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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-09-29, Seite 9

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheriſche Kirche · Lutheriſche Kirche 5 · Papfttum

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von C. F. W. Walther.

Jahrgang 1.                    St. Louis, Mo., den 5. October 1844.                    No. 3.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft.

Von dem Namen „Lutheraner“.
(Fortsetzung.)

C. Warum bestehen wir auf Beibehaltung dieses Namens?

Da wir in den ersten Aufsätzen, welche obige Ueberschrift tragen, nicht nur zugegeben haben, daß Luther nach seiner eigenen Erklärung selbst nicht wolle, daß die Jünger Christi sich nach ihm nennen; da wir auch dargethan haben, daß nicht allein diejenigen Lutheraner seien, welche diesen Namen tragen, daß darunter vielmehr alle wahren Christen zu verstehen seien, mögen sie nun Lutherische, oder Katholische, Reformirte, Evangelische, Methodisten u. s. f. heißen, so werden vielleicht viele uns nun mit Befremden die Frage vorlegen: Wie könnt ihr nach solchen Zugeständnissen doch noch auf Beibehaltung des lutherischen Namens bestehen? Wie könnt ihr mit gutem Gewissen einen solchen Absonderungsnamen noch ferner behalten, da ihr gegen den Vorwurf der kirchlichen Absonderung und Sectirerei so entschieden protestirt? — Es wird Zeit, uns hierüber deutlich zu erklären.

Wir antworten hierauf zuerst wieder mit einer Frage: Wie sollen wir uns denn nennen, daß wir dabei recht thun? Es wird ja gewiß jeder zugeben, daß der Name einer Kirche nicht nur kein nichtssagender Titel sein, sondern das auch wirklich ausdrücken soll, was sie eigentlich ist, was sie nämlich glaubt, lehrt und bekennt. Wenn uns jemand fragt: Was und weß Glaubens seid ihr? so muß, wenn wir nicht heucheln wollen, der Name, unter welchem wir auftreten, hierauf eine runde deutliche Antwort geben.

Allerdings! werden hierbei einige sagen, darum nennt euch Christen. — Wir antworten: So nennen wir uns auch; und wir halten diesen Namen so hoch und theuer, daß wir bereit sind, lieber Blut und Leben, als diesen Namen zu opfern. Wir sind Christen geworden schon durch die Taufe, und das und nichts anders ist unser höchster Trost und Ruhm. Wer kein Christ, aber ein Lutheraner sein und den ersten Namen für den zweiten hingeben will, der kennt die Bedeutung weder des einen, noch des andern. Mit Vergnügen erinnern wir uns, einmal in Youngs Nachtgedanken folgende Verse nach der deutschen Uebersetzung gelesen zu haben:

— — Ein Christ! — Erhabenster Name! Herrlichster Titel, dem Menschen gewährt! Und streichen noch Menschen,
Heiliges Kreuz, dich von der Stirn, als schändende Flecken?
Zitternd sehn Engel dies, wenn Engel jemals erzittern,
Fliehn vom Verlornen zurück, und wer weiß? ob mehr vor Erstaunen,
Oder vor Traurigkeit, geben sie hier verzweifelnd ihr Amt auf.

Wohl hat es eine Zeit gegeben, wo es genug war, zu sagen: „Ich bin ein Christ.“ Dieß reichte besonders in den drei ersten Jahrhunderten der christlichen Zeit hin, wenn man den eigentlichen Glauben seines Herzens bekennen wollte. Da erwartete schon einen solchen Bekenner oft der qualvollste Märtyrertod. Aber welche Bewandtniß hat es jetzt mit diesem Namen? Wer weiß jetzt, da die Christenheit in tausend Secten zerspalten ist, was wir glauben, wenn wir nur bekennen wollten: Wir sind Christen! Wollen jetzt nicht selbst solche noch immer Christen heißen, die doch Christum verwerfen und wider ihn streiten, seine ewige Gottheit und vollgültige Versöhnung läugnen? Stellen sich jetzt nicht viele nur darum noch so, als seien sie auch Prediger des Evangeliums, um das Gold derer zu gewinnen, die zwar auch nicht mehr an Christum und sein heil. Wort glauben, aber doch noch die alte Sitte, in die Kirche zu gehen, beibehalten wollen? Ja wenn alle so ehrlich, oder vielmehr so verwegen und frech wären, wie ein gewisser Herr Ludvig in New York und ein gewisser Herr Koch in St. Louis, ihre unauslöschliche Feindschaft gegen den Gekreuzigten öffentlich zu gestehen und sich selbst feierlich aus der Liste derer auszutilgen, die an der Erlösung des Sohnes Gottes Antheil haben wollen: wenn, sage ich, alle, die in unseren Tagen von Christi Wort abgehen, es so geradeheraus gestehen und auf den Namen der Christen Verzicht leisten wollten, so bedürfte es freilich keines andern, als des Namens eines Christen, um damit seinen Glauben zu bekennen. Da sich aber jetzt selbst die Feinde Christi mit seinem Namen schmücken, um sein Brot zu essen, so sieht jedermann ein, daß jetzt eine Zeit gekommen ist, in welcher sich der Freund Christi deutlicher erklären muß, will er seinen hochgelobten Heiland nicht vor der Welt verleugnen.

Hier werden vielleicht andere sagen: Wollt ihr das nicht, wohlan! so nennt euch Katholisch. — Auf diesen Vorschlag müssen wir aber entgegnen: Da sei Gott für! Gerade den Lutheranern wird zwar oft der lächerliche Vorwurf gemacht, sie stünden den Katholischen am nächsten; aber wer war es denn eigentlich, der das römische Papstthum als den Sitz des Antichrists zuerst in öffentlichen Schriften angegriffen, aller Welt aufgedeckt und tödtlich verwundet und gestürzt hat? War es Zwingli? war es Calvin? war es Wesley? oder irgend ein anderer Stifter einer Secte? War es nicht unser Luther? Haben nicht alle andern wahren und vermeintlichen Reformatoren aus den Festungen heraus den Feind ferner angegriffen, welche Luther vor ihnen in heißen Schlachten genommen hatte? Wie können sich daher Lutheraner „katholisch“ nennen, da sich jetzt der Erbfeind der lutherischen Kirche so nennt, um mit diesem schönen Namen die durch Christum befreiten Seelen in seinen Gewissensstricken zu erhalten? Denn wohl ist der Name „katholisch“ ein herrlicher Name, denn er bedeutet die allgemeine christliche Kirche, welche nehmlich von den Aposteln gegründet und auf dem ganzen Erdboden ausgebreitet ist, außer welcher kein Heil ist. Es könnte daher freilich Niemand ein Christ sein, der sich zu einer Kirche nicht bekennen wollte, welche die katholische oder allgemeine in der Wahrheit wäre. Es hat auch eine Zeit gegeben, wo die wahre Kirche diesen Namen trug, und sich eben mit diesem Namen von allen Irrlehrern und ihren Secten lossagte. Da hatte er auch einen herrlichen Klang. Wie herrlich lautete der Name „katholisch“ z. B. in dem Munde eines Athanasius oder Augustinus, als diese ihn den arianischen, donatistischen und andern Secten entgegen hielten! Wie herrlich klang dieser Name selbst noch zur Zeit des römischen Bischofs Gregors des Großen, der durchaus den Namen eines allgemeinen Bischofs der Christenheit von sich ablehnte! Dieser Gregor schreibt nehmlich u. a. an Eulogius, Bischof zu Alexandrien: „Du hast auf die Ueberschrift Deines Briefes die stolze Benennung setzen lassen, daß Du mich den allgemeinen Papst titulirst. Ich bitte, Du wollest mir das hinfort nicht mehr thun.“ (L. VIII. ep. 30.) An andern Stellen schreibt dieser römische Bischof, (der im Jahre 604 starb), daß bisher keiner von den römischen Bischöfen diesen Namen zu führen eingewilligt habe, daß damit der wahre Glauben verloren und dadurch ein

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall pass away now and nevermore."

Published by C. F. W. Walther.
St. Louis, Mo., October 5, 1844.
Volume 1.
No. 3.

Terms: The Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar and twenty-five cents for subscribers living out of town, who are to pay half of this in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis each single number is sold for 6¼ cents.

On the Name "Lutheran."
(Continued.)

Question. Why do we insist on retaining this name?

Since in the earlier essays bearing the above heading we not only admitted that Luther himself, by his own declaration, did not wish the disciples of Christ to call themselves after him; and since we have also shown that not only those who bear this name are Lutherans, but that all true Christians are rather to be understood by it, whether they be called Lutheran, or Catholic, Reformed, Evangelical, Methodist, and so forth — many will perhaps now put the question to us with astonishment: How can you, after such concessions, still insist on retaining the Lutheran name? How can you in good conscience continue to bear such a name of separation, when you protest so decidedly against the charge of ecclesiastical separatism and sectarianism? It is time we explained ourselves clearly on this point.

To this we answer first, again, with a question: What, then, ought we to call ourselves, so that we do rightly by it? Surely everyone will grant that the name of a church should not be a meaningless title, but should truly express what it actually is — namely, what it believes, teaches, and confesses. If someone asks us: What and whose faith are you? then, unless we wish to be hypocrites, the name under which we appear must give a plain, clear answer to this.

Here some will say: Then call yourselves Christians. — We answer: So we do call ourselves; and we hold this name so high and dear that we are ready to sacrifice blood and life rather than this name. We have already become Christians through baptism, and this and nothing else is our highest comfort and glory. Whoever wishes to be no Christian, but a Lutheran, and to give up the first name for the second, understands the meaning of neither the one nor the other. We recall with pleasure once having read the following verses, in the German translation, in Young's Night Thoughts:

— — A Christian! — Most exalted name!
Most glorious title ever granted to man! And
do men still wipe you,
Holy Cross, from their brow, as though a disgraceful
stain?
Trembling, angels behold this, if angels ever
tremble,
Flee back from the lost soul, and who knows? whether more from astonishment,
Or from sorrow, they here, in despair,
give up their office.

There was indeed a time when it was enough to say: "I am a Christian." This sufficed, especially in the first three centuries of the Christian era, when one wished to confess the true faith of one's heart. In those days, such a confessor could already often expect the most agonizing martyr's death. But what is the case with this name now? Who knows now, when Christendom is split into a thousand sects, what we believe, if we only wished to confess: We are Christians! Do not even those still wish to be called Christians who nevertheless reject Christ and fight against him, who deny his eternal Godhead and his all-sufficient atonement? Do not many now merely pretend to be preachers of the Gospel, in order to win the gold of those who indeed no longer believe in Christ and his holy Word, but still wish to keep up the old custom of going to church? Indeed, if all were as honest, or rather as reckless and brazen, as a certain Mr. Ludwig in New York and a certain Mr. Koch in St. Louis, who publicly confess their inextinguishable enmity against the Crucified One and solemnly strike themselves from the roll of those who wish to have a share in the redemption of the Son of God — if, I say, all who in our day depart from Christ's Word were to confess this so plainly and renounce the name of Christian, then indeed no other name would be needed than that of a Christian, in order thereby to confess one's faith. But since now even the enemies of Christ adorn themselves with his name in order to eat his bread, everyone can see that a time has now come in which the friend of Christ must declare himself more plainly, if he does not wish to deny his most praised Savior before the world.

Here perhaps others will say: If you will not have that, well then, call yourselves Catholic. — To this proposal, however, we must reply: God forbid! It is true that Lutherans are often made the object of the ridiculous reproach that they stand closest to the Catholics; but who was it, actually, who first attacked the Roman papacy in public writings as the seat of the Antichrist, exposed it to all the world, and dealt it its mortal wound and overthrow? Was it Zwingli? Was it Calvin? Was it Wesley? Or any other founder of a sect? Was it not our Luther? Have not all the other true and would-be reformers merely gone on attacking the enemy from the fortresses which Luther, before them, had taken in hot battles? How, then, can Lutherans call themselves "Catholic," when the hereditary enemy of the Lutheran church now calls itself by that very name, in order to keep, by means of this beautiful name, the souls freed by Christ bound in the chains of its own devising over their consciences? For indeed the name "Catholic" is a glorious name, for it signifies the universal Christian Church, which was founded by the Apostles and spread over the whole earth, outside of which there is no salvation. No one, therefore, could truly be a Christian who refused to confess a church that was in truth the catholic, or universal, one. There was also a time when the true Church bore this name, and by this very name renounced all false teachers and their sects. In those days it also had a glorious ring. How gloriously the name "Catholic" sounded, for instance, in the mouth of an Athanasius or an Augustine, when they held it up against the Arian, Donatist, and other sects! How gloriously this name still sounded even in the time of the Roman bishop Gregory the Great, who altogether declined for himself the title of universal bishop of Christendom! This Gregory writes, among other things, to Eulogius, Bishop of Alexandria: "You have caused the proud title to be placed at the heading of your letter, styling me the universal Pope. I beg that you will henceforth do this no more." (L. VIII, ep. 30.) In other places this Roman bishop, who died in the year 604, writes that none of the Roman bishops before him had ever consented to bear this title, since thereby the true faith would be lost, and

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