Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 12 › Seite 46

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-02-07, Seite 46

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Synoden

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vom alten Menschen in einem Christen übrig bleibe, was täglich ersäufet werden müsse und wozu das fortwährende Ermahnen von nöthen sei. Besonders sollten Christen darauf wohl Acht haben, daß sie nicht durch ihre eigne Vernunft zum Unglauben gegen Gottes Wort sich verführen lassen, wie alle Irrlehrer gethan haben; denn die Vernunft richtet damit, daß sie Gottes Wort meistern will, weit mehr Unglück in der Welt an, als grobe Sünde, und wer ihrer vorgeblichen Weisheit folge, begehe jene große Sünde der geistlichen Hurerei, welche so oft von den Propheten gestraft würde. Luther zeigt nun an einigen Hauptartikeln der christlichen Lehre, von der Dreieinigkeit, von der Taufe und von dem Abendmahl Christi, wie wir die Vernunft sollen im Zaume halten, ihren schönen Gedanken ja nicht folgen, sondern steif und fest bei dem Buchstaben der heil. Schrift bleiben; dies gründet er vornehmlich auf den Spruch Matth. 17, 5.: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören; mit diesem Spruche, sagt er, habe er sich durch Gottes Gnade bis dahin erhalten, sonst hätte er müssen dreißigerlei Glauben annehmen, den ihn eben so viel Rottengeister hätten lehren wollen. Hierauf ermahnt er mit großem Ernst auch in Zukunft, da noch viele Verführung kommen würde, nicht ein Haar breit von diesem Munde zu weichen, der da saget: Diesen höret. Die Zuhörer sollten auch Gott um reine Lehre anrufen und ja nicht um der Liebe willen in göttlichen Dingen das Geringste nachgeben und sich nicht nur vor den groben Lüsten, sondern auch vor den hohen, verborgenen Lüsten der Vernunft und menschlichen Weisheit hüten, indem dadurch die Einigkeit des Glaubens zerrissen und Hurerei, d. i. Abgötterei angerichtet werde. (Luthers Werke, XII, 1526 fl.)

So bezeugte Luther in seiner letzten Predigt seinen Wittenbergern, als ob er geahnt, daß sie sein Angesicht nicht mehr sehen würden, noch einmal alles das, was St. Paulus in seiner Abschiedspredigt Apostelg. 20. bezeugt hat. Bei Luthers Abreise nach Wittenberg ist noch ein an sich unbedeutender, aber in seinen Folgen wichtiger Umstand zu erwähnen. Er hatte sich nämlich auf den Rath seines Arztes, des Dr. Ratzeberger, schon einige Jahre früher ein Fontanell am linken Schenkel legen lassen, um dadurch seine heftigen Kopfschmerzen, Schwindel und andere Leiden zu lindern; und wirklich konnte er nach einiger Zeit wieder allein und ohne sich, wie früher oft geschehen, führen zu lassen, auf die Kanzel und in die Vorlesungen gehen. Bei seiner Abreise vergaß er aber in der Eile die zur Offenhaltung des Fontanells erforderlichen Mittel mit sich zu nehmen, und bei den vielen Geschäften, die er in Eisleben vor sich fand und die ihn weit länger aufhielten, als er anfangs geglaubt hatte, ließ er die Sorge für das Fontanell ganz außer Acht und dachte nicht daran, welche schlimme Folgen dies haben könnte; denn indem auf solche Weise die Wunde bei dem Fontanell zufiel und heilte, so wurde dadurch die fortwährende Absonderung des Krankheitsstoffes gehindert, der nun zurücktrat und nach Ratzebergers Urtheil sein Ende so schnell, jedoch nach Gottes gnädigem Willen herbeiführte.

Sonnabend den 23. Jan. reiste L. in Begleitung seiner drei Söhne von Wittenberg ab und kam den 25. Jan., als am Tage Pauli Bekehrung, in Halle an, wie er dies seiner Hausfrau in einem Briefe meldet. Er kehrte bei seinem alten Freunde Dr. Jonas ein, und über Tische reichte er ihm ein Glas zum Trunke dar, wobei er lateinische Reime machte, die nach einer alten Uebersetzung so lauteten:

Dem alten Dr. Jonas
Bringt Dr. Luther ein schön Glas,
Das lehrt sie alle beide fein,
Daß sie zerbrechliche Gläser seyn.

Dies erzählt Matthesius und bemerkt dabei: „Was Hertz voll ist, gehet der Mund über, der Mann trägt Todesgedanken bei sich und fähet an von Tag zu Tag zu sterben und der Ruhe zu begehren, darum muß ihn nicht allein Gottes Wort, sondern auch alle Creaturen trösten und predigen." Möchten doch dies auch diejenigen zu Herzen nehmen, welche ohne alle Scheu Luthern eine starke Neigung zum Trunke vorwerfen oder sich dabei auf Luthern berufen!

In Halle predigte Luther über die Epistel am Tage Pauli Bekehrung, Apostlg. 9, 1—19.*) Er handelt darin von dem Berufe Pauli zum Apostelamt und zeigt, wie derselbe weit herrlicher sei, als der andern Apostel Beruf und wie besonders wir, deren Väter Heiden gewesen sind, Gott dafür danken sollen, da er sich selbst einen Lehrer der Heiden nennt. Daher sollten wir nicht sowohl nach den vorgeblichen Häuptern Petri und Pauli fragen, die man aus Holz geschnitzt zu Rom zeigte, die Leute damit zu äffen, sondern wir sollten vielmehr das rechte Heiligthum, nämlich die heil. Schrift selbst, und insonderheit die Episteln Pauli fleißig betrachten; denn darin redet er noch jetzt zu uns, wie wir durch den Glauben an Christum von Sünden frei werden und zum ewigen Leben kommen könnten. Luther zeigt ferner, wie Paulus früher Christenblut vergossen, ja sogar den Namen des HErrn gelästert und auch andere, dies zu thun, gereizt habe, wie ihm aber dennoch Barmherzigkeit widerfahren sey, uns und aller Welt zu einem Gnaden-Exempel, daß wir nicht verzagen, wenn wir von unsern Sünden angefochten werden, sondern, wie er, an Christum glauben. Ob nun gleich die Sünde Pauli groß gewesen sey, so habe er sie doch unwissend gethan, der Pabst hingegen sündige wider den heiligen Geist, weil er sehr wohl wisse, daß er Unrecht habe. Auch sey Paulus in der heil. Schrift nicht so ungelehrt gewesen, als der Pabst, im Gegentheil habe er sie wohl gekannt und viel auf Moses gehalten, da er aber nicht besser unterrichtet gewesen wäre, so habe er in Moses nur das Gesetz, nicht aber Christum gesucht, von dem doch Mose z. B. im 5. B. 18, 15. deutlich zeuge. Ueberdies habe Paulus auch noch vor seiner Bekehrung heiliger und unsträflicher gelebt, als alle Mönche. Er sey auch der himmlischen Erscheinung und Stimme nicht ungehorsam gewesen, und als er von seinem Irrthum überzeugt worden, habe er davon abgelassen, wovon das gerade Gegentheil an den Papisten zu sehen sey. Weiter legt Luther dar, welch' eine herrliche Predigt Christus vor Paulo gehalten, wie er ihn zum Apostel berufen und ordinirt und ihm nichts andres befohlen habe zu predigen, als was er, Luther, auch predige, nämlich, wie wir allein durch den Glauben an Christum, daß er Gottes Sohn sey, und sonst durch nichts, weder durch Ablaß noch gute Werke, von Sünden los und selig würden. (L. W. XII, 1498 fl.)

*) Diese Predigt hat der damalige Prediger zu St. Moritz, Matth. Wankel, nebst noch einer andern, die Luther in demselben Jahre am Feste der Erscheinung (6. Jan.) dort gehalten hat, herausgegeben. Letzteres geschah ohne Zweifel auf einer früheren Reise, welche Luther in Aurifabers Begleitung und nach dessen Erzählung, um Weihnachten nach Mansfeld machte. (S. Grosch Vertheidig. der Luth. Religion. S. 4.) Die oben erwähnte Predigt aber hat Luther wahrscheinlich nicht am Tage Pauli Bekehrung (25. Jan.) gehalten, indem er an demselben Tage erst in Halle ankam.

Donnerstag den 26. Jan. reiste Luther mit seinen drei Söhnen und Dr. Jonas von Halle ab und mußte mit Lebensgefahr in einem Kahne über die hochangeschwollene Saale fahren, wobei er sagte: „Lieber Dr. Jonas, wäre das dem Teufel nicht ein fein Wohlgefallen, wenn ich Dr. Martinus mit dreien Söhnen und euch im Wasser ersöff." Auf der Mansfeldischen Grenze wurde Luther von den Grafen und ihrem Gefolge, welche einen Zug von 113 Mann zu Pferde ausmachten, höchst ehrenvoll empfangen. Allein noch unweit Eisleben überfiel ihn im Wagen plötzlich eine so große Schwachheit, daß man Gefahr für sein Leben fürchten mußte, wobei Luther sagte: „Das thut mir der Teufel allweg, wenn ich etwas großes vorhabe und ausrichten soll, daß er mich zuvor also versucht und mit einer solchen Tentation (Anfechtung) angreift." Als er in die für ihn bestimmte Wohnung gebracht und mit Tüchern gerieben wurde, erholte er sich wieder so, daß er noch an der Abendmahlzeit Theil nehmen konnte.

Schon am Tage nach seiner Ankunft begannen die Vergleichsunterhandlungen, an welchen Luther regelmäßig und zwar bis einen Tag vor seinem Ende (vom 29. Jan. bis 17. Feb.) persönlich beiwohnte in Gemeinschaft des Fürsten Wolfgang zu Anhalt, der alle Schriften Luthers sehr eifrig gelesen hatte, (L. W. XXII, 1824.), des Grafen Heinrich von Schwarzburg und des Dr. Jonas. Von Seiten der Mansfeldischen Grafen wohnten diesen Unterhandlungen ihre Räthe bei. Einer derselben, Dr. Melchior Klinge, war es vornehmlich, durch dessen Schuld seit Jahren die obschwebenden Streitigkeiten noch immer mehr in die Länge gezogen, und alle christliche Vergleichs-Vorschläge, die Luther that, verworfen wurden; daher drang Luther darauf, daß dieser Klinge nicht mehr bei den Unterhandlungen erscheinen durfte und wieder nach Wittenberg, wo er Professor der Rechte war, zurückkehren mußte.

Luther hat den Grafen mehrmals prophezeit, daß ihre unseligen Streitigkeiten noch zuletzt ihr und der ganzen Grafschaft Verderben nach sich ziehen würden, und dies ist auch wirklich und zwar schon 24 Jahre nach Luthers Tode geschehen; denn da die Grafen immer mehr

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of the old man still remains in a Christian, which must daily be drowned, and for which continual admonition is necessary. Christians should especially take care not to let themselves be led by their own reason into unbelief against God's Word, as all false teachers have done; for reason, by wanting to master God's Word, causes far greater misfortune in the world than gross sin does, and whoever follows its supposed wisdom commits that great sin of spiritual whoredom, which the prophets so often rebuked. Luther then shows, using a few chief articles of Christian doctrine — the Trinity, Baptism, and the Lord's Supper of Christ — how we are to keep reason on a tight rein and by no means follow its attractive notions, but instead remain firm and steadfast on the letter of Holy Scripture; he bases this chiefly on the saying in Matthew 17:5: "This is my beloved Son, in whom I am well pleased; hear him!" By this saying, he says, he had by God's grace been preserved until now; otherwise he would have had to adopt thirty different faiths, since just as many factious spirits had wanted to teach him one. Thereupon he admonishes with great earnestness that in the future too, since much seduction was yet to come, one should not depart a hair's breadth from this mouth that says: Hear this one! The hearers should also call upon God for pure doctrine, and should by no means yield the least bit in divine matters for love's sake, and should guard themselves not only against gross lusts but also against the lofty, hidden lusts of reason and human wisdom, since through these the unity of faith is torn apart and whoredom — that is, idolatry — is brought about. (Luther's Works, XII, 1526ff.)

Thus, in his last sermon, Luther testified once more to his Wittenbergers — as though he sensed that they would not see his face again — everything that St. Paul had testified in his farewell sermon in Acts 20.

Concerning Luther's departure from Wittenberg, one further circumstance should be mentioned, insignificant in itself but important in its consequences. Some years earlier, on the advice of his physician, Dr. Ratzeberger, he had had a seton placed in his left thigh, in order to relieve his severe headaches, dizziness, and other ailments; and indeed, after some time he was again able to go to the pulpit and to his lectures unassisted, without being led as had often happened before. But upon his departure, in his haste, he forgot to take with him the remedies needed to keep the seton open, and amid the many affairs that awaited him in Eisleben and detained him far longer than he had at first believed, he entirely neglected the care of the seton and did not consider what ill consequences this might have; for as the wound at the seton in this way closed up and healed, the continual discharge of the morbid matter was thereby prevented, which now

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receded inward and, in Ratzeberger's judgment, brought about his end so quickly — yet according to God's gracious will.

On Saturday, January 23, Luther departed from Wittenberg accompanied by his three sons, and arrived in Halle on January 25, the Feast of the Conversion of St. Paul, as he reports to his wife in a letter. He lodged with his old friend Dr. Jonas, and at table he handed him a glass to drink from, making Latin verses on the occasion which, according to an old translation, ran thus:

To old Dr. Jonas
Dr. Luther brings a fine glass;
It teaches them both well
That they are fragile glasses.

Mathesius relates this and remarks on it: "What the heart is full of, the mouth overflows with; the man carries thoughts of death within him and begins from day to day to die and to long for rest; therefore not only God's Word but also every creature must comfort and preach to him." Would that this might also be taken to heart by those who, without any shame, charge Luther with a strong inclination to drink, or who appeal to Luther in support of such a charge!

In Halle Luther preached on the epistle for the Feast of the Conversion of St. Paul, Acts 9:1–19.*) He deals there with Paul's call to the apostolic office, and shows how much more glorious it was than the call of the other apostles, and how we especially, whose fathers were heathen, should thank God for this, since Paul calls himself a teacher of the Gentiles. Therefore we should not so much ask after the supposed heads of Peter and Paul, which were shown carved in wood at Rome to deceive people, but should rather diligently study the true sanctuary, namely Holy Scripture itself, and especially the epistles of Paul; for in them he still speaks to us today, telling how we may become free from sin through faith in Christ and attain eternal life. Luther further shows how Paul had formerly shed Christian blood, indeed had even blasphemed the name of the Lord and incited others to do so, but how mercy was nevertheless shown to him, as an example of grace for us and for all the world, that we should not despair when we are assailed by our sins, but should, like him, believe in Christ. Although Paul's sin had been great, he had done it in ignorance, whereas the pope sins against the Holy Spirit, because he knows very well that he is in the wrong. Nor was Paul so unlearned in Holy Scripture as the pope; on the contrary, he knew it well and held Moses in high regard, but since the pope had not been better instructed, he had sought in Moses only the law and not Christ, of whom Moses nevertheless clearly testifies, for example in Deuteronomy 18:15. Moreover, Paul had lived, even before his conversion, a holier and more blameless life than all the monks. Nor had he been disobedient to the heavenly vision and voice, and once convinced of his error, had abandoned it — the very opposite of what is seen in the papists. Luther further sets forth what a glorious sermon Christ preached before Paul, how he called and ordained him to the apostolic office and commanded him to preach nothing other than what he, Luther, also preaches — namely, that we are freed from sin and made blessed solely through faith in Christ as the Son of God, and by nothing else, neither indulgences nor good works. (L. W. XII, 1498ff.)

*) This sermon, together with another which Luther preached in the same year at the Feast of the Epiphany (January 6) there, was published by the then preacher at St. Moritz, Matthäus Wankel. The latter sermon was without doubt delivered on an earlier journey that Luther, in Aurifaber's company and according to his account, made to Mansfeld around Christmas. (See Grosch, Defense of the Lutheran Religion, p. 4.) The sermon mentioned above, however, was probably not delivered by Luther on the day of the Conversion of St. Paul (January 25), since he did not arrive in Halle until that very day.

On Thursday, January 26, Luther departed from Halle with his three sons and Dr. Jonas, and had to cross the swollen Saale in a boat at the risk of his life, whereupon he said: "Dear Dr. Jonas, would that not be a fine delight to the devil, if he should drown Dr. Martinus along with his three sons and you in the water!" At the border of Mansfeld territory, Luther was received with the greatest honor by the counts and their retinue, who formed a procession of 113 men on horseback. But not far from Eisleben, a sudden and severe weakness overcame him in his carriage, so great that fears were raised for his life, whereupon Luther said: "The devil always does this to me when I have something great in mind and am to carry it out — that he first tempts me in this way and attacks me with such a temptation (trial)." When he was brought to the lodging prepared for him and rubbed with cloths, he recovered so well that he was still able to take part in the evening meal.

Already on the day after his arrival, the settlement negotiations began, in which Luther took part personally and regularly, indeed right up until the day before his death (from January 29 to February 17), together with Prince Wolfgang of Anhalt — who, it is said, had read all of Luther's writings very eagerly (L. W. XXII, 1824) — Count Heinrich of Schwarzburg, and Dr. Jonas. On the side of the Counts of Mansfeld, their councillors attended these negotiations. One of these, Dr. Melchior Klinge, was chiefly to blame for the fact that the pending disputes had for years been dragged out ever longer, and that every Christian proposal for settlement that Luther made was rejected; Luther therefore insisted that this Klinge no longer be permitted to appear at the negotiations, and that he be required to return to Wittenberg, where he was a professor of law.

Luther repeatedly prophesied to the counts that their ill-fated disputes would in the end bring ruin upon themselves and upon the entire county, and this indeed came to pass, already twenty-four years after Luther's death; for as the counts incurred ever more