Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 9 › Seite 72

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-21, Seite 72

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Zeugniß etlicher Glieder der Synode
von Miſſouri, Ohio u. a. St. in Be⸗
treff des Grabauiſchen Streites.

(Fortſetzung und Schluß.)

Wir wiederholen, daß wir uns zu dieſer Er—
klärung um der Wahrheit und des guten Na—
mens unſrer Synode willen gezwungen ſehen,
und daß wir es nicht aus Rückſicht gegen Gra⸗
bau tbun. Denn dieſer Mann hat ſich ſchon
längſt durch ſeine eigenen Schriften und die
Art ſeines Kampies dermaßen ſelbſt in unſern
Herzen u. Gewiſſen angeſchwärzt, daß wir nicht
boffen können, daß noch irgend ein Zeugniß
der Wahrheit bei ibm Eingang finden und die.
gewünſchte Frucht haben könnte. Ihm alleine
gegenüber würden wir's für verlorene Mühe
halten.

Es bedarf keiner großen Selbſtſtändiakeit und
Unbefangenheit, um aus den Streitſchriften
Grabau's und der miſſouriſchen Sunode her-⸗
auszufinden, auf welcher Seite die Wabrbeit
und namentlich der redliche. gottesfürchtige Sinn
iſt. Wir haben dieſen Streit mit Aufmerkſam—
keit verfolat und Grabau gründlich kennen ge—
lernt. Die von ihm beſtrittene Wahrheit iſt er—
wieſen, iſt gründlich, klar und unwiderleglich
dargetban, mag ſich der Mann auch winden
und drehen und das Waſſer noch ſo ſebr zu
trüben ſuchen, damit er entweder im Trüben
fiſchen oder ſeine Niederlage verbergen kann:
es hilft ihm nichts; er hat ſich ſelbſt an der
Wahrheit und vor den Augen aller wahrbeits—
liebenden Menſchen zu Schanden gemacht. Mit
ttlichen frechen Behauptungen und diktatori—
ſchen Machtſprüchen iſt die Sache nicht abge—
tban. Auch beweiſen Bannflüche und Schelt—
worte die Wahrheit nicht. Oder wenn Grabau
ſolche Gefangennehmung unſres Glaubens, un⸗
ſrer Vernunft und unſres Gewiſſens unter ſeine
unbegründeten, rechthaberiſchen und frechen Be—
bauptungen fordert, ſo müßten wir ja, bei Fol⸗
geleiſtung, grade das ſein, was er uns andich—
tet: blinde Knechte eines Menſchen und er muß
ein Miniaturpapſt ſein. Nun wollen wir ihm
zwar das Letztre laſſen, aber zum Erſtren haben
wir nicht Luſtz wir wollen uns nicht von ihm
die Augen blenden und ſeiner tückiſchen Herrſch⸗
ſucht unterwerfen laſſen (l. Corinth. 7, 23.).
Mag das auf ſeine Gefahr hin thun, wer

da will.

Ees iſt indeſſen Grabau ſchon lange nicht
mehr um Wahrheit oder Unwahrheit zu thun;
ſondern ſein Blatt, Informatorium genannt,
zeigt auf's klarſte, daß er nur noch einen bit⸗
tren, meuchleriſchen Kampf gegen die von ihm
gebaßten Perſonen, namentlich Herrn Profeſſor
Walther, führt, wozu mißbräuchlicherweiſe die
edle Wahrheit ihren Namen zum Deckel herger
ben muß — einen Kampf, der auf Grabau's
Seite bereits zum ehnloſen, ſchmachvollen Kna⸗
bengezänk heruntergeſunken iſt. Mit ſtichhalti⸗
gen Grüͤnden operirt er nicht. Wo ſollte er ſie
auch bei ſeinen Irrthümern hernehmen? So
hilft er ſich auf andre Weiſe. Die freche Art,

womit er und ſeine Anhänger den Sinn ſeiner!

—71—

Gegner und ihre Worte verdrehen, die tücki—
ſchen, hämiſchen und boshaften Behauptungen
und Beſchuldigungen, die faſt jederzeit des ent⸗
fernteſten Grundes entbehren, die unerhörte
Keckheit, womit er der Wahrheit in's Angeſicht
ſchlägt, ſo daß man zuweilen ſeinen Angen und
Ohren nicht mehr traut, die ganze böswillige
Tendenz ſeines Blattes ſind in der That frap—
pant und empörend.

ſei und nicht Gottes Gericht fürchte. Nur die
Operationen des Papſtthums und der Jeſuiten
liefern eine Paralelle hiezu. Doch ſtützen ſich
letztre, und zuweilen anfänglich mit wahrer Pie⸗
tät auf den Satz: ad majorem Dei gloriam.
Auf was ſich aber Grabau ſtützt, das iſt ein
obscuratum‘). Wie gräulich und finſter muß
es in einenn Herzen ausſehen, aus dem ſo etwas
ohne Schaam n. Furcht hrrausgeht! Wir kön—
nen uns des grauenvollen Gedankens nicht
mehr erwehren, daß hier bewußte Bosheit
mit im Spiele iſt. Das angerichtete Aergerniß
und die Schmach, die durch Grabau's wahr⸗
heitswidrige, verdrehte und hochmüthige Hart—
näckigkeit auf die gute Sache gekommen iſt, falle
auf ſeinen Kopf. Wit wollen keinen Theil da—
ran haben. Doch ſoll er wiſſen, daß er uns
einen augenfälligen Dienſt gethan hat, näm-
lich den, daß er durch ſeinen Widerſpruch die
Lehre unſrer Kirche von Kirche und Amt mehr
an's Licht gefördert und zu allgemeinerem, kla—
rerem Bewußtſein gebracht hat. Das aber dan—

ken wir ihm, wie wir's dem Teufel danken, daß.

er unſern Herrn Chriſtum an's Kreuz gebracht,

und wie wir's dem Papſte und dem ſchändlichen

Tetzel, Eck ꝛc. danken, daß ſie Luthern in's
Reformationswerk und gründliche Bibelſtudium
getrieben haben. — Rottenprediger, Rottenbe—
ſchützer nennt er ſämintliche Glieder der miſſon—
riſchen Synode: wie wäre es, wenn man ihm
nachwieſe, daß dieſes Prädicat ihm gehört und
noch mehr als dies? Es iſt erwieſen, daß er
viele Perſonen ungerechterweiſe gebannt hat,
alle diejenigen nämlich, die ſich ſeiner Herrſchaft
nicht mit gutem Gewiſſen unterwerfen konnten
oder es zu behaupten wagten, die Wahrheit
liege auf Seiten der miſſouriſchen Synode.
Haben wir uns nun ſolcher verlaſſenen Seelen
angenommen und Grabau will ſeine Sünde
nicht erkennen, wie's ja am Tage iſt, ſo ſind
nicht wir die Rotte, ſondern er iſt's mit denen,
die ſeine Sünde gutheißen oder vertheidigen.
Iſt das nicht eine irrthümliche und rottiriſche
Tendenz, daß er ſich und ſeine Anhänger als
die lutheriſche Kirche berrachtet und arußer die⸗
ſem Häufleir kaum noch eine (eigentlich keine)
reine lutheriſche Kirche mehr anerkennt? Er
wage es doch einmal, dieſe in ſeinem Kreiſe
gangbare Tendenz oͤffentlich zu widerrufen; er
wagrees mit klaren, bündigen Worten zu ſchrei⸗
ben, daß er und die mit ihm Verbundenen
nichet die lutheriſche Kirche ſeien, ſondern I
nur ein Theil davon, und daß die und die auch

eine rechte lutheriſche Kirche ſei, und laſſe das“

ſeine irrgeleifete Gemeinde leſen. Wir wollen

) wahrſcheinlicy ad majorem ipsius gloriame. 0

Man muß oft erſtaunt.
fragen, ob denn ein Menſch ſolcher Dinge fähig—

I

uns dann freuen, daß wenigſtens dieſer Theil
der Wahrheit bei ſeiner Gemeinde wieder in
Anerkennung und Aufnahme kommt. Er wird
aber ſchon wieder einen Schlangenweg finden,
um einem offenen, ehrlichen Bekenntniß der
Wahrheit auszuweichen und ſeine Gemeinde in
dem für ſeinen Zweck vortheilhaften Irrthum
zu erhalten.

Was ſtatuirt einen Ketzer? Grundangrei⸗
fende Irrlehre in Verbindung mit böswilliger
Hartnäckigkeit. Nun ſind aber Grabau's Irr⸗
thünter in ſeiner Lehre von Kirche und Amt
wohlbekannt und dieſe ſind in ihren Conſequen⸗
zen grundangreifend, wie es jeder Irrthum
iſt. Der ftärkſte Gegenſatz zwiſchen der luthe—
riſchen und römiſchen Kirche beſteht in ihrem
beiderſeitigen Verhältniß zum Worte Gottes
und in der Lehre von der Kirche. Letztre ſetzt
das Weſen und die Apoſtolicität der Kirche in
die (ſogen.) apoſtoliſche Verfaſſung, ſtellt ſich
deßhalb über Gottes Wort und macht das See⸗
lenheil von den kirchlichen Amtsperſonen ab—
hängig. Erſtre ſetzt den Grund der Kirche in
der Apoſtel Lehre, in's objektive Wort Gottes
und macht alles, Lehre, Glauben, Leben, See⸗
lenheil vom Worte abhängig. Sie ſtellt ſich
unter das Wort und mit und von demſelben
iſt und hat ſie Alles, was Chriſti iſt, auch das
Amt.) Das unterſcheidende Principium der
lutheriſchen Kirche iſt daher die Lehre von der
ausſchließlichen, alleinigen Auctorität und un—
abhängigen, objektiven Kraft des Wortes Got—
tes. Wie ſteht nun Grabau zu dieſer Grund-
anſchauung der lutheriſchen Kirche? Er weiß
nichts von einer objektiven, alleinigen Kraft des
Wortes Gottes, ſondern macht die Auctorität
(ſofern er den Laien die Fähigkeit Lehre zu ur—
theilen abſpricht) und die Kraft und Wirkung
des Wortes, auch der Sakramente von dein
Antte, d. h. der Amtsperſon mit abhängig.
Dieſen Irrthum hat er im betreffenden Streite
klar ausgeſprochen. Aber auch in Prari —
und das iſt grade die ſchreckliche Frucht ſeiner
Irrthümer — feſſelt er die Seelen mit ihrem
Glauben und Gewiſſen — nicht an's Wort —
ſondern an ſeine Perſon, und macht das See—
lenheil, überhaupt Alles von ſeiner Perſon ab—
hängig. Damit ſteht er gänzlich auf dem.

Standpunkte der römiſchen Prieſter, ja des

Papſtes, und die ganze bibliſche Heilslehre wird
nothwendig afficirt. So nur iſt's auch mög⸗

lich, daß Grabau in ſeinem Kreiſe ein thatſäch⸗

licher pontikex maximus iſt, der alle geiſtliche
und weltliche Gewalt in Händen hat. Weltliche
Gewalt? lehrt er denn nicht, daß ihm die Ge—
meinde in allen Dingen, die nicht dem Worte
Gottes zuwider ſind, Gehorſam leiſten muß?

Das in Betreff ſeiner Lehre.

Was nun die Harmäckigkeit betrifft, muß
man frageu, ob es noch einen Menſchen geben
kann, der hartnäckiger, böswilliger uns unbeug—
ſamer iſt, als ſich Grabau bisher erwieſen?

Wir wiſſen zwar wohl, daß Grabau nun
nach gewohnter Weiſe ſo tief in ſeinen Koth
greifen wird, als nur immer möglich, um. uns

————
+) Ohnedas Wort hat ſie nichs.

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