Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 7 › Seite 52

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-28, Seite 52

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ſeiner Kirche, und Cain mußte mit den Seinen
binaus. Als ſich ſpäter zu Noah's Zeit die
Kinder Gottes mit den Kindern der Menſchen,
das iſt,-mit denen, welche Gottes reines Wort
verlaſſen hatten, vereinigten, da litt die Kirche
ſo große Noth, daß Gott, um die rechtgläubige
Kirche Noah's zu erhalten, die ganze übrige
Welt verderben mußte. Als ferner die recht⸗
gläubige Kirche Sem's bis auf die Familie
Rraham's zuſammengeſchmolzen und überall
ſalſcher Gottesdienſt aufgekommen war, da er⸗
hiclt Abraham endlich den ausdrücklichen Be⸗
ſchl, ſich von der falſchen Kirche, zu welcher auch
ſin Vater gehörte, zu ſcheiden; Gott ſprach zu
ibm: „Gehe aus deinem Vaterlande, und von
Deiner Freundſchaft, und aus Deines Vaters
Hauſe, in ein Land, das ich Dir zeigen will.“
Und was war nun die ganze Führung des Vol⸗
kes Israel anders, als die ſtete Bemühung
Gottes, die rechtgläubige Israelitiſche Kirche
von allen falſchen Kirchen in der Welt abzuſon⸗
dern und rein zu erhalten? Was waren alle
Predigten der hl. Propheten des Alten Bundes
anders, als ſtete Ermahnungen für Isracl, ſich
ſreng zu ſcheiden von allen, welche falſchen Got⸗
tesdienſt anrichteten? — Und gehen wir weiter in
das Neue Teſtament, iſt nicht auch dieſes wieder
voll von göttlichen Befehlen, daß die rechtgläu⸗
bigen Chriſten von den Irrgläubigen ſich ſon⸗
dern ſollen? So ſpricht erſtlich Chriſtus ſelbſt:
„Sehet euch vor, vor den falſchen Pro—
pheten, die in Schaafskleidern zu euch kommenz
inwendig aber ſind ſie reißende Wölfe.“ Kann
aber der ſagen, daß er ſich vor den falſchen Pro⸗
pheten vorſehe, wer es ſogar mit den Partheien
hält, welche ſie geſtiftet haben? Chriſtus ſpricht
ferner: „So alsdann jemand zu euch wird ſa⸗
gen: Siehe, hier iſt Chriſtus, oder da; ſo ſollt
ihr es nicht glauben. Denn es werden falſche
Chriſti und falſche Propheten aufſtehen, und
große Zeichen und Wunder thun, daß verführet
werden in den Irrthum (wo es möglich wäre)
auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es
euch zuvorgeſagt. Darum, wenn ſie zu euch
ſagen werden: Siehe, er iſt in der Wüſte; ſo
gehet nicht hinans! Siehe, er iſt in
der Kammer; ſo glaubet es nicht!“ Ferner
ſchreibt der heilige Apoſtel Paulus Röm. 16:
„Ich ermahne aber euch, liebe Brüder, daß ihr
aufſehet auf die, die da Zertrennung und
Aergerniß anrichten neben der
Lehre, die ihr gelernet habt, und w' eichet
von denſelbigen.“ Und im 6. Cap. des
2. Briefs an die Corinther ſchreibt er, als viele
Corinther theils mit heidniſchen Götzendienern,
theils mit ketzeriſchen Menſchen zu vertrauten
Uigang pflogen: „Ziehet nicht am fremden
Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die
Gerechtigkeit für Gen ieß mit der Ungerechtigkeit?
Was hat das Licht für Gemeinſchaft mit der
Finſterniß? Wie ſtimmet Chriſtus mit Belial?
Oder was für ein Theil hat der Gläubige mit
den Ungläubigen? Was hat der Tempel Got⸗
tes für eine Gleiche mit den Götzen? Ihr
aber ſeid der Tempel des lebendigen Got⸗
tes; wie denn Gott ſpricht: Ich will in ih⸗

nen wohnen, und in ihnen wandeln, und
will ihr Gott ſein, und Sie ſollen mein Volk
ſein. Darum gehet aus von ihnen,
und ſondert euch ab, ſpricht der HErr,
und rühret kein Unreines an: ſo will ich euch
annehmen, und euer Vater ſein, und ihr ſollt
meine Söhne und Töchter ſein, ſpricht der all⸗
mächtige HErr.“ Endlich ſchreibt derſelbe Apo⸗
ſtel: „So jemand anders lehret, und bleibet
nicht bei den heilſamen Worten unſeres HErrn
IEſuChriſti, und bei der Lehre von der Gottſe⸗
ligkeit,der iſt verdüſtert. Thue dich von ſolchen.
Einen ketzeriſchen Menſchen“ (d. h. einen Men⸗
ſchen, der durch falſche Lehre Spaltung anrich⸗
tet) „meide, wenn er einmal und abermal
ermahnet iſt.“ Hieraus ſehet ihr, meine Zuhö—
rer, es iſt Gottes klares Verbot, daß die
rechtgläubigen Chriſten mit den Irrgläubigen
Gemeinſchaft eingehen. Wer es thut, der ſün⸗
digt alſo wider ein ausdrückliches Verbot des
HErrn, und wer es mit Wiſſen und Willen
thut, der ſündigt damit ſchwerlich, ja, tödtlich.

Doch die Gemeinſchaft mt den Irrgläubigen
iſt nicht nur darum ſündlich, weil ſie wider
ein klares Verbot Gottes läuft und man alſo
damit ſelbſt ſich verſündigt, ſondern auch:
weil man ſich dadurch auch fremder Sün⸗
den theilhaftig macht.

Alle irrgläubigen Gemeinſchaften haben erſt⸗
lich ſchon in der Sünde ihren Urſprung.
Wären die Stifter der falſchgläubigen Gemein⸗
den im gemeinen Chriſtenglauben und in der
Bruderliebe geblieben, ſo wären in der Chri⸗
ſtenheit auch keine ſo unzähligen Partheien und
Sekten entſtanden. Das Abgehen vom allge—
meinen Chriſtenglauben und das Zerreißen des
brüderlichen Liebesbandes hat allen den anderen
Kirchen neben der rechtgläubigen das Daſein
gegeben. Darum iſt aber auch das Fortbe⸗
ſtehen der falſchgläubigen Kirchen oder Sek⸗
ten nichts anderes, als eine fortbeſtehende und
fortgehende Verſündigung gegen den Glauben
und gegen die Liebe. Die falſchgläubigen Kir⸗
chen ſind, als ſolche, Heere, welche falſche
Lehrer ſich geſammelt haben, um ihre falſche
Lehre zu erhalten und zu verbreiten, die reine
Lehre aber nicht aufkonnmen zu laſſen und zu
unterdrücken, und gegen die rechtgläubige Kir⸗
che zu kämpfen, ſie zu zerſpalten und, wo mög⸗
lich, gänzlich zu zerſtören. Was thut daher
derjenige, welcher zu einer falſchgläubigen Kir⸗
che tritt? Er macht ſich aller Sünden derſelben
mit theilhaftig. Er iſt ein von einem falſchen
Lehrer angeworbener Soldat, der ſich mit denen
in Reihe und Glied geſtellt hat und ſie ſtärkt,
die den Glauben verfälſchen und die Liebe bre⸗
chen, die falſche Lehre wie ihre eigene Burg ver⸗
theidigen, und wioer die rechtgläubige Kirche
ſtreiten und ihren Untergang ſuchen. Was die
Bürger in einer Republik thun, die ſich von ei⸗
nem partheiſüͤchtigen Mann anwerben laſſen,
der ſie dazu gebraucht, gegen die Conſtitution
eines Freiſtaats zu kämpfen und Empörung u.
Partheiungen darin anzurichten: das thut ein
Chriſt in der Kirche, der ſich zu einer irrgläu⸗
bigen Gemeinſchaft in der Chriſtenheit ſchlägt.

Er darf nicht denken, er ſei ja beſſer geſinnt,
als viele Glieder ſeiner Sekte, er werde daher
der Sünden ſeiner Sekte ſo wenig theilhaftig,
als ein Glied der rechtgläubigen Kirche der Sün⸗
den ihrer Glieder.
deren Fall. Wohl wird auch in der rechtgläu—
bigen Kirche geirrt und geſündigt, aber da gilt
der Irrthum für Irrthum, die Sünde für Sün⸗
de, aber in der falſchen Kirche gilt ihr eigen⸗
thümlicher Irrthum für Wahrheit, ihre
Spaltungs-Sünde für Recht. Glaubt da⸗
her ein Chriſt beſſer, als die Sekte, zu der er
ſich wiſſentlich hält, deſto ſchlimmer für ihn.
Wie demjenigen, welcher ſich mit Wiſſen und
Willen zu den Empörern ſchlägt, von der Obrig⸗
keit alle die Räubereien und die Mordthaten mit
zugerechnet werden, welche von den Gliedern der
aufrühreriſchen Rotte begangen werden, wenn
er auch ſelbſt für ſeine Perſon nicht mit geraubt
und gemordet hat: ſo werden auch demjenigen,
welcher ſich zu einer irrgläubigen Kirche mit
Wiſſen und Willen hält, alle die Irrthümer und
Sünden der ganzen irrgläubigen Gemeinſchaft
zugerechnet von Gott, wenn er ſie auch nicht
für ſeine Perſon mit hegt., Daher ſpricht der
heilige Johannes, der Jünger der Liebe, in ſei⸗
nem zweiten Briefe in warnendem Ernſte: „So
jemand zu euch kommt, und bringet dieſe Lehre
nicht, den nehmet nicht zu Hauſe, und grüßet
ihn auch nicht. Deun wer ihn grüßet, der
macht ſich theilhaftig ſeiner böſen
Werke.“

Wie? muß es alſo nicht heilige Pflicht deſſen
ſein, der zur unſichtbaren Kirche der Kinder
Gottes gehören will, ſich von denjenigen abzu⸗
ſondern, welche Gottes Wort verfälſchen und in
ihren Irrihümern hartnäckig verharren, da er
dadurch nicht nur ſelbſt Gottes ausdrückli⸗
chem Verbot zuwiderhandelt, ſondern auch ſo
vieler fremden Sünben ſich theil haftig
macht? — Wer will das leugnen? —

Doch, meine Theuren, abgeſehen davon, daß
ein Chriſt dieſe Pflicht hat, weil die Gemein⸗
ſchaft mit den Irrgläubigen ſo ſündlich iſt,
ſo hat er dieſe Pflicht auch noch darum: weil
ſie auch ſo gefährlich, ſo ſchädlich und
ſo verderblich iſt, und zwar ſowohl für ihn
ſelbſt, als für Andere.

Daß es für einen Chriſten ſeelengefährlich
und verderblich iſt, ſich an eine offenbar
Gottes Wort verwerfende und alle Geheimniſſe
des chriſtlichen Glaubens verleugnende Sekte
anzuſchließen, das ſieht freilich jeder ein, der
nur den geringſten Anfang in der chriſtlichen
Erkenniniß gemacht hat. Sind aber die Irr—
thümer einer Sekte nicht ſo grob und offenbar,
ſo meinen viele, was könne es ihnen ſchaden,
wenn ſie ſich zu ihr hielten, die ja die chriſtli—
chen Hauptlehren noch habe! Ja, weil ſolche
irrgläubigen Gemeinſchaften oft einen großen
Schein beſonderer Liebe, Freundlichkeit, De—
muth, Sanftmuth und Eifers haben, ſo mei⸗
nen manche, ſie hätten in ſolchen Gemeinſchaf—
ten nicht nur keinen Schaden zu befahren, ſon⸗

dern ſelbſt mehrr Segen und Erbau⸗
ung, als unter den rechigläubigen Chriſten,

Er iſt in einem ganz an⸗

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