# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 02_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) amt öffentlich habe angefangen und bis daher geführt mit Gottes Gnade und Hülfe. . . Summa, die Schleicher und Winkelprediger sind des Teufels Apostel, da St. Paulus allenthalben über klaget, „wie sie durch die Häuser laufen und dieselbigen verkehren, lehren immer und wissen doch nicht, was sie sagen, oder was sie setzen." 2 Tim. 3, 6. Darum sei gewarnet und vermahnet geistlich Amt, sei gewarnet und vermahnet weltlich Amt, sei gewarnet alles was Christen und unterthan sein soll, daß man sich vor ihnen hüte und höre sie nicht. Oder wer sie leidet und höret, der wisse, daß er den leidigen Teufel leibhaftig selbst höret, nicht anders, denn wie er aus einem besessenen Menschen redet. Ich habe das meine gethan und über den 82. Psalm (s. oben) auch davon gesagt; ich bin entschuldigt. Eines jeglichen Blut, der nicht folget gutem treuen Rath, sei auf seinem Kopf. Die heilige Absolution gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten. (Fortsetzung.) Ein zweiter Einwurf, den man gewöhnlich gegen die Lehre von der Kraft der Absolution macht, ist, wie denselben Hr. Mulfinger (plump und ungeschickt genug) vorbringt, dieser: „Wie ist es möglich, daß ein unwissender Mensch seinem Mitsünder ins Herz schauen und seine Aufrichtigkeit und Buße prüfen kann, welches doch zur Aussprechung der Absolution nöthig ist?" Dieser Einwurf beweist nichts, als daß derjenige, welcher ihn macht, nicht weiß, was Absolution ist. Wäre nehmlich die Absolution das Urtheil des Absolvirers über den Seelenzustand eines Beichtenden, daß er nehmlich der Vergebung seiner Sünden nun fähig oder würdig sei; oder könnte die Absolution nur eine Verkündigung dessen sein, was bereits von Gott im Himmel geschehen sei, so müßte freilich derjenige, welcher einem andern eine solche Absolution sprechen wollte, entweder dem, der die Absolution begehrt, oder Gotte ins Herz sehen können. Gottes Wort lehrt aber von einer solchen Absolution nichts. Christus spricht nicht: Was ich im Himmel lösen werde, das sollt ihr auch auf Erden lösen; sondern umgekehrt: „Was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein." Die wahre Bedeutung dieser Lehre, in ihrem Zusammenhange mit dem ganzen Vorbild der christlichen Lehre, recht einzusehen, müssen wir Folgendes erwägen. Christus, wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch in Einer Person, ist als der Stellvertreter aller Sünder am Kreuze gestorben und am dritten Tage wieder von den Todten erstanden. Sein Tod und seine Büßung war aller Sünder Tod und Büßung; sein Wiederleben und seine dadurch erlangte Rechtfertigung, aller Sünder Wiederleben und Rechtfertigung. Denn also spricht der heil. Apostel: „Wir halten daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben." 2 Cor. 5, 14. Ferner: „Wie durch Eines Sünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen ist; also ist auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. Denn gleichwie durch Eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind; also auch durch Eines Gehorsam werden viele Gerechte." Röm. 5, 18. 19. Durch Christi Tod und Auferstehung ist also nun aller Sünder Sache bei Gott gut gemacht, aller Sünden sind nun getilgt, allen Versöhnung, Vergebung, Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit erworben. Es ist nichts übrig, als daß nun auch alle zum wirklichen Besitz und Genuß desjenigen kommen und daß nun auch allen das wirklich angeeignet werde, wozu schon allen ein gleiches Recht erworben ist. Alle Gnadengüter werden aber von Gott den Menschen angetragen, übergeben und angeeignet durch die Predigt des Evangeliums und die heil. Sacramente, welche die Siegel desselben sind. Christus spricht nehmlich nach vollendetem Erlösungswerke also: „Also ist es geschrieben, und also mußte Christus leiden, und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern." Luc. 24, 46. 47. Allen Menschen muß also vorerst Buße gepredigt werden, d. h. es muß ihnen ihr verlorner Zustand aus dem Gesetz gezeigt und Gottes Zorn über ihre Sünden bezeugt werden, daß sie in sich schlagen, erschrecken und im Gefühl ihrer Seelennoth fragen lernen: „Was sollen wir thun, daß wir selig werden?" Hierauf muß ihnen nun auch die Vergebung der Sünden gepredigt werden, d. h. es muß ihnen ihr Heil in Christo aus dem Evangelio gezeigt und die Gnade, die Gerechtigkeit und Seligkeit geoffenbaret werden, die ihnen Christus erworben hat, daß sie dies im Glauben annehmen und dadurch lebendig gemacht, wiedergeboren, geheiligt und erneuert werden. Außer der Predigt von der Vergebung der Sünden im Allgemeinen, hat aber Christus auch die Predigt von der Vergebung der Sünden für jeden einzelnen Sünder, der dies begehrt, eingesetzt, (weil Christus wohl weiß, wie schwer es hält, ehe ein erschreckter Sünder glaubt, daß die allen Sündern verkündigte Gnade auch ihn angehe,) und diese Predigt von der Vergebung der Sünden für den einzelnen Sünder ist eben die sogenannte Absolution, die Christus mit den Worten eingesetzt hat: „Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen." Wie nun alle über ihre Sünden Erschrockene — wenn im Allgemeinen geprediget wird: „Ihr erschrockenen Sünder, seid getrost, eure Sünden hat Christus getragen!" so sie diese allgemeine Predigt glauben, — dadurch zur Vergebung kommen: so kommt auch dazu jeder einzelne betrübte Sünder, wenn ihm besonders zugerufen wird: „Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben!" so er dies glaubt. Und wie ferner jeder Zuhörer die allgemeine Predigt von der Vergebung der Sünden glauben soll und muß bei Verlust seiner Seligkeit: so auch jeder die besondere. Und wie endlich jeder Diener Christi dem ganzen Haufen seiner Zuhörer, dem er Gottes Zorn aus dem Gesetz gepredigt hat, auch Gottes Gnade aus dem Evangelio predigen muß, obgleich er nicht göttlich gewiß ist, wer, ja ob jemand unter dem Haufen bußfertig ist: so muß auch jeder Diener Christi jedem die Vergebung insonderheit sprechen, der es ihm bekennt, daß das Gesetz ihn getroffen habe, daß seine Sünden ihn drücken, daß er ihrer los werden möchte und daher die Absolution begehre, obgleich kein menschlicher Diener jemals aus göttlicher untrüglicher Gewißheit wissen kann, wie das Herz des einzelnen Beichtenden beschaffen sei. Derjenige, welcher die Absolution empfängt, muß wohl sein Herz kennen, nicht aber, der sie ertheilt. Allerdings soll ein treuer Haushalter über Gottes Geheimnisse diejenigen nicht absolviren, von denen er offenbare Kennzeichen hat, daß sie unbußfertig sind, denn das hieße mit der Absolution Spott treiben und das Heiligthum wissentlich vor die Hunde werfen. Für solche ist eben der Bindeschlüssel eingesetzt. Nach dem Obigen wird es nun dem lieben Leser klar sein, daß die Absolution, durch einen Menschen gesprochen, darum nicht etwa unzuverlässig ist, weil derselbe dem Beichtenden nicht in das Herz schauen kann, denn die Absolution, obgleich sie durch einen Menschen gesprochen wird, ist nicht das Urtheil dieses Menschen, sondern das Urtheil Gottes, sie ist eine Begnadigung, welche Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung zuwege gebracht hat und allen erschrockenen Sündern zu sprechen geordnet, gestiftet und ernstlich befohlen hat, die er daher auch als seine Begnadigung angenommen und geglaubt haben will. Der Beichtende darf also nicht denken: Was soll mir das helfen, daß mir ein Mensch die Absolution spricht, der mir nicht in das Herz sehen kann? Muß ich nicht immer in Zweifel sein, ob sich dieser Mensch nicht in mir irre? Kann er mich nicht vielleicht lossprechen, während er mich binden sollte? Woher kann er wissen, ob Gott im Himmel auch willig sei, mir meine Sünden zu vergeben? welchen Trost kann mir daher eine so unsichere Vergebung eines Menschen geben? Die tröstliche Stimme eines Menschen auf Erden höre ich wohl, aber ach, daß ich hören könnte die Stimme dessen, der mich allein lossprechen und verdammen kann! — Nein, so darf der Beichtende nicht denken. Er muß vielmehr also schließen: Hätte Christus nicht allen Menschen Vergebung erworben und seinen Dienern nicht geboten, allen erschrockenen Sündern die Vergebung zu predigen, so wäre freilich ihre Absolution trostlos; aber Christus hat laut seines Evangeliums seinen Dienern diesen Befehl wirklich gegeben, mit der Verheißung, daß das, was sie auf Erden lösen, auch im Himmel los sein solle; an diesen Befehl und an diese Verheißung halte ich mich im Glauben und bin daher dadurch gewiß trotz Teufel und Hölle, daß auch ich Vergebung habe, denn Gott kann nicht lügen. Aber, wird vielleicht mancher sagen, mag die Absolution denen tröstlich sein, welche sich bewußt sind, daß sie bußfertig sind, aber da Menschen niemanden in das Herz sehen können, so