Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 18 › Seite 71
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-05-02, Seite 71
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 5 · Abſolution 7 · Abſolution 12 · Abſolution 14 · Bekenntnisſchriſten 7 · Kirchengemeinſchaften 3
amt öffentlich habe angefangen und bis daher geführt mit Gottes Gnade und Hülfe. . .
Summa, die Schleicher und Winkelprediger sind des Teufels Apostel, da St. Paulus allenthalben über klaget, „wie sie durch die Häuser laufen und dieselbigen verkehren, lehren immer und wissen doch nicht, was sie sagen, oder was sie setzen." 2 Tim. 3, 6. Darum sei gewarnet und vermahnet geistlich Amt, sei gewarnet und vermahnet weltlich Amt, sei gewarnet alles was Christen und unterthan sein soll, daß man sich vor ihnen hüte und höre sie nicht. Oder wer sie leidet und höret, der wisse, daß er den leidigen Teufel leibhaftig selbst höret, nicht anders, denn wie er aus einem besessenen Menschen redet. Ich habe das meine gethan und über den 82. Psalm (s. oben) auch davon gesagt; ich bin entschuldigt. Eines jeglichen Blut, der nicht folget gutem treuen Rath, sei auf seinem Kopf.
Die heilige Absolution gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten.
(Fortsetzung.)
Ein zweiter Einwurf, den man gewöhnlich gegen die Lehre von der Kraft der Absolution macht, ist, wie denselben Hr. Mulfinger (plump und ungeschickt genug) vorbringt, dieser: „Wie ist es möglich, daß ein unwissender Mensch seinem Mitsünder ins Herz schauen und seine Aufrichtigkeit und Buße prüfen kann, welches doch zur Aussprechung der Absolution nöthig ist?"
Dieser Einwurf beweist nichts, als daß derjenige, welcher ihn macht, nicht weiß, was Absolution ist. Wäre nehmlich die Absolution das Urtheil des Absolvirers über den Seelenzustand eines Beichtenden, daß er nehmlich der Vergebung seiner Sünden nun fähig oder würdig sei; oder könnte die Absolution nur eine Verkündigung dessen sein, was bereits von Gott im Himmel geschehen sei, so müßte freilich derjenige, welcher einem andern eine solche Absolution sprechen wollte, entweder dem, der die Absolution begehrt, oder Gotte ins Herz sehen können. Gottes Wort lehrt aber von einer solchen Absolution nichts. Christus spricht nicht: Was ich im Himmel lösen werde, das sollt ihr auch auf Erden lösen; sondern umgekehrt: „Was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein."
Die wahre Bedeutung dieser Lehre, in ihrem Zusammenhange mit dem ganzen Vorbild der christlichen Lehre, recht einzusehen, müssen wir Folgendes erwägen. Christus, wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch in Einer Person, ist als der Stellvertreter aller Sünder am Kreuze gestorben und am dritten Tage wieder von den Todten erstanden. Sein Tod und seine Büßung war aller Sünder Tod und Büßung; sein Wiederleben und seine dadurch erlangte Rechtfertigung, aller Sünder Wiederleben und Rechtfertigung. Denn also spricht der heil. Apostel: „Wir halten daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben." 2 Cor. 5, 14. Ferner: „Wie durch Eines Sünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen ist; also ist auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. Denn gleichwie durch Eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind; also auch durch Eines Gehorsam werden viele Gerechte." Röm. 5, 18. 19. Durch Christi Tod und Auferstehung ist also nun aller Sünder Sache bei Gott gut gemacht, aller Sünden sind nun getilgt, allen Versöhnung, Vergebung, Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit erworben. Es ist nichts übrig, als daß nun auch alle zum wirklichen Besitz und Genuß desjenigen kommen und daß nun auch allen das wirklich angeeignet werde, wozu schon allen ein gleiches Recht erworben ist. Alle Gnadengüter werden aber von Gott den Menschen angetragen, übergeben und angeeignet durch die Predigt des Evangeliums und die heil. Sacramente, welche die Siegel desselben sind. Christus spricht nehmlich nach vollendetem Erlösungswerke also: „Also ist es geschrieben, und also mußte Christus leiden, und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern." Luc. 24, 46. 47.
Allen Menschen muß also vorerst Buße gepredigt werden, d. h. es muß ihnen ihr verlorner Zustand aus dem Gesetz gezeigt und Gottes Zorn über ihre Sünden bezeugt werden, daß sie in sich schlagen, erschrecken und im Gefühl ihrer Seelennoth fragen lernen: „Was sollen wir thun, daß wir selig werden?" Hierauf muß ihnen nun auch die Vergebung der Sünden gepredigt werden, d. h. es muß ihnen ihr Heil in Christo aus dem Evangelio gezeigt und die Gnade, die Gerechtigkeit und Seligkeit geoffenbaret werden, die ihnen Christus erworben hat, daß sie dies im Glauben annehmen und dadurch lebendig gemacht, wiedergeboren, geheiligt und erneuert werden. Außer der Predigt von der Vergebung der Sünden im Allgemeinen, hat aber Christus auch die Predigt von der Vergebung der Sünden für jeden einzelnen Sünder, der dies begehrt, eingesetzt, (weil Christus wohl weiß, wie schwer es hält, ehe ein erschreckter Sünder glaubt, daß die allen Sündern verkündigte Gnade auch ihn angehe,) und diese Predigt von der Vergebung der Sünden für den einzelnen Sünder ist eben die sogenannte Absolution, die Christus mit den Worten eingesetzt hat: „Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen."
Wie nun alle über ihre Sünden Erschrockene — wenn im Allgemeinen geprediget wird: „Ihr erschrockenen Sünder, seid getrost, eure Sünden hat Christus getragen!" so sie diese allgemeine Predigt glauben, — dadurch zur Vergebung kommen: so kommt auch dazu jeder einzelne betrübte Sünder, wenn ihm besonders zugerufen wird: „Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben!" so er dies glaubt. Und wie ferner jeder Zuhörer die allgemeine Predigt von der Vergebung der Sünden glauben soll und muß bei Verlust seiner Seligkeit: so auch jeder die besondere. Und wie endlich jeder Diener Christi dem ganzen Haufen seiner Zuhörer, dem er Gottes Zorn aus dem Gesetz gepredigt hat, auch Gottes Gnade aus dem Evangelio predigen muß, obgleich er nicht göttlich gewiß ist, wer, ja ob jemand unter dem Haufen bußfertig ist: so muß auch jeder Diener Christi jedem die Vergebung insonderheit sprechen, der es ihm bekennt, daß das Gesetz ihn getroffen habe, daß seine Sünden ihn drücken, daß er ihrer los werden möchte und daher die Absolution begehre, obgleich kein menschlicher Diener jemals aus göttlicher untrüglicher Gewißheit wissen kann, wie das Herz des einzelnen Beichtenden beschaffen sei. Derjenige, welcher die Absolution empfängt, muß wohl sein Herz kennen, nicht aber, der sie ertheilt. Allerdings soll ein treuer Haushalter über Gottes Geheimnisse diejenigen nicht absolviren, von denen er offenbare Kennzeichen hat, daß sie unbußfertig sind, denn das hieße mit der Absolution Spott treiben und das Heiligthum wissentlich vor die Hunde werfen. Für solche ist eben der Bindeschlüssel eingesetzt.
Nach dem Obigen wird es nun dem lieben Leser klar sein, daß die Absolution, durch einen Menschen gesprochen, darum nicht etwa unzuverlässig ist, weil derselbe dem Beichtenden nicht in das Herz schauen kann, denn die Absolution, obgleich sie durch einen Menschen gesprochen wird, ist nicht das Urtheil dieses Menschen, sondern das Urtheil Gottes, sie ist eine Begnadigung, welche Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung zuwege gebracht hat und allen erschrockenen Sündern zu sprechen geordnet, gestiftet und ernstlich befohlen hat, die er daher auch als seine Begnadigung angenommen und geglaubt haben will. Der Beichtende darf also nicht denken: Was soll mir das helfen, daß mir ein Mensch die Absolution spricht, der mir nicht in das Herz sehen kann? Muß ich nicht immer in Zweifel sein, ob sich dieser Mensch nicht in mir irre? Kann er mich nicht vielleicht lossprechen, während er mich binden sollte? Woher kann er wissen, ob Gott im Himmel auch willig sei, mir meine Sünden zu vergeben? welchen Trost kann mir daher eine so unsichere Vergebung eines Menschen geben? Die tröstliche Stimme eines Menschen auf Erden höre ich wohl, aber ach, daß ich hören könnte die Stimme dessen, der mich allein lossprechen und verdammen kann! — Nein, so darf der Beichtende nicht denken. Er muß vielmehr also schließen: Hätte Christus nicht allen Menschen Vergebung erworben und seinen Dienern nicht geboten, allen erschrockenen Sündern die Vergebung zu predigen, so wäre freilich ihre Absolution trostlos; aber Christus hat laut seines Evangeliums seinen Dienern diesen Befehl wirklich gegeben, mit der Verheißung, daß das, was sie auf Erden lösen, auch im Himmel los sein solle; an diesen Befehl und an diese Verheißung halte ich mich im Glauben und bin daher dadurch gewiß trotz Teufel und Hölle, daß auch ich Vergebung habe, denn Gott kann nicht lügen.
Aber, wird vielleicht mancher sagen, mag die Absolution denen tröstlich sein, welche sich bewußt sind, daß sie bußfertig sind, aber da Menschen niemanden in das Herz sehen können, so
English translation AI translation
preacher, and have carried it on to this day by God's grace and help. . .
In sum, the sneaks and backstreet preachers are the devil's apostles, of whom St. Paul everywhere complains, "how they creep into houses and lead them astray, always teaching and yet never knowing what they are saying or what they assert." 2 Timothy 3:6. Therefore let the spiritual office be warned and admonished, let the temporal authority be warned and admonished, let everyone who is a Christian and is meant to be obedient be warned, that one should be on guard against them and not listen to them. Or whoever tolerates and listens to them should know that he is hearing the wretched devil himself in the flesh, speaking no differently than when he speaks out of a possessed person. I have done my part, and have also spoken of this above, on Psalm 82; I am excused. The blood of everyone who does not follow this good and faithful counsel be upon his own head.
Holy Absolution, Vindicated against the Slanders of the Methodists.
(Continued.)
A second objection commonly raised against the doctrine of the power of absolution is this, as Mr. Mulfinger presents it (crudely and clumsily enough): "How is it possible for an ignorant man to look into his fellow sinner's heart and test his sincerity and repentance, which is nevertheless necessary for the pronouncing of absolution?"
This objection proves nothing except that whoever raises it does not know what absolution is. For if absolution were the absolver's judgment on the spiritual state of the one confessing — namely, that he is now capable of, or worthy of, the forgiveness of his sins — or if absolution could only be a proclamation of something that had already taken place with God in heaven, then indeed whoever wished to pronounce such an absolution upon another would have to be able to see either into the heart of the one seeking absolution, or into the heart of God. But God's Word teaches nothing of such an absolution. Christ does not say: What I loose in heaven, that you shall also loose on earth; but rather the reverse: "Whatever you loose on earth shall be loosed in heaven also."
In order to rightly grasp the true meaning of this doctrine, in its connection with the whole pattern of Christian teaching, we must consider the following. Christ, true God and true man in one person, died on the cross as the substitute for all sinners, and on the third day rose again from the dead. His death and his atonement were the death and atonement of all sinners; his return to life, and the justification thereby obtained, were the return to life and justification of all sinners. For thus speaks the holy apostle: "We conclude that if one died for all, then all died." 2 Corinthians 5:14. Further: "As through one man's sin condemnation came upon all men, so also through one man's righteousness the justification of life came upon all men. For as through one man's disobedience many were made sinners, so also through one man's obedience many will be made righteous." Romans 5:18–19.
Through Christ's death and resurrection, therefore, the case of all sinners has now been made right with God; all sins are now blotted out; for all, reconciliation, forgiveness, righteousness, life, and salvation have been won. Nothing remains but that all should now also come into actual possession and enjoyment of this, and that it should now actually be appropriated to all, for whom an equal right to it has already been obtained. But all the treasures of grace are offered, delivered, and appropriated to men by God through the preaching of the Gospel and the holy sacraments, which are its seals. For Christ, after the work of redemption was accomplished, says: "Thus it is written, and thus it was necessary for Christ to suffer, and to rise from the dead on the third day, and that repentance and forgiveness of sins should be preached in his name among all nations." Luke 24:46–47.
To all people, then, repentance must first be preached, that is, their lost condition must be shown to them from the Law, and God's wrath over their sins must be testified to them, so that they are struck in their conscience, terrified, and, in the sense of their soul's distress, learn to ask: "What must we do to be saved?" After this, the forgiveness of sins must also be preached to them, that is, their salvation in Christ must be shown to them out of the Gospel, and the grace, righteousness, and salvation that Christ has won for them must be revealed, so that they accept this in faith and are thereby made alive, born again, sanctified, and renewed.
But besides the preaching of the forgiveness of sins in general, Christ has also instituted the preaching of the forgiveness of sins for each individual sinner who desires it (because Christ well knows how hard it is for a terrified sinner to believe that the grace proclaimed to all sinners applies to him as well); and this preaching of the forgiveness of sins for the individual sinner is precisely what is called absolution, which Christ instituted with the words: "Whosesoever sins you remit, they are remitted unto them."
Now just as all those terrified by their sins — when it is preached in general: "You terrified sinners, be comforted, Christ has borne your sins!" — come to forgiveness by believing this general proclamation, so too each individual troubled sinner comes to it when it is called out to him in particular: "Be comforted, your sins are forgiven you!" — if he believes this. And just as, further, every hearer must and should believe the general preaching of the forgiveness of sins on pain of losing his salvation, so too must each believe the particular preaching. And finally, just as every servant of Christ must preach God's grace out of the Gospel to the whole assembly of his hearers, to whom he has preached God's wrath out of the Law, even though he is not divinely certain who, or indeed whether anyone, among that assembly is penitent — so too must every servant of Christ speak forgiveness in particular to each one who confesses to him that the Law has struck him, that his sins weigh upon him, that he wishes to be rid of them, and therefore desires absolution — even though no human minister can ever know, with infallible divine certainty, how the heart of the individual penitent truly stands.
The one who receives absolution must indeed know his own heart, but not the one who grants it. To be sure, a faithful steward of the mysteries of God should not absolve those of whom he has clear evidence that they are impenitent, for that would be to make a mockery of absolution and knowingly cast the holy thing before dogs. It is precisely for such people that the key of binding was instituted.
From the above, it will now be clear to the dear reader that absolution, spoken by a human being, is not thereby unreliable simply because that person cannot look into the heart of the one confessing; for absolution, although it is spoken by a human being, is not the judgment of that human being, but the judgment of God. It is a pardon that Christ brought about through his death and resurrection, and which he has ordained, instituted, and earnestly commanded to be spoken to all terrified sinners — a pardon that he therefore wants accepted and believed as his own act of grace.
The one confessing, therefore, must not think: What good does it do me that a human being pronounces absolution over me, when he cannot see into my heart? Must I not always be in doubt as to whether this person is not mistaken about me? Might he not perhaps loose me when he ought to bind me? How can he know whether God in heaven is even willing to forgive me my sins? What comfort, then, can so uncertain a forgiveness from a human being give me? The comforting voice of a person on earth, I hear well enough, but oh, that I could hear the voice of him who alone can loose and condemn me! — No, the one confessing must not think this way. He must instead reason thus: Had Christ not won forgiveness for all people, and had he not commanded his servants to preach forgiveness to all terrified sinners, then indeed their absolution would be without comfort; but Christ, according to his Gospel, has actually given his servants this command, together with the promise that what they loose on earth shall also be loosed in heaven. To this command and to this promise I hold fast in faith, and through it I am therefore certain, in spite of devil and hell, that I too have forgiveness, for God cannot lie.
But, someone might perhaps say, absolution may well be comforting to those who are conscious that they are penitent; but since human beings cannot see into anyone's heart, they