der 62ste: „Der rechte wahre Schatz der Kirche ist das h. Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“

Schluß: „So verwegen bin ich nicht, daß ich meine Meinung aller andern durchaus vorgezogen haben wollte; ich bin aber auch nicht so unverständig, daß ich das göttliche Wort den Fabeln, die die menschliche Vernunft erfunden, nachsetzen ließe.“

Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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to the field against it, conquer it gloriously, and then cry out: Behold, there lie the poor rogues, the Christians, in the dust! Behold, thus must one fight and conquer for light, freedom, and the happiness of nations, and shrink from no danger, not even for one's own life. This vividly recalls that Spanish knight of fortune.

We now ask, however, who has ever claimed that there are three Gods, and yet also only one? In which Bible does that stand written? In which church confession have the unbelievers ever read that? What Christian theologian has ever taught any such thing? — This doctrine is to be found nowhere except in the confused heads of the scoffers. — We Christians are, thank God, all wise enough to know very well that one cannot say Yes and No, black and white, of one and the same thing at the same time, without incurring the reproach of having refuted oneself. Luther already says: "Thank God, we are not such geese, blockheads, or stones as the senseless fools take us for, as though we did not know that One God and many gods cannot both be believed to be true at the same time." (XX, 2506.) But the holy, divine Word nowhere demands that we believe that. It does not present to us the Father, Son, and Holy Spirit as a company of three infinite beings; rather, the Bible teaches us that God is, in different respects, one and three — one with respect to the divine essence, three with respect to the personal relations. Now if, in one and the same thing, more than one is already found in a certain other respect, it can still be a single thing, just as in one soul, understanding, will, and desires are perceived.

But, some may perhaps say here, you Christians claim, according to Scripture, that the Son and the Holy Spirit are not mere powers and attributes, but that in the being of God there are three distinct persons who hold the divine being in common! Who can grasp that? We answer: no created being can, indeed, grasp that — but is what goes beyond the bounds of reason therefore against the laws of reason? Is such a mystery to be rejected on that account? And is the Bible itself to be rejected for the sake of such a mystery contained within it? Truly, a man can no longer lay claim to reason who denies that reason has bounds, and that there is a field in which its power of comprehension ceases.

Are there not already countless mysteries in visible nature, which everyone believes and against which no one cares to argue with grounds of reason, because he perceives their existence through his senses? How, then, can we take offense that the doctrine dealing with the inner relations of the being of God contains mysteries that appear incomprehensible to us? Would we not laugh at the simplemindedness of a child who found fault with all sorts of things in some artificial piece of machinery, since it does not know, nor can grasp, the inner workings of it and the often absolute

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necessity of a single screw or valve? But is not our understanding, in relation to God's understanding, infinitely smaller than the understanding of a child compared with that of a skilled mechanic? — A scoffer may possess excellent knowledge in other sciences and yet perhaps not be familiar with the teachings of mathematics, physics, and astronomy; would such a man reject a book on those latter branches of human knowledge simply because, on leafing through it, so much still seemed incomprehensible to him? Certainly not — he would be afraid of being laughed at, in such a case, by the relevant scholars as a presumptuous ignoramus. And yet we would wish to reject the Book of God because it contains teachings that are mysteries to our shortsighted understanding! Should we not, rather, conceive the highest suspicion of a book that announced itself as a revelation of God, if it contained nothing incomprehensible in it, but only what our reason could know without the light of revelation? A God who is not wonderful, a comprehensible God, is no God. His light is darkness to us, his day is night to us, for we lack the eye to gaze into this sun of all spirits. Whatever is of the nature of creatures is not creative; the divine only begins precisely where the incomprehensible begins. Just as God does not dwell in temples made by human hands, so neither does he dwell in the thoughts of men; it makes no difference whether an idol is carved or cast by a carpenter out of wood, by a goldsmith out of metal, or by a philosopher out of his own hollow concepts.

Our scoffers certainly imagine they have accomplished something great when they set forth how incomprehensible the doctrines of Scripture are. But heaping up difficulties here is a very poor art; even a blockhead can have talent for that. We Christians feel, just as much, in our own hearts, that God's wisdom seems to be foolishness to our natural reason. But because we know that we are human, we humbly believe God's revelations, even when they infinitely surpass all our power of comprehension. Because we know that the Bible is God's eternal Word, confirmed irrefutably by miracles and prophecies, we therefore believe a single saying of it more than whole cartloads of books in which millions of misgivings are piled up. Let the world laugh or rage — it is all the same to us — one word of Christ, of the apostles, and of the prophets stands higher for us than all the wisdom of the wisest of this world, wherever it contradicts that divine voice; indeed, however splendidly it may adorn itself, it is then nothing to us but foolishness and folly.

(To be continued.)

Some Theses of Luther against the Abuse of Indulgences.

Our readers have certainly already heard more than once of those ninety-five theses which the blessed Luther, in the year 1517, on October 31, nailed to the door of the Castle Church in Wittenberg, Saxony, and that these, through God's governance, were the first foundation stone of the great work of the Reformation; but not a few, perhaps, have never had the opportunity to read these theses themselves. It is important to be able to see from them, not only what degree of evangelical understanding Luther had attained at that time, but also what was really at stake right from the very beginning of that period. We therefore give here some of the most important among those theses.

The first reads as follows: "When our Master and Lord, Jesus Christ, says, Repent, etc., he wills that the whole life of his believers on earth should be a constant, or unceasing, repentance."

The twenty-seventh and twenty-eighth: "They preach human folly who claim that, as soon as the coin thrown into the chest rings, the soul at once flies out of purgatory. This is certain: as soon as the coin rings in the chest, gain and greed can increase and grow greater; but the help, or the intercession, of the Church rests solely in God's will and good pleasure."

The thirty-second: "Those will go to the devil, together with their masters, who imagine themselves certain of their salvation through letters of indulgence."

The thirty-fourth: "The grace conveyed by indulgences has regard only to the penalty of satisfaction that has been imposed by men."

The thirty-seventh: "Every true Christian, whether living or dead, has a share in all the blessings of Christ and of the Church, as a gift of God, even without letters of indulgence."

The forty-fifth: "Christians are to be taught that he who sees his neighbor in need and, in spite of this, buys indulgences, does not buy the pope's indulgence but brings upon himself God's displeasure."

The fifty-second: "To trust that one will be saved through letters of indulgence is a vain and false thing, even if the indulgence-agent, indeed even the pope himself, wished to pledge his own soul for it."

The sixty-second: "The true, real treasure of the Church is the Holy Gospel of the glory and grace of God."

Conclusion: "I am not so rash as to wish that my opinion be preferred absolutely to that of all others; but neither am I so unreasonable as to let the divine Word be placed after the fables invented by human reason."

The "Lutheran" can always be obtained at the residence of the carrier, Mr. Gräber
(South Fifth Street, opposite the oil mill), also at Mr. Quast's (Olive Street, between the
second and third, below the theater), and from the editor.

Printed by Weber and Olshausen.