Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 20 › Seite 77
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-05-30, Seite 77
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chriſtus. —Göttliche Werke · Lutheriſche Kirche 5
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 2.
St. Louis, Mo., den 30. Mai 1846.
No. 20.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Ein Wort an die jüngern Brüder, die als deutsch- oder englisch-lutherische Prediger mit der General-Synode in Verbindung stehen.
Theuere Brüder!
Lange schon habe ich geharret und gehoffet, ein anderer und geschickterer Bruder, als ich bin, würde das Wort nehmen und den Gegenstand berühren, der hier nur angedeutet werden soll. Es sollte nämlich, theure Brüder, der Artikel, den die evangelisch-luther. (sich nennende) General-Synode durch ihr Sendschreiben an die Mutterkirche in Deutschland hier und dort als Wahrheit ausposaunt, daß alle mit besagter General-Synode in Verbindung stehende Prediger, einige wenige ältere Lehrer und Gemeindeglieder ausgenommen, die besondere Ansicht Luthers über die leibliche Gegenwart des HErrn im Abendmahl, längst aufgegeben hätten, nicht so mit Stillschweigen übergangen, und durch Stillschweigen der Lüge der Schein der Wahrheit gegeben werden. Oder ist es wahr, was Luth. Hirtenstimme B. 5. Nr. 2. S. 1. Spalte 3. Zeile 4—11. steht? Sind wir allesamt abgewichen von der reinen lauteren Wahrheit? Haben wir verlassen die reine Lehre von den heil. Sacramenten und mit ihr unsere theure Mutterkirche? Ist der sorgsamen liebenden Mutter, die uns geboren, gesäugt, genährt, gepflegt und mit dem reinen und gesunden Lebensbrode versorgt hat, Keiner, auch nicht Einer treu geblieben?! Haben wir uns allesamt der feilen Buhldirne in die Arme geworfen? Wohlan, so geschieht uns Recht, wenn man uns verklagt und als Bund- und Eidbrüchige vor aller Welt darstellt. Ist dem aber nicht also, wie können, wie dürfen wir schweigen und solchen Schandfleck auf uns lassen? Darum auf, theure Brüder! die Ihr liebt Eure Kirche, die Ihr noch lieb habt die Wahrheit, stellt Euch dar als deren treue Söhne und bekennt dieselbe bis in den Tod.
Sendet Euer Bekenntniß an den „Lutheraner“, St. Louis, Mo., und bittet die übrigen Zeitschriften unserer Kirche um Aufnahme derselben. Und laßt uns frei bekennen, daß wir es nicht halten können mit denen, die da weichen, sondern mit denen, die da glauben und ihre Seele erretten. Gott befohlen.
J. G. Kunz,
ev.-luth. Pastor in Indianapolis, Ind.
(Eingesandt von Dr. Sihler.)
Gibt es Alt- und Neu-Lutheraner?
(Schluß.)
Wenn es nun also, dem Wesen nach weder Alt- noch Neu-Lutheraner, sondern nur Lutheraner gibt, d. i. Bekenner der rechtgläubigen Kirche, so fragen wir billig, woher doch diese gegensätzliche Bezeichnung und was will sie sagen? Woher sie stammt, das ist nicht schwierig zu sagen, nämlich entweder aus Unverstand oder aus bösem Willen, oder aus einer Mischung von beiden. Was zuerst den Namen: Alt-Lutheraner betrifft, so stammt er in Deutschland von den sogenannten Unirten (auch Evangelische oder Protestanten genannt) und unter diesen zuerst von den Gliedern der königl. Preuß. Staatskirche, hier in America von denselben Leuten, auch von den methodistischen Secten, ja sogar von den Afterlutheranern d. i. von der sogenannten luth. General-Synode her; denn diese alle sind darin eins, daß sie von jenem einen selbigen Glauben der heil. christlichen Kirche, den das lutherische Bekenntniß bezeugt, in diesen und jenen Stücken abgefallen und mit ihm uneins sind. Diese Artikel sind aber vornehmlich die Lehre von den heil. Sacramenten, worin z. B. die hiesigen Afterlutheraner den neuen Aberglauben an den alt-reformirten Unglauben angenommen haben; denn ohne irgendwo die uralte Kirchenlehre von den heil. Sacramenten, welche Luther schon vor 300 Jahren gegen Papisten und Schwärmer behauptete und vertheidigte, als irrig aus der heil. Schrift gründlich nachgewiesen zu haben, beliebt es ihnen nun eben, sie nicht anzunehmen. Und diese Rückschritte zum reformirten Unglauben beliebt es sie ferner, Fortschritte zu nennen; die aber, welche dem einen und selbigen Glauben der heil. christlichen Kirche treu bleiben, müssen eine „altlutherische Partei heißen, die hinter dem Zeitalter*) zurückbleiben,“ als wenn der Glaube der Kirche ein wechselnder Zeitglaube und kein fester gewisser Grund der Lehre vorhanden wäre, der nimmer wanket und schwanket. Wir fragen aber billig diese sogenannten Neulutherischen, wer ist „eine Partei?“ diejenigen, die dem ewigen Gottesworte,
*) Also schreibt nämlich die afterlutherische Generalsynode in ihrem gedruckten Berichte, den sie neulich über ihren eigenen Zustand nach Deutschland abgesendet und darin offen ihren Abfall von dem Bekenntnisse der lutherischen Kirche erklärt hat.
wie es lautet, auch in den Artikeln von den heil. Sacramenten glauben, und sich dadurch als die Kirche erweisen, die da ist ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit, (1 Tim. 3, 15.) d. i. eine Trägerin und Bekennerin der reinen und vollständigen Heilswahrheit des göttlichen Wortes, oder diejenigen, die in eigenbeliebiger vornehmthuerischer Oberflächlichkeit von dem einen und selbigen Kirchenglauben und dem reinen und einfachen Gottesworte abgefallen und schriftwidriger schwärmerischer Irrlehre zugefallen sind? Oder, so fragen wir diese Schmuckerianer oder Kurtzianer, oder diese reformirten Methodisten oder methodistischen Reformirten — denn lutherische oder rechtgläubige Christen sind sie nun einmal nicht — wo sind denn die vorgeblichen Fortschritte in ihrer Schriftforschung, die sie immer im Munde führen, durch welche sie z. B. genöthigt worden seien, von der Abendmahlslehre der lutherischen Kirche abzugehen? Wo ist ihre Beweisführung aus heil. Schrift, daß diese Lehre nicht mehr haltbar und gültig sei? Nirgends. Es genügt diesen losen und leichtfertigen Leuten, die Backen mit Wind aufzublasen, vornehmthuerisch sich in die Brust zu werfen und zu sagen, daß diese Lehre „von der großen Mehrheit ihrer Prediger längst aufgegeben sei;“ damit ist denn die Sache abgemacht. Was gehet aber anders daraus hervor, als daß sie keine wahre ungeheuchelte Ehrfurcht vor Gottes Worte haben, daß sie herausklauben, was ihnen beliebt, und weglassen oder nach modischen Zeitmeinungen, zumal nach der unionistischen Lehrgleichgültigkeit deuten, was ihnen nicht beliebt? Dies wird auch daraus ersichtlich, daß sie sagen: „die Unterscheidungsansichten zwischen der altlutherischen und der reformirten Kirche achten wir als nicht wesentlich;“ desgl. „über die Art und Bedeutung der Gegenwart des HErrn im Abendmahl wird, wie in der evangelischen Kirche Deutschlands, Freiheit erlaubt.“
Das heißt mit andern Worten: es ist unwesentlich und gleichgültig, ob die feierlichen Scheide- und Testamentsworte des allmächtigen und wahrhaftigen Sohnes Gottes, darin er als eine bleibende Ordnung und herrliches Vermächtniß das heil. Abendmahl einsetzt, Wahrheit seien oder nicht, d. i. ob wirklich und wahrhaftig (wenn freilich das Wie nicht zu begreifen ist,) in dem gesegneten Brot und Wein
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English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall now and nevermore pass away."
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 2.
St. Louis, Mo., May 30, 1846.
No. 20.
Terms: The Lutheraner appears once every two weeks, at the subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay half of this in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis, each single issue is sold for 5 cents.
A Word to the Younger Brethren Who, as German- or English-Lutheran Ministers, Are Connected with the General Synod.
Dear Brethren!
For a long time now I have waited and hoped that another and abler brother than I would take up the word and address the subject that is only to be touched upon here. For, dear brethren, the article which the Evangelical-Lutheran (so-called) General Synod trumpets here and there as truth, in its circular letter to the mother church in Germany — namely, that all ministers connected with the said General Synod, with a few older teachers and church members excepted, had long since abandoned Luther's particular view of the bodily presence of the Lord in the Supper — ought not to be passed over in such silence, lest silence lend to the lie the appearance of truth. Or is it true, what stands written in the Lutheran Hirtenstimme, Vol. 5, No. 2, p. 1, column 3, lines 4–11? Have we all together departed from the pure, unadulterated truth? Have we abandoned the pure doctrine of the holy sacraments, and with it our dear mother church? Has not one — not a single one — remained faithful to the careful, loving mother who bore us, nursed us, nourished us, cared for us, and provided us with the pure and wholesome bread of life? Have we all thrown ourselves into the arms of the venal harlot? Well then, it serves us right if we are accused and held up before all the world as breakers of covenant and oath. But if this is not so, how can we, how dare we, keep silent and let such a stain remain upon us? Therefore arise, dear brethren, you who love your church, you who still hold the truth dear: show yourselves to be her faithful sons, and confess her even unto death.
Send your confession to the "Lutheraner," St. Louis, Mo., and ask the other periodicals of our church to publish it as well. And let us freely confess that we cannot hold with those who waver, but with those who believe and save their souls. Commended to God.
J. G. Kunz,
Evangelical Lutheran Pastor in Indianapolis, Ind.
(Submitted by Dr. Sihler.)
Are There Old and New Lutherans?
(Conclusion.)
Now if, as to their essence, there are neither Old nor New Lutherans, but only Lutherans, that is, confessors of the orthodox Church, then we may fairly ask: whence, then, comes this antithetical designation, and what is it meant to say? Whence it stems is not hard to say: namely, either from lack of understanding, or from ill will, or from a mixture of both. As to the name "Old Lutheran" first of all — in Germany it originates with the so-called Unionists (also called Evangelicals or Protestants), and among these first with the members of the royal Prussian state church; here in America it comes from the same sort of people, also from the Methodist sects, indeed even from the pseudo-Lutherans, that is, from the so-called Lutheran General Synod; for all of these agree in this, that they have, in this point or that, fallen away from, and are at variance with, that one and the same faith of the holy Christian Church which the Lutheran confession testifies to. These points, however, are chiefly the doctrine of the holy sacraments, in which, for example, the pseudo-Lutherans here have exchanged the new superstition for the old Reformed unbelief; for, without anywhere having thoroughly demonstrated from Holy Scripture as erroneous the ancient doctrine of the Church concerning the holy sacraments — which Luther already 300 years ago maintained and defended against papists and enthusiasts — it simply suits their pleasure now not to accept it. And these retreats into Reformed unbelief they further choose to call progress; while those, on the other hand, who remain faithful to the one and the same faith of the holy Christian Church must be called "an Old Lutheran party that lags behind the age,"* as though the faith of the Church were a shifting faith of the times, and not a firm and certain foundation of doctrine that never wavers nor wobbles. But we may fairly ask these so-called New Lutherans: who is "a party"? Those who believe the eternal Word of God as it stands, also in the articles concerning the holy sacraments, and thereby show themselves to be the Church which is "a pillar and ground of the truth" (1 Timothy 3:15), that is, a bearer and confessor of the pure and complete saving truth of the divine Word — or those who, in a self-willed, pretentious superficiality, have fallen away from the one and the same faith of the Church and from the pure and simple Word of God, and have gone over to unscriptural, fanatical false doctrine? Or, again, we ask these Schmuckerians or Kurtzians, these Reformed Methodists or Methodist Reformed — for they are certainly not Lutheran or orthodox Christians — where, then, are the supposed advances in their study of Scripture, which they are always talking about, and by which, for instance, they claim to have been compelled to depart from the Lutheran Church's doctrine of the Lord's Supper? Where is their proof from Holy Scripture that this doctrine is no longer tenable and valid? Nowhere. It is enough for these loose and frivolous people to puff out their cheeks with wind, to strut about pretentiously, and to say that this doctrine "has long since been abandoned by the great majority of their ministers"; and with that the matter is settled. But what else does this show, except that they have no true, unfeigned reverence for God's Word — that they pick out whatever suits them, and set aside, or interpret according to fashionable opinions of the day, especially according to the unionist indifference to doctrine, whatever does not suit them? This is also evident from the fact that they say: "We regard the distinguishing views between the Old Lutheran and the Reformed Church as non-essential"; and likewise: "Concerning the manner and meaning of the presence of the Lord in the Supper, freedom is permitted, as in the Evangelical Church of Germany."
*This is indeed how the pseudo-Lutheran General Synod writes in its printed report, which it recently sent to Germany concerning its own condition, and in which it openly declared its falling-away from the confession of the Lutheran Church.
That is to say, in other words: it is unimportant and a matter of indifference whether the solemn parting and testamentary words of the almighty and truthful Son of God — in which he institutes the holy Supper as a lasting ordinance and glorious legacy — are true or not; that is, whether truly and really (even though, admittedly, the how cannot be comprehended) in the blessed bread and wine
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