# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 11 28_S55 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die armen blinden Heiden aufzuſuchen und ih⸗ nen die Botſchaft des Friedens zu bringen? Woher hätten wir die Kunde des Heils? Und hätte es nicht inſonderheit immer Chriſten ge— geben, welche mit großem Ernſte auf Reinheit der Lehre und Unverfälſchtheit des Gottesdienſtes gedrungen, die falſchen Lehrer entlarvt und ge— ſtraft und rechtgläubige Gemeinden geſammelt haben: wo wäre jetzt die reine Lehre und wo— hin würde es endlich mit den Sekten gekommen ſein? — Gewiß, ſo heilige Pflicht aller wahren Chriſten es daher iſt, auf das eigene Heil und auf das Heil ihres Nächſten, auf die Wohlfahrt der ganzen Kirche und auf die Rettung der ganzen verlorenen Welt bedacht zu ſein, ſo hei— lige Pflicht haben ſie daher auch, ſich zu denen zu halten, welche treu bei Gottes Wort bleiben und den wahren Glauben rein und laͤuter be— kennen. So unwiderſp rechlich wahr es daher auch iſt, daß die wahre Kirche Chriſti eigeutlich unſichtbar und über die ganze Welt zerſtreut iſt, ſoll und kann hiernach dieſer Glaube irgend jemanden verleiten, die rechtgläubige ſichtbaͤre Kirche zu verlaſſen? Nimmermehr! — Ihr daher, die ihr es nicht leugnen könnet, daß in unſerer evangeliſch-lutheriſchen Kirche Gottes Wort rein und lauter gelehrt und die heiligen Sacramente nach Chriſti Einſetzung verwaltet werden, und die ihr dennoch es mit irrgläubigen Gemeinſchaften haltet oder euch eigenſinnig zurückzieht und es mit niemanden halten wollt: ihr könnt euch keineswegs damit tröſten, daß ja die wahre Kirche unſichtbar ſeiz es ſei daher genug, wenn ihr nur Glieder dieſer unſichtbaren Gemeinſchaft wäret. Ich wieder⸗ hole es: ſo wenig der ein wahrer Chriſt iſt, welcher wiſſentlich und muthwillig ſündigt wider Gottes Gebot, und der wiſſentlich und muth— willig ſich in Gefahr ſeiner Seele begibt und die Mittel nicht gebraucht, die Gott ihm zur Erlangung der Seligkeit verordnet hat: ſo we— nig ſeid ihr Glieder der wahren unſichtbaren Gemeinde der Gläubigen und Heiligen, die ihr wiſſentlich und muthwillig wider Gottes Ver— bot mit den Irrgläubigen Gemeinſchaft habt und wider Gottes Gebot die Gemeinſchaft der Rechtgläubigen fliehet. Von euch heißt es in unſerem Terte: „Denn wo ſie von uns geweſen wären, ſo wären ſie ja bei uns geblieben.“ Ihr aber, die ihr mit Ernſt darauf bedacht ſeid, zu der unſichtbaren Gemeinde der Kinder Gottes zu gehören, vergeſſet denn nie: der rechte Weg, in dieſe unſichtbare Gemeinde zu kommen und darin zu bleiben, iſt eben dieſer, daß ihr euch zu denen haltet und mit denen nicht nur glaubet, ſondern auch bekennet, euch verſammelt, arbeitet und wirket, ſtreitet und leidet, die treu bei Gottes Wort verbleiben und den rechten Glauben rein und lauter bekennen. Auf denn, ihr lieben lutheriſchen Mitchriſten, denen Gott offene Augen gegeben hat, zu er⸗ fennen, daß unſer theures lutheriſches Zion auf den reinen ewigen unwandelbaren Grund der Apoſtel und Propheten erbauet iſt, da IEſus Chriſtus der Eckſtein iſt: freuet euch zwar . 54 herzlich, daß Chtiſtus einen verborgenen Saa- men ſeiner Gläubigen überall hat, aber danket ihm auch von ganzem Herzen, daß er euch die unausſprechliche Gnade geſchenkt hat, in einer Gemeinſchaft zu ſtehen, in welcher das Licht ſeines Wortes hell und lauter euch leuchtet. Haltet, was ihr habt, daß euch niemand eure Krone nehme. Schämet euch auch in dieſer letzten betrübten Zeit eures Heilandes und ſei⸗ nes Wortes und ſeiner rechten Bekenner nicht, ſondern bekennet euren Heiland und ſeine un⸗ gefälſchte Wahrheit mit ihnen hier vor Men⸗ ſchen in Schmach und Verfolgung, ſo wird er, der treue Heiland, auch euch einſt mit allen den Seinen vor ſeinem himmliſchen Vater und allen ſeinen heiligen Engeln bekennen in ewiger Ehre und Herrlichkeit. Ja, ſeid getreu bis an den Tod, ſo wird der HErr euch die Krone des Lebens geben. Amen. Grabauiana. Nachdem wir in letzter Nummer des „Lu-— theraner“ uns in Betreff des „Informatori⸗ um“ einmal einen Feiertag gemacht haben, der uns gewiß zu gönnen war, ſo will doch von⸗ nöthen ſein, daß wir genannten Blattes, das unſerer ſo fleißig, wenn auch nicht in Ehren ge— denkt, nicht gar uneingedenk werden. So höre denn der liebe Leſer einiges von dem Inhalt der letzterſchienenen Nummer mehrgedachten In— formatoriums vom 1. Nov. 1. Der erſte darin befindliche Aufſatz iſt ein Eingeſandt unter der Ueberſchrift: „Ueber die Lehre von der Kirche, wie ſie Herr Profeſſor Walther in 9 Theſen als die Lehre der Sy⸗ node von Miſſouri aufſtellt.“ Zwar iſt dieſer Aufſatz noch nicht zu Ende; der Schluß ſoll in einer folgenden Nummer erſcheinen; allein ſchon aus dieſem Anfang läßt ſich der gerechte Schluß machen, daß der gute Mann, welcher denſelben eingeſendet hat, an Mißachtung der, von uns dem Informatorium bereits empfohlenen, Regel leidet: Qui bene distinguit, beue docet d. i. Wer gut unterſcheidet, lehrt gut. Ja, faſt will uns bedünken, als finde auch auf den Schreiber des Aufſatzes, wie auf andere Arbeiter an dem Informatorium, das Urtheil Neumeiſter's über Johann Arnd ſeine. Anwendung: „Der liebe Mann hat aus Verſehen und Unwiſſenheit An⸗ laß zu vielem Streit und Mißhelligkeit gegeben. Der liebe Mann hatte auf Univerſitäten nicht Zeit gehabt, einen feſten Grund in der Gottes⸗ gelahrtheit zu legen.“ (Siehe: Paſt. Grabau's zweiter Synodalbrief S. 49. 50.) Da wir die falſche Lehre der Buffaloer von der Kirche ſpäter ausführlicher beleuchten werden, ſo hal— ten wir uns hierbei nicht weiter auf. 2. Der andere Aufſatz iſt eine ſogenannte „chriſtliche Betrachtung“ Pſt. Grabau's ſelbſt, worin derſelbe zu erweiſen ſucht, wenn er von ſeinen Kirchkindern „Gehorſam in al hen kirchlichen Din gen, die nicht wider Got⸗ tes Wort ſind,“ fordert, daß er daran recht thue.“ Der Herr Schreiber kann es nun frei⸗ lich nicht laſſen (da ihm dieſe Polemik zur an⸗ 4* * deren Natur geworden zu ſein ſcheint), den Rer dakteur des „Lutheraner“ in dem Aufſatz mit⸗ dem Titel: „Der bekannte Verleumder zu St.) Louis,“ zu beehren, da er aber zugleich ſagt, unſere Behauptungen ſeien entweder: „eine nackte Bosheit oder ein grober Unvei— ſt and,“ ſo ſcheint es faſt, Pſt. Grabau fange jetzt an, höflich zu werden, denn durch den let— ten Zuſatz mit ſeinem „oder“ werden die uns 4 gegebenen Titel in dem Munde Pſt. Grabau4 1 eine wahre Schmeichelei. Auch über die Lehrt Pſt. Grabau's von dem Gehorſam gegen dit Pfarrherren gedenken wir jedoch uns ſpäter auszuſprechen, wenn wir das ganze Lehrſy⸗ ſtem(?) deſſelben vorlegen und beurtheilen wer— den. 3. Der dritte Aufſatz iſt die Fortſetzung der „Beiträge zu Mittheilungen ans und über Nordamerika“ von Paſtor Winkler in Detewill ebenfalls in der bekannten Buffaloer Manier. Darin behauptet derſelbe erſtlich, daß ſelbſt Pa⸗ ſtoren unſerer Synode ihm bekannt haben, „daß es ſeit Jahren bei ihrer Synode“ (von Mis ſouri ꝛc.) „als eine ausgemachte Sache gegol⸗ ten habe, daß die Buffaloer Synode zu Grunde gerichtet werden müſſe, koſte es was es wolle ae., und daß namentlich die jüngeren Paſtoren nur von Walther in die Sache hineingewickelt wor— den wären.“ Hierauf antworten wir: wenn das wirklich Prediger unſerer Spnode ausge⸗ ſagt heben, ſo ſind es entweder ſolche, die ditſe Ueberzeugung einſt hatten, aber jetzt eines beß⸗ ſeren überzeugt ſind, und dann hat natürlich ihre Ausſage keine Beweiskraft; oder ſie ſind noch derſelben Ueberzeugung und proteſtiren we⸗ der, noch trennen ſie ſich von uns, was wäre 3 dann von ihrem Charakter zu halten und auf ihr Zeugniß zu geben *) — Uebrigens lehrt es ſchon ein vergleichender flüchtiger Blick in das „Informatorium“ und in den „Luther- ner,“ daß nicht wiTr darauf ausgehen, dit Buffaloſynode zu Grunde zu richten, ſon⸗ dern daß dieſe vielmehr alles in Bewe zung ſetzt, die Miſſoouri⸗Synode zu zerſtören und den ihr bisher geſchenkten göttlichen Segen zu verderben. Inſonderheit zeigt ich Herr Winkler als Meiſter darin, alte Geſchichten ſo zu drehen und zu wenden und dieſelben mit fre⸗ velhaften Urtheilen über unſere Geſinnung ſo zu ſpicken, daß er ſich der Erreichung ſeines Zwecks, unſere Synode zu ſchänden, verſichert halten kann. 2 Herr Pſt. Winkler beſchuldigt ferner Herrn Dr. Sihler eines ſündlichen Verfahrens in 52 gelegenheiten Herrn Paſtor Schmidt's in Ck⸗ veland. Hierauf erwiedern wir nichts, da in dieſe Suche vielleicht bald von anderer, beſſer unterrichteter Seite das nöthige Licht gebracht werden wird. ö — Endlich macht der Genannte einen weitläuft⸗ gen Ercurs, darin er Gelegenheit nimmt, Hrn. *) Wir können jedoch keinesweges glauben, daß eo Pre⸗ diger der zweiten Gattung in unſerer Synode gebe. Den ſei jedoch übrigens, wie ihm wolle, jedenfalls publicirl nur. ein gemeiner Charakter ihm im Vertrauen Geſtandenes; wir können die Brüder nur bedauern, dtren Zutrauen Herr Winkler ſo indiscret mißbraucht. +