Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 23 › Seite 169

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 169

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Sakramente 1 · Taufe 55

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ne eine ſonderbare Wette gemacht.
hahe behauptet, in unſermtchriſtlichen Glaubens⸗
bekenntniſſe ſtehe: Chriſtus iſt zur Hölle

hung des Fleiſches.

ßen aus und man predigt's durch alle Städte

Uund Dörfer, daß zu Rom keine Gerechtigkeit

nehr ſei. (Catal. test. verit. p. 824.)
Dieſe Stimmen des armen Volks ſind, mei⸗

UEen wir, ſchon genügende Zeugniſſe aus dem

pabſtthum ſelbſt davon, wie nöthig damals eine
Reformation der Kirche war. Sie waren ſo
laut geworden, daß ſelbſt der berühmte jeſuitiſche
Cardinal Bellarmin Folgendes zu bekennen
gezwungen worden iſt: „Einige Jahre früher,
als die lutheriſche und Calviniſche Ketzerei ein—
liß, war, nach dem Zeugniſſe gleichzeitiger Auto—
n, keine Schärfe in den geiſtlichen Gerichten,
feine Zucht in Abſicht auf die Sitten, keine
Kenniniß einer heiligen Wiſſenſchaft, keine Ehr—
trbietung vor göttlichen Dingen, ka um war
noch etwas von der Religionübrig

geblieben.“ — Man bedenke, ſo beichtet ein

Cardinal, ein ſolches Geſtändniß thut ein Je—
ſuit! Wie muß es daher damals ausgeſehen
haben?!

Halbe Taufgebühr.

Der Geiſtliche eines rheinphälziſchen Dorfes
haͤte bei der Taufe eines Kindes nur die An⸗
jangsworte des chriſtlichen Glaubens geſprochen,
und darauf das Kind getauft. Nach einigen
Tagen kam der Vater dieſes Kindes zu jenem
Geiſtlichen, ihm die Taufgebühr zu zahlen,
und überreichte als ſolche 15 Kreuzer. Der
Geiſtliche ſprach: „Ich habe 30 Kreuzer zu for—
dern. Der Landmann erwiederte: „Herr
Pfarrer, weil Sie mein Kind uur auf den hal—
ben Glauben getauft haben, ſo glaube ich Ihnen
auch nur die halbe Gebühr ſchuldig zu ſein.“
Verlegen und beſchämt mußte ſich der Geiſtliche
damit zufriedentgeben.

(Jugendfreund.)

Wir machen hier in St. Louis die Erfahrung,
daß die Leute gerade dann noch Taufgebühren
bezublen, wenn der Prediger die Kinder auch
nicht einmal auf den halben Glauben,
ſondern auf ſeinen Unglauben tauft, indem

er vor der Taufe erklärt, daß er unter dem „Va⸗
tet'' den Türkengott, unter dem „Sohn“ einen

jüdiſchen Weiſen, unter dem „heil. Geiſt“ die
Tugendkraft verſtehe.

—

Aus dem Oldenburgiſchen.

Der „Glaubensbote,“ ein religiöſes Blatt, das
in Oldenburg heraus kommt, bringt folgende
Anecdote, welche den Grad der geiſtlichen Verwü⸗
ſung im Oldenburgiſchen bezeichnet.

Vor nicht langer Zeit erzählte ein gebildeter
Mann dort ganz arglos: er habe mit ſeinem Soh⸗
Der Sohn

gefahren; und es giebteine Auferſte⸗
Er habe dies für ei⸗
ne reine Unmöglichkeit erklärt, und ein bedeu—
tendes Geſchenk als Preis einer Wette verſprochen.
Der Sohn habe hierauf in fliegender Eile von
einem armen Nachbar einen Catechismus ge—
holt, und wahrhaftig die Wette gewonnen.

—167—

Zorn.

Als Froͤſchel im Jahre 1522 in Leipzig das
Evangelium unter großem Zulauf der Leipziger
gepredigt und dadurch in dieſer Stadt viele für
die Reformation gewonnen hatte, forderte ihn
Adolph, Fürſt zu Anhalt und Biſchof von Mer⸗
ſeburg, vor ſich, fuhr ihn heftig an, verwies ihm
ſein Predigen und ſagte: „Wir wollen dir das
Evangelium zu predigen verbieten, oder wir wol⸗
len kein Fürſt von Anhalt ſein.“ Nach Been⸗
digung der Unterredung verabſchiedete ſich
Fröſchel mit den Worten: „Valete in Christo
Jesu'?, d. i. Lebt wohl in Chriſto IEſu. Vor
Zorn außer ſich ſetzte Adolph hinzu: „Nicht in
Chriſto, ſondern in diabolo'' (im Teufel). Frö⸗
ſchel ſagte laut hierzu: „Amen!“' d. i. Ja, ja,
es ſoll alſo geſchehen, und ging.

Worauf die Kirche gegenwärtig

eigentlich ruht.

Dies ſagt uns der Gettysburger „Kirchenbo—
te'', redigirt don Herrn Anſtädt. Darin läßt
ſich nehmlich ein Correſpondent alſo vernehmen;
„Als einzige feſte Säule des Lutherthums ſteht
noch Preußens König da; auf ſeine Veranlaſſung
wurde um 23. Sept. d. J. in Berlin der ſechſte
Kirchentag eröffnet und abgehalten, welcher von
den Coryphäen aller europäiſchen, insbeſondere
der deutſchen Landestheile beſucht war. Die
Anweſenheit des Königs bei den Verhandlungen
und die Eröffnung des Kirchentags ſelbſt durch
ihn hatte die freuvigſte Bewegung hervorge⸗
bracht. (Siehe die 1. Nummer dieſes Jahres.)
Ach, du armes Lutherthum, wenn „Preußens
König ſeine einzige feſte Säule“ iſt! Wahr⸗
ſcheinlich aber iſt der Correſpondent nur ein
Spaßvogel, der Herrn Anſtädt foppen wollte.

Diedrei Stufen der Heilsordnung.

Zuerſt vor allen Wirken und Dingen hört man
das Wort Gottes, darinnen der Geiſt die Welt
um die Sünde ſtrafet, Joh. 16,9.

Wenn die Sünde erkennet iſt, hört man von
der Gnade Chriſti. Im ſelben Wort kommt der
Geiſt und gibt den Glauben, wo und welchen er
will.

Darnach geht an die Tödtung und das
Kreuz, und die Werke der Liebe.—

Wer dir eine andere Ordnung vorſchlägt, da
zweifle nicht, es ſei der Teufel.

Luther in der Schrift
von den himmliſchen
Propheten.

Der demüthige Hochmuth.

Antiſthenes ging zerlumpt, um zu zeigen, daß
er ein Philoſoph ſei, der auf ſo geringe Dinge,
wie die Kleider ſind, nicht achte. Als er einſt⸗
mals dem Philoſophen Socrates betzegnete, kehrte
er ſchnell gerade den zerriſſenen Theil ſeines Man⸗
tels heraus, damit Socrates ſeine Erhabenheit
über alles Irdiſche ſehen möchte. Dieſer aber
ſagte zu Antiſthenes: „Ich ſehe deinen Ehrgeiz
gar wohl aus deinem Mantcl hervorgucken.“

Der Glaube.
Es iſt der Glaube rar, ſchreibt der alte Dan⸗
hauer; viel ſind, die verſtehen nicht, was der

Glaube ſei, was das Geheimniß des Glaubens,
das einige Mittel die Seligkeit zu erlangen, da⸗
von man heuer und ferne prediget. Aber mit
Blut iſt es zu beweinen, daß man's nicht gründ⸗
lich verſtehet. Die meiſten halten dafür, das
ſei der Glaube, wenn man ſich zum lutheriſchen

Glauben bekennt, den Dekalogum oder zehen

Gebot obenhin nach dem Wortlaut, die Sym⸗
bola ohne Verſtand, wie der Papagci, daher kann
recitiren, oder wenns hoch iſt, ſo iſt's ein bloßer
hiſtoriſcher Glaube, ein kalter, öder, böſer, lediger
Gedanke, Phantaſie und ens rationis (Vernunft⸗
ding.) Daher kommt es, daß man meinet, es
ſei gar eine leichte Kunſt zu glauben, und komme
einem gar nicht ſauer an. Weil denn der wahre
lebendige Glaube das allerſchwerſte Ding iſt, ſo
haben wir deſto mehr Urſach mit den Jüngern
Chriſti zu beten: HErr, ſtärke uns den Glau⸗
ben; und mit dem Vater des Mondſüchtigen:
Ich glaube, lieber HErr, hilf meinem Unglauben.
Wer den Glauben für eine leichte Sache hält,
der hat noch nie gelernet, was der Glaube ſei,
er ſei auch ſonſt ſo weiſe u. gelehrt, als er wolle.

——

Die verweigerte Taufe.

Als Caspar Aquila zu Anfang der
Reformation das aus dem Schutt der Irrlehren
wieder hervorgezogene Evangelium in Jenga bei
Augsburg gepredigt hatte, wurde er alsbald
auf Befehl des Biſchofs zu Augsburg auf einem
Karren nach Dillingen gebracht und hier ge⸗
fangen geſetzt. Nach einer halbjährigen harten
Gefangenſchaft bei Waſſer und Brod, wurde er
jedoch wieder enilaſſen. Hierauf floh er nach
Wittenberg und fand ſodann bei Franz von Si⸗
ckingen auf deſſen Schloß Ebernburg eine Zu⸗
fluchtsſtätte. Doch auch hier ſollte der theure
Mann große und viele Angſt erfahren. Die in
dem Schloſſe liegende militäriſche Beſatzung
verlangte nehmlich von ihm, eine Stückkugel zu
taufen, wie damals häufig der Gebrauch, od. viel⸗
mehr ſchändliche Mißbrauch, wat. Aqnila ver⸗
weigerte natürlich entſchieden dieſe gottloſe Ent⸗
weihung des heil. Sacramentes. Die Soldaten
wurden darüber ſo wüthend, daß ſie ihn in einen
großen meſſingenen Feuermörſer, den ſie mit Pul⸗
ver gefüllt hatten, ſteckten, in der Abſicht, ihn ſo
über die Mauer hinaus ſchleudern zu luſſen.
Aquila blieb beſtändig. Was geſchah nun!
Zweimal zündeten die Soldaten an und das
drittemal brannte das Zündkraut ab, ohne das
Pulver in dem Bombenmörſer zu entzünden.
Hierdurch in ſeinem Gewiſſen gerührt, ließ denn

der Befehlshaber den treuen Zeugen herauszie⸗

hen und in Freiheit ſetzen, worauf derſelbe nun
zunächſt nach Eiſenach floh. Nach einem Leben
unter vielen Trübſalen, in welchen ihn jedoch
nie ſein Glaubensmuth verließ, ſtarb Aquil a
endlich als Superintendent zu Saalfeld den
12. November 1560.

Gut gemacht.

Gut nenne ich, wo es wenigen Leuten wohl
gefallen und Vielen ſehr verdrießen wird. Die⸗
ſes iſt ein ſolches ſicheres Kennzeichen, als die
Krippe und die Windeln den Hirten es waren.

Luther.

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