Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 7 › Seite 53

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-28, Seite 53

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wo allerdings die Wahrheit oft in einem etwas Wohl ruft der heilige Apoſtel allen Chriſten zu:
rauhen Gewande auftritt und auch oft offen⸗]Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſt,
bar werdende Heuchler große und ſchwere Aer-durch das Band des Friedens,“ aber was ſetzt

gerniſſe geben. Aber man täuſcht ſich hiermit

er ſogleich hinzu? — „Ein HErr, Ein

nur ſelbſt. Warum warnt Gottes Wort an ſo Glaube, Eine Taufe!“ (Epheſ. 4.

unzähligen Stellen und ſo ernſtlich vor falſcher
Lehre? Warum anders, als weil ſie ſo ſeelen—
gefährlich iſt? -Waͤrum ſpricht Chriſtus ſelbſt
zu den Jüngern: „Sehet zu, und hütet euch

vor dem Sauerteige der Phariſäer und Saddu⸗

cäer?“ (Matth. 16, 6. vergl. Vers 12. und
Luc. 12, 1.) Warum anders, als weil auch

„ein wenig“ heuchleriſche falſche „Lehre,“ wie!

Paulus Gal. 5, 9. es durch den heiligen Geiſt
auslegt, wie ein Sauerteig den Süßteig der

lauteren reinen Wahrbeit durchdringt, durch⸗

ſäuert und verderbt? — Warum nennt der Apo⸗
ſtel Paulus 2. Tim. 2, 17. die falſche Lehre
ſelbſt einen Krebs? Warum anders, als weil
die falſche Lehre, wie ein unſichtbares böſes
Krebsgeſchwür um ſich frißt, in das Innerſte
dringt und es vergiſtet, die Seele anſteckt und ihr
unheilbare tödtliche Wunden macht? —Warum
nennt Chriſtus endlich die falſchen Lehrer rei—
ſende Wölfe? Warum anders, als weil ſie die
unſterbliche Seele des Menſchen mit ihrer fal—
ſchen Lehre zerreißen, morden und in den geiſt—
lichen und ewigen Tod ſtürzen? Wie? muß es
alſo nicht, von der Sünde gegen Gottes Verbot
ſelbſt abgeſehen, höchſt ſeelengefährlich ſein, in
ſolche Kirchen zu gehen und ſelbſt Glieder ſol⸗
cher Gemeinſchaften zu werden, wo falſche Lehre
unter die rechte, wo Gift unter die Seelenſpeiſe
gemiſcht wird? Ach, wie manche liefen ſchon
eine Zeitlang fein (Gal. 5, 7.) als Glieder der
rechtgläubigen Kirche; aber ſiehe! ſie ließen ſich
endlich von einem geheimen Ekel an dem himm⸗
liſchen Manna des reinen Evangeliums, das
ihnen wieder und immer wieder verkündigt
wurde, beſchleichen. Es wie eine loſe Speiſe
verachtend, gingen ſie, lüſtern nach etwas Neu—
em, in eine falſchgläubige Kirche und hörten
hier falſche Lehre verkündigen mit ſüßen Wor⸗
ten. Sie meinten nun neue Wunderdinge zu
vernehmen, neue ungeahnte Aufſchlüſſe zu er⸗
halten, lernten die alten Gnadenerfahrungen
mit Verdacht anſehen, kamen entweder auf fal—
ſche Höhen oder auf falſche Demuth, und ſtürz⸗
ten ſo endlich, unter ſüßen Träumen erlangter
höherer Erleuchtung und Geiſtlichkeit, — in
geiſtlichen Tod, und zuletzt in ewige Verdamm⸗
niß. — Iſt es alſo nicht deſſen, der zur un⸗
ſichtbaren Gemeinde der Auserwählten gehören
will, heilige Pflicht, da er ja mit Furcht und
Zittern ſeine Seligkeit ſchaffen ſoll, falſche Lehre
und Lehrer wie Gift und Peſt zu fliehen?

Es gibt jedoch nicht wenige, welche meinen,
es ſei ja wider die Liebe, alle falſche Lehre und
Lehrer ſo ſtreng zu verwerfen und von allen
Irrgläubigen ſo ſtreng ſich zu ſondern und zu
ſcheiden; die Liebe verlange Verein igung, die
Liebe fordere Union. Aber, meine Lieben, auch
dies iſt nichts anderes, als ein jämmerlicher
Betrug des verkehrten menſchlichen Herzens.
Ja freilich fordert die Liebe Vereinigung nach
Goties Wort, aber welche Vereinigung? —

3—5.) Und was iſt das für eine Liebe, die
wider Gottes ansdrückliches Verbot handelt?
Das iſt nichts, als eine Scheinliebe, ein leeres
Trugbild der Liebe, eine ſündliche, gottloſe, ab⸗
göttiſche Liebe; denn ſie ſetzt die Liebe zum
Menſchen über die Liebe zu Gott, alſo die ſün—
dige Creatur über den Allerhöchſten und Allein—
heiligen im Himmel. O gottloſe Vereinigung,
o verdammliche Union, die auf eine Liebe ge—
baut iſt, die nur den Schein der Liebe geſtohlen,
die ewige Gotteswahrheit aber geopfert und
das ewige Gottesgebot mit Füßen getreten hat!
Was ſoll, was kann aus ſolcher Liebe und Ei—
nigkeit Gutes kommen? Weit entfernt, daß
durch die Vereinigung der Rechtgläubigen mit
den Irrglänbigen dieſen geholfen werden ſollte,
ſo wird dadurch vielmehr auch dieſen und der
ganzen Kirche nur geſchadet. So lange ſich die
Rechtgläubigen noch von den Irrglänbigen ab⸗
ſondern, ſo lange werden deren Irrthümer fort
und fort thatſächlich und eindringlich geſtraft,
daß ſie ihre Irrthümer entweder erkennen und
ablegen, oder dieſelben doch nicht weiter und
weiter verbreiten. Vermiſchen ſich aber endlich
auch die Rechtgläubigen mit den Irrgläubigen,
ſo werden dieſe durch Jeuer Schuld immer
gleichgültiger gegen ihre Irrthümer und jene
immer gleichgültiger gegen ihre Wahrheit, und
anſtatt daß die Wahrheit ſiegen ſollte, ſiegt der
Irrthum, und die Wahrheit geht verloren. Wer
auf einem Irrwege geht, dem wird nicht damit
eine Liebe erwieſen, daß man ihn begleitet, ſon—
dern daß man ihn vor ſeinem Irrthum nicht
nur warnt, ſondern auch, ihm den Ernſt der
Warnung mit der That bezeugend, verläßt.

So frage ſch euch denn: Soll und kann
hiernach der Glaube, daß die wahre Kirche ei—
gentlich unſichtbar und über die gauze Welt zer—
ſtreut iſt, verleiten, uns an eine ſichtbare irr—
gläubige Kirche anzuſchließen? Iſt es nach
dem bereits Geſagten nicht vielmehr gerade aller
derjenigen, welche zur wahren unſichtbaren
Kirche gehören wollen, heilige Pflicht, ſich von
allen den ſichtbaren Gemeinſchaften derje⸗
nigen abzuſondern, welche Gottes Wort ver—
fälſchen und in ihren Irrthümern hartnäckig
verharren? Es iſt dies ſo gewiß ihre heilige
Pflicht, ſo gewiß ſie ſchuldig ſind, alle Sünde
und Seelengefahr zu ſcheuen und zu fliehen.
Es iſt wahr, es gibt viele rechtſchaffene Seelen,
welche gewißlich ſelig werden, auch unter den
irrgläubigen Gemeinſchaften oder Sekten. Aber
das ſind nur jene einfältigen Herzen, welche in
ihrer Einfalt den Irrthum ihrer Sekten nicht
durchſchauen, die ſich in ihrer Einfalt an Chri—
ſtum und ſein Wort in aller Stille halten, die
reine Lehre nicht mit verläſtern, und daher al—
lein aus Schwachheit der Erkenntniß in der
falſchen Gemeinſchaft verbleiben. Um ſolcher
verborgenen, Gott allein bekannten Gläubigen
willen unter den Irrgläubigen müſſen wir ſrei⸗

lich den Troſt feſthalten, daß Chriſti wahre Kir⸗

che eigentlich unſichtbar und zerſtreut iſt übet

alle Länder der Erde. Vergeblich aber tröſtel

ſich der, welcher wiſſen tlich zu einer irrgläubi“,
bigen ſichtbaren Gemeinſchaft tritt oder wider
beſſeres Wiſſen aus Geringachtung der Wahr⸗

heit darin bleibt, damit, daß er ja doch zur
wahren unſichtbaren Kirche gehörr
Nein! ein ſolcher gehört zur wahren unſicht,

baren Kirche nicht, denn weil er wiſſentlich

einer falſchen Kirche ſich anſchließt, ſo iſt er ein
wiſſentlicher und muthwilliger Sünder und da⸗
ber kein Glied am geiſtlichen Leibe IEſu Chri—
ſti. Er ſündigt wiſſentlich gegen Gottes klarts
Verbot, falſche Lehren und Lehrer zu meiden;
er macht ſich wiſſentlich der Irrthümer und
Sünden ſeiner Sekte theilhaftig; er wird wiſz
ſentlich ein Genoſſe der Bekämpfer der reinen
Lehre und Zerſpalter der Kirche; er ſtünzt
ſich wiſſentlich in Gefahr ſeiner unſterblichen
Seele; er verleugnet wiſſentlich mit ſeiner uns
göttlichen Liebe die wahre Liebe, die nur der
Wahrheit ſich freut; und verläßt wiſſentlich den
von Gott vorgeſchriebenen Weg, die Kirche zu
bauen, und ſeiner falſchen Klugheit hittin
folgend, arbeitet er wider beſſeres Wiſſen an
der Kirche Verderben. Er gehört zu jenen
Lauen, die weder kalt noch warm ſind, die der
OErr ausſpeien will aus ſeinem Munde. Et

gehoͤrt zu jenen gewiſſenloſen, für die Wahrheit 4

abgeſtumpften Religionsmengern, denen es, ſo
ſehr ſie reines Gold aus der Mine und echtes
Gold im Kaſten lieben, gleich gilt, ob das Gold
der göttlichen Lehre rein oder vermiſcht ſti.
Er gehoͤrt zu jenen Halbherzigen, die auf beiden
Seiten hinken und auf beiden Achſeln tragen
wollen. Er gehört zu jenen blinden Leitern der
Blinden, da beide endlich in die Erube fallen,
oder gar zu jenen nichtswürdigen Deſerteuren
und Landesverräthern, die das Panier der
Wahrheit aus Bauchſorge verlaſſen, um gegen
ſie für ſcknöden Lohn unter der Fahne des Irn
thums und der Lüge zu kämpfen. Von ſolchen
ſpricht eben der heil. Apoſtel in unſerem Terte:
„Sie ſind von uns ausgegangen,
aberlſie waren nicht von uns. Auf
daß ſie offenbar würden, daß ſie
nicht alle von uns ſind.“ Das heißt,
ſolche, welche zu einer irrgläubigen Kirche ab—
fallen, werden dadurch offenbar, daß ſie nicht
zu dem Weizen der Kirche gehörten, ſondern zu
dem Unkraut, und, wenn ſie je im Glauben
ſtanden, daß ſie zu denen gehörten, „die eine
Zeitlang glauben; aber ſie haben nicht Wurzel,
ſondern ſind wetterwendiſch, zur Zeit der An⸗
ſechtung fallen ſie ab.“

2.

Doch, meine Zuhörer, daß die wahre Kircht
eigentlich unſichtbar und über die ganze Well
zerſtreut iſt, ſoll und kann uns nicht nur darum
nicht verleiten, die rechtgläubige ſichtbare Kirche
zu verlaſſen, weil gerade diejenigen, welche zur
unſichtbaren Kirche gehören wollen, die Pflicht.
haben, ſich von allen denen abzuſondern, welcht
Gottes Wort verfälſchen und in ihren Irrthü⸗

English translation

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