Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 23 › Seite 168
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 168
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
Klage, daß Leute von feſter religiöſer oder kirch⸗
licher Geſinnung iſolirt (einſam) und ohne auch
nur einen rechtlichen Anhaltepunkt zu haben, in
der Staatskirche daſtehen, ſetzt nicht in Erſtau⸗
nen; der unioniſtiſche Geiſt widerſtrebt einmal
jeder eniſchiedenen Religioſität wen er in ſein
Garn gelockt hat, von dem heiſcht er gebieteriſch
die Verleugnung ſeines bisherigen poſitiven
(aus der Bibel geſchöpften) Glaubens, d. h. die
Verwandlung deſſelben in ein indifferentiſtiſches
Heulen mit den Wölfen, unter denen man ſich
juſt befindet. Es vollzieht ſich hier, wie überall
in der Geſchichte, der göttliche Ausſpruch: was
der Menſch ſätt, das wird er ärnten —womit
die Union gefrevelt hat, damit wird ſie geſtraft.
Religionsloſigkeit (nackt geſprochen) ſollte der
Felſen ſein, auf den ſie ſich für ewige Zeiten zu
gründen gedachte, Religionsloſigkeit, Irreli⸗
gioſität. iſt der Fluch, der auf ihren jetzigen Zu⸗
ſtänden laſtet u. wird die Klippe werden, woran ihr
Schiff in Trümmer geht.“*) Ein trübes Vor⸗
gefühl von dieſer Kataſtrophe (unglücklichen
Wendung der Dinge) und der Vergeblichkeit
aller Anſtrengungen ihr zu entgehen, zuckt durch
diejenigen Glieder der Union, die ſich noch auf
die Zeichen der Zeit verſtehen; ſie beginnen an
der Rettung des Fahrzeugs zu verzweifeln und
nur anf Bergung der Mannſchaft und Ladung
zu ſinnen. Sie bemerken, daß der Mahlſtrom,
in den ſie gerathen ſind, ſeinen magnetiſchen
Zug in der Richtung nach Rom verfolgt; ſie
ſehen von dorther, wo man den Untergang des
Unionsſchiffes ganz in der Nähe erwartet, ſchon
die Leuchtfeuer anzünden und jeſuitiſche Ret⸗
tungsboote zur Aufnahme der Schiffbrüchigen
und ihrer Güter heraneilen. Kein Wunder,
wenn ſie ſich mit dem Gedanken ihrer bevorſte⸗
henden Einverleibung in das Reich des Pab⸗
ſtes allmählig vertraut machen und mit dem ul⸗
tramontanen (ſtrengrömiſchen) Weſen befreun⸗
den. Erblicken ſie doch ringsum ke inen andern
Nothhafen; der Uebertritt der Gemeinden
zu dem (in Preußen) kirchlich gleichberechtigten
Pabſtihum iſt das einzige Mittel, wodurch ihnen
beim Untergange der Union die Kirchengüter er⸗
halten werden können; bei der Rückkehr zum
Evangelium (Lutherthum), als einer blos ge⸗
uen ſchlicher guter Meinung ruht, daher früher oder ſpäter ir⸗
gend einer Erſchütterung zum Opfer fallen muß! Warum
wollen Die in der unirten Kirche, welche von der Schrift⸗
mäßigleit der lutheriſchen Lehre überzeugt worden ſind, hart.
näckig der Gemeinſchaft den Rücken kehren, welche fort und
fort dieſen ihren nunmehrigen Glauben vertreten hat, und
in einer Gemeinſchaft verbleiben, in welcher ihr Glaube mit
Menſchenureinungen gleiche Berechtigung hat? Breilich
würde-das Wiederaufgeben der Union Kampf erwecken;
aber iſt's nicht beſſer, wenn auch mit angefochtenem Herzen,
freiwillig ein Haus zu verlaſſen, als zu warten, bis ein Blitz
von oben daſſelbe triſſt und die verzehrende Flamme des
göttlichen Zornes daraus gewaltſam vertreibt?
D. R. d. L.
—) Hätte der König von Preußen, anſtatt 1817 unge⸗
rechttrweiſe die Union einzuführen und hernach mehr und
mehr aufzudringen, vielmehr dadurch der Kirche zu helfen ge⸗
ſucht, daß er, wie Recht ens gewtſen wäre, darauf gedrungen
hätte, daß die Prediger den von ihnen beſchworenen kirchlichen
Bekenniniſſen nachleben, oder ihre Aemier nieverlegen ſollten,
welche ganz andere Erſolge würde man da geſehen haben!
daß man ſich warnen und witzigen ließe!
D. R. d. L.
duldeten „„Sektenreligion,“' würden ſie dem
Staate anheimfallen. Der Geiſt des Unionis—
mus iſt mächtiger als ſeine Träger, er treibt ſie
wider ihren Willen in's römiſche Pabſtthum.
Im Vertrauen auf die Gewalt dieſes Geiſtes
bricht Herr Lütkemüller die erſte Planke von der
ſchon halb zum Wracke gewordenen Union und
gibt damit ſeinen Amtsbrüdern das Signal zur
Nachfolge. Daß ſchon in der nächſten Zeit Viele
ſeinem Beiſpiele folgen werden, iſt nicht zu er⸗
warten; auf die Länge kann es jedoch nicht aus⸗
bleiben.“
In dem Folgenden ſagt nun Ströbel, welche
Bedeutung die Lütkemüller'ſche Schrift für die
wahrhaft evangeliſche Chriſtenheit habe. Da
ſchreibt er denn n. A.: „Sollte etwa ein Lütke⸗
müller den jüngſten Tag unſeres ſymboliſchen
Glaubens herbeiführen können? Lächerlich!
„„Gottes Wort iſt Luther's Lehr, darum
vergeht ſie nimmermehr, ſollt's auch verdrießen
noch ſo ſehr den Teufel und ſein ganzes Heer.“
Nur ein Ruf zur Nüchternheit und
Wachſamkeit kann und ſoll uns das vor⸗
liegende Buch ſein. Alſo: „„Seid nüchtern
und wachet; denn euer Widerſacher, der Teufel,
gehet umher wie ein brüllender Löwe und ſuchet,
welchen er verſchlinge. Dem widerſtehet feßt
im Glauben.““ Faßt nüchtern u. wachſam
zuerſt eure kirchliche Vergaangenheit in's
Auge. Laßt euch nicht durch rationaliſtiſches u.
unioniſtiſches Toleranzgeſchrei betrunken und
ſchlafſüchtig machen, ſonſt handelt ihr in eurem
Urtheile über die Reformation und deren von
Gott berufene Werkzeuge, wie Judas Iſcharioth
an ſeinem Herrn und Meiſter. Haltet euch
jaenicht für befugt, die Reformato⸗
ren zu reformiren! Sint ut sunt, aut
non sint.“ (Sie ſeien, wie ſie ſind, oder man
laſſe ſie ganz fahren.) Schroff und einſeitig. h)
unbiegſam wie ein Klotz, grob bis zur Unge⸗
ſchliffenheit, aber durch und durch ehrlich, deutſch
und wahr, ſo ſollte nach Gottes Willen
die Reformation ſein; denn ſie hatte es mit dem
römiſchen Pabſtihum zu thun, jenem gordiſch
verſchlungenen Gewebe von ehemals ſcholaſti⸗
ſchem, dann jeſuitiſchem und dereinſt vielleicht
noch ärgerem Lug und Trug, das ſich zu allen
Zeiten als radikal unverbeſſerungsfähig, als die
leibhafte Unduldſamkeit und Verfolgungsſucht,
als „„Antichriſtenthum und Dämonenwerk““
bewieſen hat und auch ſo bleiben wird, bis es
Gott in den Flammen des jüngſten Gerichts
verbrennt. — Mancher wird vielleicht glauben,
leidenſchaftlicher Eifer führe mich, mindeſtens im
Ausdrucke, über die Grenzen der Mäßigung hin⸗
aus. Keineswegs! Ich ereifere mich gar nicht,
halte ächt proteſtantiſches Maaß, bediene mich
keiner Hyperbeln (Uebertreibungen), ſondern
ſpreche nur den „„alten, korrecten, lutheriſchen
Styl.““ Doch um auch dadurch nicht etwa
Einem ohne Noth anſtößig zu werden, vielmehr
Jedermann nach meinen ſchwachen Kräften, ſo
1) Man tadelt an mir die „„Einſeitigkeit.“ꝰ Wie
froh wäre ich, wenn mich kein anderer Mangel drückte! —
Was ſagte Elias? „„Wie lange hinket ihr auf beiden
Stiten St.
Gott will, zu nützen, werde ich im Folgenden, ſo
gut es mir möglich iſt, in den gefränzten Wot⸗
ten der Tagesſprache reden; habt aber Geduld,
wenn ich etwa hier und da aus der ungewohn⸗
ten Rolle herausfalle. Liebe evangel. Mitbrü⸗
der, ſeht euch doch einmal den hl. Geiſt, wie ihn
die Schrift abmalt, recht an! Was iſt er? Ein
brauſender Sturm, ein zündendes Feuer,
eine trugloſe Taube. Wiederum, was iſt dir
Satan? Eine glatte, ſchmiegſame, liſtige
Schlange, voller Lügen, Tücke. Gift und
Bosheit. Welchem von beiden gleicht nun das
ungeſtüme, ſtürmiſche und doch offene, redlicht
Wehen unſerer Reformation? Und welchem den;
geſchmeidige, ſchmeichelnde, ränkevolle, ſeine Ri
erlauernde und dann Verderben und Gewall⸗
that ſpeiende Charakter eines von Scholaſtikem
und Jeſuiten getragenen Pabſtthums? Darun
laßt uns nüchtern und wachſam ſein, daß un
papiſtiſche Schlauköpſe nicht verleiten, den vin
borgenen Gottesgeiſt als tobenden Sturm, alb
zerſtörende Flamme zu läſtern und dagegen den
in Lichtengelgeſtalt verkappten Dämon anzubt⸗
ten. Wir können jetzt zeigen, ob wir die Gabe
der Geiſterprüfung beſitzen.“ ö
—
Sprüchwörter, welche einſt unter den
Pabſtthum in dem Munde
des Volkswaren. 2
Flacius gibt in ſeinem „Regiſter der Zunn
der Wahrheit“ unter Anderm auch einen Can⸗
log von Sprichwörtern aus dem Munde dez
Volks, aus denen man ſehen kann, wie vor dn
Reformation der Pabſt und ſeine Geiſtlichkeitbe
ihrem Volke angeſehen geweſen iſt. Es ſud:
dieſe:
In Deutſchland führte man folgende Fraßt
und Antwort im Munde: „Was iſt nun in du
Welt für ein Weſen?' —„Wir mögen für den
Pfaffen nicht geneſen.“ Ferner: „Je nähn
Rom, je böſer Chriſt. Anſpielend auf dir
päbſtlichen Schreiben, ſprach man: „In Golltß
Nam'n hebt alles Unglück an.. In Ittlin
pflegte man zu ſagen: „So bald einem Geiſtl⸗
chen der Scheitel geſchoren iſt, fährt der Teufl
in ihn.“ In Bayern ging die Rede: „Son
hatten die Chriſten dunkle Tempel, aber bn
Herzen; nun haben ſie lichte Tempel u. dunkt
Herzen. An andern Orten trug man ſich nit
folgenden Sprüchen: „Wenn der Ablaß vn;
Rom kommt, ziehe eilends den Beutel zu. —
„Wer einmal nach Rom geht, ſieht einen Schut
ken; wer das zweitemal hingeht, lernt ihn ken⸗,
nenz wer dasdrittemalRom beſucht hat, bringt du
Schurken mit ſich ſelb ſt zurück. —„Der römiſch
Hof ſucht kein Schaf ohne Wolle. „Soſi
waren die Kelche hölzern und die Prieſter gul
den; jetzt aber ſind die Kelche golden und di
Prieſter hölzern. —„Viele werden als Heiligein
Himmel angebetet, deren Seelen Pein leide
mögen in der Hölle.“ In Frankreich hieß u
im Volke: „In Rom läßt man den Teufel 16
zum Verderben der ganzen Kirche.“ Thonat
von Canterbury ſchrieb an ein ganzes Cardinik
Lollegium „Nun ſchreit man's auf allen Si
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