Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 6 › Seite 23

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-11-15, Seite 23

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſetz und Evangelium · Kirche · Kirchengemeinſchaften 3 · Rechtfertigung · Rechtfertigung 33

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ihnen weder Glaube, Liebe, Geduld, noch andere gute Früchte. Auch wir haben den Geist, sagen sie, der wirket in uns Glauben, Liebe, Geduld, Verachtung zeitlicher Ehre und Güter, Beständigkeit in allerlei Trübsalen, Noth und Tod. Es sind hoffärtige, vermessne Heuchler, die jedermann urtheilen und richten können, sehen den Splitter in unserm Auge, werden aber des Balkens in ihrem nicht gewahr. Darum laß sie fahren. — Wo diese Heuchler mit ihrem Geist hinwollen, da gedenke ich nicht hin zu kommen. Der barmherzige Gott behüte mich ja für der christlichen Kirche, darinnen eitel Heilige sind. Ich will unter der Kirche und unter dem Häuflein sein und bleiben, darinnen Kleinmüthige, Schwache und Kranke sind, die ihre Sünde, Jammer und Elend erkennen und fühlen, auch ohne Unterlaß zu Gott um Trost und Hülfe herzlich seufzen und schreien, und die Vergebung der Sünden gläuben, und um des Wortes willen (das sie rein und ungefälscht bekennen), Verfolgung leiden. Der Satan ist ein listiger Schalk, er will durch seine Schwärmerei den Einfältigen einbilden, es sei nichts mit der Predigt des Evangelii, wir müßten uns anders angreifen, als: einen heiligen Wandel führen, das Kreuz tragen und viel Verfolgung leiden; und durch solchen Schein der selbsterwählten Heiligkeit (so wider Gottes Wort ist), wird mancher verführt. Aber unsere Heiligkeit und Gerechtigkeit ist Christus, in welchem, und nicht in uns, wir vollkommen sind, Col. 2, 10. Und da tröste und halte ich mich des Worts St. Pauli, da er spricht, 1 Cor. I, 30.: Christus sei uns von Gott gemacht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. — Luther über Joh. 1, 7.

(Eingesandt.)

Falsche Lehre der Methodisten von der Rechtfertigung,
nachgewiesen aus ihrer Kirchenordnung.*)

*) Gegenwärtiger Aufsatz war uns schon vor einigen Monaten eingesandt worden, derselbe konnte aber wegen Mangel an Raum bisher nicht mitgetheilt werden. Der Herausg.

Dem Einsender ist in Folge seines in No. 18 des Lutheraners geführten Beweises, „daß die Methodisten eine Secte sind," nun schon in mehreren Nummern des „Apologeten" der Vorwurf der Verleumdung gemacht worden, so daß es nicht um seiner Ehre willen — denn diese soll ein Christ nicht suchen —, sondern um der Ehre Gottes willen Pflicht wird, darauf gründlich zu antworten. Denn weil die Methodisten auf dem Ruhm bestehen, den so wichtigen Artikel von der Rechtfertigung rein zu haben, der doch offenbar von ihnen verfälscht und verunstaltet wird, so muß die Ehre Gottes und das Heil vieler Sünder nothwendig darunter leiden, wenn sie ihre falsche Münze für die echte, ihren Irrthum für Wahrheit ausgeben.

Sie berufen sich zwar auf das, was sie Seite 13, Art. IX. ihrer Kirchenordnung von der Rechtfertigung sagen, wo es heißt: „Wir werden für gerecht vor Gott angesehen, einzig um des Verdienstes unsers HErrn und Heilandes JEsu Christi willen, durch den Glauben, nicht wegen unsrer Werke oder Verdienste: und, daß wir durch den Glauben allein gerechtfertigt werden, ist eine sehr heilsame und trostvolle Lehre."

Mit diesem Bekenntniß meinen die Methodisten ihre Rechtgläubigkeit in dem fraglichen Puncte hinlänglich dargethan zu haben. Und wir würden ihnen dies gern einräumen, wenn dieses Bekenntniß nicht mit ihrer übrigen Lehre und Praxis in allzugrellem Widerspruch stände. Sie werden sich hoffentlich nicht beschwert finden, wenn wir ihnen diesen Widerspruch aus ihrer eignen Kirchenordnung zeigen, indem dies ja nur zu ihrem eignen Besten geschieht, und die Widerlegung solcher Irrthümer, die öffentlich wider Gottes Wort gelehrt werden, nicht ohne Sünde mit derjenigen Sünde verwechselt werden kann, welche Luc. 6, 37. verboten wird.

Ehe ich indeß diesen Widerspruch nachweise, muß ich mein Befremden darüber ausdrücken, daß in dem ganzen Buche, welches den Titel führt: „Lehre und Kirchenordnung der bischöfl. Methodistenkirche," so wenig auf die Wichtigkeit des Artikels von unserer Rechtfertigung vor Gott hingewiesen wird.*) Es wird nicht ein einziges Mal erwähnt, wie schwer dieser Artikel, daß wir ohne alle Werke allein aus Gnaden durch ein fremdes Verdienst gerecht und selig werden, nicht allein von der Welt, sondern selbst von den rechten Christen gefaßt und geglaubt wird. Es wird nicht ein einziges Mal mit nachdrücklichen Worten hervorgehoben, daß dieser Artikel, nehmlich die Gerechtigkeit, die Gott selbst in uns wirkt ohne unser Zuthun, der einzige Trost ist, zu dem ein erschrockenes Gewissen Zuflucht haben kann. Es wird nichts erwähnt von den Ursachen, die selbst dem redlichen Christen in der Anfechtung diesen Trost verdunkeln und nicht ins Herz hineinlassen wollen. Vom Unterschied des Gesetzes und Evangeliums wird gar nichts, und von dem Unterschied zwischen Glauben und Werken wird keineswegs so gelehrt, daß der herrliche Artikel von der Rechtfertigung dadurch mehr Licht und Klarheit bekäme. Nirgends in dem ganzen Buche blickt eine Bekümmerniß hervor, die Seelen von allem falschen Trost und Vertrauen auf eigne Werke und Frömmigkeit abzulenken, ihnen alles Eigene zu nehmen, dahingegen ihnen auch Alles zu geben, nehmlich den ganzen Christum mit allem Reichthum seiner Gnade frei und umsonst und für Alle, die sich dessen freuen wollen.

*) Das Mißverhältniß der 13 Seiten Lehre zu den 190 Seiten neue Maaß- und andere Regeln, und die daraus hervorleuchtende Geringschätzung der Lehre und Hochstellung der menschlichen Satzungen ist schon mehrmals mit Recht von Andern gerügt worden.

Wenn aber unsre Gegner einwenden: das Buch hat nicht den Zweck, den Grund des Glaubens zu legen, sondern soll nur eine Kirchenordnung sein: so müssen sie doch einräumen, daß der Zweck ihres Büchleins auch zugleich ein erbaulicher ist. Denn es wird bei aller Gelegenheit dazu ermahnt, sein Seelenheil „auszuschaffen"; es ist darauf berechnet, daß ein Mensch, wo möglich, schon durch Lesen dieses Buchs erweckt und bekehrt werde. Daher sollte man ja mit gutem Grunde erwarten, daß besonders der Artikel von der Rechtfertigung in diesem Buche sorgfältig abgehandelt, und als der höchste, dem alle übrigen Satzungen und Vorschriften unterworfen sind, obenan gestellt sei. Allein dies ist nicht geschehen, sondern es wird vielmehr Gesetz über Gesetz, Vorschrift über Vorschrift, Regel über Regel gegeben, und der allertröstlichste und nöthigste Artikel von der Rechtfertigung nur kurz mit ein paar Worten abgemacht, so daß er unter dem Ballast von Satzungen fast unsichtbar wird, und noch viel weniger Jemand auf den Gedanken kommen kann, er sei die köstliche Perle, die man vor allen aufheben und als das theuerste Kleinod bewahren müsse. Darum soll mich Niemand überreden, daß es unsern Gegnern mit der Rechtfertigung aus Gnaden allein durch den Glauben, ohne unsere Werke und Verdienste, ein Ernst sei, und daß sie mit Dr. Luther von Herzen sagen können: „In meinem Herzen herrschet allein, und soll auch herrschen dieser einige Artikel, nehmlich der Glaube an meinen lieben HErrn Christum, welcher aller meiner geistlichen und göttlichen Gedanken, so ich immerdar Tag und Nacht haben mag, der einige Anfang, Mittel und Ende ist."

Gehen wir auf den Widerspruch selbst ein, in welchem die ganze übrige Lehre und Praxis der Methodisten zu dem Artikel von der Rechtfertigung steht, den sie so rein zu haben vorgeben; so ist ihnen leider der allerdings schwere Vorwurf zu machen, daß sie aus Christo einen Moses, d. h. einen neuen Gesetzgeber machen. Seite 58. ihrer Kirchenordnung steht die Frage: „Welches ist der wirksamste Weg Christum zu predigen?" und die Antwort lautet: „ihn in allen seinen Aemtern darzustellen, und sein Gesetz sowohl als sein Evangelium Gläubigen und Ungläubigen zu verkündigen. Lasset uns kräftig und bestimmt auf äußere und innere Heiligung in allen Stücken dringen." Sie reden also von einem Gesetz Christi, als gehöre das Gesetz ebensowohl zu seinem Amte, als das Evangelium. Nach der heiligen Schrift ist Christus nicht gekommen, als ein zweiter Moses, der Welt Gesetze zu geben, sondern alle, die unter dem Fluch des Gesetzes sind, zu erlösen und frei zu machen. Joh. 1, 16-17. „Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mosen gegeben: die Gnade und Wahrheit ist durch Christum geworden."

Hier macht St. Johannes einen bestimmten Gegensatz zwischen Moses und Christus, zwischen Gesetz und Evangelium; darum sind beide weit von einander zu scheiden und keineswegs zu vermengen. Mosis Amt ist nicht Christi Amt und Christi Amt ist nicht Mosis Amt, sonst wäre Moses eben so wohl ein Seligmacher, als Christus. Es ist nicht meine Absicht hier den Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium weitläuftig auseinander zu setzen; auch läugnen wir nicht, daß Christus

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them neither faith, love, patience, nor other good fruits. We too have the Spirit, they say, which works in us faith, love, patience, contempt for temporal honor and goods, steadfastness in all kinds of affliction, distress, and death. They are proud, presumptuous hypocrites, who can judge and condemn everyone; they see the speck in our eye but do not notice the beam in their own. Therefore let them go their way. — Wherever these hypocrites intend to go with their spirit, I do not intend to go there. May the merciful God indeed protect me from the Christian Church in which there are nothing but sheer saints. I want to be, and remain, under the Church and the little flock in which there are fainthearted, weak, and sick people, who recognize and feel their sin, misery, and wretchedness, and who without ceasing sigh and cry to God from the heart for comfort and help, and who believe in the forgiveness of sins, and who suffer persecution for the sake of the Word (which they confess purely and unfalsified). Satan is a cunning rogue; through his fanaticism he wants to make the simple believe that there is nothing to the preaching of the Gospel, that we must go about it differently — namely, by leading a holy life, bearing the cross, and suffering much persecution; and by such an appearance of self-chosen holiness (which is contrary to God's Word), many a one is led astray. But our holiness and righteousness is Christ, in whom — and not in ourselves — we are made perfect, Colossians 2:10. And in this I take comfort and hold fast to the word of St. Paul, where he says, 1 Corinthians 1:30, that Christ was made unto us by God wisdom, righteousness, sanctification, and redemption. — Luther, on 1 John 1:7.

(Submitted.)

The False Doctrine of the Methodists Concerning Justification, Demonstrated from Their Church Order.*

* The present essay was submitted to us already several months ago; it could not, however, be published until now for lack of space. — The Editor.

As a result of the proof he set forth in No. 18 of Der Lutheraner, "that the Methodists are a sect," the writer has now, in several issues of the "Apologete," already been charged with slander, so that it becomes a duty — not for the sake of his own honor, for a Christian ought not to seek that, but for the sake of God's honor — to answer this thoroughly. For since the Methodists insist on the claim that they hold the so important article of justification in purity, though it is plainly falsified and disfigured by them, the honor of God and the salvation of many sinners must necessarily suffer under it, when they pass off their counterfeit coin as genuine, and their error as truth.

They appeal, indeed, to what they say on page 13, Article IX, of their Church Order concerning justification, where it reads: "We are accounted righteous before God only on account of the merit of our Lord and Savior Jesus Christ, through faith, and not because of our works or merits; and that we are justified by faith alone is a most wholesome and comforting doctrine."

With this confession the Methodists believe they have sufficiently demonstrated their orthodoxy on the point in question. And we would gladly grant them this, if this confession did not stand in all-too-glaring contradiction with the rest of their doctrine and practice. We hope they will not feel aggrieved if we show them this contradiction from their own Church Order, since this is done only for their own good, and the refutation of such errors, publicly taught against God's Word, cannot rightly be confused with that sin which is forbidden in Luke 6:37.

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Before, however, I demonstrate this contradiction, I must express my astonishment that in the whole book bearing the title "Doctrine and Church Order of the Episcopal Methodist Church," so little attention is drawn to the importance of the article of our justification before God.* Not a single time is it mentioned how difficult this article is — that we become righteous and blessed without any works at all, by grace alone, through a merit not our own — to grasp and believe, not only for the world, but even for true Christians. Not a single time is it emphasized with forceful words that this article — namely, the righteousness that God himself works in us without our own contribution — is the only comfort to which a terrified conscience can flee for refuge. Nothing is mentioned of the causes which, even for the honest Christian under trial, obscure this comfort and refuse to let it into the heart. Concerning the distinction between Law and Gospel nothing at all is taught, and concerning the distinction between faith and works it is by no means taught in such a way that the glorious article of justification would thereby receive more light and clarity. Nowhere in the whole book does any concern appear for turning souls away from all false comfort and trust in their own works and piety, taking from them everything of their own, while giving them, in turn, everything — namely, the whole Christ with all the riches of his grace, freely and for nothing, and for all who wish to rejoice in it.

* The disproportion between the 13 pages of doctrine and the 190 pages of new measures and other rules, and the low esteem for doctrine and high regard for human ordinances that shines through from this, has already been rightly criticized several times by others.

But if our opponents object that the book's purpose is not to lay the foundation of faith, but is meant to be only a church order, they must nevertheless admit that the purpose of their little book is at the same time also an edifying one. For on every occasion it exhorts one to "work out" one's salvation; it is calculated so that a person, where possible, might already be awakened and converted by reading this very book. One should therefore have good reason to expect that, above all, the article of justification would be carefully treated in this book, and placed at the very top as the highest article, to which all other statutes and precepts are subordinate. But this has not happened; instead, law upon law, precept upon precept, rule upon rule is given, and the most comforting and most necessary article of justification is dispatched briefly in a couple of words, so that it becomes almost invisible under the ballast of statutes, and it becomes far less likely that anyone would ever come to think that it is the precious pearl which must be preserved above all else and guarded as the dearest jewel. Therefore let no one persuade me that our opponents are in earnest about justification by grace alone, through faith, without our works and merits, and that they can say from the heart with Dr. Luther: "In my heart there rules alone, and shall also rule, this one article, namely, faith in my dear Lord Christ, which is the sole beginning, middle, and end of all my spiritual and divine thoughts that I may have continually, day and night."

Let us now turn to the contradiction itself, in which the whole remaining doctrine and practice of the Methodists stands with regard to the article of justification which they claim to hold so purely; and here, unfortunately, the admittedly grave charge must be brought against them, that they make of Christ a Moses, that is, a new lawgiver. On page 58 of their Church Order stands the question: "What is the most effective way to preach Christ?" And the answer reads: "to present him in all his offices, and to proclaim both his Law and his Gospel to believers and unbelievers alike. Let us press forcefully and decidedly for outward and inward sanctification in every respect." They speak, then, of a law of Christ, as though the Law belonged to his office just as much as the Gospel. According to Holy Scripture, Christ did not come as a second Moses, to give laws to the world, but to redeem and set free all who are under the curse of the Law. John 1:16–17. "And of his fullness we have all received, grace upon grace. For the Law was given through Moses; grace and truth came through Christ."

Here St. John makes a definite contrast between Moses and Christ, between Law and Gospel; therefore the two are to be kept far apart from one another and by no means confused. Moses' office is not Christ's office, and Christ's office is not Moses' office; otherwise Moses would be just as much a Savior as Christ. It is not my intention here to set forth at length the distinction between Law and Gospel; nor do we deny that Christ