Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 23 › Seite 165

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 165

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 6 · Katechismus 3

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rns ern

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Kirche. Vor derſelben empfingen ſie, bei gro⸗
ßem Zudrang des Volkes, die Kirchenvorſteher
und einige lutheriſche Magiſtratsperſonen, in⸗
wendig die Prediger. Es wurden ihnen Plätze
mitten in der Kirche angewieſen, und ſie hörten
mit geſpannter Aufmerkſamkeit und großer In⸗
nigkeit Urlſpergers Bußtagspredigt an.
Nachher vertheilte man Traktate u. Bibeln nebſt
andern Büchern unter ſie und geleitete ſie wieder,
als ſie unter lautem Geſang abzogen. So viel
über ihre Reiſe durch Augsburg“)

Ein anderer Trupp der Emigranten kam zuerſt
bei Harburg, einer gleichfalls im ſchwäbiſchen
Layern, zwiſchen Donauwörth und Nördlingen
liegenden Stadt, auf lutheriſchen Grund und
Boden. Als ſie denſelben betraten, fielen ſie
auf ihre Kniee und dankten Gott, der ihnen bis
hierher geholfen und ſie den theuern Boden be⸗
treten ließ, welchen Glaubensgenoſſen bewohn—
ten. Von einem Berge herab kam ihnen der
erſte lutheriſche Prediger entgegen. Wie einen
Engel Gottes empfingen ſie ihn (Gal. 4, 14.),
und nahmen mit unbeſchreiblicher Freude das
Wort aus ſeinem Munde auf, als er zu ihnen
über die Stelle redete: „Aufs erſte danke ich mei⸗
nen Gott durch Jeſum Chriſtum eurenthalben,
daß man von euerem Glauben in aller Welt

ſagt!' (Röm. 1, 8.). Und dann das Matth. 5.

„Selig ſind, die da Leid tragen, ſie ſollen ge⸗
tröſtet werden.“ Darauf begleitete man ſie mit

der ganzen Schule unter Geſang in die Stadt,

ſpeiſete und tränkte ſie und erwies ihnen alles
Gute.—

Und wie auf ihrer Reiſe durch den lutheriſchen
Theil des heutigen Bayern, ſo erfuhren ſie auch
gleiche Liebe auflihrer Reiſe durch das lutheriſche
Sachſen. Davon nur ein paar Beiſpiele.

Die Stadt Gera wurde durch die Nachricht
von der Ankunft der Salzburger ganz in Bewe⸗
gung geſetzt und Tauſende der Bewohner eilten
den theueren Gäſten entgegen. Je länger ſie
verzogen zu kommen, deſto größer wurde die Un⸗
geduld der Städter. Endlich, ſchon in der Däm⸗
merung, tönte über die ſchweigenden Fluren das
Lied her: „Ein' feſte Burg iſt unſer Gott.“
Mit Entzücken bewillkommte man die müden

*) Der oben erwähnte ungenannte Augsburgiſche Predi⸗
ger mag wohl der damalige Diakonus an der St. Anna Kirche
M. Johann Ulrich Hildebrand geweſen ſein, dem
wir eine Nachricht über 8, im Herbſte 1737 nachgekommene
Salzburgiſche Emigranten verdanken, die Einſender Inicht
umhin kann, hier anzufügen. In dem von ihm herausgege⸗

Pilger, und es entſtand ein ſchöner Wettſtreit,
Etwelche an ſich zu reißen und in ſeine Wohnung
zur wohlbereiteten Erquickung zu führen. Tief
in die Nacht wallte das freudentrunkene Volk
in den Straßen auf und nieder und wie aus den
Häuſern die ſchönen Nachtgeſänge ertönten, da
ſtimmte in frommer Begeiſterung auch das Volk
auf den Straßen mit ein. Am andern Morgen
hielten die Prediger einen feierlichen Gottesdienſt
in der Stadtkirche. Nach der Kirche ging ein

rühriges, fröhliches Leben auf dem Markte an.

An den Brunnen ſtanden die Mägde, wuſchen
und glätteten mit emſigen Händen; Gera's
Frauen und Jungfrauen hatten ihre Schreine
geöffnet und aus ihrem Schatze Altes u. Reues
hervorgeholt, ſie nahmen den fremden Müttern
ihre Säuglinge und hüllten ſie ſorgſam in friſche
Wäſche und Betten ein, oder waren von Kinder⸗
haufen umringt, die ſie unter freundlichen Ge—
ſprächen mit anmuthiger Geſchäftigkeit anzogen,
ausſtrichen und aufputzten. Nachts war die
Straße nach Schleiz mit unzähligen Laternen

beleuchtet, um einen neuen Zug zu empfangen.

Noch ergreifender iſt wohl folgende Begeben⸗
heit. Ein Emigrantentrupp ſtand auf dem letzten
Berge vor Plauen, und ſah mit herzlicher
Betrübnis auf dieſe Stadt hinab, denn eine
Feuersbrunſt hatte kurz vorher den größten Theil
derſelben in Aſche verwandelt. Aber doch läu⸗
teten die Glocken und die Bewohner kamen aus
dem Schutt ihrer Wohnungen hervor und be⸗
grüßten die theuern Fremdlinge. Dann zogen
ſie mit denſelben zur verbrannten Stadt hinab
und theilten mit ihnen, auf den Trümmern ihres
Wohlſtandes ihr letztes Brot. Dies iſt gewiß
der beßte Segen über die neu zu erbauenden
Mauern geweſen.

So zogen dieſe Pilger ſingend von einer lu⸗
theriſchen Stadt zur andern, immer durch Kom⸗
miſſarien, welche man ihnen mit gab, geleitet,
und verſorgt mit des Leibes Nahrung und Noth⸗
durft durch die Handreichung der brüͤderlichen
Liebe, noch mehr aber verſorgt mit dem Wort
des Lebens durch Predigten, welche man ihnen
überall hielt, durch Eatechiſationen, welche man
mit ihnen anſtellte u. durch Bibeln u. erbauliche
Bücher, welche man unter ſie vertheilte. Die
Lieder, welche ſie unterwegs ſangen, waren:
„Ein' feſte Burg iſt unſer Gott ꝛc. — Von Gott
will ich nicht laſſen ꝛc.— Ach Gott, wie manches
Herzeleid ꝛc. — Auf meinen lieben Gott ꝛc. —
Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc.— Be⸗

benen Spener ſchen „Tugendſpiegel chriſtlicher Jungfrauen“
macht derſelbe in Betreff des „Paradiesgärtleins'' Joh.
Arnds folgende Anmerkung:

„Es ruhet ohnedem auch noch heut zu Tage ein großer Se⸗
gen auf dieſem Par adiesgärtlein. Wie dann erſt vor 14 Tagen
einige Familien und Perſonen aus Salzburgiſchen Landen
allhier(Augsburg) angelanget find, welche ſonſten war zur rö⸗
miſch⸗katholiſchen Religion geſchworen und ſich öffentlich dazu
bekannt hatten, auch willens waren, bei derſelben zu verblei⸗
ben, jedoch aber faſt bloß um dieſes Paradiesgärileins willen
des Landes auf ewig verwie ſen und dadurch 8 Perſonen von
denſelben in unſere evangel. Kirche gleichſam mit Gewalt her⸗
tingeſtoßen worden ſind, weil ſie dasſelbe zum Theil geleſen,
zum Theil aber zwar nicht gele ſen, ſondern nur gewußt, wer
es beſitze und ſolches nicht angegeben hatten. Gott laſſe fie
jetzo deſto mehrere Kraft des Geiſtes aus demſelben in ihrt
Seelen ſammeln, da ſie es nun ſammt der h. Schrift ſelbſt
und andern geiſtreichen Büchern unverweyrt bei unſerer Kirche
leſen dürfen.

fiehl du deine Wege ꝛc.— Selig iſt der Tag, an
dem ich muß ſcheiden ꝛc. — Und eins ihrer Lieb⸗
lingslieder, war das Erulantlied, welches der
in vorſtehender Geſchichte genannte Joſeph
Schaitberger bei ſeinem Auszuge 1684 in
Salzburger Mundart verfertigete, und das, in
unſere Ausdruckweiſe übergetragen, alſo lautet:

Ich bin ein armer Exulant,

Alſo thu ich mich ſchreiben;

Man thut mich aus dem Vaterland

Am Gottes Wort vertreiben.

Doch weiß ich wohl, HErr Jeſu mein,

Es iſt dir auch ſo g'gangen,

Jetzt ſoll ich dein Nachfolger ſein,
Mach's, HErr, nach dein'm Verlangen,

Ein Pilgrim bin ich halt nunmehr,

Muß reiſen fremde Straßen:

Drum bitt ich dich, mein Gott und HErr,
Du wollſt mich nicht verlaſſen!

Den Glauben hab' ich frei bekennt, ö
Des darf ich mich nicht ſchämen, ö
Wenn man mich gleich ein'n Ketzer nennt ö
Und thut mirs Leben nehmen.

Ach ſteh mir bei, du treuer Gott,
Ich thu mich dir ergeben,

Verlaß mich nicht in meiner Noth,
Wenns koſten ſollt mein Leben.

Keit'n und Band'n war'n mir mein Ehr
Um Jeſu willen zu dulden,

Und dieſes macht die Glaubenslehr

Und nicht mein bös Verſchulden.

SErr, wie du willſt, geb ich mich drein,
Bei dir will ich verbleiben,

Ich will mich in den Willen dein
Geduldig unterſchreiben.

Muß ich auch gleich ins Elend fort,
Will ich mich doch nicht wehren,
Ich hoff' gewis, Gott wird mir dort
Auch gute Freund beſcheren.

So geh' ich hin in Gottes Nam,
Alles iß mir genommen,

Doch weiß ich ſchon, die Himmelskron
Werd ich einmal be kommen.

So muß ich heut von meinem Haus
Die Jinder muß ich laſſen;

Meiik Gott, das treibt mir Zähren aus,
Zu wandern fremde Straßen.

Mein Gott führ' mich in eine Stadt,
Da ich dein Wort kann haben,

Darin will ich mich früh und ſpat

In meinem Herzen laben.

Soll ich in dieſem Jammerthal
Noch lang in Armuth leben,

Gott wird mir dort im Himmelsſaal
Ein' beſſ're Wohnung geben.

Der dieſes Liedlein hat gemacht,
Der wird hier nicht genennet,

Des Pabſtes Lehr hat er veracht't
Und Chriſtum frei bekennet.

Als ein lebendiges Zeugnis von dem Geiſte,
in welchem dieſe Leute ſtanden, ſtehe hier zugleich
noch das Gebet eines Salzburgers auf der Rei⸗
ſe. Es lautet alſo: „Nun du barmherziger
Heiland, auf deinen mir längſt ertheilten Befehl,
dem ich mich in meiner Taufe verpflichtet ge⸗
macht, und um deiner Ehre und Lehre willen
habe ich das liebe Kreuz aufgefaſſet, indem ich
von den boshaftigen Feinden des ſeligmachenden
Wortes bin verjaget und ins Elend getrieben!
worden. So ſtehe mir nun bei in dieſer Noth
und beſcheere mir fromme Mitchriſten, die ſich
meiner mildiglich annehmen. Stärke aber vor
allem in mir den Glauben und das Vertrauen
auf dich und laß mich alles Zeitliche williglich
vergeſſen und in den Wind ſchlagen. O HErr
Jeſu, der du ſelber ein armer Pilgrim und Ver⸗
wieſener auf Erden biſt geweſen und allerlei
Verfolgung ausgeſtanden haſt, laß dichs nicht.
verdrießen, noch auf dieſe Zeit und mit mir hilf⸗
loſen Exulanten herumzuziehen und mein treuer
Gefährte zu sein. Zeſus, mein Jeſus! wenn
ich nur dich habe, ſo frage ich nichts nach Him⸗
mel und Erde, wenn mir gleich Leib und Seele
verſchmachtet, ſo biſt du doch, o Gott! allezeit
meines Herzens Troſt und mein Theil. Jeſus,
mein Jeſus! bin ich allein, ſo biſt du mit dem
ganzen Heer deiner himmliſchen Diener bei mir

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