Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 9 › Seite 71

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-21, Seite 71

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Lehren Paſtor Grabau's.

70—

4

Lehren der römiſchen Kirche.

Lebren der lutheriſchen Kirche.

bau.“e. Seite 15. Vgl. S. 45. 46. Zweiter
Sonodalbericht von 1848. S. 11. 12.)

3. „Mithin ſind wir überzeugt, daß ein von
der Gemeinde willkührlich aufgeworfener Mann
weder die Abſolution geben, noch den Leib und
das Blut Chriſti austheilen könne, ſondern daß
er eitel Brod und Wein gibt . . . Hieraus
wird man die rechte Meinung der Väter in den
ſchmalk. Artikeln verſtehen und nicht glauben,
daß die Väter ſolche Willkühr geſtattet hätten,
als könne jede Gemeine oder wohl gar je⸗
der Haufen, der von der wahren Kirche abfällt
und ſich ſelbiſt mit dem Namen Gemeine be—
ehrtit) nach Belieben einen aus ihrer Mitte
zum geiſtlichen Amt aufwerfen.“ (Im „Hirten⸗
brief.“ Siehe: Hirtenbrief ꝛe. S. 15. 17.
Im Synodalbericht nimmt Pſt. Grabau ſelbſt
den Nothfall nicht aus, wenn er ein blos „ver—
meinter“ iſt, d. h. wenn man irrthümlich meint,
es ſei der Nothfall eingetreten, und deswegen

das Sacrament verwaltet. (Siehe Seite 12.9J)

——

+) Aus dieſem Zuſatz ſiebt man, daß Paſtor Grabau,

was er oben dem unordenttichen Beruf einer Gemeine ab⸗
geſprochen hat, einer wahren Gemeine abgeſprochen ha⸗
be, und nicht etwa nur einer gottloſen von Gottes Wort
abgefallenen Rotte.

4. „Gott will auf Erden durch das öffentliche
Kirchenamt mit uns handeln, uns durch daſ—
ſelbe unterrichten, abſolviren, communiciren ꝛc.
Darum muß die Kirche ein gewiſſes un—
trügliches Zeugniß haben, daß die Perſon

im Amte eine in göttlicher Ordnung und nach
göttlichem Willen beglaubigte Amtsperſon ſei,

ſo daß Gott durch ſie mit uns handeln wolle.“
(Im „Hirtenbrief.“ Siehe Seite 15..9

5. „Gottes Geſetz freilich fordert den Ge—
horſam im dritten und vierten Gebot; das
Evangelium aber iſt die Regel deſ—
ſelben, wie d. i. mit welchenn Sinne und
Herzen er zu leiſten; und die Perſonen, denen
er geleiſtet werden ſoll, heißen hier Hirten und
Lehrer . .. Lutheriſche Chriſten wiſſen, wenn
Gottes Wort ſagt: „Gehorchet euren Lehrern
und folget ihnen,“ daß da nicht allein von der
Predigt, ſondern von allen guten chriſtlichen
Dingen u. Gelegenheiten, die Gottes Wort mit
ſich bringet und haben will, und zu der Kir—

ſchen guter Regierung, auch chriſtlichem Wohl⸗
ſtande im Leben und Werken gehören, gehan⸗
delt, und Ehre, Liebe und Gehorſam, dem drit⸗
ten und vierten Gebote Gottes nach, gefordert
wird q.. . Hier iſt überall der geforderte
Gehorſam eine Gewiſſensſachez aber durch
den heiligen Geiſt auch ein williger und fröh⸗
licher, wegen gläubiger Erkenntniß des Guten
in der Gnade JEſu Chriſti.“ (Zweiter Syno⸗
dalbrief. S. 155. 56.)

Sitzg. 6. Cap.) „Wenn jemand ſagt, im Neu⸗
en Bunde ſei kein ſichtbares äußerliches⸗Prie⸗
ſterthum, oder es beſtehe nicht eine Gewalt,
den wahren Leib und das Blut des Herrn zu
conſecriren . . ., ſondern nur ein Aint und
bloßer Dienſt zur Verkündigung des Evau⸗
geliums ..: der ſei verflucht.“ (Daſ. 23.
Sitzg. 4. Cap.) 4

3. Wenn jemand ſagt, alle Chriſten haben
Gewalt, das Wort und ſämmtliche Sacramente
zu verwalten: der ſei verflucht.“ (Coneil.
Trid. 7. Sitzg. Von den Sacr. 10. Cau.)
„Hinſichtlich des Ausſpendens dieſes Sakr. er—
klärt der hl. Kirchenrath, daß alle jene Lehren

jedweden anderen Menſchen außer den Biſchöfen
und Prieſtern verderblicher Weiſe ausdehnen,
indem ſie annehmen, daß jene Worte des Herrn
Matth. 18, 19. Joh. 20, 23. ohne Unter⸗
ſchied und insgemein zu allen Gläubigen Chr ſti
ſo geſagt ſeien, daß ein jeder die Macht habe,

4. „Man hat in der Kirche immer dafür ge—
halten, und dieſer Kirchenrath bekräftigt es für
ganz wahrhaftig, daß diejenige Abſolution gar
keine Kraft habe, welche ein Prieſter über den⸗

liche u. übertragene Jurisdiktion hat.“ (Con-
eil. Trid. 14. Sitzg. 7. Cap.) ι
ν οhrτν½½ 1½½ 10½˙

297

Eπνι· 1½ 1. .—
.
( ů791 275„

5. „Wenn jemand ſagt, es ſei im Evan⸗
gelio nichts außer dem Glauben geboten ..:
der ſei verflucht.“ (Trid. Conc. 6. Sitzg.
6. Hpiſt.) „Wenn jemand ſagt, IEſus Chri⸗
ſtus ſei den Menſchen von Gott als Erlöſer
gegeben worden, welchem ſie glauben, und
nicht auch als Geſetzgeber, welchem ſie gehor—
chen ſollen, der ſei verflucht.“ (Ebendaſ.)

wir nicht meinen, daß ein Sacramentwt⸗

falſch .. ſind, welche d. Amt der Schlüſſel auf

Sünden zu vergeben.“ (Daſ. 14. Sitzg. 6. Cp.)

jenigen ausſpricht, über welchen er keine ord⸗

— 18.7 es ge ſchehe zufallens, oder rechter Weiſe. Püil. Y,

—.

mit Grund der Wahrheit nicht kann geſagt werden, es wärt
denn, daß die Donatiſterei waft wäre.“ (Thesaur.
II. I. 407) ö ö

—

3. „Die Laien ſind Prieſter, aber nur vermögt einer in⸗
nerlichen Fähigkeit zu allen Geſchäften der Kirche geſchickt
und ſo auch zur Verwalt ung des hl. Abendmahls; damit

niger wahr ſein werde, das ein Laie, eniwt⸗
der durch die Noth oder durcheinen Irre
thum dazun geleitet, gegeben hat. Sieht den
ſeligen Schomerus über den Collegiatismus, wo auch jeüt
Worte Lnther's angefübrt werden: „Es muß unſer Glanh
nicht auf die Perſon ſehen, ſie ſei fromm oder böſt, gewtibei
oder ungeweihet, berufen oder eingeſchlichen.“ (2. Grapi
theol. recens controversa. Tom. 4. p. 89.)

1. „Die Kraft der Mittel der Setigkeit, des Worts und
der Sacramente, dependiren nicht von der Perſon, ſendem
von Gott dem HErru, der durch ſein Wort und die Sacras.
mente kräftig iſt, wenn dieſelbigen nur recht gelehrrt und
ausgelegt werden, ob's ſchon nicht allerdings mit dem Mi⸗
niſterio (Amt) richtig daber gehet und gibt der Kirchen Dit
ners Perſov, Leben und Beruf nichts der Kraft der Mi⸗
ztel und der Sacramentez daber Paulus ſich erfreuet, wenn
das Evangelium und⸗Chriſtus verkündigrt wird, allerlei

Und wann mau erſi ſollt von der richie
mäßigen Vocation der Prediger vergewiſ⸗
ſert ſein, wer könnte ſich deun ihres Amttes.
gewißeverſichern und getröſten, weil es bald an
dieſem, bald an jenem Stück fehlet! oder doch ein Zußört
darüber die Beiſorge tragen müſſen, ſo würden die Einfälli⸗
gen ſehr geirret und bekümmert. Und könnte keiner ſich der
Kraft des Wortes uud der Sacramente beſtändig träſien,
noch ſeiner Seligkeit gewiß ſein. Der HErr Coriſlus ſelber
hat ſich des Jeraeiitiſchen Kirchendienſtes gebrauchet, ob t
wobl wußte, daß es nicht richtig mit Beſtellung der Hoben⸗
prieſter zugangen, und wie man ſolche Aemter mwider Gettts
Orrnung vertaufte oder verwechſelie.“ (Aus einer beja⸗
benden Antwort der thedlogiſchen Fakultät Wittenberg den.
1660 auf die Frage: Ob die gottſeligen Giieder einer &
meinde mit gutem Gewiſſen den Dienſt eines Mannts
brauchen ſollten, der ſich vom Stadtrath zum Nachfolgen fi⸗
nes mit Unrecht vertriebenen Predigers hatte machen laſſhz

Consil. Wittenverg. II. 195.) 5

5. „Daß das Evangelium Werke fordere, kann auf zwri“
erlei Weiſe perſtanden werden; erſtlich, daß es eine rehz
re nund' eine Regel guter Werke ſei, daß 2l
neu und vollkommenere Werke fordere, als ſich in dem Gej
ſetz vorgeſchrieben finden, daß es die Werke mit Zwang vir⸗
lange; und in dieſem Sinne verwerfen wii
jeuen Satz. Zweitens, daß die Wohlthat des Evauge⸗
lums nicht nur die Vergebung der Sünden, ſondern auch
die Erneuerung ſei, durch welcht wir zu guten Werken zukt⸗
reitet werden, daß ſich der Glanbe, der durch das aweR
lium angezündet iſt, nothwendig durch gute Werte erwei
daß von denen, welche dem Evangelio glauben, Werkergta.
fordert werden, und in diefem Sinne dulden wir jenen Saß,
nachdem wir früher die Uneigentlichkeit der Reve, woran
derſetbe (Satz) leidet, auseinander geſetzt haben.“ (363
hann Gerhard's Loci th. de er. F. 2. gegen
den Cawinal Bellarmin gerichtet.) „Die eigentlicht
und natürliche Bedeutung dieſes Wortes (Cvangelium
iſt die, wenn es für die Lehre von der gnadenreichen Ve
bung ver Sünden durch den Glauben an Chriſtum gebrauch
wird .. Drittens wird das Wort Evangelium in einen;
weiteren Sinne von dem ganzen Amt des N. I.
gebraucht, welches nicht nur die Lehre der Gnade; ſontem
auch des Geſetzes beſaßt .. Uleberall, wo dem Epangele
die Lehre des Geſetzes entgegengeſetzt wird ꝛc., da iſt gede
daß unter der Benennung „Cvangelium.“ die Lehrr d
Gnade verſtanden werde.“ (Ib. . 6. 7.)

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