Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 20 › Seite 78
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-05-30, Seite 78
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chriſtus. —Göttliche Werke · Gemeindekonſtitution 3 · Lutheriſche Kirche · Lutheriſche Kirche 5
sein Leib und Blut enthalten sei, oder nicht? Es verschlägt uns nichts, ob Christus in dieser Einsetzung einfache, klare, helle Worte geredet (wie allerdings schon bloße Menschen pflegen ihren letzten Willen auszusprechen) oder sich nach Art der heidnischen Orakel zweideutig und mißverständlich ausgedrückt habe, so daß es ein jeder verstehen könne, wie er Lust habe. Zudem ist die Lehre vom heil. Abendmahl, so wie die von der heil. Taufe eine Nebenlehre, wie die evangelische Kirche in Deutschland auch meint.
Wer sagt das aber, wo steht es geschrieben und worin ist der Beweis, daß dem also sei? Oder ist etwa das bloße Behaupten und Vorgeben der sogenannten Evangelischen und Unirten in Deutschland, die, alles Bekenntnisses ermangelnd, gar keine Kirche, sondern eine neue Secte sind, der genügende Beweis? Sind die heil. Sacramente solche Ordnungen, Bräuche und Weisen, wie die kirchlichen Ceremonieen, die verschiedenen Stände u. s. f., die keinen bestimmten Befehl und keine besondere Gnadenverheißung des HErrn haben, und die allerdings dem rechten geziemenden Gebrauche der christlichen Freiheit anheimfallen? Hat nicht vielmehr der HErr Christus kurz vor seinem Leiden das heil. Abendmahl und kurz vor seiner Himmelfahrt die heil. Taufe als wesentliche und wirksame Gnadenmittel und bleibende Ordnungen feierlich eingesetzt und seiner Kirche sie zu treuer Verwaltung befohlen? Ist es möglich, daß diese seine heiligen und allmächtigen Stiftungsworte einen zwiefachen, ja entgegengesetzten und trotzdem gleichrichtigen Sinn haben können? Und sind diese Worte des Sohnes Gottes minder wichtig als andere, die Er geredet, wie jener gotteslästerliche Leichtsinn der sogenannten Neu-Lutherischen und Unirten, die da zu behaupten sich erfrechen, die Lehre von den heil. Sacramenten sei eine Nebenlehre, nothwendig zurückschließen läßt? Ist es nicht vielmehr also, daß gerade diese heiligen und feierlichen Stiftungsworte, die dem Gnadenbriefe des heil. Evangeliums das Gnadensiegel anheften, die Seinen um so mehr zum gläubigen kindlichen Gehorsam verpflichten, ohne alles klügelnde und vernünftelnde Zweifeln? Ja werden nicht gerade diese Worte, die alle After- und Neu-Lutheraner oder Unionisten für so gleichgültig und mehrdeutig ansehen, sie um so mehr richten in ihrer Sterbestunde und am jüngsten Tage, wenn sie nicht noch bei Zeiten Buße thun, dem kräftigen Irrthum und dem falschen trügerischen Unionsgeiste dieser Zeit, in welchen der Satan sich abermals verstellet in einen Engel des Lichts, von Herzen absagen und zur rechtgläubigen, dermalen evangelisch-lutherisch genannten Kirche wieder zurückkehren? Dazu wolle ihnen Gott Gnade verleihen. Amen.
Wollen sie aber, was Gott verhüte, in ihrem gottlosen Leichtsinn und ihrer schändlichen Gleichgültigkeit gegen die in allen Artikeln reine Heilslehre muthwillig verharren, so sollen sie wissen, daß wir ihnen den Ehrennamen: lutherisch d. i. rechtgläubig nicht lassen, sondern sie Unionisten oder nach dem Namen ihrer Häuptlinge und Stimmführer benennen wollen.
Den Beinamen neulutherisch, den sie auch bisher sich noch schämen, sich endlich selber beizulegen, wollen wir ihnen aber um deßwillen nicht geben, weil wir sonst darin stillschweigend zugestehen würden, daß, sei es auch in einem Artikel, der rechte Glaube und das ursprüngliche Bekenntniß der luth. Kirche veraltet und abgethan sei, und diese falschen Brüder, die doch bisher nichts als zu verneinen und zu leugnen verstanden, gleichsam Neues auf dem Gebiete der Heilswahrheit entdeckt hätten.
Summa, alt- und neulutherisch, dem Wesen und der Wahrheit nach, wie wir oben gesehen, gibt es nicht, sondern nur lutherisch d. i. rechtgläubig und unlutherisch d. i. irrgläubig, sei es nun so oder anders, in vielen oder wenigen Stücken der heilsamen Lehre des göttlichen Wortes. Sollen wir aber dennoch die gegensätzliche Bezeichnung von alt- und neulutherisch, die jetzt gäng und gäbe ist, richtig deuten, so sagen wir also: Altlutheraner sind solche, die bei demselbigen einigen Glauben der rechtgläubigen, dermalen lutherisch genannten, heil. christlichen Kirche verharren und an jedem einzelnen Artikel der Heilslehre aus und nach Gottes Worte treulich festhalten; Neulutheraner dagegen sind solche, die bei diesem Glauben der Kirche nicht verharren, diesen und jenen Artikel wider Gottes Wort abthun oder als veraltet und gleichgültig ansehen und dem neuen „kräftigen Irrthum" der falschen Union unserer Tage sich zuwenden. —
Wunderlich ist aber zu lesen, wie diese unwissenden oder unlauteren Menschen mit Luthers Person umgehen; denn während sie sein d. i. der Kirche Bekenntniß in der Lehre von den heil. Sacramenten muthwillig in den Koth treten, schmieren sie sich und andern das Maul, daß sie seiner Person diese und jene äußerliche Reverenz beweisen, nachher aber sagen: Ja, lebte Luther zu unserer Zeit, so würde er in manchen Stücken auch anders und vielleicht wie wir vom heil. Abendmahle halten, die wir „mehr in der heil. Schrift als seinen Schriften" forschen. Fragt man sie aber nach den neuen Ergebnissen dieser ihrer Schriftforschung, die sie nöthige, die lutherische d. i. die kirchliche Lehre von diesem Artikel zu verlassen, so ist nichts vorhanden und sie wissen sich dann keinen andern Rath, als diesen und jenen zerbrochenen rostigen Schild aus der reformirten Rüstkammer zu borgen, den Luther bereits vor 300 Jahren mit dem Schwerte des Geistes, d. i. mit dem Worte Gottes zerschlagen hatte.
Wie fern aber Luther von irgendwelcher Aenderung seines Glaubens und Bekenntnisses war, und wie sehr er solch loses und leichtfertiges Gewäsch künftiger Schwätzer vorausgesehen hatte, das bezeugt er in seiner feierlichen Schlußerklärung nach seinem Bekenntniß vom Abendmahle vom Jahr 1528, worauf er dann sein festes und unveränderliches kurz gefaßtes Glaubensbekenntniß folgen läßt. (S. Lutheraner 2. Jahrgang, 11. Nr.)
Wie unsere deutschen Lutheraner sich fangen lassen; oder die Füchse im Weinberge des HErrn.
Der Herr Pfarrer C. Weyl hat in seiner lutherischen (?) Hirtenstimme, No. 7. die Gesetze und Nebengesetze seiner Gemeinde in Baltimore, die auch lutherisch heißt, drucken lassen, und somit der Oeffentlichkeit, also auch der öffentlichen Beurtheilung übergeben. Sie liefern nun freilich einen traurigen, wenngleich vollwichtigen Beweis von der Unverschämtheit dieser Füchse im Weinberge des HErrn, und von der Versunkenheit der lutherischen Gemeinden in Unwissenheit und Gleichgültigkeit hinsichtlich des Glaubens der Kirche, für dessen treue Bewahrung sie doch dem HErrn einst eine so schwere Rechenschaft geben müssen. Auf welche elende Weise lassen sich doch meistens unsere unglücklichen lutherischen Gemeinden in diesem Lande, nicht allein von den Secten, sondern von ihren eignen Predigern betrügen und hinters Licht führen!
Aber so muß es ja kommen, daß diejenigen, die Gottes Wahrheit nicht wollen gehorsam sein, nach dem Gesetz einer gerechten Vergeltung, von allerlei Wind der Lehre sich hin und her müssen bewegen lassen, und diejenigen, die mit dem elenden Geschrei: „Wir sind in einem freien Lande," sich der Stimme der Kirche in Lehre und Zucht widersetzen, in elende Menschenknechtschaft versinken.
Während die wahren lutherischen Prediger, die um die Gemeinden vor dem schweren Joch zu sichern, welches die Pfarrer ihnen nur zu gern heutiger Zeit auf den Hals legen, sie auf die Bekenntnißschriften und auf die alt evangelische Zucht der Kirche zu gründen suchen, meistens den größten Widerstand finden, oder doch mit dem betrübendsten Mißtrauen behandelt werden, stellen die auf ihre eigne Weisheit eingebildeten Gegner frank und frei ihre Netze auf, und es gelingt ihnen nur zu leicht, die Gemeinden blindlings hineinzuziehen, daß man nicht weiß, worüber man sich zuerst und am meisten wundern soll, über die Frechheit der Prediger, oder die Stumpfheit und Blindheit der Gemeinden, die sich auf eine so elende Weise übertölpeln lassen.
Doch zur Sache und zum Beweis.
In dem zweiten Artikel der Constitution „der Evangelisch-lutherischen Dreieinigkeitskirche in Baltimore," wobei Hr. Weyl als Pfarrer angestellt ist, heißt es nun zwar: „daß der Prediger bei seiner Einsetzung feierlich und öffentlich versprechen muß, daß er die Fundamental- und andere (?) Artikel der christlichen Lehre treulich und gewissenhaft vortragen will, wie sie in der Augsburgischen Confession gelehrt werden;" indessen wird diese Bestimmung im Folgenden gleich wieder so gut wie aufgehoben, denn da heißt es: „Sollte der Prediger heterodox werden, d. h. die Dreieinigkeit des göttlichen Wesens, oder die Gottheit JEsu Christi leugnen, oder die Versöhnung durch das theure Blut Christi verwerfen, so soll er aufhören, der Prediger in dieser Kirche zu sein, sobald eine Untersuchung deswegen von
English translation AI translation
his body and blood are contained, or not? It matters nothing to us whether Christ, in this institution, spoke simple, clear, plain words (as indeed mere men are accustomed to do in pronouncing their last will) or expressed himself ambiguously and obscurely in the manner of pagan oracles, so that each person might understand it however he pleases. Moreover, the doctrine of the holy Supper, like that of holy Baptism, is a secondary doctrine — as the Evangelical Church in Germany likewise holds.
But who says so, where is it written, and what is the proof that this is so? Or is the mere assertion and pretense of the so-called Evangelicals and Unionists in Germany — who, lacking any confession whatsoever, are not a church at all but a new sect — sufficient proof? Are the holy sacraments such ordinances, customs, and practices as the ceremonies of the church, the various estates, and so forth, which have no specific command and no particular promise of grace from the Lord, and which accordingly fall under the proper and fitting use of Christian liberty? Did not the Lord Christ rather, shortly before his suffering, solemnly institute the holy Supper, and shortly before his ascension, holy Baptism, as essential and effective means of grace and lasting ordinances, and command his Church to administer them faithfully? Is it possible that these his holy and almighty words of institution could have a twofold, indeed contradictory, and yet equally valid meaning? And are these words of the Son of God of less importance than others that he spoke — as the blasphemous frivolity of the so-called New Lutherans and Unionists, who are so bold as to assert that the doctrine of the holy sacraments is a secondary doctrine, necessarily implies? Is it not rather the case that precisely these holy and solemn words of institution, which affix the seal of grace to the charter of grace of the holy Gospel, all the more oblige his own to believing, childlike obedience, without any clever and rationalizing doubt? Indeed, will not precisely these words, which all the pseudo- and New Lutherans or Unionists regard as so indifferent and ambiguous, all the more judge them in the hour of their death and on the Last Day, if they do not yet in time repent, and renounce from the heart the potent error and the false, deceitful spirit of union of this age — in which Satan again disguises himself as an angel of light — and return once more to the orthodox Church, now called Evangelical Lutheran? May God grant them grace for this. Amen.
But if, God forbid, they willfully persist in their godless frivolity and their shameful indifference toward the doctrine of salvation, pure in all its articles, then let them know that we will not grant them the honorable name of "Lutheran," that is, orthodox, but will instead call them Unionists, or name them after their chieftains and spokesmen.
The epithet "New Lutheran," which they have so far still been ashamed to finally apply to themselves, we will not, however, give them, because in doing so we would tacitly concede that the true faith and the original confession of the Lutheran Church — even if only in a single article — had become outdated and done away with, and that these false brethren, who up to now have understood nothing but how to deny and negate, had thereby, as it were, discovered something new in the realm of saving truth.
In sum, Old and New Lutheran, as to essence and truth, as we have seen above, do not exist; there is only "Lutheran," that is, orthodox, and "un-Lutheran," that is, erring in faith — whether in this way or that, in many or few points of the wholesome doctrine of the divine Word. But if we are nevertheless to rightly interpret the antithetical designation of "Old" and "New Lutheran," now so current, then we say this: Old Lutherans are those who abide in that same one faith of the orthodox, presently so-called Lutheran, holy Christian Church, and who faithfully hold fast to every single article of saving doctrine in accordance with God's Word; New Lutherans, on the other hand, are those who do not abide in this faith of the Church, who set aside this or that article against God's Word or regard it as outdated and indifferent, and who turn instead to the new "potent error" of the false union of our day.
It is strange, though, to read how these ignorant or insincere people deal with Luther's person; for while they willfully trample his confession — that is, the Church's confession — regarding the doctrine of the holy sacraments into the mire, they flatter themselves and others by showing this or that outward reverence to his person, yet afterward say: Yes, if Luther lived in our time, he too would in many points hold otherwise, and perhaps as we do, concerning the holy Supper — we who search "more in Holy Scripture than in his writings." But if one asks them for the new results of this their study of Scripture, which compel them to abandon the Lutheran, that is, the churchly, doctrine on this article, then nothing is to be found, and they know no other recourse than to borrow this or that broken, rusty shield from the Reformed armory — a shield which Luther had already, 300 years ago, shattered with the sword of the Spirit, that is, with the Word of God.
How far removed Luther was from any alteration of his faith and confession, and how fully he had foreseen such loose and frivolous chatter of future babblers, he testifies in his solemn closing declaration following his confession concerning the Supper of the year 1528, after which he then appends his firm and unchangeable, briefly stated confession of faith. (See Lutheraner, Vol. 2, No. 11.)
How Our German Lutherans Let Themselves Be Caught; or, the Foxes in the Vineyard of the Lord.
The Reverend Pastor C. Weyl has had the statutes and bylaws of his congregation in Baltimore — which likewise calls itself Lutheran — printed in his "Lutheran" (?) Hirtenstimme, No. 7, and has thereby submitted them to the public, and so also to public judgment. These indeed furnish a sad, though thoroughly weighty, proof of the shamelessness of these foxes in the vineyard of the Lord, and of the degree to which the Lutheran congregations have sunk into ignorance and indifference regarding the faith of the Church — for the faithful preservation of which they will one day have to render so heavy an account to the Lord. In what a wretched manner do our unfortunate Lutheran congregations in this country mostly allow themselves to be deceived and led astray — not only by the sects, but by their own ministers!
But it must indeed come to this, that those who will not be obedient to God's truth, according to the law of a just retribution, must let themselves be driven to and fro by every wind of doctrine; and that those who, with the wretched cry, "We are in a free country," resist the voice of the Church in doctrine and discipline, sink into a miserable bondage to men.
While the true Lutheran ministers — who, in order to secure the congregations against the heavy yoke which the clergy of today only too gladly lay upon their necks, seek to ground them upon the confessional writings and upon the old evangelical discipline of the Church — mostly meet with the greatest resistance, or at best are treated with the most distressing mistrust, the opponents, conceited in their own wisdom, set up their nets freely and openly, and all too easily succeed in drawing the congregations blindly into them — so that one hardly knows what to marvel at first and most: the impudence of the ministers, or the dullness and blindness of the congregations, who let themselves be so wretchedly duped.
But to the matter and to the proof.
In the second article of the constitution of "the Evangelical Lutheran Trinity Church in Baltimore," where Mr. Weyl is employed as pastor, it does indeed state: "that the minister, at his installation, must solemnly and publicly promise that he will faithfully and conscientiously present the fundamental and other (?) articles of Christian doctrine as they are taught in the Augsburg Confession"; however, this provision is, in what follows, immediately all but nullified again, for it goes on to say: "Should the minister become heterodox — that is, deny the Trinity of the divine Being, or the deity of Jesus Christ, or reject the atonement through the precious blood of Christ — he shall cease to be the minister of this church, as soon as an investigation to that effect has taken place by
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