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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-02-07, Seite 45
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Luther · Luther 1
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 2.
St. Louis, Mo., den 7. Februar 1846.
No. 12.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
(Eingesandt von Pastor Keyl.)
Die Gedächtnißfeier des Todestages Dr. Martin Luthers.
Luthers letzte Reise nach Eisleben und Verhandlungen daselbst.
Gott hatte seinen Knecht, Dr. Luther, 63 Jahr lang also behütet, daß der Satan und alle seine Werkzeuge mit aller ihrer List und Gewalt nicht vermocht hatten, ihn ums Leben zu bringen; es war nicht Gottes Wille, daß dieser Märtyrer auch den Märtyrertod sterben sollte, wohl aber wollte er ihm seinen sehnlichsten Wunsch gewähren, aufgelöst und bei Christo zu sein, darum eilte er nun mit ihm aus diesem bösen Leben und zwar wollte er ihn in seiner Vaterstadt Eisleben aus diesem Jammerthal zu sich nehmen in den Himmel, daher lenkte es Gott also, daß er dorthin reiste.
Die Veranlassung zu dieser letzten Reise Luthers nach Eisleben war die von ihm begehrte Vermittelung in den langjährigen Streitigkeiten, welche sowohl unter den Grafen v. Mansfeld selbst, als auch zwischen ihnen und ihren Unterthanen statt fanden. Mehrere der letzteren besaßen nämlich einträgliche Bergwerke, von welchen sie jährlich gewisse Abgaben an die Grafen entrichteten; diese aber, durch den zunehmenden Gewinn der Eigenthümer gelockt, suchten die Bergwerke selbst an sich zu bringen; namentlich geschah dies von Seiten des lutherischen Grafen Albrecht, während der noch römisch-katholische Graf sich diesem Beginnen widersetzte. Allein von dem Jahre 1540 an traten die beiden Söhne des letztern, Philipp und Georg, welche sich auch nun zur lutherischen Kirche bekannten, dem Grafen Albrecht bei, weshalb Luther drei nachdrückliche Schreiben an sie erließ, worin er ihnen ihr Unrecht ernstlich vorhielt. (S. L. W. XXI, 436 fg., 454 fg. und 463 fg.) Er that dies aus Liebe zu seinem Vaterlande und zu seinen Landesherrn, aus Mitleiden über den schweren Verlust der Bergwerksbesitzer, unter denen sich mehrere seiner Schwäger befanden, so wie um seines Predigtamts willen, nach welchem er öffentliche Sünden strafen mußte.
Als im Jahre 1545 Graf Georg nach Wittenberg kam, so bat ihn Luther mündlich, den Grafen Albrecht in seinem ungerechten Beginnen gegen seine Unterthanen fernerhin nicht mehr zu unterstützen, den letztern alle Billigkeit zu beweisen und auf einen Vergleich zur Beilegung der ärgerlichen Streitigkeiten bedacht zu sein. Der Graf versprach zwar Luther mit der Hand, seinem Rathe zu folgen, verlachte ihn aber hinter seinem Rücken und es blieb alles wie vorher. Nicht viel besser verhielt sich Graf Albrecht; er war zwar Luthern geneigt, nur konnte er seinen Widerspruch in der Bergwerksfache nicht vertragen und ob er gleich versprach, sich hierin der Entscheidung redlicher Leute und namentlich Luthers zu fügen, so war dies doch nur ein leeres Vorgeben; denn als im Herbst 1545 Luther in Begleitung Melanchthons und Dr. Jonas mit Erlaubniß des Churfürsten nach Eisleben reiste, um einen Vergleich zu Stande zu bringen, mußten sie unverrichteter Sache wieder nach Wittenberg zurückkehren. Bald darauf zeigten sich die Grafen aufs neue zu Vergleichshandlungen geneigt und ließen Luthern durch den Canzler Lauterbeck zur persönlichen Theilnahme daran einladen. Luther entschloß sich auch dieser Einladung zu folgen und schrieb am 6. Dez. 1545 an den Grafen Albrecht: „Es muß um ein acht Tage nicht Noth haben, wiewohl ich viel zu thun habe, die ich daran wagen will, damit ich mich mit Freuden in meinen Sarg legen möge, wo ich zuvor meinen lieben Landesherrn vertragen, und freundliches, einmüthiges Herzens erschen habe.“ (L. W. XXI, 512.)
Wie viel Luther noch in den letzten Wochen seines Lebens zu arbeiten und zu leiden hatte, das erhellet aus einem Briefe, welchen er am 17. Januar 1546 und demnach einen Monat vor seinem Tode, an einen seiner ältesten und besten Freunde, Jacob Probst, den ersten Prediger des Evangeliums in Bremen, schrieb. (L. W. XVII, 2634 fl.) Der Anfang dieses Briefes lautet also: „Heil und Friede. Ich alter, abgelebter, fauler, müder, kalter und dazu einäugiger*) schreibe jetzund. Und da ich meynete, man sollte mir Halberstorbenen billig Ruhe lassen, so gehets, als ob ich niemals etwas geschrieben, geredt und gethan hätte, daß ich mit schreiben, reden, thun und dulden überhäufet werde. Aber Christus, der alles in allem ist, der ist mächtig und thätig, der sey gebenedeyet in Ewigkeit, Amen.“ Luther deutet darin auch auf sein nahes Ende hin, wenn er schreibt: „So ich auch vor dir hingehe, (welches ich wünsche), so will ich dich nach mir ziehen.“ Er schließt mit den Worten: „Wir sind Sünder; der aber ist unsere Gerechtigkeit, der da lebet in Ewigkeit, Amen.“
Von seiner letzten Reise hat Luther, wie Aurifaber mehrmals aus seinem Munde gehört, gesagt, er habe sie deshalb unternommen, „daß er von täglicher Arbeit und Anlaufen ein wenig Ruhe haben, zu Eisleben nur predigen, beten und seine Landesherren zur Eintracht und Friede vermahnen wolle.“ (L. W. XII, 1566.) Aus dem bisher Gesagten lassen sich die Verleumdungen des Cochläus hinlänglich widerlegen, als ob sich Luther hierbei unbefugter Weise in weltliche Angelegenheiten gemischt habe. Ueberdies reiste er auch auf ausdrücklichen Befehl seines Churfürsten nach Eisleben und überbrachte von ihm ein Ermahnungsschreiben, den Vergleich zu Stande zu bringen.
Kurz vor seiner Abreise nach Eisleben hat Luther am Ende einer am Sonntage gehaltenen Predigt die Leute ermahnet fleißig zu beten, die Geister zu prüfen, auch vieles von der einige Jahre nachher geschehenen Verfälschung der Lehre bei den Wittenbergern zuvor gesagt und die Zuhörer gebeten: wenn sie hörten, daß er krank sei, so sollten sie Gott für ihn nicht um ein langes Leben, sondern um ein gnädiges Stündlein bitten. „Ich habe, sprach er, der Welt satt und die Welt meiner, seyn also leicht zu scheiden, wie ein Gast die Herberge ganz gerne quittirt.“ (Seckendorf, S. 2612.)
Die letzte Predigt in Wittenberg hielt Luther am 2. Sonntag nach Epiphaniä als am 17. Januar (an welchem Tage auch obiger Brief an Probst datirt ist,) über Röm. 12, 3. fg. In dieser Predigt handelt Luther nach St. Pauli Vorbild in allen seinen Episteln und insonderheit in der an die Römer, von den beiden Hauptstücken der christlichen Lehre, nämlich zuerst von dem Glauben und von allem, was dahin gehört, (Errettung von Sünde, Gesetz, Tod und Erlangung des ewigen Lebens,) Röm. Kap. 1—11, und dann von den Früchten des Glaubens, oder von den guten Werken nach den 10 Geboten. Röm. Kap. 12—16. Luther zeigt dabei, daß einem Christen in der Taufe wohl seine Sünde vergeben sei, daß aber auch nach der Taufe noch Vieles
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*) Der Schaden am Auge, welchen Luther wahrscheinlich mit diesem Ausdruck „einäugig“ bezeichnen will, ist auf einem Bilde desselben von der Hand seines Freundes L. Cranach ausgedrückt, welches sich in der Kunstsammlung des Waisenhauses zu Halle befindet.
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall not pass away, now nor forevermore."
Published by C. F. W. Walther.
St. Louis, Mo., February 7, 1846.
No. 12.
Volume 2.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, for a subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay half of this in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis, each individual issue is sold for 5 cents.
(Submitted by Pastor Keyl.)
The Commemoration of the Anniversary of the Death of Dr. Martin Luther.
Luther's Last Journey to Eisleben and the Negotiations There.
God had so protected his servant, Dr. Luther, for sixty-three years, that Satan and all his instruments, with all their cunning and might, had not been able to take his life; it was not God's will that this martyr should also die a martyr's death, yet he did wish to grant him his most ardent desire, to be released and to be with Christ; and so he now hastened to take him out of this evil life — indeed, he wished to take him from this vale of tears into heaven in his native city of Eisleben. Therefore God so guided things that he journeyed there.
The occasion for this last journey of Luther's to Eisleben was the mediation he had been asked to provide in the long-standing disputes that existed both among the Counts of Mansfeld themselves and between them and their subjects. Several of the latter, namely, owned profitable mines, for which they paid certain annual dues to the counts; the counts, however, tempted by the owners' growing profit, sought to seize the mines for themselves. This was done in particular by the Lutheran Count Albrecht, while the count who was still Roman Catholic opposed this undertaking. But from the year 1540 on, the latter's two sons, Philip and Georg, who now also professed the Lutheran church, sided with Count Albrecht, for which reason Luther issued three forceful letters to them, in which he earnestly reproached them for their wrongdoing. (See L. W. XXI, 436ff., 454ff., and 463ff.) He did this out of love for his fatherland and for his territorial lords, out of compassion for the heavy loss suffered by the mine owners, among whom were several of his brothers-in-law, and also for the sake of his preaching office, by virtue of which he had to rebuke public sins.
When Count Georg came to Wittenberg in 1545, Luther asked him in person no longer to support Count Albrecht in his unjust undertaking against his subjects, but to show the latter every fairness and to be intent upon a settlement that would end the vexatious disputes. The count indeed gave Luther his hand and promised to follow his counsel, but mocked him behind his back, and everything remained as before. Count Albrecht behaved not much better; he was indeed favorably disposed toward Luther, but he could not bear Luther's opposition in the matter of the mines, and although he promised to submit this to the decision of honest men, and Luther in particular, this was nevertheless only an empty pretense; for when, in the autumn of 1545, Luther, accompanied by Melanchthon and Dr. Jonas, traveled to Eisleben with the elector's permission in order to bring about a settlement, they had to return to Wittenberg with the matter unaccomplished. Soon afterward the counts again showed themselves inclined toward settlement negotiations, and had Luther invited, through the chancellor Lauterbeck, to take part in person. Luther resolved to accept this invitation as well, and wrote to Count Albrecht on December 6, 1545: "There must be no difficulty about a week's time, though I have much to do, which I am willing to risk, so that I may lay myself joyfully in my coffin, having first reconciled my dear territorial lords and seen their hearts friendly and united." (L. W. XXI, 512.)
How much Luther still had to labor and suffer in the last weeks of his life is made clear by a letter he wrote on January 17, 1546 — and thus one month before his death — to one of his oldest and best friends, Jacob Probst, the first preacher of the Gospel in Bremen. (L. W. XVII, 2634ff.) The beginning of this letter reads as follows: "Grace and peace. I, old, worn-out, sluggish, weary, cold, and moreover one-eyed,*) write now. And whereas I thought that I, being half-dead, ought fairly to be left in peace, it happens instead as if I had never written, spoken, or done anything, so that I am overwhelmed with writing, speaking, doing, and enduring. But Christ, who is all in all, he is mighty and active; blessed be he forever, Amen." Luther also hints in it at his approaching end, when he writes: "So if I also go before you (which I desire), I will draw you after me." He closes with the words: "We are sinners; but he is our righteousness, who lives forever, Amen."
*) The injury to the eye which Luther probably means to indicate by this expression "one-eyed" is shown in a portrait of him by the hand of his friend L. Cranach, which is to be found in the art collection of the orphanage at Halle.
Of his last journey Luther said — as Aurifaber heard from his own lips on several occasions — that he had undertaken it so that he might have a little rest from his daily labor and burdens, and that at Eisleben he wished only to preach, to pray, and to admonish his territorial lords to harmony and peace. (L. W. XII, 1566.) From what has been said so far, the slanders of Cochlaeus, as though Luther had here improperly meddled in worldly affairs, can be sufficiently refuted. Moreover, he traveled to Eisleben also at the express command of his elector, and brought from him a letter of admonition urging that the settlement be brought about.
Shortly before his departure for Eisleben, Luther, at the end of a sermon delivered on a Sunday, admonished the people to pray diligently and to test the spirits, and also spoke beforehand of much of the corruption of doctrine that was to occur some years later among the Wittenbergers, and asked his hearers that, if they heard he was ill, they should not pray to God for him for a long life, but for a gracious final hour. "I am," he said, "weary of the world, and the world of me; it is as easy to part as a guest quite gladly quits an inn." (Seckendorf, p. 2612.)
Luther preached his last sermon in Wittenberg on the second Sunday after Epiphany, that is, on January 17 (the very day on which the above letter to Probst is also dated), on Romans 12:3ff. In this sermon Luther deals, after the example of St. Paul in all his epistles and especially in that to the Romans, with the two chief parts of Christian doctrine — first, faith and everything belonging to it (deliverance from sin, the law, death, and the attainment of eternal life), Romans chapters 1–11, and then the fruits of faith, or good works according to the Ten Commandments, Romans chapters 12–16. Luther shows in this that a Christian's sin is indeed forgiven in baptism, but that also after baptism much
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