Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 7 › Seite 55
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-28, Seite 55
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die armen blinden Heiden aufzuſuchen und ih⸗
nen die Botſchaft des Friedens zu bringen?
Woher hätten wir die Kunde des Heils? Und
hätte es nicht inſonderheit immer Chriſten ge—
geben, welche mit großem Ernſte auf Reinheit
der Lehre und Unverfälſchtheit des Gottesdienſtes
gedrungen, die falſchen Lehrer entlarvt und ge—
ſtraft und rechtgläubige Gemeinden geſammelt
haben: wo wäre jetzt die reine Lehre und wo—
hin würde es endlich mit den Sekten gekommen
ſein? — Gewiß, ſo heilige Pflicht aller wahren
Chriſten es daher iſt, auf das eigene Heil und
auf das Heil ihres Nächſten, auf die Wohlfahrt
der ganzen Kirche und auf die Rettung der
ganzen verlorenen Welt bedacht zu ſein, ſo hei—
lige Pflicht haben ſie daher auch, ſich zu denen
zu halten, welche treu bei Gottes Wort bleiben
und den wahren Glauben rein und laͤuter be—
kennen. So unwiderſp rechlich wahr es daher
auch iſt, daß die wahre Kirche Chriſti eigeutlich
unſichtbar und über die ganze Welt zerſtreut iſt,
ſoll und kann hiernach dieſer Glaube irgend
jemanden verleiten, die rechtgläubige ſichtbaͤre
Kirche zu verlaſſen? Nimmermehr! —
Ihr daher, die ihr es nicht leugnen könnet,
daß in unſerer evangeliſch-lutheriſchen Kirche
Gottes Wort rein und lauter gelehrt und die
heiligen Sacramente nach Chriſti Einſetzung
verwaltet werden, und die ihr dennoch es mit
irrgläubigen Gemeinſchaften haltet oder euch
eigenſinnig zurückzieht und es mit niemanden
halten wollt: ihr könnt euch keineswegs damit
tröſten, daß ja die wahre Kirche unſichtbar ſeiz
es ſei daher genug, wenn ihr nur Glieder dieſer
unſichtbaren Gemeinſchaft wäret. Ich wieder⸗
hole es: ſo wenig der ein wahrer Chriſt iſt,
welcher wiſſentlich und muthwillig ſündigt wider
Gottes Gebot, und der wiſſentlich und muth—
willig ſich in Gefahr ſeiner Seele begibt und
die Mittel nicht gebraucht, die Gott ihm zur
Erlangung der Seligkeit verordnet hat: ſo we—
nig ſeid ihr Glieder der wahren unſichtbaren
Gemeinde der Gläubigen und Heiligen, die ihr
wiſſentlich und muthwillig wider Gottes Ver—
bot mit den Irrgläubigen Gemeinſchaft habt
und wider Gottes Gebot die Gemeinſchaft
der Rechtgläubigen fliehet. Von euch heißt es
in unſerem Terte: „Denn wo ſie von
uns geweſen wären, ſo wären ſie ja
bei uns geblieben.“
Ihr aber, die ihr mit Ernſt darauf bedacht
ſeid, zu der unſichtbaren Gemeinde der Kinder
Gottes zu gehören, vergeſſet denn nie: der
rechte Weg, in dieſe unſichtbare Gemeinde zu
kommen und darin zu bleiben, iſt eben dieſer,
daß ihr euch zu denen haltet und mit denen
nicht nur glaubet, ſondern auch bekennet, euch
verſammelt, arbeitet und wirket, ſtreitet und
leidet, die treu bei Gottes Wort verbleiben und
den rechten Glauben rein und lauter bekennen.
Auf denn, ihr lieben lutheriſchen Mitchriſten,
denen Gott offene Augen gegeben hat, zu er⸗
fennen, daß unſer theures lutheriſches Zion auf
den reinen ewigen unwandelbaren Grund der
Apoſtel und Propheten erbauet iſt, da IEſus
Chriſtus der Eckſtein iſt: freuet euch zwar
.
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herzlich, daß Chtiſtus einen verborgenen Saa-
men ſeiner Gläubigen überall hat, aber danket
ihm auch von ganzem Herzen, daß er euch die
unausſprechliche Gnade geſchenkt hat, in einer
Gemeinſchaft zu ſtehen, in welcher das Licht
ſeines Wortes hell und lauter euch leuchtet.
Haltet, was ihr habt, daß euch niemand eure
Krone nehme. Schämet euch auch in dieſer
letzten betrübten Zeit eures Heilandes und ſei⸗
nes Wortes und ſeiner rechten Bekenner nicht,
ſondern bekennet euren Heiland und ſeine un⸗
gefälſchte Wahrheit mit ihnen hier vor Men⸗
ſchen in Schmach und Verfolgung, ſo wird er,
der treue Heiland, auch euch einſt mit allen
den Seinen vor ſeinem himmliſchen Vater und
allen ſeinen heiligen Engeln bekennen in ewiger
Ehre und Herrlichkeit. Ja, ſeid getreu bis an
den Tod, ſo wird der HErr euch die Krone des
Lebens geben. Amen.
Grabauiana.
Nachdem wir in letzter Nummer des „Lu-—
theraner“ uns in Betreff des „Informatori⸗
um“ einmal einen Feiertag gemacht haben, der
uns gewiß zu gönnen war, ſo will doch von⸗
nöthen ſein, daß wir genannten Blattes, das
unſerer ſo fleißig, wenn auch nicht in Ehren ge—
denkt, nicht gar uneingedenk werden. So höre
denn der liebe Leſer einiges von dem Inhalt
der letzterſchienenen Nummer mehrgedachten In—
formatoriums vom 1. Nov.
1. Der erſte darin befindliche Aufſatz iſt ein
Eingeſandt unter der Ueberſchrift: „Ueber die
Lehre von der Kirche, wie ſie Herr Profeſſor
Walther in 9 Theſen als die Lehre der Sy⸗
node von Miſſouri aufſtellt.“ Zwar iſt dieſer
Aufſatz noch nicht zu Ende; der Schluß ſoll in
einer folgenden Nummer erſcheinen; allein ſchon
aus dieſem Anfang läßt ſich der gerechte Schluß
machen, daß der gute Mann, welcher denſelben
eingeſendet hat, an Mißachtung der, von uns
dem Informatorium bereits empfohlenen, Regel
leidet: Qui bene distinguit, beue docet d. i.
Wer gut unterſcheidet, lehrt gut. Ja, faſt will
uns bedünken, als finde auch auf den Schreiber
des Aufſatzes, wie auf andere Arbeiter an dem
Informatorium, das Urtheil Neumeiſter's über
Johann Arnd ſeine. Anwendung: „Der liebe
Mann hat aus Verſehen und Unwiſſenheit An⸗
laß zu vielem Streit und Mißhelligkeit gegeben.
Der liebe Mann hatte auf Univerſitäten nicht
Zeit gehabt, einen feſten Grund in der Gottes⸗
gelahrtheit zu legen.“ (Siehe: Paſt. Grabau's
zweiter Synodalbrief S. 49. 50.) Da wir
die falſche Lehre der Buffaloer von der Kirche
ſpäter ausführlicher beleuchten werden, ſo hal—
ten wir uns hierbei nicht weiter auf.
2. Der andere Aufſatz iſt eine ſogenannte
„chriſtliche Betrachtung“ Pſt. Grabau's ſelbſt,
worin derſelbe zu erweiſen ſucht, wenn er von
ſeinen Kirchkindern „Gehorſam in al hen
kirchlichen Din gen, die nicht wider Got⸗
tes Wort ſind,“ fordert, daß er daran recht
thue.“ Der Herr Schreiber kann es nun frei⸗
lich nicht laſſen (da ihm dieſe Polemik zur an⸗
4* *
deren Natur geworden zu ſein ſcheint), den Rer
dakteur des „Lutheraner“ in dem Aufſatz mit⸗
dem Titel: „Der bekannte Verleumder zu St.)
Louis,“ zu beehren, da er aber zugleich ſagt,
unſere Behauptungen ſeien entweder: „eine
nackte Bosheit oder ein grober Unvei—
ſt and,“ ſo ſcheint es faſt, Pſt. Grabau fange
jetzt an, höflich zu werden, denn durch den let—
ten Zuſatz mit ſeinem „oder“ werden die uns 4
gegebenen Titel in dem Munde Pſt. Grabau4 1
eine wahre Schmeichelei. Auch über die Lehrt
Pſt. Grabau's von dem Gehorſam gegen dit
Pfarrherren gedenken wir jedoch uns ſpäter
auszuſprechen, wenn wir das ganze Lehrſy⸗
ſtem(?) deſſelben vorlegen und beurtheilen wer—
den.
3. Der dritte Aufſatz iſt die Fortſetzung der
„Beiträge zu Mittheilungen ans und über
Nordamerika“ von Paſtor Winkler in Detewill
ebenfalls in der bekannten Buffaloer Manier.
Darin behauptet derſelbe erſtlich, daß ſelbſt Pa⸗
ſtoren unſerer Synode ihm bekannt haben, „daß
es ſeit Jahren bei ihrer Synode“ (von Mis
ſouri ꝛc.) „als eine ausgemachte Sache gegol⸗
ten habe, daß die Buffaloer Synode zu Grunde
gerichtet werden müſſe, koſte es was es wolle ae.,
und daß namentlich die jüngeren Paſtoren nur
von Walther in die Sache hineingewickelt wor—
den wären.“ Hierauf antworten wir: wenn
das wirklich Prediger unſerer Spnode ausge⸗
ſagt heben, ſo ſind es entweder ſolche, die ditſe
Ueberzeugung einſt hatten, aber jetzt eines beß⸗
ſeren überzeugt ſind, und dann hat natürlich
ihre Ausſage keine Beweiskraft; oder ſie ſind
noch derſelben Ueberzeugung und proteſtiren we⸗
der, noch trennen ſie ſich von uns, was wäre 3
dann von ihrem Charakter zu halten und auf
ihr Zeugniß zu geben *) — Uebrigens lehrt
es ſchon ein vergleichender flüchtiger Blick in
das „Informatorium“ und in den „Luther-
ner,“ daß nicht wiTr darauf ausgehen, dit
Buffaloſynode zu Grunde zu richten, ſon⸗
dern daß dieſe vielmehr alles in Bewe zung
ſetzt, die Miſſoouri⸗Synode zu zerſtören
und den ihr bisher geſchenkten göttlichen Segen
zu verderben. Inſonderheit zeigt ich Herr
Winkler als Meiſter darin, alte Geſchichten ſo
zu drehen und zu wenden und dieſelben mit fre⸗
velhaften Urtheilen über unſere Geſinnung ſo
zu ſpicken, daß er ſich der Erreichung ſeines
Zwecks, unſere Synode zu ſchänden, verſichert
halten kann. 2
Herr Pſt. Winkler beſchuldigt ferner Herrn
Dr. Sihler eines ſündlichen Verfahrens in 52
gelegenheiten Herrn Paſtor Schmidt's in Ck⸗
veland. Hierauf erwiedern wir nichts, da in
dieſe Suche vielleicht bald von anderer, beſſer
unterrichteter Seite das nöthige Licht gebracht
werden wird. ö —
Endlich macht der Genannte einen weitläuft⸗
gen Ercurs, darin er Gelegenheit nimmt, Hrn.
*) Wir können jedoch keinesweges glauben, daß eo Pre⸗
diger der zweiten Gattung in unſerer Synode gebe. Den
ſei jedoch übrigens, wie ihm wolle, jedenfalls publicirl nur.
ein gemeiner Charakter ihm im Vertrauen Geſtandenes;
wir können die Brüder nur bedauern, dtren Zutrauen Herr
Winkler ſo indiscret mißbraucht.
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