# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 11 28_S52 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſeiner Kirche, und Cain mußte mit den Seinen binaus. Als ſich ſpäter zu Noah's Zeit die Kinder Gottes mit den Kindern der Menſchen, das iſt,-mit denen, welche Gottes reines Wort verlaſſen hatten, vereinigten, da litt die Kirche ſo große Noth, daß Gott, um die rechtgläubige Kirche Noah's zu erhalten, die ganze übrige Welt verderben mußte. Als ferner die recht⸗ gläubige Kirche Sem's bis auf die Familie Rraham's zuſammengeſchmolzen und überall ſalſcher Gottesdienſt aufgekommen war, da er⸗ hiclt Abraham endlich den ausdrücklichen Be⸗ ſchl, ſich von der falſchen Kirche, zu welcher auch ſin Vater gehörte, zu ſcheiden; Gott ſprach zu ibm: „Gehe aus deinem Vaterlande, und von Deiner Freundſchaft, und aus Deines Vaters Hauſe, in ein Land, das ich Dir zeigen will.“ Und was war nun die ganze Führung des Vol⸗ kes Israel anders, als die ſtete Bemühung Gottes, die rechtgläubige Israelitiſche Kirche von allen falſchen Kirchen in der Welt abzuſon⸗ dern und rein zu erhalten? Was waren alle Predigten der hl. Propheten des Alten Bundes anders, als ſtete Ermahnungen für Isracl, ſich ſreng zu ſcheiden von allen, welche falſchen Got⸗ tesdienſt anrichteten? — Und gehen wir weiter in das Neue Teſtament, iſt nicht auch dieſes wieder voll von göttlichen Befehlen, daß die rechtgläu⸗ bigen Chriſten von den Irrgläubigen ſich ſon⸗ dern ſollen? So ſpricht erſtlich Chriſtus ſelbſt: „Sehet euch vor, vor den falſchen Pro— pheten, die in Schaafskleidern zu euch kommenz inwendig aber ſind ſie reißende Wölfe.“ Kann aber der ſagen, daß er ſich vor den falſchen Pro⸗ pheten vorſehe, wer es ſogar mit den Partheien hält, welche ſie geſtiftet haben? Chriſtus ſpricht ferner: „So alsdann jemand zu euch wird ſa⸗ gen: Siehe, hier iſt Chriſtus, oder da; ſo ſollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falſche Chriſti und falſche Propheten aufſtehen, und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvorgeſagt. Darum, wenn ſie zu euch ſagen werden: Siehe, er iſt in der Wüſte; ſo gehet nicht hinans! Siehe, er iſt in der Kammer; ſo glaubet es nicht!“ Ferner ſchreibt der heilige Apoſtel Paulus Röm. 16: „Ich ermahne aber euch, liebe Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und w' eichet von denſelbigen.“ Und im 6. Cap. des 2. Briefs an die Corinther ſchreibt er, als viele Corinther theils mit heidniſchen Götzendienern, theils mit ketzeriſchen Menſchen zu vertrauten Uigang pflogen: „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Gen ieß mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinſchaft mit der Finſterniß? Wie ſtimmet Chriſtus mit Belial? Oder was für ein Theil hat der Gläubige mit den Ungläubigen? Was hat der Tempel Got⸗ tes für eine Gleiche mit den Götzen? Ihr aber ſeid der Tempel des lebendigen Got⸗ tes; wie denn Gott ſpricht: Ich will in ih⸗ nen wohnen, und in ihnen wandeln, und will ihr Gott ſein, und Sie ſollen mein Volk ſein. Darum gehet aus von ihnen, und ſondert euch ab, ſpricht der HErr, und rühret kein Unreines an: ſo will ich euch annehmen, und euer Vater ſein, und ihr ſollt meine Söhne und Töchter ſein, ſpricht der all⸗ mächtige HErr.“ Endlich ſchreibt derſelbe Apo⸗ ſtel: „So jemand anders lehret, und bleibet nicht bei den heilſamen Worten unſeres HErrn IEſuChriſti, und bei der Lehre von der Gottſe⸗ ligkeit,der iſt verdüſtert. Thue dich von ſolchen. Einen ketzeriſchen Menſchen“ (d. h. einen Men⸗ ſchen, der durch falſche Lehre Spaltung anrich⸗ tet) „meide, wenn er einmal und abermal ermahnet iſt.“ Hieraus ſehet ihr, meine Zuhö— rer, es iſt Gottes klares Verbot, daß die rechtgläubigen Chriſten mit den Irrgläubigen Gemeinſchaft eingehen. Wer es thut, der ſün⸗ digt alſo wider ein ausdrückliches Verbot des HErrn, und wer es mit Wiſſen und Willen thut, der ſündigt damit ſchwerlich, ja, tödtlich. Doch die Gemeinſchaft mt den Irrgläubigen iſt nicht nur darum ſündlich, weil ſie wider ein klares Verbot Gottes läuft und man alſo damit ſelbſt ſich verſündigt, ſondern auch: weil man ſich dadurch auch fremder Sün⸗ den theilhaftig macht. Alle irrgläubigen Gemeinſchaften haben erſt⸗ lich ſchon in der Sünde ihren Urſprung. Wären die Stifter der falſchgläubigen Gemein⸗ den im gemeinen Chriſtenglauben und in der Bruderliebe geblieben, ſo wären in der Chri⸗ ſtenheit auch keine ſo unzähligen Partheien und Sekten entſtanden. Das Abgehen vom allge— meinen Chriſtenglauben und das Zerreißen des brüderlichen Liebesbandes hat allen den anderen Kirchen neben der rechtgläubigen das Daſein gegeben. Darum iſt aber auch das Fortbe⸗ ſtehen der falſchgläubigen Kirchen oder Sek⸗ ten nichts anderes, als eine fortbeſtehende und fortgehende Verſündigung gegen den Glauben und gegen die Liebe. Die falſchgläubigen Kir⸗ chen ſind, als ſolche, Heere, welche falſche Lehrer ſich geſammelt haben, um ihre falſche Lehre zu erhalten und zu verbreiten, die reine Lehre aber nicht aufkonnmen zu laſſen und zu unterdrücken, und gegen die rechtgläubige Kir⸗ che zu kämpfen, ſie zu zerſpalten und, wo mög⸗ lich, gänzlich zu zerſtören. Was thut daher derjenige, welcher zu einer falſchgläubigen Kir⸗ che tritt? Er macht ſich aller Sünden derſelben mit theilhaftig. Er iſt ein von einem falſchen Lehrer angeworbener Soldat, der ſich mit denen in Reihe und Glied geſtellt hat und ſie ſtärkt, die den Glauben verfälſchen und die Liebe bre⸗ chen, die falſche Lehre wie ihre eigene Burg ver⸗ theidigen, und wioer die rechtgläubige Kirche ſtreiten und ihren Untergang ſuchen. Was die Bürger in einer Republik thun, die ſich von ei⸗ nem partheiſüͤchtigen Mann anwerben laſſen, der ſie dazu gebraucht, gegen die Conſtitution eines Freiſtaats zu kämpfen und Empörung u. Partheiungen darin anzurichten: das thut ein Chriſt in der Kirche, der ſich zu einer irrgläu⸗ bigen Gemeinſchaft in der Chriſtenheit ſchlägt. Er darf nicht denken, er ſei ja beſſer geſinnt, als viele Glieder ſeiner Sekte, er werde daher der Sünden ſeiner Sekte ſo wenig theilhaftig, als ein Glied der rechtgläubigen Kirche der Sün⸗ den ihrer Glieder. deren Fall. Wohl wird auch in der rechtgläu— bigen Kirche geirrt und geſündigt, aber da gilt der Irrthum für Irrthum, die Sünde für Sün⸗ de, aber in der falſchen Kirche gilt ihr eigen⸗ thümlicher Irrthum für Wahrheit, ihre Spaltungs-Sünde für Recht. Glaubt da⸗ her ein Chriſt beſſer, als die Sekte, zu der er ſich wiſſentlich hält, deſto ſchlimmer für ihn. Wie demjenigen, welcher ſich mit Wiſſen und Willen zu den Empörern ſchlägt, von der Obrig⸗ keit alle die Räubereien und die Mordthaten mit zugerechnet werden, welche von den Gliedern der aufrühreriſchen Rotte begangen werden, wenn er auch ſelbſt für ſeine Perſon nicht mit geraubt und gemordet hat: ſo werden auch demjenigen, welcher ſich zu einer irrgläubigen Kirche mit Wiſſen und Willen hält, alle die Irrthümer und Sünden der ganzen irrgläubigen Gemeinſchaft zugerechnet von Gott, wenn er ſie auch nicht für ſeine Perſon mit hegt., Daher ſpricht der heilige Johannes, der Jünger der Liebe, in ſei⸗ nem zweiten Briefe in warnendem Ernſte: „So jemand zu euch kommt, und bringet dieſe Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hauſe, und grüßet ihn auch nicht. Deun wer ihn grüßet, der macht ſich theilhaftig ſeiner böſen Werke.“ Wie? muß es alſo nicht heilige Pflicht deſſen ſein, der zur unſichtbaren Kirche der Kinder Gottes gehören will, ſich von denjenigen abzu⸗ ſondern, welche Gottes Wort verfälſchen und in ihren Irrihümern hartnäckig verharren, da er dadurch nicht nur ſelbſt Gottes ausdrückli⸗ chem Verbot zuwiderhandelt, ſondern auch ſo vieler fremden Sünben ſich theil haftig macht? — Wer will das leugnen? — Doch, meine Theuren, abgeſehen davon, daß ein Chriſt dieſe Pflicht hat, weil die Gemein⸗ ſchaft mit den Irrgläubigen ſo ſündlich iſt, ſo hat er dieſe Pflicht auch noch darum: weil ſie auch ſo gefährlich, ſo ſchädlich und ſo verderblich iſt, und zwar ſowohl für ihn ſelbſt, als für Andere. Daß es für einen Chriſten ſeelengefährlich und verderblich iſt, ſich an eine offenbar Gottes Wort verwerfende und alle Geheimniſſe des chriſtlichen Glaubens verleugnende Sekte anzuſchließen, das ſieht freilich jeder ein, der nur den geringſten Anfang in der chriſtlichen Erkenniniß gemacht hat. Sind aber die Irr— thümer einer Sekte nicht ſo grob und offenbar, ſo meinen viele, was könne es ihnen ſchaden, wenn ſie ſich zu ihr hielten, die ja die chriſtli— chen Hauptlehren noch habe! Ja, weil ſolche irrgläubigen Gemeinſchaften oft einen großen Schein beſonderer Liebe, Freundlichkeit, De— muth, Sanftmuth und Eifers haben, ſo mei⸗ nen manche, ſie hätten in ſolchen Gemeinſchaf— ten nicht nur keinen Schaden zu befahren, ſon⸗ dern ſelbſt mehrr Segen und Erbau⸗ ung, als unter den rechigläubigen Chriſten, Er iſt in einem ganz an⸗