Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 19 › Seite 76

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-05-16, Seite 76

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Einigkeit 1 · Lutheriſche Kirche · Lutheriſche Kirche 5 · Paſtor 9

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über den zeitlichen Gegensatz von Alt und Neu erhaben, ihr ewiges Licht jetzt eben so klar und hell scheinen läßt als zur apostolischen Zeit und damals wie jetzt, ähnlich der irdischen Sonne: ganz ebenso hat die Eine heil. christliche Kirche, in ihrem Gehorsam gegen das göttliche Wort auch immer nur Einen Glauben, Lehre und Bekenntniß gehabt, das gleicher Weise dem Wesen und Inhalt nach, niemals wechselte und wandelte und als das Feste und Bleibende mitten in den Stürmen und Strömungen des Zeitgeistes und Weltwesens, über dem zeitlichen Gegensatz von Alt und Neu stets erhaben blieb. Ja so wenig der höchste Gegenstand der heil. Schrift und des Kirchenglaubens, der in jener geoffenbarte dreieinige Gott, in seinem Wesen und Wirken als der Ewige irgend einem zeitlichen Wechsel unterworfen ist, und so wenig es insonderheit einen alten und neuen Christus gibt, sondern Er derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit: — eben so wenig hat auch die rechtgläubige Kirche in ihrem Zeugniß und Bekenntniß von diesem geoffenbarten dreieinigen Gotte jemals gewechselt und geändert und einen alten und neuen Glauben gehabt; und wie damals Petrus im Namen seiner Mitjünger bekannte: „Wir haben geglaubet und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" (Joh. 6, 69. Matth. 16, 16.), eben so bekennet auch noch heute die heil. Kirche und wird also bekennen, bis daß Er kommt.

(Schluß folgt.)

Trost und christliches Verhalten bei schweren Todesfällen.

An einem Schweizer See liegt auf hohem Berge ein schönes adeliges Schloß. Hier lebte vor Zeiten ein alter christlicher Herr mit seinem Gemahl recht in Gott vergnügt. Gott hatte beide immer in Seilen der Liebe geführt; insonderheit hatten sie ihre große Freude an zwei wohlgerathenen Söhnen, die ihnen Gott beschert hatte. Doch Gott hatte vor, die Eltern hart zu prüfen. Eines Tages nämlich bei großer Sonnenhitze gehen die beiden Söhne, der älteste ein Jüngling von 20, der jüngste von 18 Jahren, nach dem Mittagsessen hinab in den See, sich daselbst zu baden und abzukühlen. Da beide schwimmen konnten und schon öfter sich dieses Vergnügen im See gemacht hatten, so sah der Vater ihnen ohne alle Besorgnisse von der Höhe herab zu. Doch was geschah? Der jüngste Sohn begibt sich beim Schwimmen an einen gefährlichen Ort, wo ihn ein Strudel ergreift, so daß er mehrmals untersinkt und wieder hervorkommt. Der ältere Bruder sieht dies und schwimmt eilends herzu, den jüngeren zu retten; dieser aber ergreift ihn zwar, jedoch so stark und krampfhaft, daß er ihn mit sich in die Tiefe zieht. Der Vater, der von diesem allem Augenzeuge ist, wartet mit steigender Angst darauf, seine Söhne wieder auftauchen zu sehen, aber vergeblich; das Wasser hat sie verschlungen; sie kommen nicht wieder hervor, erst später werden ihre Leichname ans Land gespült. Was für ein Schmerz jetzt den alten Vater ergriff, läßt sich besser fühlen als aussprechen. Er schloß sich sogleich ein, um vor allem ungesehen seinen Schmerz recht auszuweinen; nachdem aber hierüber eine Stunde verflossen, war nun des Vaters größte Sorge, wie er die erschreckliche Botschaft der Mutter auf das geschickteste überbringen und es abwenden möchte, daß dieselbe dadurch nicht ganz zu Boden geschlagen würde. Was thut er? Er geht, nachdem er sich das Angesicht gewaschen und etwas in ruhigere Fassung gesetzt hat, hinab in ein unteres Zimmer, wo jene seine Gemahlin eben ein häusliches Geschäft verrichtet, und spricht zu ihr: Liebes Weib, als ich jetzt oben in der Stube allein saß und in allerlei Gedanken gerieth, kam ich unter andern auch auf den Gedanken, wie du wohl einen Menschen trösten und aufrichten würdest, der unversehens in ein großes Herzeleid gerathen und einen solchen Schaden erlitten, der mit keiner Menschenhülfe abgewendet, und mit keinem Geld und Gut erstattet werden könnte. Hierauf versetzte die christliche Dame freundlich: Mein lieber Mann, wie bist du doch auf solche Gedanken gekommen? Doch, wenn es sich ja so begäbe, so wüßte ich keinen besseren Trost als den: ein solcher Mensch müßte bedenken, daß er ein Christ und ein Kind Gottes sei; daß ohne Gottes Willen kein Härlein von seinem Haupte könne gerissen werden, ja, daß ohne Gottes, seines himmlischen Vaters, heiligen und weisen Rath ihm nicht das Geringste widerfahren könne; daher er sich dem Willen Gottes unterwerfen, seinem Gott still halten und sein Kreuz als ein Christ tragen müsse. Auf diese Worte konnte sich nun der alte Herr nicht länger halten, brach in ein lautes Jammergeschrei aus und rief seiner christlichen Gemahlin zu: Ach, so gebe Gott, daß wir diesen Trost, den du jetzt angegeben hast, beide zu Herzen fassen und uns standhaft daran festhalten, denn die Zeit ist da, wo wir dessen bedürfen. Ich muß dir's nur heraussagen: ach, unsere herzlieben Söhne liegen drunten in dem See; mit meinen eignen Augen habe ich zusehen müssen, wie sie ertrunken sind, ohne ihnen helfen zu können! — Obwohl nun diese Worte der Mutter wie ein Schwert durch ihr mütterliches Herz gingen, so hatte sie sich doch mit dem von ihr selbst ausgesprochenen Troste gefangen, hielt sich nun auch daran und verlebte hierauf mit ihrem Gatten ihre noch übrige Zeit zwar einsam und unter manchen Thränen, aber ohne Murren gegen Gott und in desto innigerer Sehnsucht nach der bleibenden Stätte, dahin die frommen Söhne, wie sie fest hofften, ihnen vorangegangen waren.

Uneinigkeit unter den Gläubigen.

Augustinus schreibt (De civ. Dei l. 15. c. 5.): „Gute Christen, wenn sie vollkommen wären, könnten nicht mit einander streiten. Der Besserung nacheifernde aber und noch nicht vollkommene können dies, insofern nämlich, daß jeder gute Christ in dem Theil wider den andern kämpft, in welchem er auch wider sich selbst kämpft. Streitet doch in Einem Menschen das Fleisch wider den Geist und der Geist wider das Fleisch. Das geistliche Gelüsten kann daher wider das fleischliche des Andern streiten oder das fleischliche Gelüsten wider das geistliche des Andern." In dieser Stelle, sagt Johann Gerhard, gibt Augustinus Aufschluß über die Ursache der Zerwürfnisse in der Kirche. Die wahrhaft Frommen sind noch nicht vollkommen erneuert, sondern es bleiben in ihnen Ueberbleibsel des Fleisches: sie gelangen daher nicht zu einer vollkommenen Erkenntniß der Glaubensgeheimnisse, sondern straucheln und schwanken noch in einigen. Das Fleisch streitet noch in den Wiedergeborenen wider den Geist, es kann daher leicht geschehen, daß sie, wenn sie fleischlichen Gedanken nachhängen, Streitigkeiten in der Kirche erregen; indeß wenn keine Halsstarrigkeit dazu kommt und wenn dadurch nicht der Grund des Glaubens umgestoßen wird, werden sie darum nicht sogleich von dem Körper der Kirche abgesondert. Dies beweisen die Exempel. So zankten Brüder mit Petrus, daß er gewagt hatte, das Evangelium den Heiden zu predigen. Apg. 11, 1. ff. Paulus widerstand dem Petrus, da er nicht richtig wandelte nach der Wahrheit des Evangelii. Gal. 2, 11—14. So kamen auch Barnabas und Paulus scharf an einander. Apg. 15, 39. In der corinthischen Kirche waren Spaltungen erregt worden, Entheiligung des Abendmahls hatte sich eingeschlichen, über gleichgültige Dinge (Adiaphora) hatte man bitter gestritten, einige darunter zogen den Artikel von der Auferstehung in Zweifel ꝛc., und doch spricht Paulus der ganzen Gemeinde darum den Namen der Kirche nicht ab, sondern, da er an sie schreibt, nennt er sie noch eine Gemeinde oder Kirche Gottes. 1 Cor. 1, 2. In der galatischen Gemeinde war der Artikel von der Rechtfertigung durch die Verfälschungen der falschen Apostel verkehrt worden, indeß weil sie noch Bekehrung annahmen und einige noch am rechten Glauben fest hielten, so nennt Paulus doch die galatischen Gemeinden: Gemeinden oder Kirchen. Gal. 1, 2.—(Siehe: F. Gerhards Loci theol. Art. 25, § 231.

Bezahlt:

1. Jahrg. die HH. P. Kunz, P. Hordorf, Lauenhard, Bruns, Frerking.

1. Hälfte des 2. Jahrgangs, die HH. Bruns, Lauenhardt;

2. Jahrg. die HH. P. Ernst (4 Ex.), P. Hattstädt (3 Ex.), P. Hordorf, Höltke, Trier.

$20,00 für Hausp. von M. Wege.

Der „Lutheraner" ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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is exalted above the temporal contrast of old and new, letting its eternal light now shine just as clearly and brightly as in apostolic times — then as now, like the earthly sun: just so has the one holy Christian Church, in its obedience to the divine Word, likewise always had but one faith, doctrine, and confession, which, in the same way, according to its essence and content, never changed or altered, and which, as the fixed and abiding thing in the midst of the storms and currents of the spirit of the age and the ways of the world, always remained exalted above the temporal contrast of old and new. Indeed, just as the supreme subject of Holy Scripture and of the Church's faith — the triune God revealed in it — is, in his being and working as the Eternal One, not subject to any change of time, and just as, in particular, there is no old and new Christ, but he is the same yesterday, today, and forever — just so little has the orthodox Church ever changed or altered its testimony and confession concerning this revealed triune God, or had an old and a new faith; and just as Peter once confessed, in the name of his fellow disciples: "We have believed and come to know that you are the Christ, the Son of the living God" (John 6:69; Matthew 16:16), so too does the holy Church confess still today, and will so confess until he comes.
(Conclusion follows.)

Comfort and Christian Conduct in Cases of Grievous Death.

On a Swiss lake there stands, upon a high mountain, a beautiful noble castle. Here there once lived an elderly Christian nobleman with his wife, quite content in God. God had always led the two of them in bonds of love; in particular they took great joy in two well-grown sons whom God had granted them. But God had determined to try the parents severely. One day, in great heat of the sun, the two sons — the elder a young man of twenty, the younger of eighteen — went down to the lake after the midday meal to bathe and cool themselves there. Since both could swim and had already often enjoyed this pleasure in the lake, the father watched them from the height above without any anxiety at all. But what happened? The younger son, while swimming, got into a dangerous spot, where a whirlpool seized him, so that he went under several times and came up again. The elder brother saw this and swam hastily over to rescue the younger one; but the latter seized hold of him so tightly and convulsively that he pulled him down with him into the depths. The father, who was an eyewitness to all this, waited with mounting terror to see his sons come up again, but in vain; the water had swallowed them; they did not come up again, and only later were their bodies washed ashore. What grief now seized the old father can be felt better than it can be told. He shut himself away at once, in order above all, unseen, to weep out his grief properly; but after an hour had passed in this way, the father's greatest concern now was how he might most skillfully bring the terrible news to the mother, and prevent her from being utterly struck down by it. What did he do? Having washed his face and composed himself somewhat, he went down to a lower room where his wife happened to be occupied with a household task, and said to her: Dear wife, as I was just sitting alone upstairs in the room and fell into all sorts of thoughts, I came, among other things, to wondering how you would comfort and console a person who had unexpectedly fallen into some great heartbreak and suffered such a loss as could be averted by no human help and made good by no money or goods. To this the Christian lady replied warmly: My dear husband, however did you come upon such thoughts? Yet, if such a thing should indeed happen, I know no better comfort than this: such a person must consider that he is a Christian and a child of God; that without God's will not a single hair can be pulled from his head; indeed, that without the holy and wise counsel of God, his heavenly Father, the very least thing cannot befall him; and that he must therefore submit himself to God's will, hold still before his God, and bear his cross as a Christian. At these words the old lord could no longer contain himself; he broke out into a loud cry of lamentation and called out to his Christian wife: Ah, may God grant that we both take to heart this very comfort you have just given, and hold fast steadfastly to it, for the time has come when we need it. I must tell you plainly: alas, our own dear sons lie down there in the lake; with my own eyes I was forced to watch how they drowned, without being able to help them! — Although these words, now spoken to the mother, went through her maternal heart like a sword, she nevertheless caught herself upon the very comfort she herself had just spoken, held fast to it now as well, and spent the rest of her remaining time together with her husband — lonely indeed, and amid many tears, but without murmuring against God, and with all the more heartfelt longing for the abiding home to which their godly sons, as they firmly hoped, had gone on before them.

Disagreement among Believers.

Augustine writes (City of God, Book 15, ch. 5): "Good Christians, if they were perfect, could not strive with one another. But those who are striving after improvement, and are not yet perfect, can do so, in that every good Christian fights, in the part of himself in which he also fights against himself, against the corresponding part in another. For in one and the same person the flesh strives against the spirit, and the spirit against the flesh. The spiritual desire, therefore, can strive against the fleshly desire of another, or the fleshly desire against the spiritual desire of another." In this passage, says Johann Gerhard, Augustine explains the cause of discords within the Church. The truly godly are not yet perfectly renewed; remnants of the flesh remain in them; they therefore do not attain to a perfect knowledge of the mysteries of the faith, but still stumble and waver on some points. The flesh still strives in the regenerate against the spirit, so that it can easily happen that, when they give way to fleshly thoughts, they stir up disputes within the Church; nevertheless, so long as no obstinacy is added to this, and so long as the foundation of the faith is not thereby overthrown, they are not for that reason at once cut off from the body of the Church. The examples prove this. Thus the brethren quarreled with Peter because he had dared to preach the Gospel to the Gentiles (Acts 11:1 ff.). Paul withstood Peter, because he was not walking uprightly according to the truth of the Gospel (Galatians 2:11–14). Barnabas and Paul, too, had a sharp falling-out (Acts 15:39). In the Corinthian church divisions had been stirred up, profanation of the Lord's Supper had crept in, bitter disputes had arisen over matters of indifference (adiaphora), and some among them even called the article of the resurrection into doubt, etc. — and yet Paul does not on that account deny the whole congregation the name of a church; rather, writing to them, he still calls it a congregation, or church, of God (1 Corinthians 1:2). In the Galatian congregation the article of justification had been perverted by the corruptions of the false apostles; nevertheless, because they still accepted conversion and some still held fast to the true faith, Paul still calls the Galatian congregations churches, or congregations (Galatians 1:2). (See J. Gerhard's Loci Theologici, Art. 25, § 231.)

Paid:

Vol. 1: Messrs. Pastor Kunz, Pastor Hordorf, Lauenhard, Bruns, Frerking.

First half of Vol. 2: Messrs. Bruns, Lauenhardt.

Vol. 2: Messrs. Pastor Ernst (4 copies), Pastor Hattstädt (3 copies), Pastor Hordorf, Höltke, Trier.

$20.00 for a Hauspostille, from M. Wege.

The "Lutheraner" can always be obtained at the residence of the carrier, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), also from Mr. Quast (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and from the editor.

Printed by Weber and Olshausen.