Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 9 › Seite 67

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-21, Seite 67

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gende und ſtimmfübrende Stellung in der Sy⸗
node einnimmt. Wir erkennen dies hier um
ſo lieber öffentlich an, als Paſt. Grabau und
Anhang ſtets darauf ausgehen dieſen theuren
Mann, den wir um des Gebers aller Gaben
und ſeines bewährten Wahrheitsſinnes willen
ehren und lieben, auf tückiſche, wirklich boshafte
Weiſe öffentlich zu verdächtigen und herunter⸗
zuſetzen. Aber wir erklären hier feierlich, daß
wir deſſenungeachtet aus keiner andern Urſache
zur Sonode von Miſſouri gehören und Herrn!
Prof. Walther in Betracht der Lehrſtreitigkeiten
von Kirche und Amt beiſtimmen, als aus freier,
ſelbſtſtändiger Ueberzeugung; weil wir nämlich
einerſeits bei dieſer Synode die reine lutheriſche
Kirchenlehre, reſp. die reine Lehre der h. Schrift
überhaupt in Theorie und Praxis vorfinden,
und weil wir andrerſeits im Beſon deren in den
von Herrn Prof. Walther aufgeſtellten, aus
der heil. Schrift, den Spmbolen und Privat⸗
ſchriften der anerkannten luth. kirchlichen Aue—
toritäten hinlänglich begründeten und erwieſe—
nen Theſen das reine, echtlutheriſche, ſchrift—
mäßige Lehrprincip erkennen, das wir hiemit
als unſre eigene Ueberzeugung öffentlich beken
nen. Auch uüſſen wir der Wahrheit zu Lieb
offen bezeugen, daß Herr Prof. Walther für
ſeine Perſon ferne davon iſt eine Oberherrlich⸗
keit in der Synode anzuſprechen, orer eine Un⸗

terwürfigkeit der Synovalglierer zu begehren.

Die nothwendige Einheit der Synodalglieder in
der Lehre wird, wenn ja bei Einem oder dem
Andern in einem gewiſſen Punkte eine Unklar⸗
heit oder abweichende Meinung hervortritt, nur
auf dem Wege der freieſten Ueberzeugung er⸗
halten. Iſt's aber dem Herrn Grabau und
ſeinen Leuten zuwider und ärgerlich, daß Herr
Prof. Walther ſolche gründliche Kenntniß der
lutheriſchen Lehre und Literatur, ſolche richtige
Logik, Darſtellunas- und Ueberzeugungsgabe
beſitzt, die ihm Anerkennung und brüderlich
freudige Beiſtimmung erwirbt, ſo mögen ſie mit
Gort hadern; wir danken Gott dafür'und freu—
en uns darüber, indem wir ſeine Gaben und
Wiſſenſchaft als Gemeingut der Kirche betrach—
ten, wie ſie auch Herr Prof. Walther nicht an⸗
ders verwendet, noch angeſehen wiſſen will, ſo
daß wir alle unſern ſegensreichen Antheil und
Gewinn davon haben. Ein Andres iſt's ſeine
Gaben für ſich ſelbſt, zu perſönlicher Erhebung,
Vortheil und Gewinn zu verwenden, ein Ande⸗
res dieſelben in eigener Anſpruchsloſigkeit dem
Dienſte der Wahrheit, dem Wohle der Kirche
und gemeinen Nutzen zu weihen. Erſtres iſt
ein ſchändlicher Mißbrauch und Sacrilegium,
letztres der rechte Gottesdienſt, die rechte Be⸗
tufserfüllung und Treue gegen den Herrn der
Kirche. Erſtres finden wir bei Grabau, letz⸗
tres bei Herrn Prof. Walther. Und wie es
immer der hoffärtigen Prätenſion gehet, ſo auch
hier: der Anſpruchsvolle erlanget nichts, und
wenn er ſich ſchier zu Tode neidet: dem An⸗
ſpruchsloſen wendet Gott die Herzen zu.
(Fortſetzung folgt.)

Vereinigung mit der General⸗
Sunode.

Unſere Leſer wiſſen, daß es neuerdings in
Vorſchlag gebracht worden iſt, alle Synoden,
welche ſich lutheriſch nennen, mit der ſ. g. Ge⸗
neral⸗Synode, und ſo zu Einem großen Kör⸗
per zu vereinigen. In den letzterſchienenen
Nummern des „Lutheran Obſerver“ erklärt ſich
in Folge jenes Vorſchlags ein gewiſſer Sander,
Glied der General⸗Synode, zwar für eine Ver⸗

feſſion, aber unter gewiſſen Einſchränkungen.

Warum er nicht für eine Vereinigung auf

Grund unbedingter Annahme der Augsburgi⸗
ſchen Confeſſion ſtimmen könne, dafür giebt der
Schreiber Folgendes an:

„1. Es iſt Thatſache, daß die Lutheriſche

Kirche gewiſſe Normſchriften, genannt ſombo⸗
liſche Bücher, angenommen hat; 2. iſt es
Thatſache, daß die Augsburgiſche Confeſſion,
eines von dieſen ſymboliſchen Büchern, die we⸗
ſentliche Gegenwart des Leibes und Blutes
Chriſti im heil. Abendmahl nebſt mehreren an—
deren Dingen lehrt, welche vielen proteſtanti⸗
ſchen Chriſten anſtößig ſind; und 3. iſt es

eine Thatſache, daß beinate alle Freunde und

Beförderer der General⸗Synode einige in der
Augsburg. Conf. dargelegte Lehren verwerfen.
Aus dieſen Thatſachen, welche unbeſtreitbar ſind,
ziehe ich etliche Schlüſſe, nehmlich 1. daß,
wenn eine Kirche gewiſſe ſymboliſche Bücher
anerkennt, es der Welt ganz natürlich iſt, jene
nach denſelben zu beurtheilen; 2. daß alle ſo
von einer Kirche anerkaunten Lehren bindend
ſind, bis ſie in Folge empfangenen neuen Lich—
tes wieder abgeſchafft worden ſind: 3. daß eine
Vereinigung irgend einer Synode mit der Ge—
neral⸗Synode, die anſtößige Lehren feſthält (ſo
einſtimmig dieſelben auch mit der Symbollehre
ſein mögen), dieſem Körper dieſelbe Nachrede
zuziehen würde, welche ſich unter erleuchteten
Proteſtanten um gewiſſe Alt-Lutheraner und
Kleichgültige Formaliſten geſammelt hat. Und
das iſt mein erſter Grund, eine ſolgde Union
abzuweiſen“ ..

„2. Doch der Grund, welchen ich nun vor—
lege, obgleich der zweite nach der Ordnung, iſt
der erſte in Betreff der Wichtigkeit. Ich ſage
daher, die beabſichtigte Union iſt unwünſcheus⸗
werth, weil die General⸗-Synode dadurch Irr⸗
thum feierlich beſtätigen würde, während die
Schrift ſagt, mache dich nicht theilhaftig frem⸗
der Sünden.“

„3. Eine ſolche Vertinigung würde die Aus⸗
breitung unſerer Kirche in den Vereinigten
Staaten aufhalten“ ...

„Dieſes, Herr Editor, ſind nur einige von
den Gründen, warum ich eine Vereinigung al⸗
ler lutheriſchen Synoden in ren Verein. Staa⸗
ten mit unſerer General⸗Synode nicht für wün⸗
ſchenswerth anſehe. Ich muß jedoch hinzuſetzen,
daß ich in Betreff der Pennſylvania-Synode
(welche den Gedankeu einer ſolchen Vereini⸗
gung zuerſt ausgeſprochen), keine Befürchtung
habe, denn dieſer Ehrwürdige Körper iſt geſund
im Glauben (2) und hat allgemein das Zu⸗
trauen der Kirche; noch habe ich eine ſolche be⸗
treffs mancher Glieder in anderen Synoden,
welche manchen ausgezeichneten und werthvol⸗
len lutheriſchen Beſtandtheil enthalten. Ich
bin entſchieden der Meinung, daß die Zeit ge⸗
kommen iſt, wo unſere Kirche in Verbindung
mit der General⸗Synode ein Glaubens⸗
bekenntniß annehmen ſollte. Mag das meinet⸗
wegen die Augsburg. Confeſſion ſein, aber ſo
umgeändert, daß man den Schwierigkeiten aus⸗

einigung auf Grund der Augsburgiſchen Con⸗

weicht, von denen ich eben geredet habe.“ —

*

Hier höͤrſt du, lieber Leſer, eine Stimme aus“!
der General Synode ſelbſt. Wir meinen, ſie iſt
deutlich genug, daß ein wirklicher Lutheraner.
daraus wohl abnehmen kann: dieſe ſogenanntt
Lutheriſche General-Synode iſt nicht nur nicht,
wie ſie ſich doch trüglich nennt, butheriſch,
ſondern ſie iſt auch ſo durch und durch verfault,
daß keine Hoffnung mehr iſt, dieſelbe werde ſich
je ſo regeneriren, daß ſie doch endlich noch der
Mittelpunkt einer Vereinigung aller Lutheraner
hieſigen Landes werden könne. Die beſte Aus⸗
ſicht, welche es in Betreff derſelben hat, iſt viel⸗
mehr offenbar gerade dieſe, daß ſie ſich bald ihr
eigenes abgeſondertes Glaubens- (oder viel—
mehr Unglaubens -) Bekenntniß geben und es
daher unmöglich machen werde, daß ein Luthe⸗
raner mit Bewußtſein und von Herzen, von ihr
getäuſcht werden könne.

Wir können uns nur freuen, daß die Herten
von der General-Synode ſo offen mit ihrer
Feindſchaft gegen die reine Lehre und rechtnläu⸗
bigen Lehrer herausgehen, als es Herr Sander
und Herr Dr. Kurz thun, ſo daß ſie es ſogar
für Sünde erklären, ſich zu der reinen Bibel—
lehre, wie ſie in der Augsburgiſchen Confeſſion
enthalten iſt, zu bekennen. So weit iſt ſelbſt
ein Calvin nicht gegangen, der die Augsbutg.
Conf., als er in Straßburg Prediger wurde,
ohne Witderrede unterſchrieb. Ja, in dem Auf⸗
ſatz, aus welchem das Obige genommen iſt, er—
zählt Herr Sander, er habe Gon oft gebeten,
er wolle ihn doch von der Richtigkeit der luthe⸗
riſchen Abendmahlslehre überzeugen, aber ſein
Gebet ſei unerhört geblieben. Dieſer unglück⸗

liche Mann hat alſo erwartet, Gott werde dieſe

Lehre endlich ſeiner blinden, gottesfeindlichen
Vernunft plauſibel machen, wenn er ihn nur
darum bitten werde, und da Gott dieß nicht
gethan und den Stein des Anſtoßes ihm nicht
weggeräumt, und ihm daher damit angeztigt
hat, hier ſei keine andere Hülfe, als daß er
ſeine Vernunft gefangen nehme unter den Ge⸗
horſam Chriſti durch einfältigen Kindesglau⸗
ben: ſo macht Herr Sander nun daraus viel⸗
mehr den Schluß, Gott wolle alſo nicht, dah
er an ſein Wort glaube, wie es lauter! — So
geht es, wenn ein Menſch Gott mit ſeinem Ge⸗

bete in Verſuchung führen will; dit Frucht ei⸗

nes ſolchen Gebetes iſt größere Blindheit und
Verſtockung. Recht betet bei Zweifeln der Ver⸗
nunft nur der, welcher zu Gott ſagt: „Gott,.

dein Wort iſt und bleibt wahr, ich mag es

nun glauben oder nicht; aber ſiehe! wie deine
Weisheit meiner Vernunft Thorheit iſt! O
erbarme dich doch meiner und hilf mir, daß ich
dein Wort feſtiglich für dein Wort halte (Pf.
119, 38.) Ich glaube, ich glaube — hilf mei⸗
nem Unglauben!“ — Wehe aber dem, welcher
Gott, ſo zu ſagen, im Gebet erſt fragen und
darauf Antwort haben will, ob er Gottes Wort
für Gottes Wort halten und es, wie es lautet,
annehmen ſolle!

Gebe Gott, daß alle rechtſchaffene Lutheraner

allhier aus Obigem erkennen mögen, wie ernſt⸗
lich ſie Gott vor einem Eingehen in kirchlicht

Gemeinſchaft mit der General⸗Synode warne

*

4

*

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English translation

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