Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 26 › Seite 204
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-17, Seite 204
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unterricht
—
2. es geht die an, welche das heil. Abend⸗
mahl genießen.
Lieber Leſer, haſt du das nicht zuvor gewußt?
Mußte dieſe Weisheit erſt aus einem Lehrbuche
geſchöpft werden? Was aber haſt du, wenn
du bei dir fragſt Iſt's auch wahr, was der
Kleine Katechism. Luth. ſagt, daß das
Sacrament des Altars ſei der wahre Leib und
Blut unſers Herrn Jeſu Chriſti, unter dem Brod
und Wein uns Chriſten zu eſſen und zu trinken
gegeben— ?
Da findeſt du entweder Nichts, oder etwas
Schlimmeres, als Nichts. Denn die Worte, de⸗
ren ſich der Vf. bedient, ſind
3. eine verſteckte Anzeigung ſei⸗
nerwahren Meinung.
Er ſagt nämlich nicht: ö
Was verſichert Jeſus allen denen, die das h.
Abendmahl genießen,
ſondern er giebt eine Umſchreibung der Abend⸗
mahlsgäſte, und welche?
Er nennt ſie die, die im h. Abendmahl
Brod und Wein eſſen und trinken.
Was folgt nun für eine Antwort, wenn man
fragt: Was eſſen und trinken ſie alſo im heil.
Abendmahl? Keine andere als dieſe:
Brod und Wein.
Und was folgt daraus, daß mit keiner
Sylbe ſangedeutet wird, es werde doch
nicht ſchier Brod u. Wein empfangen?
Nichts anders, als dieſes,
daß es ſchier eitel Brod und Wein ſei.
Haſt du das geahnt, lieber Leſer? Gewiß
nicht; und doch iſt es das unleugbare Ergebniß,
wenn man es mit den Worten des Vf. macht,
wie man es machen muß mit einer verdächtigen
Arzenei. Man ſcheidet die Stoffe aus einander
und es findet ſich entweder nichts Verdächtiges
oder— um mich des allergelindeſten Ausdruckes
zu bedienen-was ſich nicht darin finden ſollte.
Aber die Worte des Vf. bieten noch mehr dar.
Sie ſind
4. ein Behelf für die Abendmahls⸗
verächter. Denn dieſe können ſagen: Uns
hat Chriſtus nichts verſichert. Warum nicht?—
weil wir das Abendmahl gar nicht genießen.
Und warum ſollte er dieſen nichts verſichert ha—
ben?—weil der Hannöv. Kat. ſagt „Jeſus ver⸗
ſichert es Allen, die im h. Abendmahl Vrod
und Wein eſſen und trinken. Da können ja die
nicht mit eingeſchloſſen ſein, die gar nicht
eſſen und trinken weder Brod noch Wein im h.
Abendmahl. Folglich ſind die Abendmahlsver⸗
ächter durch die Verſicherung Chriſti in ihrem
Gewiſſen nicht gebunden.
5. Ueber das Alles iſt der ganze Satz des Vf.
in das zweideutige Wort gefaſſet
„Er verſichert“
Das iſt nun ö
a. eine von jenen im Hannöv. Kat. ſo oft
wiederkehrenden Redensarten, wie z. E. die
h. Schrift lehrt, nennt, ſchreibt zu,
legtbei u. ſ. w., wobei das Bekenntniß
umgangen wird. Wollte er das nicht um⸗
gehen, ſo hätte er ſagen müſſen: —
Was wird nach Chriſti eigener Ver⸗
ſicherung im h. Abendmahle unter Brod
u. Wein gegeſſen u. getrunken?
b. ein ſolches Wort, welches mit der Weiſe
der Unirten übereinſtimmt, welche, um
das lutheriſche Bekenntuiß ausſterben zu
laſſen und der reformirten Lehre unvermerkt
Bahn zu machen, bei der Ausſpendung des
h. Abendmahls abſichtlich die bekenntniß—
loſen Worte gebrauchen
„Chriſtus ſpricht: das iſt u. ſ. w.“
0. der klare Beweis, daß der Vf. die luthe⸗
riſche Lehre nicht haben, glauben noch
lehren kann.
Denn es handelt ſich hier um eine ſolche
Verſicherung, welche nur der geben kann,
der Gott iſt. Denn ein bloßer Menſch
kann nicht ſein Fleiſch und Blut zu eſſen
und zu trinken geben unter Brod u. Wein,
wenn er gleich wollte. Nur der allein,
welcher wahrhaftiger Gott und auch
wahrhaftiger Menſch in Einer Perſon
iſt, der kanns.
Wer nun nicht glaubt, daß Chriſtus Gott iſt,
der kann auch nicht glauben, daß Chriſtus im
h. Abendmahl ſein Fleiſch u. Blut zu eſſen und
zu trinken geben könne.
Der Vf. nun bekennt ſich nirgends zum Glau⸗
ben an die Gottheit Chriſti obwohl er da⸗
zu nicht allein Gelegenheit ſondern auch
Verpflichtung hatte. Warum thut er's
nicht, wenn er doch wirklich geglaubt hätte?
Ein Rechtfertigungsgrund für dieſe zurückhal⸗
tende und durch und durch verdächtige Sprache
des Vf. kann nimmermehr aufgebracht werden,
wohl aber ein Erklärungsgrund und der heißet:
Unglaube.
Was folgt hieraus für das Wort Chriſti „das
iſt mein Leib —das iſt mein Blut“?
1. Iſt Chriſtus nicht Gott, ſo kann ſeine
Verſicherung keine göttliche ſein.
2. Iſt Chriſtus nicht Gott, ſo hat Chriſtus
entweder närriſch geredet, oder die Lehre der lu⸗
theriſchen Kirche muß falſch ſein. Denn dieſe
Lehre leidet ſich nicht mit der Zweifelhaftigkeit
der Gottheit Chriſti, eben ſo wenig als mit einer
unentſchiedenen Behandlung der Teſtaments⸗
worte Chriſti.
3. Iſt Chriſtus nicht Gott, ſo iſt kein Menſch
zu tadeln, der mit den Worten „i ſt“ „Leib“
„das“ macht was er will.
Alſo iſt nicht etwa Einer Abweichung, ſon⸗
dern allen möglichen Abweichungen von
der reinen Lehre Thür u. Thor geöffnet.
Iſt nun das der gut lutheriſche Unterricht⸗
den du, l. Leſer, in dem Hannöv. Kat. bekommen
zu haben vermeint haſt?
Aber—wird man uns einwenden — wie
heißt es gleich in den folgenden Fragen?
1. Wie erklärt ſich der Apoſtel Paulus?
2. Weſſen werden wir theilhaftig und zwar
im h. Abendmahl? ſammt der Antwort
„des Leibes u. Blutes“ ꝛc.
Da ſind alle dieſe Anklagen mit Einem Male
darniedergelegt.
Hierauf antworten wir:
Wider das Wort des Apoſtel Paulus haben
wir im Mindeſten nichts einzuwenden. Ab er
wenn daraus die Rechtgläubigkeit des Vf. er⸗
wieſen werden ſollte, ſo müßte die Frage alſo
lauten:
Wer bezeugt ferner die weſentliche Ge⸗
genwarmdes Leibes und Blutes
Chriſti im h. Abendmahl
da denn die Antwort paſſen würde
Der Apoſtel Paulus, wenn er ſpricht 1 Cor.
10, 16.
„Der geſegnete Kelch ꝛc.“
Ob aber der Vf. dieſen Spruch zum Be⸗
weiſe der Gegenwart des Leibes und
Blutes Chriſti im h. Abendmahl habe anfüh⸗
ren wollen, das iſts, was wir in Abrede ſtellen
1. weil es ſich nicht reimt mit der bekennt⸗
niß⸗ und glaubensloſen Weiſe des Vf.
überhaupt.
2. weil er in Fr. 23. wo er die Einſetzungs⸗
worte anführt, die Hauptſache ſo trefflich
zu umgehen weiß.
3. weil er den Spruch Pauli unmittel⸗
bardarauf folgen läßt, —offenbar, um ſeine
leere, hohle, kahle und ſchaale Abfertigung der
Einſetzungsworte zu rechtfertigen (wenns
möglich wäre.)
4. weil die Frage von dem Spruche Pauli
nicht darnach eingerichtet iſt, daß die falſchen
Auslegungen abgewieſen oder denſel⸗
benvorgebeugt würde.
5. weil von den Gegnern der lutheriſchen
Lehre jener Spruch für ihre ſtärkſte Waffe
gehalten wird.
Es mag gefragt werden, was doch in aller
Welt nur Anderes, als die Gegenwärtigkeit des
Leibes und Blutes Chriſti im h. Abendmahl zu
beweiſen, der Vf. habe wollen können, gleich als
ob für den Irrgeiſt kein Spielraum übrig gewe⸗
ſen wäre. Nicht allein darüber, und was
von lutheriſcher Seite darauf zu erwiedern
ſei, ſondern auch „in Betreff des Wortes theil⸗
haftig“ deſſen ſich der Vf. in der folgenden
Frage bedient, überhebt uns unſer noch immer
underalteter Luther der weiteren Auskunft.
Wer ſich unterrichten will, der leſe die Beila⸗
ge.
Uns genügt es, zu bemerken, daß, wenn Je⸗
mand eine Beweisſtelle anführt, ſo muß er Et⸗
was beweiſen wollen. Iſts das Rechte nicht-
und das ſpricht der Vf. nicht aus — ſo bleibt
nichts Anderes übrig, als irgend etwas Fal⸗
ſches. Bleibt aber das, ſo wird, was wir über
Fr. 28. bemerkt haben, nicht nur nicht entkräftet,
ſondern noch mehr beſtätiget.
(Fortſetzung folgt.)
Conferenzarbeit des H. Barthling, eingeſandt nach einem
Beſchluß der Chicago Conferenz. —
Stundenplan
für eine deutſche luth. Gemeindeſchule.
Es iſt unſtreitig eine ſehr ſchwere Aufgabe
für den Lehrer, ſeinen Unterricht, wenn die An⸗
zahl der Schüler ziemlich groß und das Alter
derſelben verſchieden iſt, ſo einzurichten, daß
keine Kinder vorgezogen oder vernachläſſigt
werden, ſondern alle gehörig angeſtrengt und
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