Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 3 › Seite 12
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-09-29, Seite 12
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Feinde 3 · Luther 4 · Predigt 6
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Irrthum in seinem Gewissen gefangen ist, wird er mit Seufzen auf uns herabblicken, als auf einen Mann, dem es an geistlicher Herzenserfahrung gebreche. Wir können es aber in Wahrheit versichern, daß wir aus eigner Erfahrung wissen, daß alles Selbstwirken verloren ist, und alles Menschenthum im Feuer der Anfechtung verwelken und verbrennen muß, sei es auch vor Menschen noch so köstlich und scheinbar; daß aber allein das Halten an das Wort und an die darin verkündigte Gnade vor Verzweiflung errettet und zum seligen Siege führt. Hat der Methodist ein süßes Gnadengefühl, so spöttelt er freilich, wie jetzt oft geschehen ist, über das lutherische Halten ans Wort; wird er aber in hohe Anfechtung kommen, so wird er es wohl erfahren, worüber er gespottet hat.
Wohl ist es gewiß, daß ohne die Schrecken der Buße niemand zum Glauben kommt, und daß dieser nicht ein todter Gedanke unseres Herzens, sondern eine lebendige Zuversicht ist, die allein der heil. Geist wirken kann, aber es ist wahrlich gleich, ob man auf äußerliche Büßungswerke, wie der Papist thut, vertraut, oder auf die innere Arbeit seiner Seele seine Zuversicht setzt, und dadurch seinen Gnadenstand erzwingen will; beides ist eine klägliche Möncherei, mit beiden verliert man Christum.
Wir müssen hier noch einmal abbrechen und unsere Leser bitten, den versprochenen Schluß erst in nächster Nummer zu erwarten.
Prophetischer Blick Luthers in unsere Zeit.
„Wer auf Christi und der Apostel Wort fleißig Achtung gibt, der sieht wohl, daß die Welt für'm jüngsten Tage voll Spötter und Epicuräer sein wird. Schlägt denn mit zu, wie zu besorgen ist, daß Ohren-Krauer die Kanzel einnehmen, die da predigen, wie man gerne hört (denn die Welt will solche Lehrer haben), so wird die Truckene mit der Dürstigen verloren werden. Denn es kann kein gut Ende nehmen, daß man sich so närrisch zur Sache stellt und die liebe Wahrheit so übel empfähet, ja lästert und schändet aufs äusterste, und zu Lügen und Irrthum nicht allein Liebe und Lust hat, sondern auch für Wahrheit vertheidigen und erhalten will. Darum wird die Welt, weil sie das Licht nicht haben will, mit größerer Blindheit geschlagen werden, denn zuvor unter dem Pabstthum, und wird gehen nach dem Worte Christi: Das Letzte wird ärger sein, denn das Erste.“ — (Luthers andere Predigt über der Leiche Herz. Friedrich's, Churf. zu Sachsen.)
Abgenöthigte Erklärung.
Es hat Herrn Koch beliebt, in den letzten Nummern seines Antipfaffen wider uns aufzutreten; da aber derselbe nicht einmal mit Scheingründen die von uns dargelegten Grundsätze zu widerlegen gesucht, hingegen sich zur Zeit damit befaßt hat, das, was allen Christen aller Confessionen theuer und heilig ist, auf eine ebenso gotteslästerliche als niedrige Weise ins Lächerliche zu ziehen, so wird hoffentlich kein Vernünftiger auf derartige Angriffe eine Rechtfertigung von unserer Seite erwarten.
Sollte es Herr Koch vielleicht in Zukunft doch einmal versuchen, wider unser Bekenntniß Beweise zu führen, so werden wir ihm aus Liebe zu denen, welche Trugschlüsse zu durchschauen zu schwach sind und dadurch irre gemacht werden könnten, die nöthige Antwort nicht schuldig bleiben. Vor der Hand aber müssen wir, da wir uns nicht überwinden können, mit solchen Waffen, wie Hr. Koch, zu kämpfen, nach dem Winke gehen, den der berühmte Dichter Young für dergleichen Fälle gegeben hat, wenn er schreibt:
„Man könnte ebenso leicht versuchen, ein Echo durch die Stärke der Stimme, als einen witzigen Kopf durch die Macht der Vernunft zum Stillschweigen zu bringen. Sie fangen beide deswegen nur desto lauter an zu schreien.“
Wenn übrigens Herr Koch dadurch unsere Mitbürger wider uns einzunehmen trachtet, daß er uns als unverständige Zeloten für eine gewissenbeschwerende Sonntagsfeier darstellte, so thut er damit nur Luftstreiche, die nur bei denen die beabsichtigte Wirkung haben können, welchen die lutherische Lehre über jenen Punct fremd ist. Damit aber Herr Koch in seiner Unkenntniß unserer eigentlichen Grundsätze nicht ferner alles durcheinander werfe, so verweisen wir denselben, was unsere Lehre von der Sabbathsfeier betrifft, zu seiner besseren Unterrichtung auf: Augsb. Conf. Art. 28. und Großer Catechismus Lutheri. 1. Hptst. 3. Geb.
Sollte endlich mancher wähnen, daß die Art, wider die christliche Religion aufzutreten, deren sich Herr Koch bedient, eine neue sei, die den baldigen endlichen Sturz des Evangeliums nunmehr mit Grund fürchten lasse, so erlauben wir uns, solchen zum Schlusse die Beobachtungen mitzutheilen, die schon im Jahre 1768 ein alter lutherischer Bibliothekar zu Königsberg hierüber gemacht hat, als derselbe fast alles mit großer strenge allgemeine Aufmerksamkeit gelesen hatte, was nur zu irgend einer Zeit und in irgend einer Sprache von den Feinden des Christenthums wider dasselbe aufgebracht und geschrieben worden ist. Er beschreibt nehmlich eine gewisse Classe solcher Gegner folgendermaßen:
„Die Feinde der Religion nehmen allen Witz zusammen, die göttliche Offenbarung zum Gegenstande des Gelächters zu machen und mit den ernstesten Wahrheiten Kurzweil zu treiben. Die Art zu verfahren ist schon alt, indem schon Minucius Felix um das Jahr 220 nach Christi, Geburt schreibt: „„Keine beißende Spötterei, kein Hohngelächter ward von den Heiden gespart, das Christenthum der Verachtung auszusetzen.“ — Sie streuen scherzhafte Einfälle über die abgekürzte Geschichte Mosis und der übrigen heiligen Schriftsteller ein, kleiden die wunderbaren Begebenheiten in lustige Schilderungen, und versprechen sich von scherzhaften Wortspielen und Auswürfen eines falschen Witzes mehr Vortheil, als von ernsthaften Betrachtungen. Dieser Trödlerkram läppischer Gedanken gibt ihnen bei vielen das Ansehen starker Geister. Ihr Schatz des Witzes besteht in verdrehten Sprüchwörtern, albernen Vergleichungen, die von niedrigen und verwerflichen Dingen entlehnt sind; in lebhaften Einfällen aus alten und neuern Dichtern und Schauspielschreibern, Zweideutigkeiten und lustigen Anspielungen. Dieses ist die Geräthschaft, deren sich viele bedienen. Der größte Possenreißer ist am geschicktesten, eine Verachtung gegen die Religion zu erwecken, und hiervon sind bisher viele verwerfliche Proben abgelegt, von welchen man ein großes Bücherverzeichniß machen könnte. Hierdurch hat man die leichtsinnigen Menschen, wie die Marktschreier den Pöbel durch Musik, Affen und Schwänke, an sich gezogen.“
Wir haben also auch hier wieder die Bestätigung jenes Salomonischen Ausspruches: „Es geschieht nichts neues unter der Sonne.“ Pred. 1, 9—11.
Das letzte Wort.
Ein vornehmer Herr, welcher mit dem Pfarrer N. in einer Gesellschaft zusammentraf, erzählte demselben, daß er selber, wann er Zeit hätte, auch zuweilen in seine Predigten käme. An diesen sei ihm aber Eins besonders auffallend, daß nehmlich diese Predigten so viele Jahre hin immer nur einen Hauptinhalt hätten; immer und in jeder spräche er von der Sündhaftigkeit und dem natürlichen Elende des Menschen und von der Erlösung durch Christum. Da die Evangelien und Episteln so schönen Stoff zur Abwechselung und so mannigfaltige Themata an die Hand gäben, wundere er sich oft im Stillen, wie ers doch anfange, daß er in jeder Predigt, und wäre es auch nur am Schluß auf diesen seinen Lieblingsgegenstand hingerathen könne, und wie es ihm gelingen könne, das immer, auch wo man es kaum vermuthet hätte, anzuknüpfen.
Hierauf antwortete N., er erinnere sich einmal von einem Pfarrer gelesen zu haben, welcher auch in jeder Predigt, deren er viele hielt, den Weg des Lebens, das den Sündern in Christo dargebotene Heil, verkündete und vor dem Weg des Todes und der Hölle warnte. „Denn,“ sagte jener Pfarrer, „diese Predigt könnte die letzte sein, die entweder ich halte, oder der eine und der andere vielleicht seinem Abschied nahe Mensch aus meiner Gemeinde hörte. Da will ich denn nicht die letzte Gelegenheit versäumen, den Sünder zur Buße zu rufen und auf IEsum Christum hinzuweisen, damit nicht eine der mir von Gott befohlenen Seelen mich dereinst vor seinem Richterstuhl verklagen und sagen könnte: „Ich war einst, ich war das letzte Mal in deiner Predigt, mit der stillen Frage in meinem Herzen: Was soll ich thun, daß ich selig werde? Aber du hast mir diese Frage nicht beantwortet.“ Diese Worte, fuhr N. fort, habe ich mir zu Herzen genommen und thue auch nach ihnen. Ich knüpfe nicht, wie Sie sagten, an jede meiner Predigten den Grundstein des Christenglaubens nur gelegentlich an, sondern auf ihn sind alle meine Ermahnungen und Belehrungen gegründet. Man sagt von manchen Menschen, die immer Recht haben wollen: sie müßten immer das letzte Wort behalten. Ich aber will wenigstens thun, was ich kann, um zu bewirken, daß der, welcher allein Recht hat, während alle Menschen Lügner sind, noch das letzte Wort an das Herz und Ohr des sterbenden Sünders behalte. Denn man darf nur an's Sterbebette gehen, da wird man lernen, was am Ende der letzte Stachel und Trost sei.
Der vornehme Herr schwieg nachdenkend, und wurde seitdem öfter und viel aufmerksamer in N—s Predigten gesehen.
Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.
Gedruckt bei Weber und Olshausen.
English translation AI translation
remains held captive in his conscience by his error, he will look down upon us with sighs, as upon a man who lacks spiritual experience of the heart. But we can truthfully assure, from our own experience, that we know that all self-generated effort is lost, and that all human striving must wither and burn up in the fire of temptation, however precious and splendid it may appear before men; but that holding fast to the Word alone, and to the grace proclaimed in it, alone rescues from despair and leads to a blessed victory. If the Methodist has a sweet feeling of grace, he indeed mocks, as has now often happened, the Lutheran's holding fast to the Word; but if he comes into severe temptation, he will find out well enough what it was he was mocking.
It is indeed certain that no one comes to faith without the terrors of repentance, and that this faith is not a dead thought of our heart, but a living confidence which the Holy Spirit alone can work; but it is truly all the same whether one trusts in outward works of penance, as the papist does, or places one's confidence in the inward labor of one's own soul, and thereby wishes to force one's own state of grace; both are a pitiable monkery, and with both one loses Christ.
We must break off here once more and ask our readers to await the promised conclusion in the next number.
Luther's Prophetic View into Our Time.
"Whoever pays diligent heed to the word of Christ and the Apostles sees clearly that before the Last Day the world will be full of scoffers and Epicureans. It will accordingly also happen, as is to be feared, that itching-ear preachers will occupy the pulpit, who preach as people like to hear (for the world wants such teachers); then the drunken will perish along with the thirsty. For it cannot come to a good end that people take the matter so foolishly and receive the dear truth so badly — indeed, blaspheme and defile it in the extreme — and not only have love and desire for lies and error, but even wish to defend and maintain them as truth. Therefore the world, because it will not have the light, will be struck with greater blindness than before under the papacy, and it will go according to the word of Christ: The last shall be worse than the first." — (Luther's second sermon at the funeral of Duke Frederick, Elector of Saxony.)
A Forced Explanation.
Mr. Koch has seen fit, in the recent numbers of his Antipfaffe, to come out against us; but since he has not even attempted, with so much as plausible arguments, to refute the principles we have set forth, but has instead occupied himself with dragging what is dear and sacred to all Christians of all confessions
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through the mud in a manner as blasphemous as it is base, we hope no reasonable person will expect any justification from our side to such attacks. Should Mr. Koch perhaps in the future actually attempt to bring forward proofs against our confession, we shall not fail to give him, for the sake of those too weak to see through sophistries and who might thereby be led astray, the necessary answer. For the present, however, since we cannot bring ourselves to fight with such weapons as Mr. Koch uses, we shall follow the counsel which the famous poet Young gave for such cases, when he writes: "One might as easily try to silence an echo by the strength of one's voice, as to silence a witty head by the power of reason. Both only begin to shout the louder because of it."
If, moreover, Mr. Koch seeks thereby to turn our fellow citizens against us by portraying us as unreasonable zealots for a conscience-burdening, strict, universal observance of Sunday, he is merely beating the air, which can have its intended effect only on those to whom the Lutheran doctrine on that point is unfamiliar. But so that Mr. Koch, in his ignorance of our actual principles, may not continue to confuse everything, we refer him, as regards our doctrine of the observance of the Sabbath, for his better instruction, to: Augsburg Confession, Article 28, and Luther's Large Catechism, First Chief Part, Third Commandment.
Should anyone, finally, imagine that the manner of attacking the Christian religion which Mr. Koch employs is something new, one that gives good reason to fear the imminent, final downfall of the Gospel, we take the liberty, in closing, to share the observations which, as far back as the year 1768, an old Lutheran librarian at Königsberg made on this subject, after he had read with great attention almost everything that has ever, at any time and in any language, been brought forward and written against Christianity by its enemies. He describes a certain class of such opponents as follows:
"The enemies of religion gather all their wit together to make divine revelation an object of ridicule and to make sport of the most solemn truths. This manner of proceeding is already old, since Minucius Felix, writing around the year 220 after the birth of Christ, already says: 'No biting mockery, no scornful laughter was spared by the heathen, to expose Christianity to contempt.' They scatter jesting quips over the abridged history of Moses and the other sacred writers, dress up the wondrous events in comical descriptions, and promise themselves more advantage from playful puns and the sallies of a false wit than from serious reflection. This peddler's trade in silly notions gives them, with many, the appearance of strong minds. Their treasury of wit consists of twisted proverbs, foolish comparisons borrowed from low and contemptible things; of lively sallies from old and newer poets and playwrights, ambiguities, and amusing allusions. This is the equipment which many make use of. The greatest buffoon is the most skillful at arousing contempt for religion, and of this many contemptible examples have so far been given, of which one could compile a great catalogue of books. By this means they have drawn the frivolous to themselves, just as showmen draw the rabble by music, monkeys, and tricks."
Here, too, we again have confirmation of that Solomonic saying: "There is nothing new under the sun." Ecclesiastes 1:9-11.
The Last Word.
A distinguished gentleman, who happened to meet Pastor N. in company, told him that he himself, whenever he had time, also occasionally attended his sermons. But one thing about them struck him in particular: that these sermons, for so many years, always had but one main content; always, and in every one, he spoke of the sinfulness and natural misery of man and of redemption through Christ. Since the Gospels and Epistles offered such fine material for variety and such manifold themes, he often wondered quietly to himself how the pastor managed it, that in every sermon — even if only at the close — he always arrived back at this favorite subject of his, and how he managed to bring it in, even where one would hardly have expected it.
To this N. replied that he recalled once having read of a pastor who, likewise, in every sermon of the many he preached, proclaimed the way of life, the salvation offered to sinners in Christ, and warned against the way of death and hell. "For," said that pastor, "this sermon might be the last that either I preach, or that this or that person near his departure from my congregation might hear. So I do not want to miss the last opportunity to call the sinner to repentance and point him to Jesus Christ, so that none of the souls entrusted to me by God might one day accuse me before his judgment seat and say: 'I was once, I was for the last time, in your sermon, with the quiet question in my heart: What must I do to be saved? But you did not answer me this question.'" These words, N. continued, I have taken to heart, and I act accordingly. I do not, as you said, attach the foundation stone of the Christian faith to each of my sermons only in passing; rather, all my exhortations and instructions are grounded upon it. It is said of certain people who always want to be right that they must always have the last word. But I, at least, wish to do what I can to bring it about that he who alone is right — while all men are liars — may keep the last word upon the heart and ear of the dying sinner. For one need only go to a deathbed to learn what, in the end, is the final sting and the final comfort.
The distinguished gentleman fell thoughtfully silent, and was from then on seen more often, and with much greater attention, at N.'s sermons.
The "Lutheraner" may always be obtained at the residence of the distributor, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), further at Mr. Quast's (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and at the publisher's.
Printed by Weber and Olshausen.