# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 09 29_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Irrthum in seinem Gewissen gefangen ist, wird er mit Seufzen auf uns herabblicken, als auf einen Mann, dem es an geistlicher Herzenserfahrung gebreche. Wir können es aber in Wahrheit versichern, daß wir aus eigner Erfahrung wissen, daß alles Selbstwirken verloren ist, und alles Menschenthum im Feuer der Anfechtung verwelken und verbrennen muß, sei es auch vor Menschen noch so köstlich und scheinbar; daß aber allein das Halten an das Wort und an die darin verkündigte Gnade vor Verzweiflung errettet und zum seligen Siege führt. Hat der Methodist ein süßes Gnadengefühl, so spöttelt er freilich, wie jetzt oft geschehen ist, über das lutherische Halten ans Wort; wird er aber in hohe Anfechtung kommen, so wird er es wohl erfahren, worüber er gespottet hat. Wohl ist es gewiß, daß ohne die Schrecken der Buße niemand zum Glauben kommt, und daß dieser nicht ein todter Gedanke unseres Herzens, sondern eine lebendige Zuversicht ist, die allein der heil. Geist wirken kann, aber es ist wahrlich gleich, ob man auf äußerliche Büßungswerke, wie der Papist thut, vertraut, oder auf die innere Arbeit seiner Seele seine Zuversicht setzt, und dadurch seinen Gnadenstand erzwingen will; beides ist eine klägliche Möncherei, mit beiden verliert man Christum. Wir müssen hier noch einmal abbrechen und unsere Leser bitten, den versprochenen Schluß erst in nächster Nummer zu erwarten. Prophetischer Blick Luthers in unsere Zeit. „Wer auf Christi und der Apostel Wort fleißig Achtung gibt, der sieht wohl, daß die Welt für'm jüngsten Tage voll Spötter und Epicuräer sein wird. Schlägt denn mit zu, wie zu besorgen ist, daß Ohren-Krauer die Kanzel einnehmen, die da predigen, wie man gerne hört (denn die Welt will solche Lehrer haben), so wird die Truckene mit der Dürstigen verloren werden. Denn es kann kein gut Ende nehmen, daß man sich so närrisch zur Sache stellt und die liebe Wahrheit so übel empfähet, ja lästert und schändet aufs äusterste, und zu Lügen und Irrthum nicht allein Liebe und Lust hat, sondern auch für Wahrheit vertheidigen und erhalten will. Darum wird die Welt, weil sie das Licht nicht haben will, mit größerer Blindheit geschlagen werden, denn zuvor unter dem Pabstthum, und wird gehen nach dem Worte Christi: Das Letzte wird ärger sein, denn das Erste.“ — (Luthers andere Predigt über der Leiche Herz. Friedrich's, Churf. zu Sachsen.) Abgenöthigte Erklärung. Es hat Herrn Koch beliebt, in den letzten Nummern seines Antipfaffen wider uns aufzutreten; da aber derselbe nicht einmal mit Scheingründen die von uns dargelegten Grundsätze zu widerlegen gesucht, hingegen sich zur Zeit damit befaßt hat, das, was allen Christen aller Confessionen theuer und heilig ist, auf eine ebenso gotteslästerliche als niedrige Weise ins Lächerliche zu ziehen, so wird hoffentlich kein Vernünftiger auf derartige Angriffe eine Rechtfertigung von unserer Seite erwarten. Sollte es Herr Koch vielleicht in Zukunft doch einmal versuchen, wider unser Bekenntniß Beweise zu führen, so werden wir ihm aus Liebe zu denen, welche Trugschlüsse zu durchschauen zu schwach sind und dadurch irre gemacht werden könnten, die nöthige Antwort nicht schuldig bleiben. Vor der Hand aber müssen wir, da wir uns nicht überwinden können, mit solchen Waffen, wie Hr. Koch, zu kämpfen, nach dem Winke gehen, den der berühmte Dichter Young für dergleichen Fälle gegeben hat, wenn er schreibt: „Man könnte ebenso leicht versuchen, ein Echo durch die Stärke der Stimme, als einen witzigen Kopf durch die Macht der Vernunft zum Stillschweigen zu bringen. Sie fangen beide deswegen nur desto lauter an zu schreien.“ Wenn übrigens Herr Koch dadurch unsere Mitbürger wider uns einzunehmen trachtet, daß er uns als unverständige Zeloten für eine gewissenbeschwerende Sonntagsfeier darstellte, so thut er damit nur Luftstreiche, die nur bei denen die beabsichtigte Wirkung haben können, welchen die lutherische Lehre über jenen Punct fremd ist. Damit aber Herr Koch in seiner Unkenntniß unserer eigentlichen Grundsätze nicht ferner alles durcheinander werfe, so verweisen wir denselben, was unsere Lehre von der Sabbathsfeier betrifft, zu seiner besseren Unterrichtung auf: Augsb. Conf. Art. 28. und Großer Catechismus Lutheri. 1. Hptst. 3. Geb. Sollte endlich mancher wähnen, daß die Art, wider die christliche Religion aufzutreten, deren sich Herr Koch bedient, eine neue sei, die den baldigen endlichen Sturz des Evangeliums nunmehr mit Grund fürchten lasse, so erlauben wir uns, solchen zum Schlusse die Beobachtungen mitzutheilen, die schon im Jahre 1768 ein alter lutherischer Bibliothekar zu Königsberg hierüber gemacht hat, als derselbe fast alles mit großer strenge allgemeine Aufmerksamkeit gelesen hatte, was nur zu irgend einer Zeit und in irgend einer Sprache von den Feinden des Christenthums wider dasselbe aufgebracht und geschrieben worden ist. Er beschreibt nehmlich eine gewisse Classe solcher Gegner folgendermaßen: „Die Feinde der Religion nehmen allen Witz zusammen, die göttliche Offenbarung zum Gegenstande des Gelächters zu machen und mit den ernstesten Wahrheiten Kurzweil zu treiben. Die Art zu verfahren ist schon alt, indem schon Minucius Felix um das Jahr 220 nach Christi, Geburt schreibt: „„Keine beißende Spötterei, kein Hohngelächter ward von den Heiden gespart, das Christenthum der Verachtung auszusetzen.“ — Sie streuen scherzhafte Einfälle über die abgekürzte Geschichte Mosis und der übrigen heiligen Schriftsteller ein, kleiden die wunderbaren Begebenheiten in lustige Schilderungen, und versprechen sich von scherzhaften Wortspielen und Auswürfen eines falschen Witzes mehr Vortheil, als von ernsthaften Betrachtungen. Dieser Trödlerkram läppischer Gedanken gibt ihnen bei vielen das Ansehen starker Geister. Ihr Schatz des Witzes besteht in verdrehten Sprüchwörtern, albernen Vergleichungen, die von niedrigen und verwerflichen Dingen entlehnt sind; in lebhaften Einfällen aus alten und neuern Dichtern und Schauspielschreibern, Zweideutigkeiten und lustigen Anspielungen. Dieses ist die Geräthschaft, deren sich viele bedienen. Der größte Possenreißer ist am geschicktesten, eine Verachtung gegen die Religion zu erwecken, und hiervon sind bisher viele verwerfliche Proben abgelegt, von welchen man ein großes Bücherverzeichniß machen könnte. Hierdurch hat man die leichtsinnigen Menschen, wie die Marktschreier den Pöbel durch Musik, Affen und Schwänke, an sich gezogen.“ Wir haben also auch hier wieder die Bestätigung jenes Salomonischen Ausspruches: „Es geschieht nichts neues unter der Sonne.“ Pred. 1, 9—11. Das letzte Wort. Ein vornehmer Herr, welcher mit dem Pfarrer N. in einer Gesellschaft zusammentraf, erzählte demselben, daß er selber, wann er Zeit hätte, auch zuweilen in seine Predigten käme. An diesen sei ihm aber Eins besonders auffallend, daß nehmlich diese Predigten so viele Jahre hin immer nur einen Hauptinhalt hätten; immer und in jeder spräche er von der Sündhaftigkeit und dem natürlichen Elende des Menschen und von der Erlösung durch Christum. Da die Evangelien und Episteln so schönen Stoff zur Abwechselung und so mannigfaltige Themata an die Hand gäben, wundere er sich oft im Stillen, wie ers doch anfange, daß er in jeder Predigt, und wäre es auch nur am Schluß auf diesen seinen Lieblingsgegenstand hingerathen könne, und wie es ihm gelingen könne, das immer, auch wo man es kaum vermuthet hätte, anzuknüpfen. Hierauf antwortete N., er erinnere sich einmal von einem Pfarrer gelesen zu haben, welcher auch in jeder Predigt, deren er viele hielt, den Weg des Lebens, das den Sündern in Christo dargebotene Heil, verkündete und vor dem Weg des Todes und der Hölle warnte. „Denn,“ sagte jener Pfarrer, „diese Predigt könnte die letzte sein, die entweder ich halte, oder der eine und der andere vielleicht seinem Abschied nahe Mensch aus meiner Gemeinde hörte. Da will ich denn nicht die letzte Gelegenheit versäumen, den Sünder zur Buße zu rufen und auf IEsum Christum hinzuweisen, damit nicht eine der mir von Gott befohlenen Seelen mich dereinst vor seinem Richterstuhl verklagen und sagen könnte: „Ich war einst, ich war das letzte Mal in deiner Predigt, mit der stillen Frage in meinem Herzen: Was soll ich thun, daß ich selig werde? Aber du hast mir diese Frage nicht beantwortet.“ Diese Worte, fuhr N. fort, habe ich mir zu Herzen genommen und thue auch nach ihnen. Ich knüpfe nicht, wie Sie sagten, an jede meiner Predigten den Grundstein des Christenglaubens nur gelegentlich an, sondern auf ihn sind alle meine Ermahnungen und Belehrungen gegründet. Man sagt von manchen Menschen, die immer Recht haben wollen: sie müßten immer das letzte Wort behalten. Ich aber will wenigstens thun, was ich kann, um zu bewirken, daß der, welcher allein Recht hat, während alle Menschen Lügner sind, noch das letzte Wort an das Herz und Ohr des sterbenden Sünders behalte. Denn man darf nur an's Sterbebette gehen, da wird man lernen, was am Ende der letzte Stachel und Trost sei. Der vornehme Herr schwieg nachdenkend, und wurde seitdem öfter und viel aufmerksamer in N—s Predigten gesehen. Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber. Gedruckt bei Weber und Olshausen.