# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 16_S76 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) über den zeitlichen Gegensatz von Alt und Neu erhaben, ihr ewiges Licht jetzt eben so klar und hell scheinen läßt als zur apostolischen Zeit und damals wie jetzt, ähnlich der irdischen Sonne: ganz ebenso hat die Eine heil. christliche Kirche, in ihrem Gehorsam gegen das göttliche Wort auch immer nur Einen Glauben, Lehre und Bekenntniß gehabt, das gleicher Weise dem Wesen und Inhalt nach, niemals wechselte und wandelte und als das Feste und Bleibende mitten in den Stürmen und Strömungen des Zeitgeistes und Weltwesens, über dem zeitlichen Gegensatz von Alt und Neu stets erhaben blieb. Ja so wenig der höchste Gegenstand der heil. Schrift und des Kirchenglaubens, der in jener geoffenbarte dreieinige Gott, in seinem Wesen und Wirken als der Ewige irgend einem zeitlichen Wechsel unterworfen ist, und so wenig es insonderheit einen alten und neuen Christus gibt, sondern Er derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit: — eben so wenig hat auch die rechtgläubige Kirche in ihrem Zeugniß und Bekenntniß von diesem geoffenbarten dreieinigen Gotte jemals gewechselt und geändert und einen alten und neuen Glauben gehabt; und wie damals Petrus im Namen seiner Mitjünger bekannte: „Wir haben geglaubet und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" (Joh. 6, 69. Matth. 16, 16.), eben so bekennet auch noch heute die heil. Kirche und wird also bekennen, bis daß Er kommt. (Schluß folgt.) Trost und christliches Verhalten bei schweren Todesfällen. An einem Schweizer See liegt auf hohem Berge ein schönes adeliges Schloß. Hier lebte vor Zeiten ein alter christlicher Herr mit seinem Gemahl recht in Gott vergnügt. Gott hatte beide immer in Seilen der Liebe geführt; insonderheit hatten sie ihre große Freude an zwei wohlgerathenen Söhnen, die ihnen Gott beschert hatte. Doch Gott hatte vor, die Eltern hart zu prüfen. Eines Tages nämlich bei großer Sonnenhitze gehen die beiden Söhne, der älteste ein Jüngling von 20, der jüngste von 18 Jahren, nach dem Mittagsessen hinab in den See, sich daselbst zu baden und abzukühlen. Da beide schwimmen konnten und schon öfter sich dieses Vergnügen im See gemacht hatten, so sah der Vater ihnen ohne alle Besorgnisse von der Höhe herab zu. Doch was geschah? Der jüngste Sohn begibt sich beim Schwimmen an einen gefährlichen Ort, wo ihn ein Strudel ergreift, so daß er mehrmals untersinkt und wieder hervorkommt. Der ältere Bruder sieht dies und schwimmt eilends herzu, den jüngeren zu retten; dieser aber ergreift ihn zwar, jedoch so stark und krampfhaft, daß er ihn mit sich in die Tiefe zieht. Der Vater, der von diesem allem Augenzeuge ist, wartet mit steigender Angst darauf, seine Söhne wieder auftauchen zu sehen, aber vergeblich; das Wasser hat sie verschlungen; sie kommen nicht wieder hervor, erst später werden ihre Leichname ans Land gespült. Was für ein Schmerz jetzt den alten Vater ergriff, läßt sich besser fühlen als aussprechen. Er schloß sich sogleich ein, um vor allem ungesehen seinen Schmerz recht auszuweinen; nachdem aber hierüber eine Stunde verflossen, war nun des Vaters größte Sorge, wie er die erschreckliche Botschaft der Mutter auf das geschickteste überbringen und es abwenden möchte, daß dieselbe dadurch nicht ganz zu Boden geschlagen würde. Was thut er? Er geht, nachdem er sich das Angesicht gewaschen und etwas in ruhigere Fassung gesetzt hat, hinab in ein unteres Zimmer, wo jene seine Gemahlin eben ein häusliches Geschäft verrichtet, und spricht zu ihr: Liebes Weib, als ich jetzt oben in der Stube allein saß und in allerlei Gedanken gerieth, kam ich unter andern auch auf den Gedanken, wie du wohl einen Menschen trösten und aufrichten würdest, der unversehens in ein großes Herzeleid gerathen und einen solchen Schaden erlitten, der mit keiner Menschenhülfe abgewendet, und mit keinem Geld und Gut erstattet werden könnte. Hierauf versetzte die christliche Dame freundlich: Mein lieber Mann, wie bist du doch auf solche Gedanken gekommen? Doch, wenn es sich ja so begäbe, so wüßte ich keinen besseren Trost als den: ein solcher Mensch müßte bedenken, daß er ein Christ und ein Kind Gottes sei; daß ohne Gottes Willen kein Härlein von seinem Haupte könne gerissen werden, ja, daß ohne Gottes, seines himmlischen Vaters, heiligen und weisen Rath ihm nicht das Geringste widerfahren könne; daher er sich dem Willen Gottes unterwerfen, seinem Gott still halten und sein Kreuz als ein Christ tragen müsse. Auf diese Worte konnte sich nun der alte Herr nicht länger halten, brach in ein lautes Jammergeschrei aus und rief seiner christlichen Gemahlin zu: Ach, so gebe Gott, daß wir diesen Trost, den du jetzt angegeben hast, beide zu Herzen fassen und uns standhaft daran festhalten, denn die Zeit ist da, wo wir dessen bedürfen. Ich muß dir's nur heraussagen: ach, unsere herzlieben Söhne liegen drunten in dem See; mit meinen eignen Augen habe ich zusehen müssen, wie sie ertrunken sind, ohne ihnen helfen zu können! — Obwohl nun diese Worte der Mutter wie ein Schwert durch ihr mütterliches Herz gingen, so hatte sie sich doch mit dem von ihr selbst ausgesprochenen Troste gefangen, hielt sich nun auch daran und verlebte hierauf mit ihrem Gatten ihre noch übrige Zeit zwar einsam und unter manchen Thränen, aber ohne Murren gegen Gott und in desto innigerer Sehnsucht nach der bleibenden Stätte, dahin die frommen Söhne, wie sie fest hofften, ihnen vorangegangen waren. Uneinigkeit unter den Gläubigen. Augustinus schreibt (De civ. Dei l. 15. c. 5.): „Gute Christen, wenn sie vollkommen wären, könnten nicht mit einander streiten. Der Besserung nacheifernde aber und noch nicht vollkommene können dies, insofern nämlich, daß jeder gute Christ in dem Theil wider den andern kämpft, in welchem er auch wider sich selbst kämpft. Streitet doch in Einem Menschen das Fleisch wider den Geist und der Geist wider das Fleisch. Das geistliche Gelüsten kann daher wider das fleischliche des Andern streiten oder das fleischliche Gelüsten wider das geistliche des Andern." In dieser Stelle, sagt Johann Gerhard, gibt Augustinus Aufschluß über die Ursache der Zerwürfnisse in der Kirche. Die wahrhaft Frommen sind noch nicht vollkommen erneuert, sondern es bleiben in ihnen Ueberbleibsel des Fleisches: sie gelangen daher nicht zu einer vollkommenen Erkenntniß der Glaubensgeheimnisse, sondern straucheln und schwanken noch in einigen. Das Fleisch streitet noch in den Wiedergeborenen wider den Geist, es kann daher leicht geschehen, daß sie, wenn sie fleischlichen Gedanken nachhängen, Streitigkeiten in der Kirche erregen; indeß wenn keine Halsstarrigkeit dazu kommt und wenn dadurch nicht der Grund des Glaubens umgestoßen wird, werden sie darum nicht sogleich von dem Körper der Kirche abgesondert. Dies beweisen die Exempel. So zankten Brüder mit Petrus, daß er gewagt hatte, das Evangelium den Heiden zu predigen. Apg. 11, 1. ff. Paulus widerstand dem Petrus, da er nicht richtig wandelte nach der Wahrheit des Evangelii. Gal. 2, 11—14. So kamen auch Barnabas und Paulus scharf an einander. Apg. 15, 39. In der corinthischen Kirche waren Spaltungen erregt worden, Entheiligung des Abendmahls hatte sich eingeschlichen, über gleichgültige Dinge (Adiaphora) hatte man bitter gestritten, einige darunter zogen den Artikel von der Auferstehung in Zweifel ꝛc., und doch spricht Paulus der ganzen Gemeinde darum den Namen der Kirche nicht ab, sondern, da er an sie schreibt, nennt er sie noch eine Gemeinde oder Kirche Gottes. 1 Cor. 1, 2. In der galatischen Gemeinde war der Artikel von der Rechtfertigung durch die Verfälschungen der falschen Apostel verkehrt worden, indeß weil sie noch Bekehrung annahmen und einige noch am rechten Glauben fest hielten, so nennt Paulus doch die galatischen Gemeinden: Gemeinden oder Kirchen. Gal. 1, 2.—(Siehe: F. Gerhards Loci theol. Art. 25, § 231. Bezahlt: 1. Jahrg. die HH. P. Kunz, P. Hordorf, Lauenhard, Bruns, Frerking. 1. Hälfte des 2. Jahrgangs, die HH. Bruns, Lauenhardt; 2. Jahrg. die HH. P. Ernst (4 Ex.), P. Hattstädt (3 Ex.), P. Hordorf, Höltke, Trier. $20,00 für Hausp. von M. Wege. Der „Lutheraner" ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber. Gedruckt bei Weber und Olshausen.