Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 26 › Seite 103

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-08-17, Seite 103

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verlangt es das Gesetz. — Wer jetzt in ein öffentliches Kirchenamt tritt, muß das Amt annehmen in der Voraussetzung, daß durch den nächsten Landtag auch die letzten Ueberreste der kirchlichen Ordnung aufgehoben werden können.*)

*) Hr. H. bezieht sich hierauf, daß man auf dem Landtage darauf angetragen hat, daß die Verpflichtung auf die symbolischen Bücher unserer Kirche aufgehoben, oder doch abgeändert und eine unbeschränkte Lehrfreiheit in Kirchen und Schulen eingeführt werde. Er schreibt, in einer der Kammern der Landstände habe man geäußert: „In Glaubenssachen gebe es keinen andern obersten Richter, als die Vernunft.“ Fast möchte man, fügt Hr. H. hinzu, sich hinsichtlich dieser Kammergeschwätze an die Warnung JEsu erinnern: „Wenn sie euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus. Siehe, er ist in der Kammer; so glaubet es nicht.“

Der geistliche Stand hat kein Recht, auf jener Versammlung mitzustimmen. — Geistliche und kirchliche Angelegenheiten können heut zu Tage alle und jede ordnen, die 6000 Thaler im Vermögen haben, und einmal zu Volksvertretern erwählt worden sind.“

Der zweite Grund, welchen Hr. H. für seine Amtsniederlegung angibt, ist: „Die evangelischen Geistlichen sollen nach dem Willen JEsu das Amt der Schlüssel führen, einen Löseschlüssel sowohl als einen Bindeschlüssel, aber der letztere ist ihnen genommen und dadurch auch der erstere in seiner Kraft gelähmt worden, oder, wie wir auch sagen könnten: „Es hat alle Kirchenzucht und Kirchenordnung aufgehört.“ — „Eine Kirchenzucht, setzt Hr. H. hinzu, hat von Anfang an in der christlichen Kirche bestanden, sie gründet sich auf das Amt der Schlüssel, das Christus seinen Dienern gegeben hat, sie ist durch das Augsb. Bekenntniß auch in unserer Kirche öffentlich angenommen. Sie wird vornehmlich dadurch ausgeübt, daß offenbar unsittliche Menschen, alle öffentliche und unbußfertige Sünder von der Gemeinschaft der Kirche, insonderheit von dem Genusse des heil. Abendmahls ausgeschlossen werden, so lange, bis sie Buße gethan, bis sie gewisse Zeichen der Bekehrung und Besserung gegeben, und auch um die Vergebung der Kirche nachgesucht haben. Ein schweres Gewissensbedenken muß es jedem christlichen Prediger machen, wenn er sich gezwungen sieht, das Sacrament auch denen zu reichen, die durch ihren Wandel eine gänzliche Verachtung der göttlichen Gebote an den Tag legen.**)

**) „Auf der Sünde des Ehebruchs steht höchstens eine Gefängnißstrafe von einigen Wochen, die gemeine Unzucht ist völlig freigegeben, so daß mein erster Ephorus zu sagen pflegte: Es fehlt weiter nichts, als daß sie noch eine Prämie darauf setzen!“ Der Verf.

Deutlich ist das Verbot, das er seinen Dienern gegeben hat:“ „„Ihr sollt das Heiligthum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen.““ Dies Sacrament, so heißt es in den Generalartikeln, unehren nicht allein, die es unwürdig empfahen, sondern auch, die es mit Unfleiß unwürdig geben. — Es dürfte nicht zu leugnen sein, daß mit Einführung der sogenannten allgemeinen Beichte den Geistlichen die beste, ja oft die einzige, Gelegenheit entzogen worden ist, zu den Herzen ihrer Beichtkinder, nach dem verschiedenen Zustand eines jeden, eindringlich zu reden. Was sind jetzt Prediger? Aus Seelenhirten sind Canzelredner geworden. — Die allgemeine Beichte ist zwar nicht anbefohlen worden, sondern nur erlaubt, sie ist aber wohl fast aller Orten eingeführt, zur Bequemlichkeit der Beichtenden sowohl als der Prediger, aber zum großen Schaden der Seelen.“

Der dritte Grund endlich, welchen Hr. H. nennt, ist: „daß der Geistliche bei der gegenwärtigen Verfassung (Dienstbarkeit) der Kirche nicht selten in den Fall kommt, da den Segen sprechen zu müssen, wo Gott in seinem Wort den Fluch und die Verdammniß ausgesprochen hat.“ — Bei diesem Puncte wird erwähnt, daß ein sächsischer Prediger gezwungen sei, auch diejenigen, welche wider Gottes Wort geschieden sind, aufs neue zu trauen, wenn sie in einen neuen Ehestand zu treten wünschen; solchen auch, die nach Gottes Wort in Ehebruch leben (Matth. 5, 32.), unverweigerlich Absolution, das Sacrament und den Segen zu geben. „Es gibt, schreibt Hr. H. weiter, aber auch noch einen andern Fall: das sind die Trauungen der Unzüchtigen, die schon Weibspersonen und Kinder haben, aber eine nach der andern verlassen, ja ihr eigen Fleisch und Blut, ihre Kinder, verlassen, um sich mit der zweiten, dritten oder vierten trauen zu lassen um neuer Wollust oder mehreren Geldes willen. Alle Einsprüche gegen solche Trauungen sind durch das Gesetz für ungültig erklärt und darum ist jeder Prediger gesetzlich verbunden, solche Personen unweigerlich zu trauen. So müssen sich heut zu Tage die Geistlichen zu Werkzeugen der Unzucht mißbrauchen lassen, und nachdem der Teufel alle seine Werke vollbracht hat, so müssen sie den Segen dazu sprechen. Wenn wir auch das Wort predigen können, so dürfen wir doch nicht gegen das Wort handeln.“

Aus dem Vorstehenden ersieht der Leser, in welchen schmachvollen Banden die Kirche und ihre Diener in Sachsen liegen. Daß Hr. Höpfner nur unleugbare Wahrheit berichte, dies können wir aus unserer eigenen Erfahrung bestätigen. Ja, wir müssen gestehen, daß hier noch vieles Wichtige verschwiegen wird, wozu ein sächsischer Prediger verpflichtet wird und was er, ohne Gottes Wort zu verleugnen, nicht thun kann. Dahin gehört, daß ein sächsischer Prediger eine Agende und Gesangbücher gebrauchen muß, die den offenbarsten Unglauben enthalten, ja, daß er die greulichsten Ketzer, Spötter, Lästerer, und die erklärtesten Feinde Christi und seiner Kirche für seine Oberhirten anerkennen muß.

So erschrecklich es nun hiernach um die Kirche in Sachsen und in den meisten deutschen Staaten steht, so müssen wir jedoch den Schritt, welchen Hr. H. gethan hat, entschieden verwerfen, obgleich wir diesen Schritt aus irrendem Gewissen selbst vor acht Jahren gethan haben. Wohl ist es uns nehmlich gewiß, daß ein lutherischer Prediger kein Amt in Sachsen annehmen kann, da ihm bei Annahme eines solchen Bedingungen vorgelegt werden, in die er, ohne sein Gewissen zu verletzen, nicht eingehen kann; hat jedoch ein Prediger, vielleicht in Unwissenheit, ein sächsisches Predigeramt angenommen und er kommt später zu der Erkenntniß, daß er damit wider Gottes Wort streitende Verpflichtungen auf sich genommen habe, so muß er wohl gegen das Sündliche, das ihm zu thun auferlegt ist, protestiren und es unterlassen, aber nimmermehr darf er freiwillig ein Amt verlassen, das ihm einmal anvertraut ist. Hr. Höpfner spricht zwar: „Ich gehe fort um des Gewissens willen, d. h. weil ich gern ein guter Hirt sein will.“ Dies ist jedoch ein Widerspruch. Christus verlangt von einem guten Hirten, daß er die ihm übergebenen Schafe nicht verlasse, und nicht fliehe (Joh. 10, 12.); nun kann es ja nicht wider das Gewissen sein, Christi Gebot zu halten, viel weniger kann man um des Gewissens willen ein Gebot Christi übertreten. Es kann nur zwei Fälle geben, in welchen ein Prediger seine Gemeinde rechtmäßig verläßt, entweder, wenn er von Gott abgerufen wird, oder, wenn er verfolgt und verjagt wird. Matth. 10, 23. Im letzteren Fall thut es ein Prediger darum, weil ihm in Gottes Wort verboten ist, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben.

Möge Gott unsere theuren Amts- und Glaubensbrüder erleuchten, daß sie für die Wahrheit und wider alles Falsche mit Worten und Werken zeugen, nimmermehr aber freiwillig ihre Heerden verlassen, sondern lieber ihr Leben lassen. Werden sie treu sein, so ist kein Zweifel, Gott wird sie über kurz oder lang aus ihrer babylonischen Gefangenschaft retten.

An die Leser des „Lutheraner.“ — Unser Blatt schließt mit der gegenwärtigen Nummer seinen zweiten Jahrgang; da dasselbe mit dem nächsten Jahrgang ohne Preiserhöhung in vergrößertem Format erscheinen und es um gewisser Umstände willen nöthig werden wird, die ersten zwei Nummern auf einmal ausgehen zu lassen, so werden die Leser Nachsicht haben, sollten die nächsten Blätter etwas länger ausbleiben als gewöhnlich.

Bezahlt.
2ter Jahrgang. Hr. P. Wier.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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[Page 103]

the law demands it. — Whoever now enters a public church office must accept that office on the assumption that, through the next session of the Diet, even the last remnants of ecclesiastical order may be abolished.(*) The clerical estate has no right to vote in that assembly. — Ecclesiastical and church matters can nowadays be regulated by any and every person who possesses 6,000 thalers in property and has once been elected as a representative of the people."

The second reason which Mr. H. gives for his resignation from office is: "According to the will of Jesus, evangelical clergy are to exercise the office of the keys, both a loosing key and a binding key; but the latter has been taken from them, and thereby the former, too, has been crippled in its power" — or, as we might also put it: "All church discipline and church order has ceased." — "A church discipline," Mr. H. adds, "has existed in the Christian church from the beginning; it is grounded in the office of the keys which Christ gave to his servants, and it is publicly accepted in our own church as well, through the Augsburg Confession. It is exercised chiefly in this, that persons of manifestly immoral life — all public and impenitent sinners — are excluded from the fellowship of the church, and in particular from partaking of the Holy Supper, until they have done penance, have given certain signs of conversion and amendment, and have also sought the forgiveness of the church. It must weigh as a grave matter of conscience upon every Christian preacher when he finds himself compelled to administer the Sacrament even to those who, by their conduct, display an utter contempt for the divine commandments."(**) Clear is the prohibition he has given to his servants: "Give not that which is holy unto the dogs, neither cast ye your pearls before swine." This sacrament, so it is stated in the General Articles, is dishonored not only by those who receive it unworthily, but also by those who administer it unworthily through negligence. — It can hardly be denied that with

(*) Mr. H. is referring here to the fact that a motion was made in the Diet that the obligation to our church's confessional writings be abolished, or at least altered, and that unrestricted freedom of doctrine be introduced in churches and schools. He writes that in one of the chambers of the Estates it was declared: "In matters of faith there is no higher judge than reason." One might almost, Mr. H. adds, be reminded regarding this chamber-chatter of Jesus's warning: "Wherefore if they shall say unto you, Behold, he is in the desert; go not forth: behold, he is in the secret chambers; believe it not."

(**) "For the sin of adultery there is, at most, a prison sentence of a few weeks; common fornication is entirely unpunished, so that my first Ephorus [district superintendent] used to say: All that is still lacking is that they put a reward on it!" — The Author.

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the introduction of the so-called general confession, ministers have been deprived of the best, indeed often the only, opportunity to speak urgently to the hearts of those confessing to them, according to each one's particular condition. What have preachers become now? Shepherds of souls have turned into pulpit-orators. — The general confession has, to be sure, not been commanded but only permitted; yet it has been introduced in almost every place, for the convenience both of those confessing and of the preachers, but to the great harm of souls.

The third reason, finally, which Mr. H. names, is: "that under the church's present constitution (servitude), the clergyman not infrequently finds himself having to pronounce a blessing where God, in his Word, has pronounced curse and damnation." — On this point it is mentioned that a Saxon preacher is compelled, should such persons wish to enter a new marriage, to remarry even those who have been divorced contrary to God's Word; and likewise to give absolution, the Sacrament, and the blessing, without refusal, to those who according to God's Word are living in adultery (Matthew 5:32). "There is, moreover," Mr. H. writes further, "yet another case: namely, the marrying of the unchaste, who already have wives and children but abandon one after another — indeed abandon their own flesh and blood, their own children — in order to be married to a second, third, or fourth, for the sake of new lust or more money. Every objection against such marriages is declared invalid by law, and therefore every preacher is legally bound to marry such persons without refusal. Thus clergy today must let themselves be misused as tools of unchastity, and after the devil has accomplished all his works, they must pronounce the blessing over it. Even though we are able to preach the Word, we are nevertheless not permitted to act against the Word."

From the foregoing the reader can see in what shameful bonds the church and its ministers in Saxony lie. That Mr. Höpfner reports nothing but undeniable truth we can confirm from our own experience. Indeed, we must confess that much that is important is still being passed over in silence here — things to which a Saxon preacher is bound, and which he cannot do without denying God's Word. Among these belongs the fact that a Saxon preacher must use a liturgy (Agende) and hymnbooks that contain the most manifest unbelief, and indeed that he must recognize the most abominable heretics, scoffers, blasphemers, and the most avowed enemies of Christ and his church as his ecclesiastical superiors.

However dreadful, then, the state of the church in Saxony and in most of the German states appears according to this account, we must nevertheless decidedly reject the step which Mr. H. has taken, although we ourselves took this very step out of an erring conscience some eight years ago. For it is indeed certain to us that a Lutheran preacher cannot accept an office in Saxony, since, upon accepting such a position, conditions are laid before him which he cannot agree to without violating his conscience; but if a preacher has, perhaps in ignorance, accepted a Saxon pastoral office, and later comes to the realization that he has thereby taken upon himself obligations conflicting with God's Word, then he must indeed protest against and refrain from doing what is sinful that has been laid upon him to do, but he may never voluntarily abandon an office once entrusted to him. Mr. Höpfner does say: "I am leaving for the sake of conscience — that is, because I wish to be a good shepherd." This, however, is a contradiction. Christ requires of a good shepherd that he not abandon the sheep entrusted to him, and not flee (John 10:12); now it surely cannot be against conscience to keep Christ's commandment, and still less can one, for conscience's sake, transgress a commandment of Christ. There can be only two cases in which a preacher may lawfully leave his congregation: either when he is called away by God, or when he is persecuted and driven out (Matthew 10:23). In the latter case a preacher does so because he is forbidden in God's Word to drive out force with force.

May God enlighten our dear brothers in office and in the faith, that they may testify with word and deed for the truth and against all that is false, but never voluntarily abandon their flocks — rather let them give up their lives instead. If they remain faithful, there is no doubt that God will, sooner or later, rescue them from their Babylonian captivity.

To the Readers of the "Lutheraner." — Our paper concludes its second volume with the present issue; since, beginning with the next volume, it will appear in an enlarged format without any increase in price, and since it will, due to certain circumstances, be necessary to send out the first two issues together at once, readers are asked to be patient should the next issues be somewhat longer in coming than usual.

Paid. 2nd Volume. Mr. P. Wier.

Printed by Weber and Olshausen.