Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 19 › Seite 74

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-05-16, Seite 74

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution. ö 4 · Gefühl 3 · Gefühl 5 · Gefühl 8 · Zeugnis des Geiſtes · Zeugnis des Geiſtes 8 · Kirchengemeinſchaften 3 · Lutheriſche Kirche · Lutheriſche Kirche 3 · Lutheriſche Kirche 5

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fühle, bis er also eine deutliche empfindliche Versicherung davon erlangt habe und mit der süßesten Freude überströmt worden sei. Diese Bekehrungsmethode verwerfen wir als unschriftmäßig, denn sie greift erstlich die Lehre von der Rechtfertigung, die im Himmel geschieht, an der Wurzel an und führt zweitens zu einem trostlosen Christenthum. Denn erstlich geht das Empfinden und die süße Versicherung der Gnade nicht dem Glauben vorher, sondern folgt dem Glauben, ist die Rechtfertigung nicht selbst, sondern eine Frucht derselben (Röm. 5, 1. 2.), und sodann wird das Zeugniß des heil. Geistes nicht immer in gleichem Grade von den Gläubigen empfunden, ja es kommen Stunden der Anfechtung, wo es sich so in das Verborgene des Herzens zurückzieht, daß es ganz zu schweigen scheint, nur ein geheimes Seufzen nach Gnade übrig bleibt und fast nichts als das Verdammen des Herzens (1 Joh. 3, 20.) gespürt wird. Beispiele in Menge hierzu geben uns das Buch Hiob und die Psalmen, worin der wechselnde Seelenzustand begnadigter Kinder Gottes, wie dieselben nehmlich bald im süßesten Gefühl des Trostes, bald in Unempfindlichkeit stehen, mit dem Griffel des heil. Geistes selbst uns abgezeichnet ist. Daß das Zeugniß des heil. Geistes vorhanden sei, ist daher nicht allein nach unserem Gefühle, sondern vor allem nach unserem Glauben an das Wort der Gnade zu beurtheilen. Lehrt man daher auf das veränderliche Gefühl des eignen Herzens und nicht auf das unveränderliche Herz seines lieben Vaters in Christo, nehmlich nicht auf das bloße Wort des Evangeliums und seine sichtbaren Siegel, die heil. Sacramente, vertrauen, so schiebt man den Seelen einen falschen Glaubensgrund unter, macht die Frucht der Rechtfertigung zu ihrem Grund und stürzt diejenigen, die man so leitet, in die Gefahr, entweder ihre Empfindungen zu ihrem Heilande zu machen, oder den geforderten steten Gnadengenuß zu heucheln oder, wenn Gott sich im Herzen verbirgt, zu verzagen und zu verzweifeln.

Ueber diesen wichtigen Gegenstand, der ein großes Licht über das ganze neuere Christenthum der Methodisten, auch mancher Afterlutheraner, Evangelischen und anderer Secten gibt, lassen wir daher einige schöne Zeugnisse erfahrener Männer zur ernstlichsten Beherzigung des christlichen Lesers folgen.

In der Concordienformel heißt es: „Von der Gegenwärtigkeit, Wirkung und Gaben des heil. Geistes soll und kann man nicht allerwege ex sensu, wie und wenn mans im Herzen empfindet, urtheilen, sondern, weil es oft mit großer Schwachheit verdeckt wird und zugehet, sollen wir aus und nach der Verheißung gewiß sein, daß das gepredigte gehörte Wort Gottes sei ein Amt und Werk des heil. Geistes, dadurch er in unseren Herzen gewißlich kräftig ist und wirket.“ (S. Wiederholung. Art. 2. vom freien Willen.)

Luther: „Gott vergibt die Schuld zweierlei Weise: heimlich und daß wir es nicht empfinden; gleichwie er vielen Menschen Schuld zurechnet und behält, die sie gar nicht empfinden oder achten. Zum Andern: öffentlich und daß wir es empfinden, gleichwie er Etlichen zurechnet Schuld, daß sie es empfinden, als durch Strafe und Schrecken des Gewissens. Die erste Vergebung ist allezeit vonnöthen; die andere ist zuweilen vonnöthen, daß der Mensch nicht verzage. . . . Die erste Vergebung ist uns bitter und schwer, aber sie ist die edelste und allerbeste; die andere ist leichter, aber desto geringer. Alle beide zeigt der HErr Christus an Maria Magdalena. Die erste, da er ihr den Rücken kehrt und doch zu Simon sprach: „„Ihr sind viele Sünden vergeben;““ da hatte sie noch nicht Friede; die andere, da er sich zu ihr wandte und sprach: „Dir sind deine Sünden erlassen; gehe hin in Frieden;““ da ward sie zufrieden. Also die erste macht rein, die andere macht Friede. Die erste wirkt und bringt, die andere ruhet und empfähet. Und ist gar ein unmäßlich Unterschied zwischen beiden. Die erste ist bloß im Glauben und verdient viel. Die andere ist im Fühlen und nimmt ein den Lohn. Die erste wird gebraucht mit den hohen Menschen, die andere mit den Schwachen und Anhebenden.“ (Ueber Luc. 7, 47—50.)

Scriver: „Hier möchte aber ein betrübtes Herz sagen: Ach, ich empfinde solch Zeugniß des heil. Geistes nicht in mir, ich weiß von seinem innerlichen Zusprechen, von seinem Trost, Friede und Freude nichts; ich empfinde mehrentheils in meiner Seele lauter Schrecken und Angst, manchmal fällt mir in meinen Nöthen nicht ein einiger Spruch der Schrift ein, oder, wenn er mir schon einfällt und von Andern vorgehalten wird, so kann ich doch keine Kraft daraus haben, er geht nicht zu Herzen, ich bete mit schlechter Andacht und finde keine Süßigkeit darin u. s. w. Ich antworte: Man muß von dieser hochwichtigen und tröstlichen Sache nicht urtheilen nach unserem Fühlen und Empfinden, sondern nach dem Wort Gottes, welches mit deutlichen Sprüchen lehrt, daß die gläubigen Herzen Tempel des heil. Geistes sind, daß er in ihnen wohnet, daß er ihrem Geist Zeugniß gibt, daß er ihr Tröster und Beistand ist, der bei ihnen bleibt ewiglich. Es folget auch nicht: Ich fühle keinen Frieden, keine Freude in mir, darum ist der heil. Geist und das Reich Gottes nicht in mir; ich empfinde das Zeugniß des heil. Geistes und seinen Trost nicht, sondern das Brüllen und Trotzen des höllischen Mordgeistes, darum ist mein Herz solches Zeugnisses nicht fähig; ich kann es nicht glauben, daß ich Gottes Kind bin, darum bin ichs nicht. Dieses, sage ich, und dergleichen folget nicht; eben als wie nicht folget: Der Baum grünet und blühet nicht im Winter, darum hat er keinen Saft, sondern ist verdorret. — So lange ein wiewohl geringes und schwaches Seufzen nach Gott bei dem Menschen ist, so lange ist der Geist Gottes nicht von ihm gewichen; das Sehnen der Seele nach Gottes Gnade hat von dem heil. Geist seinen Ursprung.“ (Siehe: Seelenschatz, Th. II. Pr. 12.)

Heinrich Müller: „Fühlest du die freudenreiche Bewegung des Geistes nicht, so laß dichs nicht verdrießen. Dies Empfindniß ist nicht eben nöthig zur Seligkeit. Christus spricht: Wer glaubt, soll selig werden. Marc. 16, 16. Nun aber gründet sich der Glaube nicht auf das Empfinden, sondern auf das Verheißen Gottes; ja dies ist die höchste Kraft des Glaubens, wenn er ohne und wider alles Empfinden sich dennoch fest an Gottes Verheißung hält, wie von Abraham geschrieben ist Röm. 4, 18., daß er ohne, ja wider Hoffnung gehoffet habe. Und eben darum entzeucht Gott oft seinen süßen Trost, daß er den Glauben probire, ob er auch an seinem Wort fest halte.“ (Himmlischer Liebesk. C. 13, § 59.)

Albrecht Bengel: Das Dringen auf die Versicherung von der Rechtfertigung kann redliche Seelen erst irre und verzagt machen und unlautere Seelen in eine eigenmächtige Kakozelie (Nachäfferei) treiben. Kein größeres Dringen aber kann sein, als wenn man einer Seele die Rechtfertigung abspricht oder in Zweifel zieht, sofern sie deren Versicherung nicht mit vollem Munde darthun kann.“ (Abriß der Brüdergemeinde S. 478.)

D. Burk: „Wir müssen Gott zuerst trauen lernen, hernach erfahren, zuerst die Speise in den Mund nehmen, hernach läßt es sich gut schmecken. Sonst kommt es hinter sich für sich heraus. Hintennach aber gibt Gott auch zu schmecken, und wir trauen nun um so viel mehr. Die Ursache aber, warum manchmal einige unlautere Seelen den wichtigen Schluß zu früh machen (daß sie Vergebung haben), ist eben diese: durch das strenge Treiben auf Versicherung geschieht es, daß man hernach, wenn man meint, man habe so etwas erhascht, begierig darauf hinfällt, es für einen Raub achtet und sich darin beruhigt.“ (S. Buch von der Rechtfertigung. § 13. 14.) „Es ist nicht einmal das Zeugniß (des heil. Geistes) beständig. Man zeugt eine Sache nicht immer nur so für die lange Weile, sondern alsdann, wenn sie in Zweifel kommt, wenn sie streitig gemacht wird.“ (Ib. § 30.)

(Fortsetzung folgt.)

(Eingesandt von Dr. Sibler.)

Gibt es Alt- und Neu-Lutheraner?

Man hört und liest jetzt so mancherlei von Alt- und Neu-Lutheranern, daß unkundige Hörer und Leser leicht auf den Gedanken kommen, als gebe es solche Leute. Wir werden aber alsbald sehen, daß sie nur als Trugbilder in den Köpfen solcher Leute spuken, die entweder nicht wissen, oder nicht wissen wollen, oder doch sich stellen, als wüßten sie nicht, was denn überhaupt ein Lutheraner sei? Darum wird es denn am gerathensten sein, um der Aufrichtigen unter den Unkundigen willen, zunächst darzuthun, was denn eigentlich Lutheraner oder lutherische Christen seien und sodann nachzuweisen, daß es in Wesen und Wahrheit weder Alt- noch Neu-Lutheraner gebe, noch jemals geben werde. Dazu gebe Gott seinen Segen! Amen.

Lutheraner nun sind solche Christen, die nicht etwa auf Luthers Person sich gründen und steifen, wie etwa die Papisten auf St. Peters oder des Pabstes Person und allerlei Schwarm- und Rottengeister auf ihrer Winkelpäbste und Häuptlinge Namen und Personen, sondern die da stehen mit Luther auf demselben alten und im-

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felt the inner prompting and comforting power of the Holy Spirit, until he has thereby obtained a clear, perceptible assurance of it and has been overwhelmed with the sweetest joy. We reject this method of conversion as unscriptural, for, first, it attacks at the root the doctrine of justification, which takes place in heaven, and second, it leads to a comfortless Christianity. For, first, the feeling and the sweet assurance of grace does not precede faith but follows faith; it is not justification itself but a fruit of it (Romans 5:1–2). And further, the testimony of the Holy Spirit is not always felt by believers in the same degree; indeed, hours of trial come in which it withdraws so deeply into the hidden places of the heart that it seems to fall entirely silent, so that only a secret sighing after grace remains, and almost nothing is felt but the condemnation of the heart (1 John 3:20). Abundant examples of this are given us in the Book of Job and the Psalms, in which the changing state of soul of God's pardoned children — how they stand now in the sweetest feeling of comfort, now in numbness — is sketched for us by the very pen of the Holy Spirit himself.

Whether the testimony of the Holy Spirit is present, then, must be judged not solely according to our feeling, but above all according to our faith in the word of grace. If, therefore, one teaches trust in the changeable feeling of one's own heart rather than in the unchangeable heart of one's dear Father in Christ — that is, not trust in the mere word of the Gospel and its visible seals, the holy sacraments — then one plants beneath souls a false ground of faith, makes the fruit of justification into its foundation, and plunges those so guided into the danger of either making their own feelings into their Savior, or of feigning the constant enjoyment of grace that is demanded of them, or, when God hides himself in the heart, of losing heart and falling into despair.

On this important subject, which sheds a great light on the whole of more recent Methodist Christianity — and on that of not a few pseudo-Lutherans, Evangelicals, and other sects as well — we will therefore let a few beautiful testimonies of experienced men follow, for the most earnest consideration of the Christian reader.

The Formula of Concord says: "Concerning the presence, working, and gifts of the Holy Spirit, one should not and cannot always judge ex sensu — that is, by how and when one feels it in the heart — but rather, because it is often hidden and proceeds under great weakness, we should be certain, from and according to the promise, that the preached and heard Word of God is an office and work of the Holy Spirit, through which he is certainly powerful and active in our hearts." (See the Solid Declaration, Article 2, On Free Will.)

Luther: "God forgives guilt in two ways: secretly, so that we do not feel it — just as he charges and retains guilt against many people who do not feel or notice it at all; and second, openly, so that we do feel it, just as he charges guilt against some in such a way that they feel it, as through punishment and terror of conscience. The first forgiveness is always necessary; the second is necessary only at times, so that a person does not despair. ... The first forgiveness is bitter and hard for us, but it is the noblest and best of all; the second is easier, but so much the lesser. The Lord Christ shows both in the case of Mary Magdalene. The first, when he turned his back to her and yet said to Simon, 'Many sins are forgiven her' — then she had not yet peace; the second, when he turned to her and said, 'Your sins are forgiven you; go in peace' — then she found contentment. Thus the first makes clean, the second makes peace. The first works and brings, the second rests and receives. And there is an immense difference between the two. The first is by faith alone and merits much. The second is in feeling, and receives the reward. The first is used with mature persons, the second with the weak and those just beginning." (On Luke 7:47–50.)

Scriver: "Here a troubled heart might say: Alas, I do not feel such a testimony of the Holy Spirit within me; I know nothing of his inward speaking, of his comfort, peace, and joy; for the most part I feel in my soul nothing but terror and anguish; sometimes in my distress not a single verse of Scripture comes to mind, or, if one does come to mind and is held up to me by others, I can draw no strength from it — it does not reach my heart; I pray with poor devotion and find no sweetness in it, and so forth. I answer: One must not judge this most important and comforting matter according to our feeling and sensation, but according to the Word of God, which teaches in plain statements that believing hearts are temples of the Holy Spirit, that he dwells in them, that he bears witness to their spirit, that he is their Comforter and Helper who remains with them forever. Nor does it follow: I feel no peace, no joy in myself, therefore the Holy Spirit and the kingdom of God are not in me; I do not feel the testimony of the Holy Spirit and his comfort, but rather the roaring and defiance of the hellish spirit of murder, therefore my heart is not capable of such testimony; I cannot believe that I am a child of God, therefore I am not one. This, I say, and the like, does not follow — just as it does not follow: the tree is not green and does not blossom in winter, therefore it has no sap but is withered. So long as even a small and weak sighing after God is present in a person, so long has the Spirit of God not departed from him; the soul's longing for God's grace has its origin from the Holy Spirit." (See Treasury of the Soul, Part II, Sermon 12.)

Heinrich Müller: "If you do not feel the joyful stirring of the Spirit, do not let it trouble you. This feeling is not actually necessary for salvation. Christ says: Whoever believes shall be saved. Mark 16:16. Now faith is grounded not on feeling but on the promise of God; indeed, this is the highest power of faith, when, without and even against all feeling, it nevertheless holds firmly to God's promise — as is written of Abraham, Romans 4:18, that he hoped against hope. And for this very reason God often withdraws his sweet comfort, in order to test faith, to see whether it will hold fast to his Word even so." (Heavenly Kiss of Love, ch. 13, § 59.)

Albrecht Bengel: "Insistence on assurance of justification can, at first, only confuse and dishearten honest souls, and can drive impure souls into a self-willed kakozelia (mere aping). But there can be no greater insistence than when one denies a soul its justification, or calls it into doubt, simply because that soul cannot proclaim its assurance with full mouth." (Sketch of the Brethren's Congregation, p. 478.)

Dr. Burk: "We must first learn to trust God, and experience comes afterward; first take the food into the mouth, and afterward it begins to taste good. Otherwise it comes out backwards. Afterward, though, God also grants the tasting, and then we trust so much the more. The reason, however, why some impure souls sometimes draw the important conclusion too soon — that they have forgiveness — is precisely this: through the strict insistence on assurance it happens that afterward, when one thinks one has caught hold of something of the kind, one falls upon it greedily, regards it as a prize seized, and rests content in it." (See his Book on Justification, §§ 13–14.) "Even the testimony (of the Holy Spirit) is not constant. One does not bear witness to a thing merely for the sake of it all the time, but rather when it comes into doubt, when it is disputed." Ibid., § 30.
(To be continued.)

(Submitted by Dr. Sihler.)

Are There Old and New Lutherans?

One now hears and reads so much about Old and New Lutherans that uninformed hearers and readers may easily come to think that such people actually exist. We shall soon see, however, that they only haunt the minds of such people as phantoms — people who either do not know, or do not want to know, or at least pretend not to know, what a Lutheran actually is in the first place. It will therefore be most advisable, for the sake of the sincere among the uninformed, first to show what Lutherans, or Lutheran Christians, really are, and then to demonstrate that in essence and in truth there neither are, nor ever will be, Old and New Lutherans. May God grant his blessing to this end! Amen.

Lutherans, then, are those Christians who do not base and steady themselves on Luther's person — as, say, the Papists do on the person of St. Peter or of the Pope, and all sorts of fanatical and factious spirits on the names and persons of their own sectarian would-be popes and leaders — but who instead stand with Luther upon the same old and ever