# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 06 06_S168 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Klage, daß Leute von feſter religiöſer oder kirch⸗ licher Geſinnung iſolirt (einſam) und ohne auch nur einen rechtlichen Anhaltepunkt zu haben, in der Staatskirche daſtehen, ſetzt nicht in Erſtau⸗ nen; der unioniſtiſche Geiſt widerſtrebt einmal jeder eniſchiedenen Religioſität wen er in ſein Garn gelockt hat, von dem heiſcht er gebieteriſch die Verleugnung ſeines bisherigen poſitiven (aus der Bibel geſchöpften) Glaubens, d. h. die Verwandlung deſſelben in ein indifferentiſtiſches Heulen mit den Wölfen, unter denen man ſich juſt befindet. Es vollzieht ſich hier, wie überall in der Geſchichte, der göttliche Ausſpruch: was der Menſch ſätt, das wird er ärnten —womit die Union gefrevelt hat, damit wird ſie geſtraft. Religionsloſigkeit (nackt geſprochen) ſollte der Felſen ſein, auf den ſie ſich für ewige Zeiten zu gründen gedachte, Religionsloſigkeit, Irreli⸗ gioſität. iſt der Fluch, der auf ihren jetzigen Zu⸗ ſtänden laſtet u. wird die Klippe werden, woran ihr Schiff in Trümmer geht.“*) Ein trübes Vor⸗ gefühl von dieſer Kataſtrophe (unglücklichen Wendung der Dinge) und der Vergeblichkeit aller Anſtrengungen ihr zu entgehen, zuckt durch diejenigen Glieder der Union, die ſich noch auf die Zeichen der Zeit verſtehen; ſie beginnen an der Rettung des Fahrzeugs zu verzweifeln und nur anf Bergung der Mannſchaft und Ladung zu ſinnen. Sie bemerken, daß der Mahlſtrom, in den ſie gerathen ſind, ſeinen magnetiſchen Zug in der Richtung nach Rom verfolgt; ſie ſehen von dorther, wo man den Untergang des Unionsſchiffes ganz in der Nähe erwartet, ſchon die Leuchtfeuer anzünden und jeſuitiſche Ret⸗ tungsboote zur Aufnahme der Schiffbrüchigen und ihrer Güter heraneilen. Kein Wunder, wenn ſie ſich mit dem Gedanken ihrer bevorſte⸗ henden Einverleibung in das Reich des Pab⸗ ſtes allmählig vertraut machen und mit dem ul⸗ tramontanen (ſtrengrömiſchen) Weſen befreun⸗ den. Erblicken ſie doch ringsum ke inen andern Nothhafen; der Uebertritt der Gemeinden zu dem (in Preußen) kirchlich gleichberechtigten Pabſtihum iſt das einzige Mittel, wodurch ihnen beim Untergange der Union die Kirchengüter er⸗ halten werden können; bei der Rückkehr zum Evangelium (Lutherthum), als einer blos ge⸗ uen ſchlicher guter Meinung ruht, daher früher oder ſpäter ir⸗ gend einer Erſchütterung zum Opfer fallen muß! Warum wollen Die in der unirten Kirche, welche von der Schrift⸗ mäßigleit der lutheriſchen Lehre überzeugt worden ſind, hart. näckig der Gemeinſchaft den Rücken kehren, welche fort und fort dieſen ihren nunmehrigen Glauben vertreten hat, und in einer Gemeinſchaft verbleiben, in welcher ihr Glaube mit Menſchenureinungen gleiche Berechtigung hat? Breilich würde-das Wiederaufgeben der Union Kampf erwecken; aber iſt's nicht beſſer, wenn auch mit angefochtenem Herzen, freiwillig ein Haus zu verlaſſen, als zu warten, bis ein Blitz von oben daſſelbe triſſt und die verzehrende Flamme des göttlichen Zornes daraus gewaltſam vertreibt? D. R. d. L. —) Hätte der König von Preußen, anſtatt 1817 unge⸗ rechttrweiſe die Union einzuführen und hernach mehr und mehr aufzudringen, vielmehr dadurch der Kirche zu helfen ge⸗ ſucht, daß er, wie Recht ens gewtſen wäre, darauf gedrungen hätte, daß die Prediger den von ihnen beſchworenen kirchlichen Bekenniniſſen nachleben, oder ihre Aemier nieverlegen ſollten, welche ganz andere Erſolge würde man da geſehen haben! daß man ſich warnen und witzigen ließe! D. R. d. L. duldeten „„Sektenreligion,“' würden ſie dem Staate anheimfallen. Der Geiſt des Unionis— mus iſt mächtiger als ſeine Träger, er treibt ſie wider ihren Willen in's römiſche Pabſtthum. Im Vertrauen auf die Gewalt dieſes Geiſtes bricht Herr Lütkemüller die erſte Planke von der ſchon halb zum Wracke gewordenen Union und gibt damit ſeinen Amtsbrüdern das Signal zur Nachfolge. Daß ſchon in der nächſten Zeit Viele ſeinem Beiſpiele folgen werden, iſt nicht zu er⸗ warten; auf die Länge kann es jedoch nicht aus⸗ bleiben.“ In dem Folgenden ſagt nun Ströbel, welche Bedeutung die Lütkemüller'ſche Schrift für die wahrhaft evangeliſche Chriſtenheit habe. Da ſchreibt er denn n. A.: „Sollte etwa ein Lütke⸗ müller den jüngſten Tag unſeres ſymboliſchen Glaubens herbeiführen können? Lächerlich! „„Gottes Wort iſt Luther's Lehr, darum vergeht ſie nimmermehr, ſollt's auch verdrießen noch ſo ſehr den Teufel und ſein ganzes Heer.“ Nur ein Ruf zur Nüchternheit und Wachſamkeit kann und ſoll uns das vor⸗ liegende Buch ſein. Alſo: „„Seid nüchtern und wachet; denn euer Widerſacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe und ſuchet, welchen er verſchlinge. Dem widerſtehet feßt im Glauben.““ Faßt nüchtern u. wachſam zuerſt eure kirchliche Vergaangenheit in's Auge. Laßt euch nicht durch rationaliſtiſches u. unioniſtiſches Toleranzgeſchrei betrunken und ſchlafſüchtig machen, ſonſt handelt ihr in eurem Urtheile über die Reformation und deren von Gott berufene Werkzeuge, wie Judas Iſcharioth an ſeinem Herrn und Meiſter. Haltet euch jaenicht für befugt, die Reformato⸗ ren zu reformiren! Sint ut sunt, aut non sint.“ (Sie ſeien, wie ſie ſind, oder man laſſe ſie ganz fahren.) Schroff und einſeitig. h) unbiegſam wie ein Klotz, grob bis zur Unge⸗ ſchliffenheit, aber durch und durch ehrlich, deutſch und wahr, ſo ſollte nach Gottes Willen die Reformation ſein; denn ſie hatte es mit dem römiſchen Pabſtihum zu thun, jenem gordiſch verſchlungenen Gewebe von ehemals ſcholaſti⸗ ſchem, dann jeſuitiſchem und dereinſt vielleicht noch ärgerem Lug und Trug, das ſich zu allen Zeiten als radikal unverbeſſerungsfähig, als die leibhafte Unduldſamkeit und Verfolgungsſucht, als „„Antichriſtenthum und Dämonenwerk““ bewieſen hat und auch ſo bleiben wird, bis es Gott in den Flammen des jüngſten Gerichts verbrennt. — Mancher wird vielleicht glauben, leidenſchaftlicher Eifer führe mich, mindeſtens im Ausdrucke, über die Grenzen der Mäßigung hin⸗ aus. Keineswegs! Ich ereifere mich gar nicht, halte ächt proteſtantiſches Maaß, bediene mich keiner Hyperbeln (Uebertreibungen), ſondern ſpreche nur den „„alten, korrecten, lutheriſchen Styl.““ Doch um auch dadurch nicht etwa Einem ohne Noth anſtößig zu werden, vielmehr Jedermann nach meinen ſchwachen Kräften, ſo 1) Man tadelt an mir die „„Einſeitigkeit.“ꝰ Wie froh wäre ich, wenn mich kein anderer Mangel drückte! — Was ſagte Elias? „„Wie lange hinket ihr auf beiden Stiten St. Gott will, zu nützen, werde ich im Folgenden, ſo gut es mir möglich iſt, in den gefränzten Wot⸗ ten der Tagesſprache reden; habt aber Geduld, wenn ich etwa hier und da aus der ungewohn⸗ ten Rolle herausfalle. Liebe evangel. Mitbrü⸗ der, ſeht euch doch einmal den hl. Geiſt, wie ihn die Schrift abmalt, recht an! Was iſt er? Ein brauſender Sturm, ein zündendes Feuer, eine trugloſe Taube. Wiederum, was iſt dir Satan? Eine glatte, ſchmiegſame, liſtige Schlange, voller Lügen, Tücke. Gift und Bosheit. Welchem von beiden gleicht nun das ungeſtüme, ſtürmiſche und doch offene, redlicht Wehen unſerer Reformation? Und welchem den; geſchmeidige, ſchmeichelnde, ränkevolle, ſeine Ri erlauernde und dann Verderben und Gewall⸗ that ſpeiende Charakter eines von Scholaſtikem und Jeſuiten getragenen Pabſtthums? Darun laßt uns nüchtern und wachſam ſein, daß un papiſtiſche Schlauköpſe nicht verleiten, den vin borgenen Gottesgeiſt als tobenden Sturm, alb zerſtörende Flamme zu läſtern und dagegen den in Lichtengelgeſtalt verkappten Dämon anzubt⸗ ten. Wir können jetzt zeigen, ob wir die Gabe der Geiſterprüfung beſitzen.“ ö — Sprüchwörter, welche einſt unter den Pabſtthum in dem Munde des Volkswaren. 2 Flacius gibt in ſeinem „Regiſter der Zunn der Wahrheit“ unter Anderm auch einen Can⸗ log von Sprichwörtern aus dem Munde dez Volks, aus denen man ſehen kann, wie vor dn Reformation der Pabſt und ſeine Geiſtlichkeitbe ihrem Volke angeſehen geweſen iſt. Es ſud: dieſe: In Deutſchland führte man folgende Fraßt und Antwort im Munde: „Was iſt nun in du Welt für ein Weſen?' —„Wir mögen für den Pfaffen nicht geneſen.“ Ferner: „Je nähn Rom, je böſer Chriſt. Anſpielend auf dir päbſtlichen Schreiben, ſprach man: „In Golltß Nam'n hebt alles Unglück an.. In Ittlin pflegte man zu ſagen: „So bald einem Geiſtl⸗ chen der Scheitel geſchoren iſt, fährt der Teufl in ihn.“ In Bayern ging die Rede: „Son hatten die Chriſten dunkle Tempel, aber bn Herzen; nun haben ſie lichte Tempel u. dunkt Herzen. An andern Orten trug man ſich nit folgenden Sprüchen: „Wenn der Ablaß vn; Rom kommt, ziehe eilends den Beutel zu. — „Wer einmal nach Rom geht, ſieht einen Schut ken; wer das zweitemal hingeht, lernt ihn ken⸗, nenz wer dasdrittemalRom beſucht hat, bringt du Schurken mit ſich ſelb ſt zurück. —„Der römiſch Hof ſucht kein Schaf ohne Wolle. „Soſi waren die Kelche hölzern und die Prieſter gul den; jetzt aber ſind die Kelche golden und di Prieſter hölzern. —„Viele werden als Heiligein Himmel angebetet, deren Seelen Pein leide mögen in der Hölle.“ In Frankreich hieß u im Volke: „In Rom läßt man den Teufel 16 zum Verderben der ganzen Kirche.“ Thonat von Canterbury ſchrieb an ein ganzes Cardinik Lollegium „Nun ſchreit man's auf allen Si