# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 11 02_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 der ihn zu Felde, überwinden ihn glorreich und rufen dann aus: Sehet, da liegen die armen Schelme, die Christen, im Staube! Sehet, so muß man streiten und siegen für Licht, Freiheit und Völkerglück und keine Gefahr scheuen selbst seines Lebens. Dieß erinnert lebendig an jenen spanischen Glücksritter. Wir fragen aber nun, wer hat jemals behauptet, daß es drei Götter gibt, aber auch nur einen? In welcher Bibel steht das geschrieben? In welcher kirchlichen Bekenntnißschrift haben das die Ungläubigen jemals gelesen? Welcher christliche Theolog hat je so etwas gelehrt? — Diese Lehre ist nirgends zu finden, als in den confusen Köpfen der Spötter. — So klug sind wir Christen, Gott sei Dank! alle, daß wir recht wohl wissen, daß man von einem und demselben Dinge nicht zugleich Ja und Nein, schwarz und weiß sagen könne, ohne sich den Vorwurf zuzuziehen, daß man sich selbst widerlegt habe. Schon Luther sagt: „Wir sind Gott Lob nicht sogar Enten, Klötze oder Steine, wie uns die unsinnigen Narren achten, daß wir nicht sollten wissen, daß Ein Gott und viel Götter nicht können zugleich mit Wahrheit geglaubt werden.“ (XX. 2506.) Das zu glauben, fordert aber auch das heilige göttliche Wort nirgends. Darin wird uns nicht Vater, Sohn und heiliger Geist als eine Gesellschaft dreier unendlicher Wesen dargestellt; sondern die Bibel lehrt uns, Gott sei in verschiedener Absicht eins und drei, eins in Absicht auf das göttliche Wesen, drei in Absicht auf die persönlichen Verhältnisse. Wenn nun schon in Einer Sache in gewisser (anderer) Hinsicht mehr als eins angetroffen wird, so kann sie doch ein einfaches Ding sein, so wie in einer Seele Verstand, Wille und Begierden wahrzunehmen sind. Aber, werden hier vielleicht manche sagen, ihr Christen behauptet ja nach der Schrift, daß der Sohn und heiliger Geist nicht bloße Kräfte und Eigenschaften, sondern daß in dem Wesen Gottes drei verschiedene Personen seien, die das göttliche Wesen gemeinschaftlich haben! Wer mag das fassen? Wir antworten: Das kann freilich kein erschaffenes Wesen fassen, aber ist das wider die Gesetze der Vernunft, was über die Grenzen derselben hinausgeht? Ist darum ein solches Geheimniß zu verwerfen? und ist um eines solchen in der Bibel enthaltenen Geheimnisses willen die Bibel selbst zu verwerfen? Der Mensch kann wahrlich nicht mehr auf Vernunft Anspruch machen, welcher leugnet, daß dieselbe Grenzen habe und daß es ein Feld gebe, in welchem ihre Fassungskraft aufhört. Gibt es nicht unzählige Geheimnisse schon in der sichtbaren Natur, die jedermann glaubt und wider welche niemand mit Gründen der Vernunft streiten mag, weil er ihr Dasein durch die Sinne wahrnimmt; wie können wir uns nun daran stoßen, daß die Lehre, die von den inneren Verhältnissen des Wesens Gottes handelt, Geheimnisse enthält, die uns unbegreiflich erscheinen? Würden wir nicht der Einfalt eines Kindes lachen, das allerlei an einer künstlichen Maschinerie tadelte, da es ja das innere Getriebe derselben und die oft unbedingte Nothwendigkeit einer einzigen Schraube oder Klappe nicht kennt, noch begreifen kann? Ist aber unser Verstand gegen Gottes Verstand nicht im Verhältniß unendlich geringer als der Verstand eines Kindes im Vergleich mit dem eines geschickten Mechanikers? — Ein Spötter kann vortreffliche Kenntnisse in andern Wissenschaften besitzen und vielleicht mit den Lehren der Mathematik, Physik und Astronomie nicht vertraut sein; würde ein solcher wohl ein Buch über die letztern Theile des menschlichen Wissens darum verwerfen, weil ihm bei Durchblätterung desselben so vieles noch unbegreiflich vorkäme? Gewiß nicht, er würde sich fürchten, in diesem Falle von den betreffenden Gelehrten als ein anmaßender Nichtswisser verlacht zu werden. Und doch wollten wir das Buch Gottes darum verwerfen, weil es Lehren enthält, die für unsern kurzsichtigen Verstand Geheimnisse sind! Müßten wir nicht gerade dann den höchsten Verdacht gegen ein Buch schöpfen, das sich als eine Offenbarung Gottes ankündigte, wenn darin nichts Unbegreifliches enthalten wäre, sondern nur das, was unsere Vernunft ohne das Offenbarungslicht wissen könnte? Ein nicht wunderbarer Gott, ein begreiflicher Gott ist kein Gott. Sein Licht ist für uns Finsterniß, sein Tag für uns Nacht, denn es fehlt uns das Auge, in diese Sonne aller Geister zu schauen. Was nach Art der Geschöpfe ist, ist nicht schöpferisch; da fängt erst das Göttliche an, wo das Unbegreifliche beginnt. Wie Gott nicht wohnt in Tempeln, von Menschenhänden gemacht, so auch nicht in den Gedanken der Menschen; es ist gleich, ob ein Götzenbild vom Schreiner aus Holz oder vom Goldschmied aus Metall, oder von einem Philosophen aus seinen hohlen Begriffen geschnitzt oder gegossen ist. Ein Großes meinen freilich unsere Spötter gethan zu haben, wenn sie darlegten, wie unbegreiflich doch die Lehren der Schrift seien. Aber hier Schwierigkeiten häufen, ist eine gar schlechte Kunst; Talent hierzu kann auch ein Strohkopf haben. Wir Christen fühlen es in unserm Herzen ebensowohl, daß Gottes Weisheit unserer natürlichen Vernunft Thorheit zu sein scheine. Weil wir aber wissen, daß wir Menschen sind, so glauben wir demüthig Gottes Offenbarungen, auch wenn sie alle unsere Fassungskraft unendlich übersteigen. Weil wir wissen, daß die Bibel Gottes ewiges, durch Wunder und Weissagungen unwidersprechlich bestätigtes Wort sei, darum glauben wir einem einzigen Spruche derselben mehr, als ganzen Fudern von Büchern, in denen Millionen Bedenken aufgehäuft sind. Die Welt lache oder zürne (es gilt uns gleich), so steht uns doch ein Wort Christi, der Apostel und Propheten höher, als alle Weisheit der Weisesten dieser Welt, so sie jener göttlichen Stimme widerspricht, ja, sie ist uns dann, schmücke sie sich auch noch so herrlich, nichts als Thorheit und Narrheit. (Fortsetzung folgt.) Einige Thesen Luthers wider den Mißbrauch des Ablasses. Unsere Leser haben gewiß schon öfter von jenen 95 Sätzen gehört, welche der selige Luther im Jahre 1517 am 31. October au die Thüre der Schloßkirche zu Wittenberg in Sachsen anschlug, und daß dieselben durch Gottes Regierung der erste Grundstein zu dem großen Werke der Reformation gewesen seien; aber vielleicht nicht wenige haben keine Gelegenheit gehabt, diese Sätze selbst zu lesen. Es ist wichtig, daraus ersehen zu können, nicht nur welchen Grad evangelischer Erkenntniß Luther damals erreicht hatte, sondern auch um was es sich denn eigentlich gleich zu Anfang in jener Zeit gehandelt habe. Es folgen daher hiermit einige der wichtigsten unter jenen Sätzen. Der erste lautet folgendermaßen: „Da unser Meister und HErr, JEsus Christus, spricht: Thut Buße ꝛc., will er, daß das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße soll sein.“ Der 27ste und 28ste: „Die predigen Menschentand, die da fürgeben, daß, sobald der Groschen in den Kasten geworfen klingt, von Stund an die Seele aus dem Fegfeuer fahre. Das ist gewiß, alsbald der Groschen im Kasten klingt, daß Gewinn und Geiz kommen, zunehmen und größer werden; die Hülfe aber oder die Fürbitte der Kirche steht allein in Gottes Willen und Wohlgefallen.“ Der 32ste: „Die werden sammt ihren Meistern zum Teufel fahren, die vermeinen, durch Ablaßbriefe ihrer Seligkeit gewiß zu sein.“ Der 34ste: „Die Ablaßgnade sieht allein auf die Pein der Genugthuung, welche von Menschen aufgesetzt ist worden.“ Der 37ste: „Ein jeder wahrhaftiger Christ, er sei lebendig oder todt, ist theilhaftig aller Güter Christi und der Kirche, aus Gottes Geschenk, auch ohne Ablaßbriefe.“ Der 45ste: „Man soll die Christen lehren, daß der, so seinen Nächsten siehet darben und deß ungeachtet Ablaß löset, der löset nicht des Pabstes Ablaß, sondern ladet auf sich Gottes Ungnade.“ Der 52ste: „Durch Ablaßbriefe vertrauen selig zu werden, ist nichtig und erlogen Ding, obgleich der Ablaßvogt, ja, der Pabst selbst seine Seele dafür zu Pfande setzen wollte.“ Der 62ste: „Der rechte wahre Schatz der Kirche ist das h. Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“ Schluß: „So verwegen bin ich nicht, daß ich meine Meinung aller andern durchaus vorgezogen haben wollte; ich bin aber auch nicht so unverständig, daß ich das göttliche Wort den Fabeln, die die menschliche Vernunft erfunden, nachsetzen ließe.“ Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber. Gedruckt bei Weber und Olshausen.